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Saki-chan

von

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5. Kapitel

 

5. Kapitel

 

Erst dann, wenn man aus irgend einem Grunde nicht mehr dazu fähig ist, wird einem bewusst, wieviel der täglichen Zeit für genau diese eine Sache immer aufgewendet wird.

Und so stellt auch Shredder, knapp achtundvierzig Stunden, nachdem er zu einem Kleinkind schrumpfte, mit wachsendem Unmut fest, dass ihm scheinbar unendlich viel Freizeit zur Verfügung steht, jetzt, wo er nicht mehr sein geliebtes Ninjitsu trainieren kann.

Sein Buch hat er auch schon ausgelesen und alle anderen aus seiner Sammlung kennt er schon. Er könnte ja Bebop und Rocksteady fragen, ob sie ihm eines ihrer Comics leihen, aber diesen Gedanken verscheucht er ganz schnell wieder. Lieber nicht. Die beiden sind auch so schon anhänglich genug. Und das Letzte, was er will, ist, sie in diesem Irrglauben, der da lautet, sie seien eine große, glückliche Familie, zu bestätigen. Je weniger er sie um etwas bittet, desto besser. Es ist schon schlimm genug, dass sie ihn gar nicht mehr aus den Augen lassen. Nicht einmal ins Bad darf er ohne Voranmeldung. Türe verschließen ist schon mal gar nicht.

Es ist demütigend, aber er versucht, es zu erdulden. Trotzdem hat er das Gefühl, bald zu platzen, wenn nicht bald irgend etwas geschieht.

Der Gedanke kommt ihm beim Mittagessen, als er den Kühlschrank sieht. Der spiegelnde Chrom sieht ziemlich leer aus, nicht wahr? Dem sollte er schleunigst abhelfen. Er versucht, nicht zu feixen, je weiter dieser Plan in ihm Gestalt annimmt.

Er erlaubt es sich erst zu grinsen, als Krang sie nach dem Essen sofort wieder zu einem dieser angedrohten und absolut überflüssigen Gruppenfotos zusammentrommelt.

Er versucht, es sich wieder zu verbeißen, als ihn Rocksteady an die Hand nimmt und sie zusammen mit Bebop zurück ins Quartier gehen. Es gelingt ihm, es zu einem harmlosen Lächeln zu verwandeln, als er die beiden mit seinem treuesten Augenaufschlag darum bittet, ihm etwas aus dem Schrank in seinem eigenem Quartier zu holen.

Sie wollen Familie spielen? Er wird ihnen verdammt nochmal zeigen, was er davon hält!

 

 

Immer wieder werfen Bebop und Rocksteady verstohlene und sehr, sehr neugierige Blicke zu ihrem geschrumpften Chefchen hinüber, der angestrengt auf dem Teppich kniet, vor sich ein großes Zeichenbrett. Sie würden zu gerne wissen, was er da malt, aber jedes Mal, wenn einer von ihnen es wagt, ihn danach zu fragen oder gar in seine Richtung zu gehen, fangen sie sich einen so bösen Blick, begleitet von einem noch böseren Zischen ein, dass sie sich schnell wieder zurückziehen. Er ist nichtsdestotrotz ein niedlicher Anblick: sein hochkonzentrierter Gesichtsausdruck und wie seine Zungenspitze manchmal nach Kindermanier zwischen seinen Lippen hervorlugt und sich hin- und herbewegt. Zwei Fotos haben sie schon mit ihrer Sofortbildkamera von ihm geschossen. Heimlich.

Der Pinsel in seinen kleinen Patschehändchen zittert nicht ein einziges Mal, und er bringt die Farben mit einer bewundernswerten Entschlossenheit aufs Papier. Jeder Strich scheint exakt zu sitzen.

Wenn sie nur mal sehen dürften, was er da malt...

Tatsächlich ist Shredder so schnell in seiner eigenen, kleinen Welt versunken, dass er nicht nur Rocksteadys und Bebops Anwesenheit erfolgreich ausblendet, sondern auch seine allgegenwärtigen Zahnschmerzen.

 

 

Bedächtig und mit großer Sorgfalt setzt er den letzten Strich, der in diesem Falle das Kanji seines Namens vollendet. Es mag eitel erscheinen, das Bild zu signieren – wer außer ihm sollte es hier schon gemalt haben? - aber so gehört es sich einfach.

Er stellt den Pinsel zurück ins Wasserglas und lehnt sich etwas zurück, die Augen kritisch zusammen gekniffen. Obwohl er schon seit Jahren nicht mehr mit Pinsel und Farben hantiert hat – jetzt mal abgesehen von den üblichen Renovierungen – hat er hier doch etwas ganz Passables zustande gebracht.

„Du bist fertig? Können wir es sehen?“

Erschrocken zuckt Shredder zusammen. Er hat ganz vergessen, dass die ja auch noch da sind.

„Nein“, erwidert er schroff. „Noch nicht!“

Bebop und Rocksteady hatten sich schon erwartungsfroh erhoben, sinken jetzt aber enttäuscht wieder zurück auf ihre Couch. Auf dem kleinen Tisch davor liegen Spielkarten, Mikadostäbchen und Comics wild durcheinander. Shredder runzelt kurz die Brauen, als er das Tohuwabohu sieht. Wie lange hat er eigentlich gemalt? Dem Chaos dort zu urteilen müssen das mehrere Stunden gewesen sein. Haben diese beiden Idioten wirklich nichts besseres zu tun, als ihn die ganze Zeit zu beobachten?

Warum tun sie sich so etwas an? Das muss doch total langweilig sein.

Hängen sie wirklich so sehr diesem lächerlichen Irrglauben an, sie wären eine Familie und müssten auf ihn aufpassen?

Nach einer letzten, kritischen Überprüfung, ob die Farbe inzwischen getrocknet ist, nimmt er sein Bild und steht auf.

Als er zur Tür hinübergeht, springen seine beiden Mutanten natürlich sofort auf und ihm hinterher.

„Wo gehst du hin?“

„Seht ihr schon“, erklärt ihr geschrumpftes Chefchen nur lapidar und drückt den Türöffner, ohne zu bemerken, dass er sich dafür jetzt nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen muss. Energisch und flott eilt er den spärlich beleuchteten Gang hinunter, um die Biegung und dann noch dreißig Meter weiter und erreicht schließlich die Küche. Vor dem Kühlschrank bleibt er stehen.

„Scheiße!“ schreit er plötzlich frustriert auf.

Die beiden Mutanten wechseln einen besorgten Blick.

„Was ist denn?“ erkundigt sich Bebop in besänftigenden Tonfall.

„Ich will das hier da anhängen“, vielsagend deutet Shredder erst auf sein Bild und dann auf den Kühlschrank, während Frust und Ärger ihm schon die ersten Tränen in die Augen treiben. „Aber ich hab nichts dabei!“

„Immer mit der Ruhe“, grinsend tritt Rocksteady vor und öffnet jenen kleinen Hängeschrank, der in den letzten Jahren zu seinem und Bebops ganz persönlichem Kramladen mutiert ist und den Shredder, seit ihm der Inhalt einmal regelrecht entgegenfiel, nie wieder angefasst hat. Mit einer geradezu schlafwandlerischen Sicherheit zieht das Rhino daraus eine Klebebandrolle hervor und hält sie Shredder triumphierend entgegen, dessen Miene sich sofort aufhellt.

Gemeinsam kleben sie alle drei gemeinsam das Bild an die Tür des Kühlschranks, dann treten sie einen Schritt zurück und betrachten das Kunstwerk.

Ohne dass er es dabei wirklich bemerkt, landet Rocksteadys rechte Hand auf Shredders Haupt und beginnt, ihm durchs dunkle Haar zu kraulen. Für einen kurzen, schwachen Moment lehnt sich dieser in diese Berührung hinein, doch dann reißt er sich wieder zusammen und tritt einen Schritt zurück, aus Rocksteadys Reichweite. Hinein in Bebops, der ihn sofort hoch auf seinen Arm nimmt.

„Das ist so toll!“ lobt er ihn dabei überschwänglich und drückt ihn an sich. Und nur, weil er rechtzeitig den Kopf beiseite dreht, entkommt Shredder dem dicken Schmatzer, der auf seine Wange zielte.

Doch das mindert Bebops Begeisterung nicht im Geringsten. Strahlend bis über beide Ohren betrachtet der Warzenschweinmutant das Kunstwerk, das eindeutig ihn, Rocksteady und Krang und im Hintergrund das Technodrome zeigt. Sie sind in einer Stilrichtung gemalt, die er kennt, an deren Namen er sich aber nicht erinnern kann. Er hat allerdings noch nie so gut ausgesehen.

Mit seiner Meinung ist er eindeutig nicht allein, wie Rocksteadys Worte beweisen, nur scheint sein Kumpel etwas mehr von dieser Art von Kunst zu verstehen.

„Wir sind Chibis!“ freut sich Rocksteady. „Wie süß! Das ist superaffenobergeil! Malst du uns noch mehr solcher Bilder, Saki-chan? Bitte!“

Diese ganze Lobhudelei macht Shredder ganz verlegen. Außerdem war das so nicht gedacht! Er wollte ihnen doch nur unter die Nase reiben, wie albern sie sich benehmen.

Er hätte sich doch wohl mit Strichmännchen begnügen sollen. Warum nur musste er sich so von seinem Ehrgeiz leiten lassen?

Und genau das bereut er dann nochmal doppelt so sehr, denn, angelockt von dem Lärm, steht auf einmal niemand geringerer als Krang hinter ihnen.

„Was ist denn hier los?“ schnarrt er, nur um, sobald sein Blick auf das Bild gefallen ist, beinahe wie ein Fangirl loszukreischen.

„Oh, Saki-Mäuschen, hast du das gemalt? Das ist ja einfach nur wunderbar! Ich wusste gar nicht, dass du so ein Künstler bist! Wieso hast du dieses Talent nur vor mir versteckt?“

Genau deswegen, will Shredder antworten, kommt jedoch nicht dazu, denn Krang redet schon weiter und wird mit jedem Wort nur noch enthusiastischer.

„Diese Farben! Diese Details! Du hast sogar meine Augenfarbe ganz genau getroffen. Und die Anzahl meiner Tentakel. Aber trotzdem -“, er wird plötzlich leiser, nachdenklicher, „da fehlt doch jemand. Warum bist du nicht auf dem Bild, Saki-chan?“

„Ich kann mich doch nicht selbst malen“, abwehrend schüttelt Shredder den Kopf. „Wie eitel wär das denn?“

Ehrlich gesagt, hat er nicht eine Sekunde daran gedacht, sich auch auf dieses Bild zu bannen. Auch wenn das wohl ein Fehler war, denn in einem hat Krang recht: auf das Familienbild, gemalt von einem Kind, gehört auch das Kind selbst. Kein Wunder, dass diese Idioten die unterschwellige Verarsche nicht verstehen.

„Nun“, großmütig tätschelt ihm Krang mit dem Tentakel am Knie, „dann denk beim nächsten Bild daran.“

Shredder schnaubt nur und funkelt ihn von seiner erhobenen Position aus ungnädig an. Er hat gar keine Lust, noch ein Bild zu malen.

Für die nächsten Minuten scharen sich Bebop, Rocksteady und Krang weiter um dieses Bild, fachsimpeln und machen sich gegenseitig auf kleine Details aufmerksam. Shredder, immer noch auf Bebops Arm, verdreht nur die Augen, kann sich jedoch nicht des aufkeimenden Gefühls des Stolzes erwehren, das mit jedem weiteren lobenden Wort in seiner kleinen Brust erwacht.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb er sich nicht aus Bebops Armen windet und ihm stattdessen nur seine Ärmchen um den breiten Nacken schlingt.

 

 

Krang weiß eine gute Gelegenheit am Schopf zu packen, und so befiehlt er ihnen, wo Bebop den kleinen Shredder schon mal auf dem Arm trägt, ihm auf die Krankenstation zu folgen.

Das mit den täglichen Check-ups war schließlich keine leere Drohung.

Shredder protestiert nicht, auch nicht darüber, dass Bebop ihn immer noch trägt. Das macht Krang stutzig, jedoch nur, bis Shredder ein Gähnen unterdrückt.

Krang kann sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Aha, der kleine Mann ist also müde. Auch wenn es erst sechs Uhr am Abend ist.

„Müde? Hast du keinen Mittagsschlaf gehalten?“ fragt er ihn und überwacht streng, wie Bebop den kleinen Fratz auf der Untersuchungsliege absetzt.

„Nein“, erwidert Shredder und zischt dann, auf Krangs Stirnrunzeln hin, ungnädig: „Was? Ich war beschäftigt, okay? Außerdem steh ich nicht auf Mittagsschläfchen. Stand ich noch nie.“ Er hält kurz inne und fährt dann nachdenklich fort: „Auch nicht in meiner ersten Kindheit. Laut meiner Mutter hab ich meinen Kindergärtnerinnen damit keinen Gefallen getan.“

„Hm“, macht Krang nur, während er ihn mit seinem handlichen Scanner untersucht. Doch sein Statement ist eindeutig nicht auf das gemünzt, was ihm das kleine Display erzählt.

„Was?“

„Was weißt du noch über deine Kindheit?“ hakt Krang nach, während er ihm in beide Ohren leuchtet.

„Wieso?“ will Shredder misstrauisch wissen. Er bereut es schon jetzt, ihm auch nur irgend etwas erzählt zu haben. Er muss wohl doch schon sehr müde sein, wenn ihm die Zunge so locker sitzt.

„Reine Neugierde. Also?“

Aber Shredder kann nicht antworten, da Krang jetzt seinen Mund untersucht. Und außerdem scheint es auch, als würde das Gehirn gar nicht wirklich auf eine Antwort warten, ist er doch erstmal begeistert dabei, Shredders Zähne zu zählen.

„Es fehlen nur noch vier Backenzähne. Hast du noch Kieferschmerzen?“

„Allerdings“, gibt dieser zu, erleichtert, dass dieses unangenehme Frage- und Antwortspiel erst einmal abgewendet zu sein scheint.

Krang bewegt seinen wuchtigen Androidenkörper auf die Waage und eine Messlatte zu und bedeutet ihm, ihm zu folgen. Seufzend – und mit Bebops tatkräftiger Unterstützung – rutscht Shredder von der Liege und begibt sich als erstes zur Waage.

„Du bist fünf Zentimeter gewachsen“, verkündet Krang eine Minute später, nachdem Shredder ausgiebig gemessen und gewogen wurde, so stolz, als wären diese fünf Zentimeter sein Verdienst. „Aber“, fügt er dann besorgt hinzu, „du hast kein Gramm zugenommen.“

„Gut“, brummt Shredder nur. „Ich hasse diesen Babyspeck.“

Krang mustert ihn mit einem seltsam intensiven Blick, nickt dann aber langsam. Ihm erscheint es nur logisch, dass Shredder wegen seiner Kieferschmerzen nicht viel isst, außerdem hat er erst eine doch relativ schwere Krankheit hinter sich. Er beschließt trotzdem, das gut im Auge zu behalten.

„Kinder gehen immer erst in die Breite und schießen dann in die Höhe“, erklärt Bebop mit einem wissenden Grinsen. „Einige Kinder mehr als andere. Du hättest mal meine Kusinen sehen sollen. Richtige kleine Wonneproppen.“

Wonneproppen. Shredder versucht, dieses Wort nicht an sich herankommen zu lassen, auch wenn es nicht auf ihn selbst bezogen ist. Trotzdem ... wie gesagt, er hasst seinen Babyspeck und schlägt drei Kreuze (als Atheist!), wenn das vorbei ist und jede Erinnerung an sein Gewicht ist für ihn ein Tritt gegen das ohnehin sehr ramponierte Ego..

„Alles in Ordnung mit ihm?“ will Rocksteady von Krang wissen.

Dieser nickt, grinst dann auf einmal und zaubert aus einem Seitenfach seines Androiden ein Glas, gefüllt mit Gummibärchen hervor. Er öffnet es und streckt es vielsagend dem geschrumpften Shredder entgegen.

„Hast du gut gemacht, kleiner Fratz. Hier hast du eine Belohnung. Bärenfleisch?“

Bärenfleisch? Shredder hebt kurz die Augenbrauen, streckt dann aber doch eine Hand aus. Und zögert. Er denkt an seine Zähne und wirft einen unsicheren Blick zu Bebop und Rocksteady hinüber.

„Nimm ruhig“, lächelt Rocksteady. „Ich verspreche dir, ich putze dir auch besonders gründlich die Zähne.“

Shredder verzieht kurz das Gesicht. Er kann sich schließlich selber die Zähne putzen. Doch er behält seinen Kommentar bei sich und fischt sich ein rotes Gummibärchen aus dem Glas.

„Danke“, sagt er rein automatisch und dafür streichelt ihm Krang mit dem Tentakel über den Kopf.

Für einen kurzen Augenblick denkt Shredder daran, diesen Tentakel einfach zu packen und ganz fest hineinzubeißen, doch er unterdrückt diesen Impuls schnell wieder und zwingt sich stattdessen nur zu einem müden Lächeln.

 

 

Shredder gähnt einmal herzhaft und kuschelt sich zufrieden in die weiche Bettdecke. Wie alles hier riecht sie nach Bebop und Rocksteady, und er kann sich nicht helfen, aber dieser Geruch lässt ihn sich entspannen. Er bedeutet Sicherheit und Wärme, und das ist genau das, was er in seinem zunehmend müder werdenden Zustand benötigt.

Eigentlich wollte er ja heute in seinem eigenen Quartier schlafen, aber dazu kann er sich wirklich nicht mehr aufraffen. Und wieso sollte er es nicht genießen? Er kann sich nicht erinnern, jemals so verwöhnt geworden zu sein wie von seinen Mutanten in den letzten Tagen.

Wer wird denn dann einen Aufstand machen und die gute Stimmung verderben?

Bei zwei zufriedenen Mutanten gilt schließlich genau dasselbe wie bei einem zufriedenen Krang: es wird ihnen schwerer fallen, ihn rauszuwerfen. Oder, in Bebops und Rocksteadys Fall: sie werden weiter loyal zu ihm stehen, auch, wenn er ihnen so eindeutig unterlegen ist wie jetzt.

„Schlaf gut.“ Lächelnd beugt sich Bebop zu ihm herab und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn.

Die ungewohnte Berührung schreckt Shredder noch einmal aus seinem angenehmen Dämmerzustand. Verdutzt blinzelt er zu dem Mutanten hinauf.

„Ja...“ murmelt er schließlich und setzt dann zögernd hinzu: „Danke.“

Bebop lächelt nur und macht Platz für Rocksteady, der sich nun auch hinunterbeugt, um Shredder einen Kuss aufzuhauchen – diesmal jedoch auf die Nasenspitze.

„Träum was Schönes“, wünscht er und deutet dann hinüber zur alten Couch. „Wir sind gleich hier. Immer in deiner Nähe.“

Ja. Shredder verkneift sich ein mattes Lächeln. Wie könnte es auch anders sein?

Fast will er sie bitten, sich neben ihn zu legen, doch er beißt sich gerade noch rechtzeitig auf die Zunge. Schließlich ist es wirklich noch sehr früh am Abend, und wie er die beiden kennt, werden sie den Rest des Tages bei einem guten Bier und einem Film ausklingen lassen. Vorausgesetzt, Krang gönnt ihnen den dafür notwendigen Strom.

Und falls dem nicht so sein sollte, ist er sich sicher, dass sich die beiden auch andere Dinge einfallen lassen, um die Zeit totzuschlagen. Dinge, für die er sich nicht interessiert und von denen er auch gar nichts wissen will. Hauptsache, sie stören ihn nicht.

„Gute Nacht“, murmelt er leise, drückt seinen Kuscheltier-Pumbaa fest an sich, schließt die Augen und ist auch schon eine Sekunde später eingeschlafen.

 

 

Den Blick starr auf die Daten gerichtet, die ihm sein handlicher, tragbarer Computer meldet, fährt sich Krang wiederholt mit dem rechten Tentakel über ein und dieselbe Gehirnfurche ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Er sitzt inzwischen wieder in der Kommandozentrale und in fünf Minuten beginnt seine zweitliebste Telenovela, aber es fällt ihm schwer, sich darauf unbelastet zu freuen.

Seine Gedanken kreisen immer wieder um diesen Dreikäsehoch ein paar Räume weiter. Er weiß, dass das nur an der mangelhaften Datenlage liegt, und ganz bestimmt nicht daran, dass er sich Sorgen macht – schließlich ist Saki-chan hier so sicher wie in Abrahams Schoß. Nochmal wird er weder verloren gehen noch eine Krankheit bekommen, die er nicht rechtzeitig stoppen kann.

Und trotzdem … trotzdem bleiben zu viele Unbekannte in dieser Gleichung übrig. Und wenn Krang als Wissenschaftler etwas hasst, dann solche unabwägbaren, unbekannten Größen. Und das bedeutet: er muss, will er sich je wieder auf etwas anderes konzentrieren können, mehr über Shredders Kindheit erfahren. Wie war er so? War er eher ein kränkelndes Kind oder ein kerngesundes? Lebte er gerne riskant oder war er ein eher ruhiger Junge? Was hat ihn beeinflusst? War er schon als Kind so ein Choleriker? Immerhin kommt er bestimmt auch noch in die Pubertät – und Krangs bisherigen Berechnungen nach spätestens in zwei Wochen. Also: Mit welchen Katastrophen müssen sie noch rechnen?

Es dauert eine Weile – aber jedenfalls fällt es ihm noch ein, bevor die Erkennungsmelodie seiner heißgeliebten Seifenoper aus den Lautsprechern dringt – bis er weiß, wer ihm die Antworten auf all diese und andere Fragen geben kann. Antworten, die garantiert von bestechender Ehrlichkeit sind.

Shredder wird das zwar nicht gefallen, aber seit wann hat der hier was zu melden?

Zufrieden reibt Krang seine Tentakel gegeneinander und lehnt sich dann zurück, um jetzt endlich seine Telenovela zu genießen.

 

 



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