Guilty von WeißeWölfinLarka (Schuldig - Kann ich es je wieder gut machen?) ================================================================================ Kapitel 30: Überraschung! ------------------------- Das gelbe Taxi hielt vor dem unscheinbaren Haus in einer ruhigen Wohnsiedlung. Der Fahrer stieg aus und half einer alten Dame aus dem Wagen. Außerdem trug er ihr den schweren Koffer bis vor die Tür. Sie gab ihm dafür ein üppiges Trinkgeld, obwohl sie ihren dunkelblauen Trolli selbst hinter sich her zog. Noch einmal sah sie auf den kleinen Zettel in ihrer Hand. Ja, hier war sie richtig. Sie nickte sich selbst zu. Dann drückte sie lange und energisch den Klingelknopf. Keine Minute später stand sie einem sehr quirlig wirkenden, blauhaarigen Japaner gegenüber. „Ja bitte?“, fragte Tyson und musterte die ihm unbekannte Frau. Sein Blick fiel auf ihr Gepäck und ihm stand ein deutliches Fragezeichen im Gesicht. Die Besucherin schmunzelte. „Guten Abend. Wohnt hier ein gewisser Kai Hiwatari?“ Natürlich konnte sie japanisch. Wenn auch nicht ohne Akzent, aber sie war zu verstehen. „Tyson? Wer ist da?“, hörte sie von weitem eine weitere Jungenstimme rufen. Kurz darauf steckte ein Blondschopf die Nase zur Tür heraus. „Ähm… Sie fragt nach Kai.“ „Oh, äh… Warum hast du sie noch nicht reingebeten?!“, tadelte Max seinen besten Freund und trat beiseite. „Kommen Sie herein. Ich such mal nach Kai!“, bot der Amerikaner sich an und bedeutete Tyson, die Koffer in den Flur zu tragen. „Kai ist in seinem Zimmer und schläft.“ Max zuckte zusammen, als Ray unvermittelt auftauchte. Niemand hatte ihn kommen hören. ~Wirklich, ein sonderbarer Haufen~, dachte Anna Ivanow und schmunzelte weiterhin, als sie der Einladung nachkam und Tyson die Tür hinter ihr schloss. „Wie, er schläft? Es ist doch erst acht!“ „Da müsst ihr ihn schon selber fragen, warum er im Bett liegt. Aber ich mache das nicht“, meinte der Schwarzhaarige, denn er fand, dass Kai müde und seltsam zerzaust ausgesehen hatte. Wer wusste schon, wo er sich wieder herumgetrieben hatte. Anna räusperte sich. „Entschuldigt die späte Störung. Wenn ihr erlaubt… möchte ich gerne nach ihm sehen.“ „Klingt es zu forsch, wenn ich frage, wer Sie sind?“, fragte Ray. „Nein, keineswegs. Mein Name ist Anna Ivanow.“ Im Nu waren alle drei Augenpaare auf sie gerichtet. „Ivanow… Wie Tala Ivanow?“, fragte Tyson sicherheitshalber nach. „Tala…?“ Irritiert sah sie Tyson an. Sie kannte keinen Jungen mit einem solchen Namen. Ray kam der verwirrten Situation zur Hilfe. „Ray, Max, Tyson“, stellte er sich und die anderen beiden nach der Reihe vor, in dem er mit dem Finger auf sie deutete, „ich bringe Sie nach oben. Folgen Sie mir.“ Als die beiden vor der Zimmertür standen, klopfte Anna und trat ohne zu zögern ein. Aber Kai lag nicht, wie von Ray angenommen, im Bett, sondern saß an seinem Schreibtisch. Langsam drehte er sich auf seinem Stuhl zu den beiden um. Gerade wollte er sich über die Störung beschweren, als er sie erkannte. „Dobrij wjetscher!“ „Babuschka!“ Sofort war er aufgesprungen, um Anna die Hand zu schütteln. Aber Talas Großmutter zog ihn in eine feste Umarmung und drückte ihn an ihr Herz. „Warum denn so förmlich, Solnyschka?“ Kai errötete leicht. Es war ihm unangenehm, vor Ray von ihr so genannt zu werden. Dennoch lächelte er zufrieden. „Kak dela? Hattest du eine gute Reise?“ „Wenn man die harten Sitze im Zug ignoriert… Weiß Yura wirklich nichts davon, dass ich da bin?“ „Net. On daschje prawilna wolntschtsja. No eta dolschna wyt neoschidannostju. I, paschaljusta, ne pygasja, esli ti widisch ego.Wtschera i nas wyla diskyssija. Aber du kennst uns ja.“ „Kai… Ihr sollt doch vorsichtig sein…“ Hinter ihnen räusperte sich Ray. Den hatten sie ganz vergessen! „Komm, Babuschka, ich stelle dir mein Team vor, so wie sich das gehört.“ „Also sind Sie doch mit Tala verwandt!“, stellte Tyson schließlich fest. Sie hatten sich um den Wohnzimmertisch geschart, jeder mit einer dampfenden Tasse Tee vor sich. Für die Bladebreakers wurde es immer turbulenter: Erst nahm Kai dieses Mädchen auf, dann kam Talas Oma… Für Ray waren das alles Anzeichen dafür, dass keiner von ihnen Kai wirklich kannte. Das stimmte ihn traurig, als es ihm klar wurde, denn er fand es schade. Auf der anderen Seite war er aber auch froh, dass sich das langsam zu ändern schien. „Mh, Kai? Кто этот Tala?“, fragte Anna ihren von ihr so angesehenen Enkel. „Ach, damit ist Yura gemeint.“ „Sto? Patschemu?“ „Mhm, ich weiß nicht mehr genau. Ausgegangen ist alles von einem Streich Yura gegenüber. Wir haben ihn mit einem frechen Spitznamen geneckt. Und irgendwie ist daraus dann Tala entstanden. Seitdem stellt er sich selbst als Tala vor und alle kennen ihn darum auch nur unter diesem Namen.“ Langsam verwirrte ihn diese Namensgeschichte schon selbst. Sein Team hatte bei ihrer kleinen Unterhaltung schon den Faden verloren, allein durch die Tatsache, dass Kai sowie seine Oma japanisch und Russisch gleichsam mischten, und das sogar in einem Satz. Es hörte sich zwar lustig an, aber sie als Außenstehende verstanden den Zusammenhang nicht. „Und Sie machen jetzt Urlaub oder wollen Tala einfach nur so besuchen?“, fragte Ray, der seine Neugier über ihren Besuch nun nicht länger verbergen konnte. „Oh…“, lächelte Anna mit so einer Wärme in ihren Augen, die die Jungen tief berührte, „hat Kai euch das gar nicht erzählt?“ „Nein, was erzählt?“, platzte Tyson heraus und sah Kai beinahe strafend an. „Tut mir leid, es ist doch wohl etwas stressiger geworden als geplant. Babuschka, ich hatte noch keine Gelegenheit, es ihnen zu berichten“, entschuldigte sich Kai bei ihr und seinem Team. „Stressig ist noch untertrieben, werter Herr Hiwatari. Total chaotisch trifft es wohl eher!“, erklang die bechernde Digitalstimme aus Kennys Laptop und alle bis auf Kai lachten, denn der verzog das Gesicht. „Okay, okay! Also als erstes: Ich habe Babuschka eingeladen, zu kommen. Denn Yura – nein, Tala – Yura… Ach, jetzt bin ich schon ganz durcheinander!“, ärgerte sich Kai. „Mein Enkel hat morgen Geburtstag. Und laut Kai soll ich sein Geschenk sein.“ Die Bladebreakers gaben überraschte Töne von sich. „Tala hat morgen Geburtstag?!“ „Wie alt wird er denn?“ „Er ist acht Monate älter als ich, also wird er 17“, meinte Kai. „Und er rechnet sicher nicht damit, seine Großmutter zu sehen. Darum dürft ihr ihm gegenüber nichts verraten! Und nichts andeuten!“ „Dann gibt’s doch sicher eine Überraschungsparty, oder? Sind wir eingeladen?“, fragte Tyson frei heraus und grinste. Anna klatschte in die Hände. „Natürlich!“, verkündete sie frohgemut. „Wird sich ja wohl nicht vermeiden lassen, wenn wir hier feiern…“, murmelte Kai, ohne dass ihn jemand verstand. „Wir sollten dann aber auch ein Geschenk besorgen, Tyson“, erinnerte Ray ihn und strafte ihn mit einem tadelnden Blick, dass er sie selbst eingeladen hatte. So etwas machte man doch nicht! „Oh, dazu solltet ihr morgen noch genügend Zeit haben, oder Kai? Da fällt mir ein: Ich würde mir gerne eure Küche ausleihen, um einen Kuchen zu backen.“ Anna lachte, als sie die überraschten Gesichter sah. Noch nie hatte jemand versucht, den Ofen zu was anderem zu gebrauchen, als Tiefkühl-Pizza aufzutauen. In dem ganzen Trubel, der Kai schon fast Kopfschmerzen bereitete, weil er so weit gar nicht gedacht hatte, fiel niemandem von ihnen auf, wie sich kleine Füße ihren Weg bahnten. Erst als warme Hände nach Kais Schultern grapschten, bemerkte Kai, dass Lin ohne Scheu auf seinen Schoß kletterte. „Na, Kleine, du sollst doch schlafen. Haben wir dich geweckt?“, fragte er sie leise. Doch Lin schüttelte den Kopf. „Ich kann noch nicht schlafen.“ Die Kinderstimme weckte Annas Interesse. „Sieh mal einer an. Wer ist denn dieses hübsche Mädchen?“ Die alte Frau beugte sich zu ihr hinunter und streichelte ihr mit mütterlicher Zärtlichkeit über die Wange. „Kai hat sie adoptiert.“ „Falsch, er hat sie als seine Schwester eintragen lassen!“ wieder entfachte sich wie von selbst eine hitzige Diskussion zwischen Tyson und Max. Kai fasste sich an den Kopf. „Das ist Lin. Ich erzähls dir später, Babuschka.“ Anna nickte und sah zu den wild diskutierenden Jungen. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Mädchen. „Du kannst nicht schlafen, hm? Komm mit, ich mach dir eine heiße Milch und dann erzähle ich dir eine Geschichte, ja?“ „Mh, das ist sehr nett von Ihnen…“ „Du kannst mich ruhig Oma Anna nennen!“, lachte die alte Frau und hielt ihr die Hand hin. Fragend sah Lin zu Kai. Doch als dieser ihr zunickte, ergriff sie sie, zwar zögerlicher als sie zuvor zu Kai gekrochen war, ließ sich aber dennoch in die Küche mitnehmen. Kai seufzte. Perfekte Planungen würde es in seinem Leben wohl doch nie geben. Obwohl er immer nach Perfektion strebte. Seine Fingerspitzen durchzuckte es plötzlich. Er verspürte großen Drang, die Balance zwischen seinem Blade und seiner Technik noch weiter auszubauen. Also verließ er seine Truppe, um noch ein wenig im Garten zu trainieren. Ray folgte ihm. „Ray.“ „Kai.“ Der Silberhaarige grinste angriffslustig. Ray erwiderte es nicht minder frech. „Lass sehen, was du drauf hast.“ „Richte dich schon mal auf eine von Kennys berühmten Predigten ein. Wenn ich mit dir fertig bin, wird er dein Blade flicken müssen!“ ~**~~**~ Vokabeln: Dobrij wjetscher! – Guten Abend! Solnyschka – Kosename, ähnlich dem deutschen „Sonnenschein“ Kak dela? – wie geht es dir (ugs.) On daschje prawilna wolntschtsja. No eta dolschna wyt neoschidannostju. I, paschaljusta, ne pygasja, esli ti widisch ego.Wtschera i nas wyla diskyssija. (Он даже правильно волнуется. Но это должно быть неожиданностью. И, пожалуйста, не пугайся, если ты видишь его. Вчера у нас была дискуссия.) – Er macht sich sogar richtig Sorgen. Aber es soll ja eine Überraschung sein. Und bitte erschrick nicht, wenn du ihn siehst. Wir hatten gestern eine Auseinandersetzung. Кто этот Tala? – Wer ist dieser Tala? Sto? Patschemu? – was? Warum? Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)