Zum Inhalt der Seite
[English version English version]

Diamonds are a Girl's best friend

[Nami & Reiju]
von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

[3]

Wie immer, wenn sie einen erfolgreichen Beutezug hinter sich hatte, genehmigte sich Nami im Anschluss daran eine Menge Drinks. Hochpreisig und süß, so mochte sie ihren Alkohol am Liebsten. Jetzt, nachdem ihre Lieblingsbar wie immer gegen ein Uhr nachts schloss, machte sie sich mit gemächlichen Schritten auf den Heimweg.

Jene, die sie nicht kannten, mochten nun vermuten, dass sie wohl schon ziemlich angetrunken war, hinsichtlich ihrer nicht allzu sicher aussehenden Schritte, aber der erste Eindruck konnte trügerisch sein. Männer, die nach einer schnellen Nummer für eine Nacht Ausschau hielten, würden sie als leichtes Opfer sehen, doch Nami hatte so gar nichts über für die Opferrolle, deshalb mochte sie es gerne, wenn man sie unterschätzte. Und sollte ihr wider Erwarten eine schöne Lady begegnen, dürfte die gerne ihr Glück versuchen.

Mittlerweile war an den meisten Plätzen Yokohamas Ruhe eingekehrt, doch hier direkt am Hafen, war wohl immer etwas los. So zog eben eine ganze Gruppe junger Studenten, Nami vermutete zumindest, dass sie das waren, laut lachend und grölend an ihr vorbei, auf der Suche nach noch mehr Alkohol, wenn man sich die teils schon leeren Flaschen in ihren Händen ansah. Sie hätte ihnen auf Anhieb drei Bars nennen können, wo sie jede Menge Hochprozentiges bekommen würden und man die Altersgrenze nicht ganz so ernst nahm, aber sie sollten sich ruhig selbst ein bisschen abmühen, wenn sie unbedingt noch mehr Alkohol in sich hinein schütten wollten.

Nami wandte ihren Blick wieder vorwärts, nachdem sie das immer wieder beeindruckend wirkende, bunt beleuchtete Riesenrad hinter sich betrachtet hatte. Sie mochte das Minato Mirai Viertel. Die alten Docks und Hafenanlagen, die einst hier standen, waren ein hässlicher Anblick gewesen, wie Nami nur zu gut wusste, von alten Bildern her. Jetzt gab es wieder Leben rings um sie herum. Bars, die Cosmo World, riesige Wolkenkratzer, Wohnungen und Läden, in denen alles zu bekommen war, was das Herz begehrte.

Aber trotz allem bot das Gebiet noch eine gewisse Abgeschiedenheit vom sonstigen Zentrum der Stadt, wo es im Grunde niemanden interessierte, was wer so machte. Also genau der perfekte Ort für sie und mit einem Schiff könnte sie Japan wenn nötig ganz schnell entfliehen.

Nur noch zwei Blocks weiter und sie wäre wieder zu Hause in ihrem Loft, wo sie sich zu aller erst einmal aus diesem hautengen Top und der Jeans schälen würde, bevor sie sich eine lange heiße Dusche gönnen würde. Trotz der spätsommerlichen Wärme, die tagsüber geherrscht hatte, war es mittlerweile recht kühl geworden und sie war froh, in letzter Minute doch noch eine Jacke übergezogen zu haben und nun wartete ihr Zuhause auf sie. Schließlich hatte sie an diesem kaum erst angebrochenen neuen Tag noch einige wichtige Dinge zu erledigen.

Etwas abseits ihres Weges streifte ihr Blick kurz über eine junge Frau, die ziemlich heruntergekommen aussah. Wirres Haar, zerrissene, schmutzige Kleidung, vermutlich eine jener Frauen, deren Leben durch Drogen und Prostitution gezeichnet war.

Nami wollte schon weitergehen, als die Fremde den Kopf hob und ihr Blick sich mit Namis kreuzte. Augenblicklich hielte sie inne. Das konnte unmöglich wahr sein. Sofort huschten Namis geschulte Augen suchend umher. War das hier etwa eine Falle, war sie aufgeflogen? Doch nichts außer einer streunenden Katze, die eben hinter einer Mülltonne verschwand und dem nervigen Flackern einer kaputten Straßenlaterne war zu sehen.

Konnte es tatsächlich wahr sein, dass keine zehn Meter von ihr entfernt wahrhaftig Reiju Vinsmoke vor ihr stand? Für einen Sekundenbruchteil begann Nami ernsthaft an ihrem Verstand zu zweifeln. Hatte sie womöglich doch ein paar Drinks zu viel gehabt heute Nacht?
 

Reiju schloss für einen Moment die Augen, um so den aufkommenden Schwindel zu vertreiben und ließ dann ihren Blick langsam über ihre Umgebung schweifen. Sie hatte das Gefühl, dass ihr Körper und Geist, die nun wahrlich am Ende zu sein schienen, ihr einen bösen Streich spielten. Ihr gegenüber konnte unmöglich die Diebin stehen, die sie erst vor ein paar Stunden, die sich wie Wochen anfühlten, hatte entkommen lassen.

Sie blinzelte einmal, dann noch ein weiteres Mal, aber das Bild veränderte sich nicht. Natürlich trug sie jetzt andere Kleidung, hatte Make-up aufgelegt, doch als sie ihr in die Augen sah, wusste Reiju es einfach. War dies nun das sogenannte Schicksal, das ihr hier einen Ausweg, gar wahre Hilfe aufzeigte oder besiegelte diese Begegnung ihr Ende? Schließlich wusste die Diebin, wer sie war, und es würde für sie garantiert ein Leichtes sein, Kontakt zu Big Moms Handlangern herzustellen. Wahrscheinlich bekam sie dafür sogar noch eine dicke Belohnung, genau wonach Diebe wie sie gierten. Auch wenn es möglicherweise schon zu spät war, sie musste von hier verschwinden. Doch ihr Körper schien von diesem Plan nichts zu halten, denn kaum, dass sie ihre Füße vorwärts bewegen wollte, gaben ihre Knie nach und sie sackte ein weiteres Mal zu Boden. Dabei entglitt die Pistole ihren zitternden Fingern und Reiju versuchte fluchend danach zu greifen.

Aber da war die Diebin schon an ihrer Seite und griff nach der Waffe, brachte diese sofort aus ihrer Reichweite und raubte Reiju damit das letzte Bisschen Hoffnung auf eine Flucht.
 

„Nettes kleines Spielzeug, das du da hast. Aber wenn du nicht noch irgendwo ein Reservemagazin versteckst – was ich bei deinem Aufzug sehr bezweifel – dann nützt dir das Ding rein gar nichts mehr, denn darin steckt keine einzige Kugel mehr.“ Nami ging neben Reiju in die Hocke, um ihr in die Augen sehen zu können und als sich ihre Blicke erneut trafen wurde ihr klar, dass dies hier zweifelsfrei keine Falle, kein perfides Spiel der jungen Vinsmoke war, sondern die harte, schonungslose Realität, die sie warum auch immer, hierher an diesen Punkt geführt hatte.
 

Reiju blieb nichts anderes übrig als nun alles auf eine Karte zu setzen.

„Schau dir mal die aktuellen Newsmeldungen auf deinem Smartphone an“, forderte sie ihr Gegenüber auf und Nami zog das Telefon, wenn auch mit skeptischer Miene, schließlich aus der Gesäßtasche ihrer Jeans. Und bevor sie noch fragen konnte, wonach sie eigentlich suchen sollte, wurde sie von den Ereignissen des Abends geradezu bombardiert. Auf allen Social Media Kanälen wurde im Sekundentakt darüber gepostet und Nami versuchte die groben Fakten herauszufiltern.

„Fuck!“, war dann das Erste, was sie dann dazu sagte.

„Ich hätte es zwar etwas anders formuliert, aber im Kern trifft deine Aussage genau zu“, setzte Reiju an, musste dann aber erst wieder tief Luft holen, ehe sie fortfuhr. „Und jetzt frage ich dich, nachdem dir die verheerende Situation bekannt ist, bist du bereit mir zu helfen?“ Reiju wusste selbst wie absurd dieses ganze Szenario hier war, aber was hatte sie schon für eine Wahl? Die Diebin machte auf sie nicht den Eindruck, als ob sie im Auftrag von Big Mom oder sonst jemanden in das Haus ihrer Familie eingebrochen war, sondern einzig und allein auf eigene Rechnung arbeitete. Sie hatte noch ein geheimes Bankschließfach, in dem sich fünf Millionen Yen befanden und sie konnte nur hoffen, dass die Summe ausreichen würde, auch wenn ihr bis dato nicht ganz klar war, wie sie da herankommen sollte, ohne den passenden Schlüssel. Da half es auch nicht, dass das Schließfach unter einem falschen Namen lief.

Reiju wettete darauf, dass alle Gefolgsleute, die Jajji und ihrer Familie weiterhin treu ergeben waren, schon bald ein frühes Ende finden würden. Aber den meisten war es wohl ohnehin egal, für welchen Tyrannen der Unterwelt Yokohamas sie ihm Endeffekt ihren Kopf hinhielten, solange die Bezahlung stimmte.

Und so surreal es auch klingen mochte, die Diebin war die Einzige, mit dessen Hilfe sie noch den Hauch einer Chance hatte.
 

Nami konnte es nach wie vor nicht fassen, dass die Charlotte-Familie es tatsächlich gewagt hatte, so derart rabiat vorzugehen, denn auch wenn es offiziell ein Autounfall war, von einer kaputten Gasleitung, die explodiert sein sollte, war die Rede, wusste doch jeder in der Stadt, was wirklich dahinter steckte. Da wurde ihr klar, dass Reiju einzig und allein noch lebendig vor ihr stand, weil sie anscheinend die Hochzeitsfeier frühzeitig verlassen hatte. Ihr Blick glitt zu besagter junger Frau und sie betrachtete sie jetzt eingehender.

„Lass mich raten. Nicht lange nach unserer Begegnung in eurem Familienanwesen, flogen dir schon bald ein paar Kugeln um die Ohren, weil du bei dem Unfall nicht im Auto saßest und sie dich deshalb schnellstmöglich aus dem Weg schaffen mussten? Dann bist du nur mit den Klamotten, die du gerade am Leib trugst um dein Leben gerannt? Und wie der Zufall es so will, geradewegs in mein Viertel und sozusagen vor meine Füße? Stimmt doch so, oder habe ich noch irgendetwas ausgelassen?“, schlussfolgerte Nami und gab Reiju ihre, wenn auch nutzlose, Waffe zurück.
 

„Das trifft es ziemlich gut. So gesehen müsste ich dir schon fast dankbar für deinen Diebstahl sein, denn ich wüsste nicht, an wen ich mich noch wenden könnte. Wobei man bei Dieben immer vorsichtig sein sollte, denn wer garantiert mir denn schon, dass du nicht gleich losrennst und Big Mom brühwarm erzählst, wo ich mich aufhalte – gegen eine gewisse Summe Bargeld versteht sich. Allerdings besteht bei jemandem wie der Charlotte-Familie auch immer die Gefahr, dass sie dir als Dank für die Info eine Kugel in deinen Kopf verpassen, von daher ...“, Reiju ließ das Ende des Satzes offen. Sie wusste, dass ihr Gegenüber im Moment alle Trümpfe in der Hand hielt. Aufmerksam beobachtete sie ihr Gesicht, suchte nach Anzeichen, ob die Entscheidung wohl zu ihren Gunsten ausfallen würde. Jetzt erst, in diesem kurzen Augenblick der Ruhe und des Wartens, wurde ihr bewusst, wie kalt sich ihr Körper mittlerweile anfühlte.
 

Nami war Reijus Zittern keineswegs entgangen. Und so sehr sie ihren Reichtum auch liebte, dafür so ganz bewusst ein Menschenleben zu opfern und nebenher immer noch das Risiko einzugehen, vielleicht nicht einmal selbst lebend aus der Sache raus zukommen, war kein Geld der Welt wert.

„Na dann will ich doch einmal ein wenig Vertrauen aufbauen; ich bin Nami und ja, vermutlich hast du schon von mir gehört.“, entgegnete Nami schließlich und streckte ihre Hände aus, damit Reiju sich daran hochziehen konnte.

„Du bist also jene Frau, die überall nur als die Diebische Katze bekannt ist. Über dich hört man ja die haarsträubendsten Geschichten.“ Sie hätte sich eigentlich denken können, dass nicht irgendeine Diebin es wagen würde in das Anwesen ihrer Familie einzubrechen und in diesem Augenblick wurde Reiju bewusst, dass sie dieses Anwesen wohl niemals wieder betreten würde.

„Und ich versichere dir, die meisten davon sind auch noch wahr“, erwiderte Nami mit einem frechen Zwinkern.

„Jetzt sollten wir uns langsam aber wirklich auf den Weg machen, bevor du hier noch erfrierst oder sogar noch von irgendwelchen Helfershelfern von Big Mom entdeckt wirst.“

Reiju nickte dazu nur, dankbar endlich ein Ziel vor Augen zu haben.

„Im Übrigen ein echt heißes Outfit, das du da trägst. Abgehen von den ganzen Löchern, deinem verwischten Make-up und der Vogelnestfrisur, versteht sich. Und die Schuhauswahl solltest du auch noch überdenken. Aber trotzdem immer noch irgendwie heiß“, fügte Nami dann noch in lockerem Plauderton hinzu, um die sich langsam immer mehr erdrückend anfühlende Situation ein wenig zu entspannen.

„Danke. Ich werde mir bei meiner nächsten Flucht mehr Mühe geben, was mein Erscheinungsbild betrifft.“ Reiju war dankbar für diese kleine, humorvolle Abwechslung und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, schlich sich ein zartes, ehrliches Lächeln auf ihre Lippen.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (1)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Votani
2021-10-29T19:53:48+00:00 29.10.2021 21:53
Haha, die Begegnung ist gut. An Namis Stelle haette ich Reiju unter den Umstaenden garantiert auch nicht erkannt, aber das macht es noch besser. :'D Ich wusste nicht, dass das Ship so gut sein kann, aber du hast mich absolut ueberzeugt! Ich shippe es!
Ich bin gespannt auf das letzte Kapitel, was ich wahrscheinlich aber nicht vor Sonntag oder Anfang der naechsten Woche lesen kann. (Dann kommt auch die ENS!) Trotzdem kann ich schon jetzt sagen, dass es sich wie ein Auftakt einer langen, epischen Geschichte liest und ich gern mehr dazu gehabt haette. XD
Das einzige, was mir etwas aufgefallen ist, sind die Dialoge. Du hast sehr lange Saetze da drin, aber Menschen sprechen eher in mehreren, kuerzeren Saetzen etc. Aber das ist nur etwas Kleines, was mir so spontan ins Auge gesprungen ist.
Ich freu mich schon auf das letzte Kapitel! :)
Antwort von: Kassiopeia
30.10.2021 06:56
Schön zu lesen, dass dir die Geschichte immer noch gefällt.^^

Und keine Sorge, das letzte Kapitel als auch die ENS laufen dir ja nicht weg, also nur kein Stress deswegen. :)

LG~


Zurück