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Liebe Widerwillen

von

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Kapitel 1

Robin hetzte die Treppen hinunter, denn das Letzte, was sie jetzt wollte, war, ihre U-Bahn zu verpassen. Das Geräusch der einfahrenden Bahn hallte von den Wänden wider. Nach einem kurzen Sprint und einem Sprung durch die sich schließenden Bahntüren ließ sich Robin erleichtert auf eine der abgewrackten Sitze nieder. Der Geruch nach verdorbenem Essen stieg ihr in die Nase und sie war in diesem Moment froh, dass ihr Date sie wenigstens nicht zum Essen ausführen wollte.
 

In den letzten drei Jahren, die Robin auf dem Singlemarkt verbracht hatte, hatte sie so einiges erlebt. Aus Spaß hatte sie sich sogar schon des Öfteren überlegt, ein Buch darüber zu schreiben. Das Absurdeste, was sie je erlebt hatte, war ein Typ gewesen, der gedacht hätte, er wäre ein Werwolf. Beim Gedanken an dieses Date lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. Der Mann war ihr wirklich unheimlich gewesen... Schnell schob sie die Erinnerungen beiseite und zog ihr Handy aus der Tasche. Ihre Mitbewohnerin Koala hatte ihr heute dieses Date mit einem ihrer Arbeitskollegen verschafft. Angeblich ein höflicher, netter Mann, der vor Kurzem erst von seiner Freundin verlassen worden war. Nach einigem Zögern hatte Robin schließlich zugestimmt, Lysopp zu treffen.
 

Sie stieg am Hauptbahnhof aus und lief den Weg in Richtung Bar entlang, in der sie sich mit Lysopp verabredet hatte. Einige Minuten später linste sie durch das Fenster der Bar, um sich vorab schon mal ein Bild von ihrem Blinddate zu machen. Für einen Freitagabend war die Bar noch ziemlich leer und sie konnte nur drei Pärchen und einen älteren Herrn sehen. Robin blickte auf das Display ihres Handys. Sie war fünf Minuten zu früh, wahrscheinlich würde er gleich kommen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie Koala gar nicht nach seinem Aussehen gefragt hatte. Vermutlich deswegen, weil sie vor ihren etlichen Blinddates bereits alles Mögliche gehört und gesehen hatte. Nur in den seltensten Fällen hatte die Beschreibung dann aber auch der Wahrheit entsprochen.
 

Zögerlich öffnete sie die Tür und betrat langsamen Schrittes die Bar. Drinnen angekommen, legte sie ihren Mantel ab und nahm an einem kleinen Tisch am hintersten Ende des Raumes Platz. So hatte sie die Eingangstür im Auge und konnte im schlimmsten Fall durch den Notausgang flüchten.
 

Mit zusammengefalteten Händen saß sie auf dem Lederstuhl und beobachtete die Tür. Als diese aufging, fiel ihr erster Blick auf ein Paar schwarze Wildlederstiefel und eine dunkelblaue Jeans. Langsam glitten ihre Augen nach oben, um sich das komplette Erscheinungsbild anzusehen. >Wow, sieht der gut aus!<, schoss es Robin durch den Kopf und sie beobachtete, wie der Typ langsam seine Jacke auszog und sich mit der Hand durch sein schwarzes etwas zerzaustes Haar strich. Ein paar Strähnen fielen ihm dabei über die Augen. Zu der dunkelblauen Jeans, die wie angegossen auf seinen Hüften saß, trug er ein weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Er blickte sich suchend in der Bar um.
 

"Bitte, bitte, sei mein Date!", flehte Robin leise und linste von ihrer Getränkekarte hoch. Langsam wanderten seine Augen in ihre Richtung. In dem Moment, als sich ihre Blicke trafen, wurde sie von etwas bzw. jemandem gestört. "Bist du Robin? Ich bin Lysopp!". "Hää, was?". Erst jetzt sah Robin die Person, die sich direkt vor sie gestellt hatte, genauer an. Der gutaussehende Typ, der eben erst zur Tür hereingekommen war, war also nicht Lysopp?! Vor ihr stand ein etwa 1,60m kleiner Mann mit einer unnormalen langen Nase, der für Sport nicht besonders viel übrig zu haben schien. Die Langnase streckte ihr seine Patschehand entgegen und Robin schüttelte sie zögerlich. Warum hatte sie nicht bemerkt, wie Lysopp durch die Eingangstür gekommen war? Vielleicht war er ja bereits in der Bar gewesen, überlegte sie im Stillen und sah, dass ihr Gegenüber auf eine Antwort ihrerseits wartete.
 

"Schön, dich kennenzulernen", sagte er und nahm auf dem Ledersessel ihr gegenüber Platz. "Ja, mich auch", flunkerte sie und gab sich Mühe, nicht mehr den hübschen Wildlederstiefelmann zu beobachten, sondern Lysopp ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Lysopp war nicht nur klein und unsportlich, nein, er war auch so gar nicht Robins Typ. Sein langes, gelocktes, krauses Haar und die schrägliegenden Augen wirkten nicht besonders attraktiv. Wahrscheinlich steckte ihm immer noch die Trennung von seiner Freundin in den Knochen. Unter seinen Augen hingen große rotgeschwollene Ringe, als hätte er die letzten Tage mit Weinen verbracht.
 

"Du bist also Robin. Ganz hübsch!", sagte er, mehr zu sich selbst als zu ihr. "Ja, danke", erwiderte sie nur knapp. Es wäre gelogen gewesen, hätte sie das Kompliment zurückgegeben. "Deine Freundin und Mitbewohnerin Koala arbeitet in der Buchhaltung und ich bin im EDV-Bereich tätig", versuchte Lysopp ein Gespräch anzufangen. "Macht dir dein Job Spaß?", fragte sie etwas gelangweilt. Mittlerweile hatte Robin Erfahrung darin, ein Gespräch ins Rollen zu bringen und war zum Glück auch nicht von der schüchternen Sorte. "Bis vor Kurzem, ja. Aber Koala hat dir ja bestimmt von meiner Freundin Kaya erzählt... Naja, eigentlich Ex-Freundin...". Er schniefte leicht.
 

"Was kann ich euch zu trinken bringen?". Zum Glück kam die Kellnerin und sorgte mit ihrer Unterbrechung dafür, dass Lysopp nicht in Tränen ausbrach. "Ich bekomme bitte einen Gin-Tonic", bestellte Robin. "Für mich nur eine Cola". Als die Kellnerin verschwunden war, fing er allerdings wieder zu schluchzen an und wischte sich mit seinem hellgrünen Hemdärmel die Tränen aus dem Gesicht. Robin blickte die Langnase an und bekam schreckliches Mitleid, wie er da nun saß und seiner Ex-Freundin nachtrauerte. Obwohl ihre Trennung von Franky nun schon drei Jahre her war, konnte sie gut verstehen, wie Lysopp sich fühlen musste. Auch sie hatte gedacht, sie würde sich nach Franky nie wieder so verlieben, womit sie auch recht gehabt hatte, denn seitdem war ihr Leben von etlichen Dummköpfen bevölkert worden.
 

"Sie fehlt dir noch sehr, mh?!", hakte Robin nach und stützte ihre Ellbogen auf dem Tisch ab. "Ja, sie ist mein Ein und Alles...", stieß Lysopp gepresst hervor. "Warum habt ihr euch getrennt?". Lysopp zuckte mit den Schultern. "Sie hat gesagt, wir hätten unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft. Dabei habe ich nie gesagt, dass ich keine Kinder möchte. Nur eben jetzt noch nicht!". "Verstehe...", nickte Robin und starrte in ihr halbleeres Glas. So nahmen die nächsten Stunden ihren Lauf.
 

Irgendwann hatte Robin das Gefühl, Lysopp mit ihren Worten getröstet und ihm neuen Mut gemacht zu haben. Jedenfalls leerte er sein Colaglas in einem Zug und nahm sich vor, noch einmal mit Kaya zu sprechen. "Mit dir zu reden hat wirklich gut getan. Vielen Dank fürs Zuhören!". "Gerne!". Robin lächelte ihrem Gegenüber freundlich zu. "Es war schön, dich kennenzulernen, Robin. Bestimmt findest du auch noch deinen Traummann!", verabschiedete sich Lysopp und legte vorher noch ein paar Geldscheine auf den Tisch.
 

Robin erhob sich ebenfalls und schüttelte ihm kurz zum Abschied die Hand, bevor dieser die Bar verließ. Müde und erschöpft ließ sie sich wieder in ihren Sessel fallen und schloss kurz ihre Augen. Dieses 'Date' war -mal wieder- das reinste Desaster gewesen. Anstatt jemand Interessantes kennenzulernen, hatte sie den halben Abend mit einem Mann verbracht, der weder ihr Typ, noch an ihr interessiert war. Lysopp war zwar nicht der Schlimmste auf der Liste ihrer Blinddates, aber doch ein weiterer Grund, mit dem Thema Männer ein für alle Mal abzuschließen. Vielleicht war es einfach nicht ihre Bestimmung, einen halbwegs normalen Mann kennenzulernen.
 

Langsam öffnete sie wieder die Augen und nahm ihr halbvolles Cocktailglas in die Hand. Im Laufe des Abends hatte sie ordentlich dem Alkohol gefrönt, um dieses Date irgendwie durchstehen zu können. Erst jetzt bemerkte sie, dass die Bar immer voller geworden und auch die Musik lauter aufgedreht worden war. Lautes Stimmengewirr und Gelächter drangen durch den Raum und der Geruch nach Schweiß und Alkohol lag in der Luft. Robin wippte mit dem Fuß zum Takt der Musik. Irgendwie hatte sie Lust zu tanzen. Sie könnte Koala anrufen, aber die war wahrscheinlich mit ihrem Lover Sabo unterwegs. Also entschloss sie sich, in Ruhe auszutrinken und dann den Heimweg anzutreten.
 

Langsam erhob sie sich und wankte leicht angetrunken Richtung Ausgang. Als sie ihren Mantel anziehen wollte, wurde sie mit einem heftigen Stoß an die Schulter geschubst. Noch bevor Robin auf allen Vieren landen konnte, umschlossen sie zwei starke Arme und fingen sie auf. "Alles klar?", fragte ihr Retter mit dunkler Männerstimme und stellte Robin wieder auf ihre Füße. Die Schwarzhaarige blickte ihn an und sah in zwei wunderschöne graublaue Augen. Erst jetzt wurde ihr klar, wer sie da gerade aufgefangen hatte: Der Wildlederstiefelmann.
 

"Ja, danke". Robins Stimme klang eher nach einem Flüstern und perplex starrte sie ihren Schutzengel an. Hier, genau vor ihr stehend, sah er noch besser aus. Seine Lippen waren leicht geschwungen und luden nur so zum Küssen ein. "Ich bin Law!". Mit einem Lächeln streckte er ihr die Hand entgegen. "Robin", stammelte sie und wusste nicht, was sie sonst noch hätte sagen sollen. Sollte sie ihn vielleicht auf einen Drink einladen?
 

Doch noch bevor sie ihn fragen konnte, schlangen sich zwei Arme um seinen Hals und eine gutaussehende Blondine hängte sich wie eine Klette an ihn. Somit hatte sich die Frage wohl erledigt. Robin nickte Law noch einmal kurz zu und bahnte sich anschließend ihren Weg nach draußen. Was hatte sie erwartet? Dass Law Single war? Solche Männer waren nie Single und wenn, dann waren sie schwul.
 

Robin schloss die Tür zu Koalas und ihrer Wohnung auf und ging schnurstracks in ihr kleines Zimmer. Koala hatte ihr erzählt, dass ihre beste Freundin Nami bis vor ein paar Monaten noch in dem Zimmer gewohnt hatte, mittlerweile aber mit einem Fußballstar zusammen war und bei ihm lebte, wenn sie nicht, wie im Moment, am Strand relaxte. Robin war froh darüber, denn die Miete war bezahlbar. Als Reporterin würde sie zwar nie wirklich reich werden, aber der Job machte ihr großen Spaß. Zumindest hoffte sie, dass es bei ihrer neuen Stelle für die OharaDaily auch so sein würde.
 

~~
 

Nur mit einem Handtuch um die Hüfte gewickelt, trat er aus dem Bad und wagte nicht, in sein Schlafzimmer zu spähen. Die Kleine, die er letzte Nacht in einem Club kennengelernt und mit zu sich genommen hatte, lag noch immer in seinem Bett. Zorro öffnete den Kühlschrank und nahm sich eine Flasche Wasser heraus. Wenn es eines gab, was er nach einem One-Night-Stand hasste, dann war es, die jeweilige Dame aus seiner Wohnung zu werfen. Mit dem Wasser in der Hand schlenderte er zu seiner Couch und schaltete seinen riesigen Fernseher ein. Eine Wiederholung ihres letzten Fußballspiels lief gerade und er drehte die Lautstärke absichtlich noch weiter auf. Nur noch eine Woche, dann begann ihr Training wieder. Zorro sehnte es sich schon förmlich herbei. Obwohl er bis vor ein paar Tagen noch am Strand gelegen und sich die Sonne auf die Brust hatte scheinen lassen, war er doch irgendwie unausgeglichen. Er brauchte diese wöchentliche Aufregung beim Spiel und verfluchte sich noch immer dafür, dass er in der letzten Saison nicht ganz die Leistung gebracht hatte, die er sich selbst erhofft hatte. Immerhin lag er mit seiner Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz. Sein Ziel war es, in der kommenden Saison Meister zu werden.
 

"Kommst du nicht ins Bett?", erklang eine verschlafene, weibliche Stimme hinter ihm. Die Hände seiner Eroberung strichen liebevoll über seine nackten Schultern, doch Zorro konnte die Berührung nicht genießen. Er hatte bekommen, was er wollte. Für mehr war er nicht bereit. Seine Muskeln versteiften sich unter ihren Händen. Als sie merkte, dass Zorro nicht darauf reagierte, zog sie sich zurück. "Okay, okay! Ich habs geschnallt! Dann ziehe ich mich an und haue ab. Kannst du mir wenigstens ein Taxi rufen?". Ihre Stimme klang säuerlich. Ohne ihr eine Antwort zu geben, rief Zorro das Taxiunternehmen an und bestellte einen Wagen. Er konnte sich nicht einmal mehr an ihren Namen erinnern. Nachdem die Frau aus seiner Wohnung verschwunden war, ging er in sein Schlafzimmer, wechselte noch schnell den Bettbezug und schlief dann erschöpft ein. Er war ein Arsch, das wusste er, aber er hatte einer Frau nie mehr versprochen, als er zu geben bereit gewesen war. Es war nicht sein Problem, wenn sich die Eine oder Andere etwas Anderes erhoffte.

Kapitel 2

Robin betrat das alte, mehrstöckige Gebäude der OharaDaily. Die Aufregung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und unruhig spielte sie mit der braunen Ledermappe unter ihrem Arm. Mit dem Aufzug fuhr sie in den fünften Stock, wo sich ihr Schreibplatz in einem Großraumbüro befinden würde. "Ms. Nico, Sie werden schon erwartet", wurde sie von Kalifa, der Sekretärin ihres neuen Vorgesetzten, begrüßt. Wie auch schon beim Vorstellungsgespräch fand Robin sie ziemlich unfreundlich und arrogant. Sie wirkte streng und auf ihrem Gesicht schien nie ein Lächeln zu liegen. "Danke sehr", erwiderte Robin und betrat, nachdem Kalifa bei Mr. Zero angeklopft hatte, den Raum. "Ms. Nico! Gut, dass Sie da sind! Wir haben auch direkt die erste Aufgabe für Sie". Er deutete auf den leeren Platz vor seinem chaotischen Schreibtisch und Robin setzte sich.
 

"Was für eine Aufgabe haben Sie denn für mich?". Robin blickte Mr. Zero neugierig an. "In einer halben Stunde findet eine Pressekonferenz statt. In dieser werden die neusten Spieler der Fußballmannschaft von Ohara vorgestellt", erklärte er beiläufig und wühlte sich durch einen Stapel Blätter, der auf seinem Tisch lag. "Und was genau soll ich dort tun?". Gut, die Frage war vielleicht nicht ganz passend formuliert, doch wenigstens sah Mr. Zero sie nun an. Sie war nervös und wollte doch nur ihren Boss zufriedenstellen. Dass sie mit ihrer Aussage genau das Gegenteil bewirkt hatte, wurde ihr spätestens in diesem Augenblick klar. Sein Gesichtsausdruck sprach für sich, denn er blickte Robin an, als hätte sie den Verstand verloren.
 

"Sie sind Reporterin. Ich muss Ihnen doch nicht erklären, was Sie auf einer Pressekonferenz zu tun haben?! Bringen Sie mir einen guten Artikel, so schwer kann das doch wohl nicht sein." Dabei schaute er auf seine Uhr und schob Robin mit der anderen Hand einen Zettel mit der Adresse der Pressekonferenz zu. "Lassen Sie sich noch eine Fotokamera geben. Unsere Fotografin, die für diesen Auftrag zuständig gewesen wäre, ist krank. Versauen Sie es nicht!" Robin spürte, wie ihre Beine nervös zitterten und ihr ganz heiß wurde. Noch nie hatte sie zusätzlich auch Fotos machen müssen. Sie zwang sich innerlich zur Ruhe und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie überfordert sie sich gerade fühlte. Unter keinen Umständen würde sie es pünktlich zu dieser Pressekonferenz schaffen. Doch sie wollte nicht gleich ihren ersten Arbeitstag versauen, also erhob sie sich aus dem Stuhl, klemmte sich ihre Tasche unter den Arm und eilte aus dem Büro. Nur gut, dass sie heute bequeme Schuhe trug.
 

Völlig außer Atem musste sich Robin erst einmal an der Wand abstützen, bevor sie das Gebäude, in dem die Pressekonferenz stattfand, betreten konnte. Wie nicht anders zu erwarten, hatte ihr Taxi im Stau gestanden und Robin hatte die restliche Strecke zu Fuß laufen müssen. Sie war eh schon spät dran und konnte von Glück sprechen, wenn man sie überhaupt noch zur Konferenz zuließ. Doch zuvor musste sie erst einmal ihre Atmung kontrollieren, die sich im Moment noch anhörte, als ob sie kurz vorm Ersticken wäre. >Jetzt reiß dich zusammen und geh da rein<, befahl sie sich und schob anschließend die große Schwingtür auf. Schnellen Schrittes lief sie ins Gebäude und sah sich suchend um. Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als durch den langen schmalen Gang zu eilen und dabei nicht panisch auf ihre Uhr zu starren. Dann sah sie endlich jemanden. Vor einer großen, verschlossenen Tür hatten sich zwei Sicherheitsbeamte aufgebaut und blickten sie fragend an. "Mein Name ist Nico Robin. Ich bin von der OharaDaily und muss dringend da rein", sagte sie höflich, aber bestimmt. "Und wenn du von Gott höchstpersönlich geschickt worden wärst, du bist eine Viertelstunde zu spät", antwortete einer der beiden Männer. "Aber... aber … Ich muss da rein!", gab sie verzweifelt von sich. "Heute ist mein erster Arbeitstag und wenn ich nichts abliefere, werde ich gefeuert!". Es herrschte kurz Stille und die zwei Männer tauschten einen Blick aus. "Keine Chance, tut mir leid! Du kannst allerdings am Hinterausgang warten und hoffen, dass du dort noch jemanden beim Rausgehen erwischst. Und beim nächsten Mal solltest du einfach pünktlich sein", erwiderte der zweite Sicherheitsbeamte. Resigniert ließ Robin die Schultern hängen und nickte kurz. Dann musste sie halt draußen warten und hoffen, wenigstens ein paar Fotos abzubekommen.
 

~~
 

Obwohl Zorro seiner Meinung nach gar nichts bei dieser Pressekonferenz zu suchen hatte, musste er doch den Anweisungen von Genzo, seinem Manager, Folge leisten. Er war zwar der Kapitän des Teams, allerdings ging es bei der Pressekonferenz nicht einmal um ihn, sondern um die neuen Spieler. Eilig parkte er seinen Sportwagen und riss die Tür des Hintereingangs auf. Genzo würde sicherlich nicht begeistert sein, dass er erst jetzt auftauchte. Mit einem Blick auf die Uhr lief er den Gang entlang und überlegte, was er Genzo wohl für eine Lüge auftischen konnte. Noch bevor er sich etwas einfallen lassen konnte, krachte er mit etwas Warmen, Weichem zusammen. Er wankte leicht zur Seite und konnte sich gerade noch an der Wand abstützen. Angepisst sah er auf den Boden und gleichzeitig eine Frau, die dort auf ihrem Hintern saß und wütend zu ihm hochblickte. Ihr langes schwarzes Haar reichte ihr locker bis zu ihrem Po und in ihren meerblauen Augen lag ein angriffslustiges Funkeln. Er streckte ihr die Hand entgegen, um ihr hoch zu helfen, doch die Schwarzhaarige schlug diese zur Seite und rappelte sich alleine auf.
 

Er wollte schon an ihr vorbeigehen, als er ihr Profil noch einmal in Augenschein nahm; ein bildhübsches Gesicht mit einem schön geschwungenen Mund und einer perfekten kleinen Nase. Ihr Körper war auch nicht von schlechten Eltern, obwohl sie in der Jeans und der etwas zu großen Bluse nicht viel davon preis gab. Doch Zorro hatte ein Auge dafür. Schade, dass er so spät dran war, sonst hätte er die Kleine auf einen Kaffee eingeladen - als Wiedergutmachung. Doch sie hatte ihm schon den Rücken zugedreht und marschierte mit schnellen Schritten durch den Hintereingang.
 

~~
 

Mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter Robin ins Schloss. Die Begegnung mit Lorenor Zorro hatte sie nicht nur auf den harten Flurboden geworfen, nein, sie hatte Robin auch leicht aus dem Konzept gebracht. Dass sie ausgerechnet mit dem Mann zusammenstieß, der für seine schnellwechselnden Liebhaberinnen bekannt war und als einer der größten Playboys in ganz Ohara galt, machte ihren Tag nicht besser. Ganz im Gegenteil. Sie kannte Lorenor Zorro. Gut, vielleicht nicht persönlich, aber sie wusste, dass er jedes Jahr zum heißbegehrtesten Fußballspieler gewählt wurde. Mit seinem kurzen, grünen Haar und den smaragdgrünen Augen sah er auch einfach verdammt gut aus. Da Lorenor Zorro nebenbei auch noch für Unterwäsche und diverse andere Sachen modelte, durften Robin und der Rest der Frauenwelt seinen perfekten Körper regelmäßig auf Plakaten und im TV begutachten. Jede andere Frau hätte vermutlich alles getan, um von diesem Mann einmal berührt oder -wie in ihrem Fall- einfach umgerannt zu werden, doch Robin konnte ihn nicht ausstehen. Seine überhebliche, selbstverliebte Art ging ihr bei jedem Zeitungsartikel oder Fernsehinterview dermaßen auf den Keks, dass sie innerlich eine Abneigung gegen diesen Typen aufbaute. Lorenor Zorro gehörte zu den Männern, um die jede halbwegs vernünftige Frau einen großen Bogen machte. >Nico Robin, du hast jetzt ganz andere Sorgen, als dir über Zorro Gedanken zu machen<, schalte sie sich leise und stellte sich vor die Ausgangstür. Wenn sie ihren Job nicht gleich am ersten Tag vermasseln wollte, musste sie sich nun schnell etwas einfallen lassen, oder zumindest warten, bis ein paar neue Spieler das Gebäude verließen.
 

Die Minuten vergingen und nichts geschah. Genervt tippte sie mit dem Fuß auf dem Boden. Was, wenn sie weder Fotos noch eine Story bekamt? Sollte sie sich dann etwas aus den Fingern saugen? Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen und ein paar Reporter drängelten sich nach draußen. Robin griff nach ihrer Kamera und ließ sich von den Anderen zur Seite schieben. Dabei lauschte sie, während sich zwei Journalisten miteinander unterhielten, und schrieb ein paar Spielernamen und die Vereine, zu denen sie wechselten, in ihr Notizbuch. Zumindest hatte sie schon mal 'etwas'. Dann sah sie, wie Lorenor Zorro mit ein paar anderen Spielern und seinem Manager aus dem Gebäude trat. Sofort wurden diese von den anderen Reportern mit Fragen bedrängt und Robin schrieb, so gut wie es ihr möglich war, alles Gesagte mit. Nun brauchte sie nur noch ein Foto und aus ihren Notizen könnte vielleicht doch noch eine Story werden. Auch wenn sie nichts von dieser Art Recherche hielt, hatte sie gerade keine andere Wahl und musste ihre Ansprüche an sich selbst etwas runterschrauben. Sie hielt ihre Kamera fest umklammert. Noch bevor die Spieler in ihre Autos steigen konnten, bahnte sich Robin einen Weg nach vorne. Sie musste unbedingt noch ein Foto schießen, auch wenn es nur von der Seite war. Ein paar der Reporter, die ihre Story schon hatten, drehten sich um und verschwanden. Dabei wurde Robin leicht nach vorne gestoßen und stolperte plötzlich direkt vor die Spieler.
 

Sechs Augenpaare richteten sich nun auf sie und sahen sie teilweise fragend, teilweise ärgerlich an. Nur ein Augenpaar musterte sie belustigt. "Na, wen haben wir denn da? Du scheinst Probleme mit deiner Koordination zu haben", spöttelte Zorro und verschränkte die Arme vor seinen Körper, während er Robin angrinste. Die anderen Spieler um Zorro herum grinsten amüsiert, verkniffen sich aber einen Kommentar. Sie hörte einen Reporter sagen: "Vielleicht ist das auch die neuste Masche der Konkurrenz, ein Interview zu bekommen." Zorro, der das ebenfalls gehört hatte, blickte Robin auffordernd an. "Na, wenn das so ist. Mir gefällt es, wenn Frauen mir zu Füßen liegen.". "Du meinst wohl eher, wenn du auf ihnen liegst!", lachte ein anderer Spieler und stieß Zorro dabei in die Rippen. Zorro lachte und auch die Reporter, die schon gehen wollten, kehrten wieder zurück und gafften Robin an. Zorro, der noch immer grinste, reichte ihr die Hand. "Darf ich mich vorstellen?". >Ganz sicher nicht<, dachte sie sich und bemerkte dabei, wie ihr Gesicht rot anlief. Das alles war einfach nur peinlich und wenn Robin könnte, würde sie die Zeit bis zu dem Moment, als sie heute Morgen aus dem Bett gestiegen war, zurückdrehen.
 

Ohne etwas zu sagen, knipste sie ihr Foto und eilte dann an den restlichen Reportern vorbei. >Was für ein Arsch!<, schoss es ihr wütend durch den Kopf, als sie zur U-Bahn-Station schlenderte. Doch die Hauptsache war, dass sie ihr Foto hatte. Und dieses war gar nicht mal so schlecht. Nur die Wenigsten hatten die Möglichkeit, so eine Nahaufnahme von gleich sechs Spielern auf einmal zu schießen.
 

~~
 

Die Kleine, die er umgerannt hatte, war also Reporterin. Zorro drehte die Lautstärke seines Autoradios auf. Er lauschte der Musik. Der Vorwurf von Genzo war schon wieder vergessen. Dass dieser von seinem Zuspätkommen nicht begeistert gewesen war, war Zorro klar, und dass Genzo ihm deswegen Vorhaltungen machte, auch. Doch wie immer hatte Zorro ihn besänftigen können. Noch nie hatte Genzo ihm etwas lange übel genommen. Zorros Bruder Law meinte, dass Zorro genau wusste, wie man jemanden um den Finger wickeln konnte. Law behauptet oft, sein kleiner Bruder wäre als Baby bereits in den Glücksbrunnen gefallen. Alles fiel Zorro zu und noch nie hatte er um etwas kämpfen müssen. Sein Leben war perfekt und um nichts in der Welt wollte er dieses mit jemanden tauschen. Seine Gedanken wanderten wieder zu dem heutigen Tag. "Die Kleine ist Reporterin!", schüttelte er lächelnd den Kopf. Bis jetzt hatte er noch nie etwas mit einer Journalistin gehabt...
 

~~
 

"Was soll das?". Mr. Zero baute sich vor Robin auf und knallte einen Stapel zusammengehefteter Blätter auf den Schreibtisch. Sie musste nicht nachsehen, um zu wissen, dass es sich dabei um ihren Artikel handelte. Robin war den halben Tag damit beschäftigt gewesen, im Internet zu recherchieren, um etwas über die jeweiligen Neuzugänge zu erfahren. Danach hatte sie sich an einen ersten Entwurf für ihren Debütartikel bei der OharaDaily gemacht. Jetzt war es schon kurz nach siebzehn Uhr und eigentlich hätte sie nun Feierabend. Robin wusste selbst, dass ihr Bericht nicht besonders aussagekräftig war, schließlich war es nur die Rohfassung. "Nun, ich hatte nicht genug Zeit, um...", begann sie vorsichtig, sich zu verteidigen, doch Mr. Zero schnitt ihr das Wort ab. "Ms. Nico, ich möchte keine Ausreden hören. Sie sind hier, um eine gute Arbeit zu leisten, und wenn Sie das nicht können, dürfen Sie sofort wieder gehen!". Robin verschränkte abwehrend ihre Hände vor der Brust, sah ihren Chef dabei aber nicht an. Stattdessen blickte sie sich in seinem ungemütlichen, unaufgeräumten Büro um. Es war ihr erster Tag, sie war nicht einmal richtig eingearbeitet worden und trotzdem verlangte Mr. Zero, dass sie gleich einen Mega-Bericht ablieferte. "Vielleicht habe ich mich einfach in Ihnen getäuscht. Ihre Referenzen waren so vielversprechend, dass ich nicht verstehe, warum Sie mir -das hier-", er hob ihren Artikel hoch, um ihn gleich darauf wieder fallen zu lassen, "vorlegen...".
 

"Nun, Mr. Zero, was ich Ihnen vorher schon erklären wollte, war, dass ich zur Pressekonferenz nicht mehr zugelassen wurde, da ich zu spät gekommen bin. Und das lag daran, dass Sie gesagt haben, meine Arbeitszeit würde um neun Uhr beginnen. Dass ich um halb zehn schon am anderen Ende der Stadt sein müsste, hat mir niemand gesagt. Beim nächsten Mal sollten Sie mir vielleicht einfach früher Bescheid geben, wo Sie mich hinschicken, damit ich pünktlich sein kann", platzte es aus ihr heraus. Mr. Zero starrte sie mit offenem Mund an, nickte, reichte ihr den Artikel und schrie: "Raus hier!". Robin seufzte. Langsam erhob sie sich und hatte schon die Türklinke in der Hand, als er noch sagte: "Ich gebe den Artikel an einen erfahreneren Reporter weiter, der ihn überarbeiten soll. Sie bekommen noch eine Chance, weil es Ihr erster Tag ist, aber beim nächsten Mal sollten Sie daran denken, dass ich Ihr Vorgesetzter bin und solch ein Benehmen wie eben nicht dulde. Verstanden?". Robin nickte und verließ mit ihrer Tasche unter dem Arm das Gebäude.

Kapitel 3

Die restliche Woche verbrachte Robin damit, sich sowohl in der neuen Wohnung als auch beim neuen Job einzugewöhnen. Mr. Zero hatte ihren Artikel tatsächlich drucken lassen. Zwar mit kleinen Änderungen, die aber nur minimal von ihrem ursprünglichen Text abwichen. Als Robin am Freitagnachmittag die Wohnung betrat, wartete Koala in ihrem Wohnzimmer auf sie. "Da bist du ja! Hast du schon was für das Wochenende geplant?". Koala sah sie aus ihren braunen Augen an und strich sich das rehbraune Haar zurück. "Falls du auf die Idee kommen solltest, mich wieder verkuppeln zu wollen... Nein Danke!". Sie ließ sich neben Koala auf das Sofa fallen und streckte erschöpft alle Viere von sich. "Jetzt sei doch nicht so! Die Sache mit Lysopp ist nicht glücklich verlaufen, okay... Aber ich wollte doch nur, dass du dich wohlfühlst. Bis auf mich und Sabo kennst du hier doch niemanden!". Damit hatte Koala recht. All ihre Freunde lebten auf dem Land und bei der Zeitung hatte sie bis jetzt auch noch keine Gelegenheit gehabt, sich mit jemandem anzufreunden. Koala nahm Robins Schweigen als Bestätigung. "Außerdem wäre es doch schade, wenn du mich nur mit Lysopp in Verbindung bringen würdest. Ich mag dich wirklich gern und das Zusammenwohnen mit dir ist echt toll. Die letzten paar Tage hatte ich nicht besonders viel Zeit für dich, weil Sabo und ich... naja, ... wir waren beschäftigt!", zwinkerte sie Robin zu. Dass Koala meistens nicht da oder beschäftigt war, störte Robin in keiner Weise, doch das konnte sie Koala natürlich nicht sagen, wollte sie diese schließlich nicht verletzen. "Ich dachte mir, wir gehen heute in einen VIP-Club. Nami und Sanji sind seit gestern aus dem Urlaub zurück und ich möchte unbedingt, dass du die beiden kennenlernst." Koala war ganz aus dem Häuschen. Das, was Robin heute am wenigsten wollte, war, in einen überfüllten Club zu gehen, um sich mit Leuten zu unterhalten, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Doch auf der anderen Seite hatte Koala recht und es war an der Zeit, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Kurz überlegte sie, doch dann stimmte Robin doch.
 

Um kurz nach zweiundzwanzig Uhr trat Robin neben Koala und Sabo in die wartende Reihe vor dem Club. Sabo hatte Koala den Arm um die Hüfte gelegt und wärmte sie. Insgeheim verfluchte sich Robin dafür, dass sie sich hatte überreden lassen, ein Kleid anzuziehen. Nun stand sie in ihrem schwarzen Mini und schwarzen Pumps in der Eiseskälte. Nur gut, dass sie ihren grauen Filzmantel noch anhatte, doch dieser war kein Vergleich zu dem Schrank von Mann, der Koala wärmte. Während sie den beiden stumm lauschte, wie sie sich immer wieder Liebeserklärungen zuwarfen, bewegte sie ihre Zehen, die vor Kälte bestimmt schon ganz blau waren. Nur noch ein paar Besucher waren vor ihnen und dann endlich durften sie reingehen.
 

Das Hämmern der Musik schallte ihnen entgegen und nur mit Mühe konnte Robin in dem schwachbeleuchteten Raum etwas erkennen. Doch je weiter sie vortraten, desto freundlicher sah der Club aus. Rote Ledersessel mit kleinen Tischen waren seitlich auszumachen. Die Bar, die sich unmittelbar in der Mitte befand, war gut besucht und auch auf der Tanzfläche herrschte reges Treiben. Robin folgte den beiden zu einem abgegrenzten Bereich, von dem aus man den ganzen Club sehen konnte. Koala unterhielt sich mit einem Sicherheitsbeamten, der vor der Absperrung positioniert war und sie dann mit einem kurzen Nicken vorbeiließ. Sie liefen auf einen Tisch zu, an dem ein offensichtlich verliebtes Pärchen saß. Die Frau war ungefähr in Robins Alter, mit langen orangenen Haaren. Den Mann an ihrer Seite erkannte Robin sofort. Es war Sanji Vinsmoke, ein berühmter Fußballer.
 

"Nami! Toll siehst du aus!", kreischte Koala und fiel der Orangehaarigen anschließend um den Hals. Sanji bedachte Koala und Sabo mit einem freundlichen Lächeln und einem Nicken. Etwas unschlüssig stand Robin im Hintergrund und beobachtete das Geschehen. "Hey Robin! Du wohnst jetzt also in meinem Zimmer? Ich hoffe es gefällt dir?". Nami kam lächelnd auf Robin zu und umarmte sie sodann. "Ja, es ist toll.". Überrascht ließ Robin die Umarmung zu. Für sie war es ungewohnt, dass jemand, mit dem sie noch keine drei Sätze gewechselt hatte, so herzlich war. "Hi!", grüßte Sanji freundlich und reichte ihr die Hand. Sanji war braungebrannt und sein blondes Haar fiel ihm über sein rechtes Auge. Er war ein wenig größer als Nami. Sie gaben wirklich ein schönes Paar ab.
 

Robin nahm auf einem roten Ledersessel neben der Orangehaarigen Platz und hörte gespannt zu, was sie über ihren Urlaub zu berichten hatte. Robin mochte die beiden auf Anhieb. Während Koala und Sabo mal wieder die Finger nicht voneinander lassen konnten und knutschend den Rest der Gruppe ausgeblendet hatten, erkundigte sich Nami nach Robins Job. Sanji verzog bei Robins Aussage, dass sie Reporterin war, skeptisch das Gesicht. Doch Nami sah ihn auffordern an, worauf sein Gesicht etwas freundlicher wirkte. Mit einem Augenzwinkern sagte er: "Ich hoffe, es versteht sich von selbst, dass ich über den heutigen Abend keinen Bericht von mir in irgendeiner Zeitung lesen will!". "Natürlich!", nickte Robin und fügte noch hinzu: "Ich bin nicht dienstlich hier!" Sanji lächelte zufrieden und gab sich mit dieser Antwort zufrieden.
 

~~
 

"Wie lange bleibst du denn in der Stadt?". Zorro gab der Dame an der Garderobe seine schwarze Lederjacke und sah seinen Bruder an. Law war drei Jahre älter, Sportagent und die meiste Zeit mit Reisen beschäftigt. "Es könnte gut sein, dass ich mir hier eine Wohnung suche!", antwortete der Gefragte. "Klasse! Seit Sanji mit Nami zusammen ist, geht er kaum noch weg...". Law klopfte seinem kleinen Bruder auf die Schulter. "Was wohl heißen soll, dass wir zwei öfters auf die Jagd gehen werden", erwiderte er grinsend. Zorro kam sehr gut mit seinem Bruder aus. Sie waren sich in vielen Dingen sehr ähnlich, angefangen bei ihrem Interesse an Sport und schnellen Autos, bis zu ihrer Art und ihrem Auftreten. Nur in Bezug auf Frauen gab es gewaltige Unterschiede. Nicht unbedingt, was Äußerlichkeiten anging - es war durchaus schon vorgekommen, dass ihnen dieselbe Frau gefallen hatte- sondern vielmehr in Bezug auf ihre Absichten. Während Zorro aus purer Überzeugung Single war, sprach Law von Heirat, Familie und Hausbau. Auch wenn sich Zorro mittlerweile gut mit seinem Bruder verstand, hatten sie sich einander erst in den letzten Jahren angenähert. Ihr Verhältnis war seit ihrer Jugend angespannt gewesen. Law hatte den gleichen Traum wie Zorro: Profifußballer zu werden. Doch ein wirklich übler irreparabler Knöchelbruch hatte Laws Karriere viel zu früh beendet.
 

Ihr Verhältnis zueinander war sehr lange durch Bitterkeit, Neid, Schuldgefühle und unausgesprochene Vorwürfe geprägt worden. Bis heute war das Thema zwar von keinem der beiden angesprochen worden, doch dass es nach wie vor zwischen ihnen stand, spürte Zorro deutlich. "Ganz genau! Am besten fangen wir direkt heute mit der Jagd an.", lachte er, schlenderte durch den Raum und war sich der Aufmerksamkeit der weiblichen Gäste sehr wohl bewusst. Zorro ließ seinen Blick durch Club schweifen, der dann auf der Tanzfläche, wo sich einige Frauen lasziv bewegten, hängen blieb. "Vielleicht sollten wir erst einmal Sanji und Nami begrüßen", meinte Law kopfschüttelnd, der Zorros Blick gefolgt war.
 

Sodann betraten sie den VIP-Bereich und Zorro sah Sanji sofort, der neben Nami saß, die sich mit einer Schwarzhaarigen unterhielt. Koala und Sabo waren auch da, doch sie waren so sehr mit Knutschen beschäftigt, dass sie von der Außenwelt gar nichts mehr mitbekamen. "Da seid ihr ja!". Sanji hatte die Brüder gesichtet und erhob sich. "Na! Seid ihr zwei gut angekommen?". Zorro begrüßte seinen besten Freund mit einem Handschlag und wandte sich dann an Nami, die sich ebenfalls erhob und ihn zur Begrüßung freudig umarmte.
 

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Geschockt blickte Robin den Mann an, der Nami fest an sich drückte. Zorro und Nami waren befreundet?! Ihr Blick glitt zu Sanji hinüber, der sich angeregt mit jemandem unterhielt, den sie ebenfalls kannte. Robin kniff die Augen zusammen und hätte beinahe ihren Sex on the Beach verschüttet. Sie kannten auch noch Law?! Robin spürte, wie ihr plötzlich ganz warm wurde. Nami riss sie aus ihrer Schockstarre. "Robin, darf ich dir Zorro vorstellen?". Robin brauchte erst einmal einen Moment, um das Geschehen zu verarbeiten. Sie starrte immer noch Sanji und Law an und war sich der Tatsache nicht bewusst, dass Nami und Zorro sie beobachteten. "Robin?", drang Namis Stimme an ihr Ohr. Langsam riss sie sich von Law los und drehte ihren Kopf zu Zorro und Nami. "Robin! Freut mich, dich kennenzulernen!". Zorro ergriff ihre Hand und wollte sie an seine Lippen ziehen. "Mich nicht", zischte sie und entzog ihm ihre Hand. Er hatte sie vor den anderen Spielern und Reportern lächerlich gemacht und stand jetzt scheinheilig da und tat so, als wäre nichts passiert. Nami warf ihnen einen amüsierten Blick zu und grinste vor sich hin. Zuerst schien Zorro leicht verwundert über Robins Verhalten, hatte sich dann aber wieder schnell unter Kontrolle. "Bist du mir noch böse, weil ich dich nicht gesehen habe?". Während er sprach, fixierte er sie mit seinen grünen Augen. "Willkürlich umgerannt trifft es wohl eher", zischte Robin zurück und wandte sich an Law, der Nami kurz begrüßt hatte und nun Robin strahlend anlächelte. "Law", begrüßte sie ihn freudig und schenkte ihm ihr schönstes Lächeln. "Schön, dich wiederzusehen", erwiderte dieser und strich ihr dabei über die Schulter. "Ihr kennt euch?!", hörte sie Zorro verwundert fragen.
 

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Sein Blick huschte zwischen den beiden hin und her und er fragte sich, woher und wie lange die beiden sich schon kannten. Zorro fragte sich, warum Law nichts gesagt hatte und ob sie vielleicht der Grund war, dass sein Bruder hier in der Stadt bleiben wollte. Es wurmte ihn irgendwie und doch tat er es innerlich ab. Egal, im Club gab es genug Frauen, die ihre letzte Tasche für ihn hergeben würden. Sollten Law und Robin sich doch kennen. Zorro wandte sich wieder an Nami und Sanji. "Wie war denn euer Urlaub?". "Ein Traum! Es war wirklich schön und Sanji hat mich auf Händen getragen!". Nami nahm auf dem Sessel neben Sanji Platz und Zorro dort, wo Robin bis vorhin noch gesessen hatte. Er warf ihr und Law, die sich angeregt unterhielten, einen kurzen Blick zu. "Ein echter Kavalier, durch und durch!", sagte Zorro an Sanji gewandt, ließ dabei seinen Bruder aber nicht aus den Augen. "Die richtige Frau muss man einfach auf Händen tragen!", erwiderte Sanji und Nami strahlte ihn an, als ob Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen würden. Zorro wurde beinahe schlecht. So viel Gefühlsduselei an einem Abend konnte er kaum ertragen.
 

Er winkte die Bedienung herbei und bestellte sich ein Bier, dabei beobachtete er, wie Robin neben Law auf dem Ledersofa Platz nahm. Dass Robin ihn keines Blickes würdigte, verletzte irgendwie seinen Stolz. "Alles klar bei dir?", riss Nami ihn plötzlich aus seinen Gedanken. "Klar, warum fragst du?". Nur widerwillig löste er den Blick von Robin, die in ihrem kurzen, enganliegenden, schwarzen Minikleid einfach zu heiß aussah. "Ich hatte gefragt, woher Law und Robin sich kennen. Sie ist super nett und Koala ist froh, sie als Mitbewohnerin zu haben!". "Sie wohnt in deinem Zimmer?", fragte Zorro überrascht, während sein Blick von Robins Hüften zu ihren Beinen hinunterglitt. "Ja, erst sei ein paar Wochen. Sie hat mir erzählt, dass sie davor bei einer Tante auf dem Land gelebt und jetzt eine Stelle als Reporterin bei der OharaDaily bekommen hat!". "Aha... Also kennt sie Law wohl auch noch nicht sehr lange...", stellte Zorro leise fest. Umso besser, denn sein Kampfgeist erwachte. Irgendetwas an dieser Frau faszinierte ihn und er war nicht bereit, Robin seinem Bruder kampflos zu überlassen.
 

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Robin betrachtete Laws Seitenprofil. Gerade hatte er hier erzählt, dass er Sportagent war und durch seinen Job bereits einiges von der Welt gesehen hatte. Insgeheim beneidete sie ihn darum. Robin hatte das Land nie verlassen. Ihr Blick wanderte von seinem perfekten Gesicht auf seinen gut trainierten Körper. Er sah nicht nur gut aus, er war auch richtig nett. "Und du arbeitest für die OharaDaily?". Und er war ein Mann, der zuhörte. So etwas gefiel Robin und Law sammelte in ihrem Kopf gerade kleine Pluspunkte. "Genau. Ich schreibe Sportberichte und hatte erst kürzlich das Vergnügen, deinen Freund da drüben kennenzulernen...", erklärte sie und nickte mit dem Kopf zu Zorro. "Hört sich interessant an. Vielleicht komm ich dich auf der Arbeit mal besuchen!". Law schenkte ihr ein Lächeln, dass sie beinahe dahinschmelzen ließ. Doch je länger sie sich mit ihm unterhielt, desto drängender wurde für sie die Frage, was mit der Frau aus der Bar war. Sie nahm all ihren Mut zusammen und wagte einen Versuch. "Das würde mir gefallen. Aber was sagt deine Freundin denn dazu?". Erleichtert bemerkte sie, wie auf Laws Gesicht ein fragender Ausdruck erschien. "Die Frau aus der Bar?", half sie ihm auf die Sprünge. "Ach die! Keine Ahnung, noch nie zuvor gesehen", stellte er richtig. "Im Moment ist da niemand, der irgendein Problem damit haben könnte, dass ich hier sitze und mich mit dir unterhalte!". "Dann bist du ganz herzlich eingeladen, mich bei der Arbeit besuchen zu kommen. Vielleicht nur nicht, wenn mein Boss da ist...". "So schlimm?". Law sah sie mitfühlend an. "Schlimmer als schlimm. Aber lass uns nicht darüber reden. Sag mir lieber, wie du zu dem ganzen Haufen hier kommst." Robin deutete mit dem Kopf auf Nami, Koala und dem Rest.
 

"Ich kenne eigentlich nur Sanji und Zorro. Zorro ist mein Bruder und …". Den Rest bekam Robin nur noch halb mit. "Dein Bruder?", fragte sie völlig überrascht nach. "Kleiner Bruder. Er ist drei Jahre jünger und... Was soll ich sagen? Er ist einfach ein Glückspilz. Schon als Zehnjähriger wurde er von einem Talentsucher entdeckt und kam auf ein Sportinternat, weit weg von zuhause. Für meinen Onkel und mich war das nicht einfach. Aber Zorros größter Traum war schon immer das Fußballspielen!". "Vermutlich kann er nichts anderes." Law nickte und fing ihren Blick auf. Ein warmer Schauer lief ihr dabei über den Rücken. "Und was ist mir dir? Spielst du auch Fußball?". Robin musste etwas sagen und diese kurze, beunruhigende Stille überbrücken. Law wandte sich ab, schnappte sich sein Bier und brummte: "Früher. Ich hol mal Nachschub. Willst du auch etwas?". Irritiert sah Robin ihn an. Hatte sie etwas Falsches gesagt? "Ähm, nein danke!", wehrte sie ab und sah Law nach, wie er zur Bar schritt.
 

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Na, da schau einer an! Law hatte sie freigegeben. Seine Chance, ihr mal zu zeigen, wer hier die bessere Partie war. Langsam erhob er sich und ignorierte den lüsternen Blick der Brünetten, die ihn schon den ganzen Abend anstarrte. Vor Robin blieb er stehen und wartete, bis sie zum ihm aufsah. Ihre Augen glitten an ihm hoch und auf ihrer Stirn bildeten sie ein paar Falten. "Du?", kommentierte sie sein Erscheinen nicht besonders freundlich. "Darf ich mich setzen?", fragte er und deutete mit seinem Bier in der Hand auf den freien Sitz neben ihr. Robin zuckte gleichgültig mit den Achseln. Zorro nahm neben ihr Platz und versuchte, ihren Blick aufzufangen. "Wir beide hatten wohl keinen so guten Start. Ich möchte mich dafür entschuldigen. Vermutlich werden wir uns in nächster Zeit öfter über den Weg laufen.". "Vermutlich", gab sie gelangweilt zurück. Die Kleine war also immer noch sauer auf ihn. Doch er währe nicht der begehrteste Fußballspieler des Landes, wenn er damit nicht klarkommen würde. "Süße, es tut mir leid. Ich hätte dich nicht so blöd von der Seite anquatschen sollen.". Er legte seinen Arm an Ihrem Kopf vorbei auf die Rückenlehne. Robin wandte sich ihm zu und auf ihren Lippen lag ein verführerisches Lächeln. Sie lehnte sich dicht zu ihm, ihre Lippen waren nur noch ein paar Zentimeter von seinem Ohr entfernt. Mit leiser, verführerischer Stimme hauchte sie in sein Ohr: "Erstens, nenn mich nie wieder Süße, und zweitens, steck dir deine Entschuldigungen sonst wohin. Es ist mir egal, ob wir zwei miteinander klarkommen oder nicht. " Langsam erhob sie sich und Zorro sah ihr verdattert hinterher, während sie zu Koala ging und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Diese nickte und nach einer kurzen Verabschiedung von Nami und Sanji schlenderte Robin mit hocherhobenem Kopf an ihm vorbei. Er blickte ihr nach, wie sie aus dem Club verschwand.
 

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Was dachte der Typ sich eigentlich? Dass sie sich mit ein paar Schmeicheleien und einem spendiertem Drink kaufen ließ? Das mochte ja bei seinen anderen Eroberungen funktionieren, aber sich nicht bei ihr! Sie hatte genug Köpfchen, um sich von seinem Aussehen nicht beeindrucken zu lassen. Energisch schlüpfte sie in ihren Mantel und war froh, endlich aus diesem Laden abhauen zu können. Schade war es nur um Law. Sie hätte sich gerne von ihm verabschiedet, schließlich konnte er nichts dafür, dass sein Bruder so ein frauenaufreißender Playboy war. Robin ging an den anderen Gästen vorbei und trat in die eisige Nachtluft. Der Wind blies ihr um die Ohren und sie war froh, als gleich ein Taxi vor ihr hielt. Vor Kälte zitternd, nahm sie im Wagen Platz und gab dem Fahrer ihre Adresse. Mit dem Kopf an die Scheibe gelehnt, starrte sie blicklos aus dem Fenster. Eine weitere Bestätigung, dass ihr Leben ohne Männer besser war.

Kapitel 4

Das unaufhörliche Klingeln an der Wohnungstür riss Zorro aus dem Schlaf. Mit zusammengekniffenen Augen sah er auf die Uhr. Es war kurz nach zehn, also noch mitten in der Nacht. Der Clubbesuch am gestrigen Abend war länger gewesen als geplant. Sanji hatte Zorro um kurz nach vier Uhr morgens zuhause abgesetzt. Eigentlich war ihm die Lust auf Party vergangen, nachdem Robin ihn wie einen Idioten hatte stehen lassen, doch dann hatte er Bonney wiedergetroffen. Zorro war mal für ein paar Wochen mit ihr zusammen und eigentlich entsprach sie auch ganz seinen Vorstellungen. Warum er sie dann nicht mit nach Hause genommen hatte, konnte er sich selbst nicht erklären. Wahrscheinlich hatte Bonney nur darauf gewartet. Das erneute Klingeln ließ ihn widerwillig aus dem Bett aufstehen und zur Tür gehen. Nur mit seiner Boxershorts bekleidet, öffnete er. "Was ist denn mir dir los? Hast du noch geschlafen?", begrüßte ihn Sanji. "Hm...". "Ich dachte, wir wollten joggen gehen?". "Jetzt?!". Zorro blickte verschlafen zu dem Blonden, der in Sportbekleidung vor ihm stand. "Natürlich jetzt! Das war doch schließlich deine Idee... Los, zack, zack... Zieh dich an!", befahl Sanji. "Okay, gib mir ein paar Minuten." Zorro bat Sanji herein und verschwand anschließend in seinem Zimmer, um seine Sportklamotten anzuziehen.
 

Völlig erschöpft ließ er sich neben Sanji auf eine Parkbank fallen. Er hatte definitiv zu wenig Schlaf abbekommen. Zum Glück schnappte der Blonde genauso nach Luft wie er. "Die Vorbereitung wird ganz schön heftig!", japste Sanji. "Das kannst du laut sagen... Aber das muss sein, denn dieses Jahr ist es ein Muss, die Meisterschaft zu holen!". "Absolut... Kommst du noch mit zum Brunchen?", wechselte Sanji abrupt das Thema. "So?". Zorro deutete auf seine verschwitzten Sportsachen. "Klar", erwiderte Sanji nur schulterzuckend
 

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Robin sah sich staunend in der schönen Wohnung um. Zuerst war sie gar nicht begeistert gewesen, als Nami Koala und sie in aller Frühe angerufen hatte, um sie zum Brunchen einzuladen. Robin hatte ihrer Mitbewohnerin, die mit Nami telefoniert hatte, durch Handzeichen zu verstehen gegeben, dass sie nicht mitkommen würde. Aber als Koala ihr dann einen strafenden Blick zugeworfen hatte, der deutlich machte, dass Koala von ihrer Absage nicht sonderlich begeistert war, hatte Robin widerwillig zugestimmt. Schließlich meinte es Koala nur gut und sie wollte, dass ihre neue Mitbewohnerin Anschluss fand. Jetzt saß sie hier an dem riesigen runden Tisch und wusste nicht, was sie als Erstes auf ihren Teller packen sollte. "Mädels, greift zu!". Nami deutete auf den reichhaltig gedeckten Tisch. Robin schenkte sich zunächst einen Kaffee ein und griff dann nach einem Croissant. "Wieso bist du gestern eigentlich so plötzlich abgehauen?", wollte Koala an Robin gewandt wissen. "Ich war müde", log sie und bestrich sich das Croissant mit Nuss-Nougat-Creme. "Aha... Das Ganze hatte aber nicht zufällig etwas mit Zorro zu tun?". "Mit Zorro? Nein, warum sollte es?". "Nun, die Spannung zwischen euch beiden war ja förmlich zum Greifen.". "Was du nicht alles siehst, Koala!", wehrte Robin ab. "Also, ich muss schon sagen, Zorro ist echt ein Schnittchen", stimmte Nami zu, die sich das Gespräch bis jetzt schweigend angehört hatte. "Wie ihr meint …". Robin nahm einen Schluck aus Ihrem Kaffeebecher. Sie konnte sich hier bei Zorros Freunden schließlich kaum über ihn auslassen. "Du willst uns doch nicht ernsthaft erzählen, dass du ihn nicht auch heiß findest?". "Er sieht ganz gut aus, das stimmt...", gab Robin nach und widmete sich wieder ihrem Croissant. "Oh, danke schön, Robin", erklang plötzlich eine tiefe, männliche Stimme hinter ihr. Erschrocken fuhr sie herum und blickte in zwei grüne Augen. Zorro fixierte sie mit seinem Blick und seine Lippen verzogen sich zu einem verführerischen Lächeln. Dabei bildeten sich Grübchen auf seinen Wangen. Auch wenn sie ihn verabscheute, Zorro sah wirklich heiß aus! Er trug ein Achselshirt, so dass seine kräftigen Arme freilagen. Sein Haar war leicht feucht und eine verirrte Strähne fiel ihm in die Stirn. >Hör auf, ihn so anzustarren, und sag lieber etwas<, rügte sie sich in Gedanken. Allein sein Anblick löste in ihr ein warmes Kribbeln aus, was sie aber mit vehement zu unterdrücken versuchte. Nami rettete die peinliche Situation. "Setz dich doch. Du hast bestimmt Hunger."
 

Zorro nahm neben Robin Platz und grinste sie spitzbübisch an. Die Anderen widmeten sich wieder ihrem Frühstück. Zorro beugte sich leicht zu Robin und flüsterte kaum hörbar: "Danke sehr. Und ich dachte schon, du wärst nicht an mir interessiert!". "Bild dir bloß nichts ein, Playboy!", zischte sie und hätte ihm sein dämliches Grinsen am liebsten aus dem Gesicht geschlagen. "Warum denn so aggressiv?", hauchte er. Aggressiv?! Sie war nicht 'aggressiv', auch wenn sie sein perfekt geschnittenes Gesicht am liebsten in einer Regentonne gesehen hätte. Okay … er hatte recht, sie war aggressiv. Aber das alles war nur seine Schuld. Obwohl sie ihn gar nicht richtig kannte, weckte er doch eine unglaubliche Wut in ihr, was ihr bisher noch bei niemanden passiert war.
 

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Seelenruhig lehnte sich Zorro auf seinem Stuhl zurück und griff nach seiner Tasse. Allein der Duft des Kaffees ließ ihn wacher werden. Sanji, der ihm gegenüber saß und nach einem Brötchen angelte, sah ebenso wenig fit aus, ganz im Gegensatz zu den drei Damen. Obwohl Nami und Koala den Club auch erst so spät verlassen hatten, wirkten sie doch frischer. Robin, die neben ihm saß und mit ihren Zähnen an der Unterlippe knabberte, schien über seinen letzten Satz nachzudenken. Gut, er musste zugeben, dass es ihm Spaß machte, sie zu ärgern. Aber auch nur, weil sie sich so schnell auf die Palme bringen ließ. Ihre Arme hatte sie nun vor ihrem Körper verschränkt und starrte ihren Teller an, als ob er jeden Moment zum Leben erwachen würde. Sie war wütend auf ihn und eigentlich konnte er es ihr nicht einmal verübeln. Wenn sie sauer auf ihn war, würde sie nie in seinem Bett landen, so viel stand fest. Doch hatte sie nicht gesagt, dass er gut aussehen würde? Mit einem zufriedenen Lächeln blickte er zu Robin hinüber.
 

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Langsam beruhigte Robin sich und löste ihre verschränkten Arme. Dabei war ihr nicht entgangen, wie Koala immer wieder einen Blick zu ihnen warf, so als wollte sie jedes kleine Detail zwischen ihnen analysieren und beurteilen. Zorro war nicht der erste Playboy in ihrem Leben und Robin wusste genau, wie man mit ihnen umzugehen hat. Automatisch musste sie an Franky zurückdenken und ihre Hände verkrampften sich wieder. Franky und Zorro hatten enorme Ähnlichkeit. Nicht unbedingt vom Äußerlichen, aber charakterlich. Sie hat viel Zeit damit verbracht, Franky zu vergessen. Franky war ihr erster richtiger Freund gewesen. Ein gutaussehender, charmanter Mann, der als freiberuflicher Fotograf diverse Aufträge annahm, unter anderem auch für verschiedene Zeitungen. Robin hatte ihn auf einer Party ihres damaligen Arbeitgebers kennengelernt und war vom ersten Augenblick in ihn verliebt gewesen. Er war mit Abstand der bestaussehende Mann, den sie bis zu diesem Zeitpunkt kennengelernt hatte. Als er sie dann tatsächlich um ein Date gebeten hatte, war sie überglücklich. Kurz darauf waren sie zusammengekommen und beinahe ein ganzes Jahr glücklich gewesen, bis zu jenem Abend, an dem sie Frankys wahres Gesicht kennengelernt hatte. Robin war nicht die Einzige gewesen, die das Bett mit ihm geteilt hatte. Das hatte sie schmerzhaft erkennen müssen, als sie ihn mit einer zugekleisterten, vollbusigen Tussi im Arm in einer Bar getroffen und diese sich als seine Freundin vorgestellt hatte. Daraufhin hatte sie den Kontakt abgebrochen und sich geschworen, so schnell wie möglich so weit weg wie möglich von ihm wegzukommen. Ihr Magen krampfte sich zusammen und holte sie schmerzhaft aus ihren Erinnerungen zurück. Robin schob angewidert ihren Teller von sich und versuchte, die Erinnerungen zu verdrängen, indem sie sich an dem Gespräch zwischen Koala, Nami und Sanji beteiligte. "Ich würde mich wirklich freuen, wenn du mich einmal besuchen kommst. Mein Onkel ist der Manager des Vereins und hat sicher nichts dagegen", bot Nami Robin im Laufe des Brunchs an. "Das ist wirklich sehr nett, aber ich weiß noch nicht einmal, für welchen Sportteil ich zukünftig schreiben darf. Mein Chef hat mich bis jetzt noch nicht darüber informiert", wehrte Robin freundlich ab. Sie hatte Nami schon am Vorabend erzählt, dass sie in ihrem Job ziemlich unter Druck stand und Mr. Zero ziemlich anstrengend war und seinen Mitarbeitern viel abverlangte. Außerdem gefiel ihr der Gedanke nicht, Zorro öfter sehen zu müssen, als es unbedingt notwendig war. Er erinnerte sie zu sehr an ihren Ex. "Die meisten Sportreporter im Fußballbereich sind Männer...", warf Zorro nun ein, der das Gespräch bis dahin stumm mitverfolgt hatte. Sanji nickte bestätigend. Bis jetzt hatte Zorro sich eher im Hintergrund gehalten, was Robin mehr als recht war. So hatte sie ihn so gut es ging ignorieren können. Doch diese Aussage war zu viel. Nicht nur Koala und Nami protestierten dagegen, auch sie ließ sich das nicht gefallen. Ihr Kopf schoss zu Zorro hinüber und auf ihrem Gesicht zeichnete sich ein entrüsteter Ausdruck ab.
 

"Soll das etwa heißen, das du einer Frau das Schreiben über Fußball nicht zutraust?". "Das habe ich nicht gesagt...". Zorro verschränkte die Arme vor seiner Brust. "... aber gemeint.". "Nicht direkt. Es ist nur eben unüblich für eine Frau.". "Halt. Falls es dir entgangen sein sollte, gibt es in fast jedem Land auf der ganzen Welt Frauenmannschaften, die nicht schlechter Fußball spielen als ihr Männer", warf nun Koala ein. "Das mag ja sein, aber Fußball ist nun mal in erster Linie Männersache", erwiderte der Grünhaarige. Sanji sagte nichts, stimmte Zorro aber mit einem Nicken zu. "Ich mag vielleicht nicht viel von Fußball verstehen...", begann Nami, wurde aber sofort von Sanji mit einem breiten Lächeln unterbrochen. "Schatz, du weißt gar nichts über Fußball!". "Gut, ich versteh vielleicht nichts davon, aber Robin sicherlich. Sonst hätte sie ihren Job nicht bekommen", gab Nami zu bedenken. Robin formulierte mit den Lippen ein wortloses 'Danke' an Nami. "Wie dem auch sei. Ich behaupte trotzdem, dass männliche Reporter besser über Fußball schreiben können", entgegnete Zorro und führte seine Tasse an die Lippen. "Das werden wir ja noch sehen…". Robin war sich sicher, ihn vom Gegenteil überzeugen zu können. Gleich am Montag würde sie Mr. Zero bitten, über den Fußballteil schreiben zu dürfen. Für die Anderen war das Thema damit erledigt und das Gespräch über die Arbeit der Anderen wurde fortgeführt. Zorro legte seinen Arm auf Robins Stuhllehne, dicht an ihren Schulterblättern vorbei. Dabei beugte er sich leicht zu ihr und taxierte sie mit seinen grünen Augen. Sie hatte das Gefühl, als würde er sich mit seinen Blicken hypnotisieren. Fasziniert starrte sie in seine Augen. Dazu noch dieses Lächeln, als ob er für Zahnpasta werben würde. Kein Wunder, warum er jede Frau haben konnte. Bei seinem Blick wurde ihr ganz heiß und unruhig rutschte sie auf ihren Stuhl herum. "Ich lasse mich gern eines Besseren belehren..."

Kapitel 5

"Guten Morgen", begrüßte Robin am Montagmorgen ihre Kollegen, die zum Teil schon vor ihren Computern saßen. Vereinzelt grüßten ein paar zurück oder nickten ihr kurz zu. Robin stelle ihre Tasche unter den Schreibtisch und startete ihren Computer. Es war schon ein etwas älteres Modell und sie hoffte jedes Mal, dass er ihr keinen Stromschlag verpasste. Während der PC langsam hochfuhr, genehmigte sie sich einen Schluck von ihrem Pappkaffeebecher und überlegte, wie sie Mr. Zero davon überzeugen konnte, ihr den Fußballteil zu überlassen, zumindest den von Zorros Mannschaft. Nach ihrem Brunch bei Nami und Sanji hatte sie sich noch lange über Zorros Ansicht, Frauen gehören nicht in den Fußballsport, geärgert. Das war doch Mittelalterdenken, so viel stand fest. Sie würde diesen arroganten Pinsel schon vom Gegenteil überzeugen, auch wenn sie dafür Tage vor ihrem PC verbringen musste. Das war sie sich und allen anderen Frauen schuldig, die noch immer mit Männern zu tun hatten, für die Fußball reine Männersache war.
 

Circa zwei Stunden später klopfte sie an Mr. Zeros Bürotür und trat, nachdem er ein unfreundliches "Herein" gerufen hatte, ein. "Ms. Nico", sagte er nicht besonders erfreut. "Was verschafft mir denn die Ehre?". Robin trat mit einem freundlichen Lächeln in das Büro ein. "Nun", sie nahm auf dem dunklen Stuhl ihm gegenüber Platz und begann mit der Rede, die sie sich die letzten zwei Tage überlegt hatte. "Ich habe die Möglichkeit, an einer privaten Führung teilzunehmen. Dabei handelt es sich um einen der größten Fußballclubs des Landes.". Mr. Zero hob fragend die Augenbraue. "Wie kommts?". "Kontakte...". Sie wollte nicht all ihre Karten preisgeben. Mr. Zero fuhr sich durch sein Haar und nickte dann. "Sehr schön. Die Saison beginnt in ein paar Wochen und wir haben einige männliche Leser, die das mit Sicherheit interessiert.". Schon wieder ein Mann, der dachte, Fußball wäre nur was für Männer. Mr. Zero stützte sich mit den Ellenbogen auf seinen Schreibtisch und verschränkte die Finger vor seinem Gesicht, als müsste er ernsthaft überlegen. "Ich werde Ihnen Bepo mitschicken", sagte er dann. Bepo? Das war doch der kleine Mann, der aussah wie ein Bär. Niemals. Sie würde den Artikel schreiben und sonst niemand. "Das wird nicht nötig sein, Mr. Zero.". Ihr Chef hob seinen Blick und seine kalten, unfreundlichen Augen glotzten sie abweisend an. "Ms. Nico, ich denke dass ich am besten beurteilen kann, was nötig ist und was nicht!". "Da stimme ich Ihnen im Grunde ja auch zu, aber die Sache ist nun mal die, dass die Führung mir angeboten wurde. Außerdem kenne ich mich mit Fußball aus und …", versuchte sie, in zu überzeugen. "Ms. Nico, ich sehe ihr Talent als Reporterin eher bei anderen Sportarten. Zum Beispiel Schachmeisterschaften oder Schwimmen oder … nun eben alles Andere!". Bis eben hatte sie ihre Emotionen noch komplett unter Kontrolle gehabt, doch das war nun vorbei. Sie würde Mr. Zero, Zorro und alle anderen Machos schon vom Gegenteil überzeugen. Sie konnte mehr, als über Schach und dergleichen schreiben. Mit verschränkten Armen und einem selbstbewussten Blick erwiderte sie: "Das ist aber sehr schade, denn eigentlich wollte ich Sie bitten, mir den Fußballteil zu überlassen...". Mr. Zero, der eben noch von seiner Kaffeetasse getrunken hatte, verschluckte sich bei ihrem Satz. Sein Gesicht lief krebsrot an. Sie konnte nicht genau sagen, ob es an der Tatsache lag, dass er sich verschluckt hatte, oder an seiner Wut. Jedenfalls fragte sie sich, ob sie mit ihrer Bitte zu weit gegangen war. Bis jetzt war Robin ihr Selbstbewusstsein noch nie im Weg gestanden, aber in diesem Moment, dachte sie, könnte es zum ersten Mal Probleme damit geben. Langsam beruhigte sich Mr. Zeros Husten und mit dem Hemdärmel strich er über seinen Mund. "Bepo schreibt den Fußballteil!". "Das ist mir durchaus bewusst, aber Bepo kann nicht bei allen Spielen gleichzeitig sein. Außerdem würde es mir voll und ganz reichen, nur über die Fußballmannschaft von Genzo zu schreiben. Über die anderen Bereiche können Sie gerne entscheiden!". Mr. Zero sah sie abschätzend an. Eine Weile sagte er gar nichts, doch dann nickte er ganz leicht. "Schreiben Sie über Ihren Besuch, und wenn mir der Artikel gefällt, dann dürfen Sie Ihre Fußballmannschaft auch in Zukunft übernehmen!". Robin klatschte innerlich begeistert in die Hände.
 

"Robin, schön von dir zu hören. Wie geht es dir?". Namis gut gelaunte Stimme drang durch das Telefon. "Gut und selbst? Hast du viel zu tun?". "Geht so... Übrigens hab ich mit meinem Onkel gesprochen. Er findet die Idee mit dem Artikel klasse. Er denkt, so ein Bericht würde auch Leute ansprechen, die nicht unbedingt zu den eingefleischten Fans des Vereins gehören!". "Wirklich? Du glaubst gar nicht, wie froh ich darüber bin! Eben hab ich mit meinem Chef gesprochen und er hat nach langem Zögern zugestimmt, dass ich den Artikel schreiben darf!". Robin stützte ihren Ellenbogen auf den Schreibtisch und sprach so leise, dass die anderen Mitarbeiter nichts von ihrem Gespräch mitbekamen. "Warum denn das? Fand er deine Idee nicht gut?". "Die Idee fand er super, allerdings traut er mir den Artikel nicht zu. Er sieht mich eher im Bereich Schach oder Schwimmen...". "Noch so ein Macho!", stellte Nami mit einem lauten Schnauben fest. "Allerdings. Aber wenn ihm mein Artikel gefällt, darf ich auch in Zukunft über euren Verein berichten!". "Das ist ja toll", freute sich Nami. "Ja. Wann können wir uns wegen der Führung treffen?". "Am Freitagnachmittag? Da ist das Training zu Ende und du kannst noch ein paar Fotos von den Jungs schießen!". "Sehr gut. Das ist wirklich sehr lieb von dir, Nami", bedankte sich Robin noch einmal. Sie unterhielten sich noch ein wenig und mit einem dicken roten Marker kreiste Robin den Termin am Freitag in ihrem Kalender ein.
 

Die nächsten Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Nach der Arbeit ging Robin nach Hause und fand meistens eine leere Wohnung vor. Koala verbrachte einen Großteil ihrer Zeit bei ihrem Liebsten, doch Robin störte das kaum. Nur manchmal wünschte sie sich, dass sie jemanden hätte, mit dem sie sich abends unterhalten könnte. Nami hatte am Mittwochabend noch einmal angerufen und ihr den Ablauf für Freitag erklärt. Zwischen den beiden entwickelte sich allmählich eine Freundschaft. Robin war sehr froh darüber, denn noch immer kannte sie kaum jemanden in der Stadt und fühlte sich oft etwas einsam. Kurz hatte sie sogar überlegt, sich noch mal auf ein Blinddate einzulassen, doch die Vorstellung, wieder einen totalen Reinfall zu erleben, hatte sie abgeschreckt. Am Freitag verließ Robin gegen Mittag ihr Büro und wünschte den anderen Mitarbeitern ein schönes Wochenende. Bis jetzt hatte sie Glück gehabt und nie am Wochenende arbeiten müssen, doch sie wusste, dass sich das schnell ändern könnte. Mit ihrer Ledertasche unter dem Arm stieg sie in die volle U-Bahn und fuhr zum Vereinsgelände.
 

"Hi Robin!". Nami kam auf sie zugelaufen und öffnete das große, schwere Eisentor, das die Sicht auf das Gelände zum großen Teil versperrte. "Hi!". Robin ließ sich von Nami freudig umarmen und ging neben ihr durch das Gatter, das sich hinter ihnen gleich wieder schloss. "Wo wollen wir anfangen? Bei den Büros oder hier draußen?". Nami blickte auf ihre Armbanduhr. "Das Training geht noch eine gute halbe Stunde. Ich zeig dir in der Zwischenzeit die Kabinen!". Robin nickte zustimmend. Sie betraten das Gebäude und die Orangehaarige führte sie einen langen, schmalen Gang entlang. Währenddessen erklärte sie Robin, was wo zu finden war. "Hier ist die Kabine der Jungs und dort", sie deutete in Richtung einer zweiten Tür, "die angrenzenden Duschen. Hier darfst du keine Fotos machen, aber reinschauen ist erlaubt." Sie stieß die Tür auf und ließ Robin den Vortritt. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, die Kabine bis auf ein paar Klamotten leer vorzufinden, doch sie irrte sich. Eine Horde halbnackter Männer, die zum Teil nur mit einem Handtuch bekleidet waren, stand im Raum und unterhielt sich. Robin spürte, wie sie augenblicklich rot anlief und wollte schon unauffällig den Rückzug antreten, als sie entdeckt wurde. Nami räusperte sich leise hinter ihr und Robin blickte in die fragenden Gesichter der Spieler. Verlegen suchte sie nach Worten, um die Situation zu entschärfen, als ihr Blick auf einen Mann fiel, der lachend mit nassem Haar und einem Handtuch um die Hüften aus dem angrenzenden Duschraum kam. Sie war nicht fähig, ihren Blick von dem durchtrainierten, braungebrannten Kerl abzuwenden, der mit jedem Lacher ein Muskelspiel auf seiner Brust und dem Bauch hervorrief. Dann wurde sie auch von ihm bemerkt. Zuerst starrte er sie verwundert an, doch schnell setzte Zorro wieder seinen abgebrühten Blick auf und schenkte Robin sein Aufreißerlächeln.
 

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Zorro ließ seinen Blick unauffällig über ihre perfekt sitzenden Jeans und die enge, schwarze Bluse gleiten. Auf ihren Wangen bildete sich eine verlegende Röte ab und ihre Hände, die Stift und Block hielten, zitterten unkontrolliert. Ihr langes schwarzes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und sah so wie eine typische Sportreporterin aus. Nami fand als Erste ihre Fassung wieder und erklärte ruhig: "Jungs, wir wollten nicht einfach so in eure Kabine stürmen. Wir dachten, ihr wärt noch mit dem Training beschäftigt." Dabei trat sie neben Robin. "Das ist Nico Robin. Sie ist Reporterin für die OharaDaily und wird einen Artikel über unseren Verein schreiben...". "Die Kleine darf gern auch über mich einen Artikel schreiben", rief Ace, der neue Abwehrspieler, und zog sich sein Shirt über den harttrainierten Bauch. "Ich stell mich auch gern zur Verfügung!", johlte Marco von seinem Spint aus. Zorro musste noch breiter grinsen, als er sah, wie Robin immer verlegener wurde. Es gefiel ihm, wenn sie einmal nicht gleich ihre Krallen ausfuhr. So befangen sah sie noch hübscher aus, und doch störte ihn die Tatsache, dass sie als Reporterin mit Sicherheit mehr Männer kennenlernen würde, als sie verkraften konnte. Ein Blick genügte. Er sah, wie Robin überfordert den Blicken der Spieler auswich und auf ihre Hände starrte, wie sie auf die anzüglichen Kommentare seiner Mitspieler nicht reagierte und wie einer ihrer Füße ungeduldig auf den Boden tippte. Das Gefühl, ihr helfen zu müssen, überkam ihn urplötzlich und so ging er zu Ace und Marco rüber und sagte. "Vermutlich hat Ms. Nico im Moment keine Zeit für einen Artikel über euch, Jungs." Dabei blickte er zu Robin rüber, die ihn mit weitgeöffneten Augen ansah und zustimmend nickte. "Bis später, Jungs", verabschiedete sich Nami und zog die noch immer beschämt dreinschauende Robin hinter sich durch die Tür.
 

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"Ganz schön verwirrend, so viele schöne Männer auf einen Haufen zu sehen...", flüsterte Nami mitfühlend und schob Robin den Flur entlang zu einer Tür, die nach draußen führte. Robin sog die Luft in ihre Lungen, denn sie hatte immer noch das Gefühl, nicht richtig atmen zu können. Zum letzten Mal hatte sie so empfunden, als sie Franky mit einer anderen im Arm gesehen hatte. Doch nun tauchte in ihrem Kopf nicht, wie erwartet, Frankys Bild auf, sondern sie sah Zorro und seinen perfekt durchtrainierten Körper, wie er sie in Schutz nahm. Ausgerechnet er, der sich über ihr Gaffen und ihre Sprachlosigkeit doch am meisten hätte lustig machen müssen, war ihr zur Hilfe geeilt. In natura war er noch heißer als auf den Fotos und sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie es wohl wäre, seine nackte Haut zu spüren … "Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so viele nackte, attraktive Männer auf einmal gesehen", waren die ersten Worte, die Robin sprach, seitdem sie die Kabine betreten hatten. Damit wollte sie sich nicht nur vor Nami sondern auch vor sich selbst rechtfertigen. Was war nur los mit ihr? Sie war dagestanden wie eine Idiotin, die nicht einmal sprechen konnte. Wie sollte sie so ihren Job machen? Die Spieler würden sich jetzt ewig an sie als stumme und glotzende Reporterin erinnern und sie sicher nicht mehr ernst nehmen.
 

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Was war nur mit Robin los? Sonst hatte sie doch auch immer einen kessen Spruch auf Lager und dann verhielt sie sich plötzlich wie ein verschrecktes Reh. Zorro zog sich kopfschüttelnd das T-Shirt über und knöpfte dann seine Jeans zu. Der größte Teil der Mannschaft hatte die Kabine bereits verlassen und war in das Wochenende gestartet. Die Trainingswoche war hart gewesen und Zorro spürte, dass jeder Muskel in seinem Körper angespannt war. Nächste Woche würde er sich von Physiotherapeuten des Vereins die Beine lockern lassen. Diese fühlten sich an, als ob sie aus Zement wären. "Hast du schon Pläne fürs Wochenende?". Sanji, der neben Zorro stand und sich anzog, warf ihm einen kurzen Blick zu. "Law schaut sich ein paar Wohnungen an. Vielleicht werde ich ihn dabei unterstützen!". "Du? Seit wann schaust du dir freiwillig Wohnungen an? Darf ich dich daran erinnern, dass deine Wohnung von unserem Manager ausgesucht wurde, weil du darauf keinen Bock hattest?!" Dabei klopfte Sanji ihm kurz auf den Rücken und warf sich seine Trainingstasche über die Schulter. "Ich leugne nicht, dass ich mir in meiner Freizeit Schöneres vorstellen könnte, aber seit du mit Nami zusammen bist, bleibt mir ja kaum noch was anderes übrig. Allein wegzugehen macht nicht wirklich Spaß und Ace und die anderen Jungs sind ja auch mittlerweile zum größten Teil nur noch mit ihren Freundinnen beschäftigt!". Sanji grinste. "Vielleicht solltest du dir einfach auch eine feste Freundin zulegen!". "Alles klar, Alter. Du weißt doch, dass ich beziehungsunfähig bin. Zumindest haben mir das meine früheren Freundinnen oft genug um die Ohren geschlagen..." Zorro schlüpfte in seine Lederjacke und schnappte sich ebenfalls seine Tasche. "Vielleicht solltest du dein Beuteschema einfach mal überdenken." Klar, Sanji hatte leicht reden, er hatte schließlich in Nami seine Traumpartnerin gefunden. Doch so eine Frau wie Nami war schwer anzutreffen. Die meisten Weiber wollten nur einmal Sex mit einem Promi, sein Geld oder im Rampenlicht stehen. Zorro winkte ab und folgte Sanji aus der Kabine. Warum sollte er sich überhaupt eine Freundin anschaffen? Er bekam regelmäßig das, was er wollte. Wozu dann eine Frau, die ihn bevormundete und ihm ständig die Ohren volljammerte?
 

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Mit einem dicken Stapel vollgekritzelter Blätter in den Händen nahm Robin auf dem Stuhl in Namis kleinen Büro Platz. Währenddessen erzählte ihr diese, dass sie nach ihrem Praktikum richtig Glück gehabt und jetzt eine unbefristete Anstellung im Verein hatte. Das Management verursachte so viel Schreibarbeit, dass es über Namis Anwesenheit froh war. Auch ihr schien der Job großen Spaß zu machen.

Die Führung war ohne weitere besondere Vorkommnisse verlaufen und Robin hatte einen guten Eindruck vom Tagesablauf der Spieler bekommen. Erschöpft lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück und genoss den Kaffee, den Nami ihr gebracht hatte. "Was hast du denn am Wochenende vor?", wollte diese nun wissen. "Als Erstes möchte ich meinen Bericht schreiben. Wenn dann noch Zeit bleibt, geh ich vielleicht ein wenig shoppen." Sie war es leid, immer ihre verschlissenen Klamotten zu tragen, die schon weit mehr Gebrauchsspuren aufwiesen, als ihr lieb war. Es war endlich an der Zeit, ihren Teenagerlook loszuwerden und gegen einen professionelleren auszutauschen. Vielleicht würde Mr. Zero sie dann ernst nehmen. "Shoppen? Wenn du willst, begleite ich dich!". "Gerne! Ich bin mit den Geschäften eh noch nicht so vertraut und erst recht nicht, wenn es um erschwingliche Kleidung für meinen Geldbeutel geht!". "Super, dann hol ich dich ab. Gegen Nachmittag?". Robin nickte. "Ja, gern. Dann kann ich am Morgen noch an meinem Bericht arbeiten."
 

Knapp eine Stunde später verließ Robin das Gebäude und ging gedankenversunken über den Hof zum Tor, welches das Gelände abgrenzte. Sie kam gerade am Parkplatz vorbei, als jemand ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ihre Schritte verlangsamten sich und sie musste nicht zweimal hinsehen, um zu wissen, dass es sich dabei um Zorro handelte. Er trug eine abgetragene Jeans und ein schwarzes, eng anliegendes T-Shirt. Obwohl seine Klamotten recht normal wirkten, sah er doch aus, als ob er einem Hochglanzmagazin entsprungen wäre. Wie in Zeitlupe ging sie näher ran und überlegte, ob sie ihm für sein Einschreiten eben in der Kabine danken sollte. Doch gerade als sie sich abwenden wollte, drehte Zorro den Kopf und fing ihren Blick auf. Seine smaragdgrünen Augen bohrten sich in ihre und Robins Herzschlag beschleunigte sich ungewollt. Sein Blick war so intensiv, dass es ihr beinahe Angst machte. Ihr Blut schoss durch ihren Körper, direkt in ihren Kopf. Um sie herum begann sich alles zu drehen und bevor sie komplett den Verstand verlor, wandte sie sich ab. Was war nur los mir ihr? Warum hatten Zorros Augen und die Art, wie er sie anblickte, so eine Wirkung auf sie? Zorro sagte nichts, doch sie wusste, dass er ihre Verlegenheit deutlich mitbekommen hatte. Ob er das mit Absicht tat? Mit Sicherheit. Zorro war ein Player, genauso wie Franky. Diese Art von Mann liebte es, mit ihrer Ausstrahlung Frauen um den Finger zu wickeln. Nicht mit ihr! Robin war immun dagegen, zumindest sagte sie sich das immer und immer wieder. "Hey", rief Zorro und kam ein paar Schritte auf sie zu. Wie zur Salzsäure erstarrt, stand sie da, obwohl sie eigentlich schnellstmöglich ihre Beine in die Hand nehmen sollte, um davonzurennen. "Ähm, hey", brachte sie heraus. "Alles okay bei dir? Das mit den Jungs in der Kabine tut mir leid. Manchmal benehmen sie sich wie pubertierende Teenager!". "Du kannst ja nichts dafür..." Robin spürte, dass ihr Herzschlag sich nur langsam beruhigte, was vermutlich daran lag, dass Zorro sie noch immer aufmerksam ansah. Kurz herrschte eine betretene Stille. "Kann ich dich irgendwohin mitnehmen?" Zorro deutete auf sein Auto. "Danke, das ist nicht nötig." Sollte sie sich nun bei ihm bedanken? Unschlüssig sah sie ihn an und spürte, dass die Spannung zwischen ihnen nicht hätte größer sein können. Sie war förmlich zum Greifen, und bevor noch irgendetwas Unkontrolliertes passieren könnte, drehte sie sich um und sagte: "Ich geh dann mal! Bis dann!". "Bis dann" erwiderte er schlicht.

Kapitel 6

Mit zittrigen Händen stützte sie sich an der Mauer ab und trat auf die erste Stufe, die sie nach unten bringen würde. Menschen gingen an ihr vorbei. Junge Mädchen, die aussahen, als wären sie sturzbetrunken. Robin richtete ihren Blick stur geradeaus in die Dunkelheit. Sie wollte nicht hier sein, das spürte sie deutlich, und doch suchten sich ihre Füße den Weg, ohne auf ihre Proteste zu hören. Ihr Blick glitt durch den finsteren Raum und blieb an einem Pärchen hängen, das eng umschlungen auf einem Sofa saß und will rumknutschte. Warum nur kam ihr der Junge so bekannt vor? Die Art, wie er seinen Arm um das Mädchen gelegt hatte, dann das Haar, die ganze Statur. Robin ging näher heran und blieb erschrocken vor dem Paar stehen. Sie kannte den Mann. Sie kannte ihn genau. Sie spürte, wie etwas aus ihrem Herzen herausgerissen wurde, und in den Teil, der noch vorhanden war, bohrte sich ein tiefer Stachel. Mit einer Hand vor dem Mund und der anderen an ihrer Brust schrie sie, so laut sie konnte, doch nichts passierte. Noch immer machte das Pärchen vor ihr rum und würdigte sie keines Blickes.
 

Verschwitzt schreckte Robin aus dem Schlaf und schaute sich in der Dunkelheit um. Sie schien zunächst verwirrt, da sie nicht genau wusste, wo sie sich befand, doch langsam dämmerte es ihr. Sie war nicht mehr in der dunklen Bar. Sie stand nicht mehr vor dem knutschenden Pärchen. "Es war ein Traum, Robin. Nur ein Traum...", sprach sie im Flüsterton zu sich selbst. Ihr T-Shirt klebte schweißnass an ihrem Rücken und ihr Mund war staubtrocken. Sie griff nach ihrer auf der Nachtkonsole stehende Wasserflasche und nahm einen großen Schluck. Nur langsam beruhigte sich ihr Herzschlag. Es war nicht das erste Mal, dass sie diesen Traum gehabt hatte. Nein, sie kannte ihn nur zu gut und doch brachte er sie immer wieder aus dem Konzept. Fast täglich hatte sie diesen Albtraum gehabt, der immer von Franky und der anderen Frau handelte, bis vor ein paar Wochen. Ab da hatte er aufgehört und sie musste nicht mehr jede Nacht das Gleiche durchmachen. Warum der Traum jetzt plötzlich wiederkam, konnte sie sich allerdings nicht erklären. War es ihr wirklich nicht vergönnt, Franky zu vergessen? Sollte sie ihr ganzes Leben unter einem Playboy leiden, der mit ihrem Herzen und ihren Gefühlen nur gespielt hatte? Würde sie überhaupt jemals wieder bereit sein, eine normale Beziehung einzugehen? Mit geöffneten Augen starrte sie ihre Zimmerdecke an.
 

"Was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als ob du die ganze Nacht mit dem Kopf gegen die Wand gedonnert wärst!", begrüßte Nami sie gutgelaunt am Samstagnachmittag. Robin verzog das Gesicht. "Ich sehe nicht nur so aus, ich fühle mich auch so!" Hinter sich ließ sie die Tür ins Schloss fallen und ging neben Nami aus dem Haus. "Hast du die ganze Nacht an deinem Bericht gearbeitet?". "Der Artikel ist so gut wie fertig, aber das war nicht der Grund für meine schlaflose Nacht. Ich hatte einen Albtraum...", versuchte Robin ihrer Freundin zu erklären und blickte zum Himmel. Nami nickte verständnisvoll und schloss ihren Wagen auf. Ein nagelneues, weißes Cabrio. "Schickes Auto...". "Hat mir Sanji geschenkt..." Nami winkte ab und nahm auf dem Fahrersitz Platz. "...obwohl ich ihm mehrmals gesagt habe, dass ich kein eigenes Auto brauche. Doch er hat darauf bestanden... Männer!". Dabei verdrehte sie die Augen.
 

Zwei Stunden später und mit vollbepackten Einkaufstaschen verließen sie das letzte Geschäft. Robin hatte sich komplett neu eingekleidet und ihre Kreditkarte bis zum Limit überzogen. Dafür würde sie jetzt die nächsten Wochen, wenn nicht sogar Monate, sparen müssen. Doch das war es ihr wert. "Lass uns was essen gehen. Ich komm fast um vor Hunger!", sagte Nami, während sie sich mit beiden Händen den Magen hielt. "Für einen Salat müsste mein Geld noch reichen...", stimmte Robin zu. "Nein, nein. Ich lade dich ein. Du siehst aus, als hättest du heute noch nichts zu dir genommen.". "Das ist lieb, Nami, aber...". "Kein Aber. Komm!". Und schon zog Nami sie die Straße entlang und hielt vor einem kleinen Restaurant. Mit einer schwungvollen Bewegung öffnete die Orangehaarige die Tür und steuerte auf einen Tisch zu. Robin blickte sich in dem kleinen Lokal um und folgte ihr dann.
 

Robin nahm Platz und verstaute ihre Tüten auf dem Stuhl neben sich. Nami hatte nicht weniger gekauft und belud den anderen freien Stuhl. Der Kellner kam und nahm ihre Bestellung auf, dabei sah Nami ihre neue Freundin an. "Ich glaube, wir sollten zu unserem Essen gleich noch einen Kaffee nehmen!". "Das Gleiche dachte ich mir eben auch. Irgendwie werde ich heute nicht ganz wach.", erwiderte Robin und schloss kurz die Augen. Nami bestellte und wartete, bis der Kellner weg war. "Willst du mir eigentlich erzählen, was dir so schlaflose Nächte bereitet? Du siehst aus, als könntest du jemanden zum Reden gebrauchen.", fragte sie sodann an die Schwarzhaarige gewandt. "Das ist eine längere Geschichte..." Robin blickte Nami an, die das Gesicht auf ihre aufgestützten Ellenbogen gelegt hatte. "Ich habe alle Zeit der Welt. Wenn du darüber reden möchtest, bin ich für dich da!". Robin lächelte dankbar. Nach kurzem Zögern begann sie nun doch zu erzählen. "Ich … Nun, die Sache ist die … Ich bin hierher gekommen, um meinen Ex zu vergessen..." Nami sah sie aufmerksam an und nickte, um Robin zu zeigen, dass sie sie verstand. "Franky und ich waren ein Jahr ein Paar...", Robin schluckte hörbar, "zumindest dachte ich das. Ich hab mir nichts dabei gedacht, dass er als Fotograf so viele Shootings und Aufträge hatte und wir uns deshalb immer nur für ein paar Stunden die Woche gesehen haben." Ihre Bestellungen wurden gebracht und Robin wartete, bis sie wieder alleine waren, bevor sie fortfuhr. "Doch eines Abends habe ich ihn mit ... einer anderen Frau gesehen... wie sie sich geküsst haben."
 

Nami sah sie bestürzt an. "Nein, wie schrecklich! Hast du ihn zur Rede gestellt?". "Natürlich, sofort. Die andere Frau war keine Affäre, sondern seine Freundin. Ich war die Affäre, nur wusste ich nichts davon!". "Das ist nicht dein ernst!", gab Nami erschüttert zurück. "Oh doch... Ich war nie mehr für ihn als eine Gelegenheitsnummer, wenn es in der Beziehung nicht so gut lief.". "Was für ein mieses Arschloch!". Nami nahm ihre Hand und drückte sie mitfühlend. Robin hatte Mühe damit, ihre aufsteigenden Tränen herunterzuschlucken. Der Orangehaarigen blieb dies natürlich nicht verborgen. "Der Typ ist es nicht wert, dass du an ihn denkst. Er hat so jemand Tolles wie dich nicht verdient!". "Ich weiß, … und trotzdem kann ich ihn einfach nicht vergessen", schniefte Robin und nahm die Serviette, um eine einzelne Träne wegzuwischen. "Es wird einen anderen Mann geben, der dich zu schätzen weiß!", versuchte Nami die Schwarzhaarige aufzumuntern. "Bis jetzt hatte ich unzählige Dates, und glaub mir, es war nie einer dabei, der Franky das Wasser reichen konnte. Mein Ex, oder was auch immer er war, war unglaublich charmant, zuvorkommend, hörte mir zu und … eben genauso, wie ich mir einen Partner immer vorgestellt habe. Ich hasse es, dass dieser Mann immer noch solch einen Stellenwert bei mir hat!". "Ich kenne diesen Franky zwar nicht, aber alleine die Tatsache, dass er sowohl dich als auch seine Freundin hintergangen hat, spricht für einen verdammt miesen Charakter. Vergiss dieses Schwein!". Robin nickte. "Deshalb bin ich auch hierhergekommen!". "Es kommt ein anderer Mann, der dich auf Händen tragen wird. Der dich nicht belügt und es ernst mit dir meint", sprach Nami ihr Mut zu. Obwohl Robin nickte, dachte sie nicht, dass es diesen Mann tatsächlich geben würde. "Themenwechsel!".
 

Nami nickte und nahm ihr Sandwich, bevor sie das Thema wechselte. "Kann es eigentlich sein, dass du Zorro nicht besonders gut leiden kannst?". Robin, die gerade dabei war, einen Happen zu essen, verschluckte sich und musste kräftig husten. "Wie kommst du denn jetzt auf Zorro?", fragte sie sodann. "Nun, mir ist aufgefallen, dass du Zorro ziemlich abweisend gegenübertrittst". "Ich mag seine Art eben nicht besonders. Er scheint nicht nur ein Playboy zu sein, er ist auch ziemlich von sich selbst eingenommen." Robin stocherte lustlos in ihrem Salat herum und hatte Mühe, wenigstens ein paar Bissen herunterzuschlucken. Nicht so wie Nami, die ihren leeren Teller von sich schob. "Zorro mag nach außen hin vielleicht so wirken, aber tief in seinem Inneren ist er wirklich ein herzensguter Mann. Er hat bis jetzt einfach noch nicht die Richtige gefunden!". "Nami, sei mir nicht böse, aber du siehst wohl nur das Gute im Menschen. Zorro ist ein Player und wird sich nie auf eine richtige Beziehung einlassen." Nami sah Robin aufmerksam an. "Ich dachte zuerst auch so von ihm. Aber wenn man ihn näher kennenlernt, ist er wirklich toll. Die Frau, die es schafft, sein Herz zu gewinnen, hat mit ihm einen Sechser im Lotto." Robin musste bei dem Gedanken schmunzeln. "Die Frau muss wohl erst noch gebacken werden.". "Abwarten...", beendete die Orangehaarige sodann grinsend das Gespräch.
 

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War für ein Tag! Zorro hatte heute schon die vierte Wohnung mit Law besichtigt und seine Laune war auf dem Nullpunkt. Nicht nur, dass die Maklerin ständig versucht hatte, ihn anzugraben, nein, Law war auch keine Wohnung gut genug. Entweder gefielen ihm die Nachbarn nicht oder die Aussicht war nicht besonders schön. Zorro wollte nach der letzten Besichtigung gerade in Laws Sportwagen einsteigen, als er es sich noch einmal anders überlegte und Law auf einen Kaffee einlud. Während sie an dem kleinen Tisch Platz nahmen, hoffte Zorro, dass er die paar Minuten Ruhe genießen konnte, ohne für Autogramme oder Fotos herhalten zu müssen. Normalerweise machte es ihm überhaupt nichts aus, aber seit ein paar Tagen war irgendetwas anders. Was genau, wusste er nicht, nur, dass ihm etwas den Schlaf raubte und seine Sichtweise auf den Kopf stellte. Um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen, widmete er sich seinem Bruder. "Wie soll denn deine Wohnung aussehen? Was hast du dir vorgestellt?". "Die Wohnungen sind irgendwie zu klein. Ich weiß auch nicht so recht, aber irgendwie möchte ich, dass ich die Wohnung auch noch in ein paar Jahren bewohnen kann." Fragend sah Zorro seinen Bruder an. "Komm schon, Zorro, muss ich dir echt sagen, was sich verändern könnte?" Law wirkte leicht genervt. "Bitte.". "Vielleicht denke ich daran, in Zukunft nicht alleine leben zu wollen? Dir mag das Singleleben ja gefallen, aber ich habe andere Prioritäten." "Verstehe". Und das tat er tatsächlich, denn seit ein paar Tagen fragte er sich, wie wohl seine Zukunft aussehen würde. Er war Mitte zwanzig. Ihm blieben noch ein paar Jahre im aktiven Sport. Aber was würde danach passieren? Würde er als Trainer arbeiten? Sich ganz aus dem Sportbereich zurückziehen? Und was war mit zwischenmenschlichen Beziehungen? Wollte er wirklich bis an sein Lebensende die Nächte mit diversen One-Night-Stands verbringen? Je länger er darüber nachdachte, desto weniger gefiel ihm dieser Gedanke. Vielleicht hatte Sanji letztens recht gehabt und Zorro sollte sein Glück noch einmal mit einer Beziehung versuchen. Vielleicht war er ja mittlerweile doch beziehungsfähig.
 

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Von Minute zu Minute sank Robins Laune. Seit vier Tagen wartete sie nun. Als sie Mr. Zero am Dienstagmorgen ihren Artikel vorgelegt hatte, war sie sich sicher gewesen, dass er ihr den Job für die Berichterstattung über die Fußballmannschaft geben würde. Dass er sie einfach ohne einen Kommentar stehen lassen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Doch nun war Freitag, ihr Wochenende war bereits zum Greifen nahe, und doch konnte sie sich nicht darauf freuen. Nicht nur wegen des Fußballbereichs, auch sonst hatte Robin, seit sie bei der OharaDaily arbeitete, keine besonderen Aufträge erhalten. In den letzten Tagen hatte sie sich des Öfteren gefragt, warum Mr. Zero sie überhaupt eingestellt hatte. Dass sie die meiste Zeit herumsitzen und den Anderen beim Recherchieren helfen würde, hätte sie bei ihrem Vorstellungsgespräch nicht gedacht. Wenn sie nicht bald etwas zu tun bekam, konnte es gut sein, dass sie sich woanders bewarb, und doch konnte sie von Glück sprechen, hier überhaupt einen Job als Reporterin bekommen zu haben.
 

Eine gute Stunde später packte sie ihre Sachen zusammen und verließ die Redaktion. Zwar sollte sie sich freuen, dass ihr ein freies Wochenende bevorstand, aber da all ihre Kollegen regelmäßig Wochenenddienste hatten, gab ihr das dennoch zu denken. Warme Sonnenstrahlen umfingen sie und vertrieben ihre negativen Gedanken. Normalerweise schlug sie den direkten Weg zur U-Bahn-Haltestelle ein, doch bei dem schönen Wetter entschied sie sich um und ging zu Fuß in Richtung Park. Auf einer Bank, umgeben von blühenden Blumenbeeten und duftendem Gras, nahm sie Platz und schloss die Augen. Dabei legte sie ihren Kopf in den Nacken und ließ sich die Sonne auf das Gesicht scheinen. Mit einem zufriedenen Seufzer streckte sie die Beine von sich und zog ihre Ballerinas aus. Sie genoss die Ruhe um sich. "Schön, nicht?", vernahm sie plötzlich eine Männerstimme vor sich. Erschrocken fuhr Robin hoch. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass jemand vor ihr stand. Sie musste ein paarmal blinzeln, um den Umriss des Mannes vor sich besser erkennen zu können. Vor ihr stand Law in einer schwarzen Anzughose und einem grauen Hemd. Sein Jackett hatte er lässig über seinen Arm gelegt und die Ärmel seines Hemdes nach oben geschoben. Das schwarze Haar fiel ihm in die Stirn und wieder einmal musste Robin feststellen, wie gut er doch aussah. "Law, hi! Ich hab dich überhaupt nicht bemerkt. Stehst du schon lange hier?". "Seit ein paar Minuten...". Dabei setzte er sich dicht neben sie und legte sein Jackett auf die freie Seite der Bank. "Du hast richtig bezaubernd ausgesehen.". "Klar", lachte sie ironisch und winkte ab. "Was macht die Wohnungssuche? Bist du schon fündig geworden?". Law gab ein leises Stöhnen von sich. "Nicht direkt. Ich schwanke noch zwischen einer Wohnung und dem Gedanken, mir ein Haus zu kaufen. Schließlich werde ich nicht jünger und irgendwann möchte ich heiraten und eine Familie gründen!". "Das dürfte für dich doch kein Problem sein. Die Frauen liegen dir bestimmt reihenweise zu Füßen!" Laws Kopf drehte sich zu ihr und seine braunen Augen fingen ihren Blick auf. Wie bei ihrer ersten Begegnung lief ihr ein warmer Schauer über den Rücken. "Glaubst du?", fragte er. Sein Blick wanderte über ihr Gesicht und blieb schließlich an ihren Lippen hängen. Robin spürte, wie Laws Augen auf ihrem Mund lagen, und sie begann nervös an ihrer Unterlippe zu nagen. Was war bloß los mit ihr? Sie saß knapp zehn Zentimeter von einem Traummann entfernt, der ganz offensichtlich um sie warb, und anstatt ihn zu küssen, knabberte sie wie eine Irre an ihrer Unterlippe...
 

Sie senkte den Blick zu ihren nackten Füßen, die unruhig mit den kleinen Kieselsteinen auf dem Boden spielten. Von der Seite konnte sie sehen, wie Laws Blick von ihrem Mund abließ und sich stattdessen auf seine Hände richtete. "Hast du dieses Wochenende schon was vor?". "Nein. Ich hab mal wieder frei.". "Gut für mich, denn ich würde dich gerne zum Essen ausführen." Ein Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Der Gedanke, mit Law auszugehen und ihn näher kennenzulernen, gefiel ihr. Sie mochte seine freundliche Art, sein Aussehen, aber vor allem seine Ansichten. Er schien genau die gleichen Zukunftsvorstellungen zu haben wie sie. Außerdem wirkte er zuverlässig, wie jemand, der wusste, auf was es im Leben ankam. Jemand, der ebenso wie sie nur auf die richtige Person zu warten schien, mit der er das Leben gemeinsam bestreiten konnte. Law war kein Player und wirkte nicht so, als ob er jemanden hintergehen würde. Jetzt müsste sich bei Robin nur noch das leichte Kribbeln in ihrem Bauch, das auftauchte, sobald sie Law sah, zu einem Schmetterlingsschwarm entwickeln. "Das hört sich gut an. Wann und wo?" Langsam blickte sie wieder nach oben in Laws Gesicht. Sein Lächeln wurde noch breiter. "Heute Abend? Gegen zwanzig Uhr?". "Klingt gut." Er strahlte zufrieden, blickte dann auf seine Uhr und stand auf. "Leider muss ich wieder weiter, ich muss noch ein wichtiges Telefonat führen. Aber wir sehen uns dann später. Wo soll ich dich abholen?". Robin gab ihm ihre Adresse und sah Law hinterher, wie er mit schnellen Schritten davoneilte. Keine Frage, er war überaus attraktiv und sein Charakter schien auch sehr gut zu ihr zu passen. Nur warum sah sie immer Zorro, wenn sie in sein Gesicht blickte? Ob es nur daran lag, dass sie Brüder waren?

Kapitel 7

Mit schnellen, harten Schlägen drosch Zorro auf seinen Boxsack ein. Vor ein paar Monaten hatte er sich das Teil gekauft, um seine Muskeln auch außerhalb des Fußballtrainings in Form zu halten. Mit zusammengebissenen Zählen donnerte er auf den schwarzen Sack ein. Schweißperlen fielen von seinem Gesicht auf seinen nackten Oberkörper. Zorro war wütend, mehr als wütend. Es war Freitagabend und vor einer Stunde hatte er bei seinem Bruder angerufen, um ihn auf ein Bierchen einzuladen. Danach hatte er mit ihm noch durch die Clubs ziehen wollen, um sich abzulenken und herauszufinden, ob er seinem bisherigen Liebesleben tatsächlich den Rücken kehren wollte. Doch stattdessen musste er erfahren, dass Law ein Date hatte. Mit Robin. Der nächste Schlag kam und der Boxsack schwenkte zur Seite aus. Warum war er nicht auf die Idee gekommen, Robin um ein Date zu bitten? Stattdessen war er davon ausgegangen, dass sie genauso leicht zu haben war wie alle anderen Frauen. Nicht aber nur als One-Night-Stand. Aus ihm unerklärlichen Gründen wollte er Robin näher kennenlernen. Jedoch hätte er wissen müssen, dass Robin mehr Stil hatte. Er stellte sich vor, wie Law und Robin im Restaurant saßen, Händchen hielten und sich küssten. Mit voller Kraft schnellte seine Faust in den Boxsack.
 

Ungeduldig öffnete er seine Boxhandschuhe und warf sie unachtsam in die Ecke. Mit der Wasserflasche in der Hand streifte er durch seine Wohnung und fühlte sich wie ein Tier, das in einem Käfig gefangen gehalten wurde. Er musste schleunigst hier raus, sich irgendwie ablenken, an etwas anderes denken. Zorro marschierte in sein Badezimmer, um sich abzuduschen. Danach würde er sich mit irgendeinem Teamkollegen treffen und ein paar Bierchen zischen. Vielleicht auch in einen Club gehen, obwohl er dazu im Moment so gar keine Lust hatte.
 

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Robin sah sich staunend in dem Restaurant um. Vor allem die großen Wassersäulen, die um ihren Tisch herumstanden und die großen Pflanzen, hatten es ihr angetan. Man hatte das Gefühl, allein zu sein. Law hatte sie in einen Luxustempel entführt. Er trug einen dunkelgrauen Anzug und dazu ein weißes Hemd. Über den Tisch hinweg konnte Robin sein Aftershave riechen. Robin blickte an sich hinunter. Sie hatte ein knielanges violettes Kleid und schwarze High Heels angezogen. Obwohl das Outfit schön war, kam sie sich doch unpassend gekleidet vor. Alle anderen Frauen trugen Kleider, die sehr wahrscheinlich ein kleines Vermögen gekostet haben, ihres dagegen hatte sie im Schlussverkauf ergattert. Law hatte ihr trotz all ihrer Bedenken ein Kompliment gemacht und sie bewundernd gemustert. "Was möchtest du essen?", fragte er und blickte sie über seine Speisekarte hinweg an. Robin studierte das Menü und konnte sich nicht entscheiden. "Ich kann mich nicht entscheiden! Bestell du uns doch etwas, ich esse eigentlich alles!", gab sie als Antwort. Law nickte, winkte dem Kellner zu und bestellte für jeden ein Vier-Gänge-Menü. "Ich hoffe, ich habe richtig gewählt", sagte er, als der Kellner verschwunden war. "Bestimmt", beruhigte sie ihn. "Was hättest du denn heute gemacht, wenn ich keine Zeit gehabt hätte?", hakte sie sodann nach. Law nahm einen Schluck von seinem Rotwein und antwortete: "Zorro hat mich angerufen. Er wollte mit mir um die Häuser ziehen und vermutlich auf Frauenfang gehen..." Allein diese Vorstellung genügte, um Zorro zu hassen. Er war ein Playboy, wie es im Buche stand. "Sollst du in seine Fußstapfen treten?", gab sie etwas zu schnippisch zurück. Law hob fragend eine Augenbraue, ignorierte aber ihren Ton. "Zorro ist schon okay. Er hatte bis jetzt einfach nur kein Glück mit Frauen." Robin gab ein abfälliges Schnauben von sich. "Du meinst wohl eher, er treibt sich so lange in fremden Betten herum, bis ihm irgendwann ein Kind oder eine Krankheit angehängt wird. Er ist es doch, der den Frauen falsche Hoffnungen macht, jede in sein Bett zerrt und dann einfach abserviert. Ich verstehe nicht, warum ihr Männer ihn in Schutz nehmt. Solche Typen wie dein Bruder sind einfach zum kotzen", ließ Robin sich aus. Law sah sie lange schweigend an und Robin dachte schon, den Abend mit ihrer Reaktion ruiniert zu haben. Dann aber fragte Law ganz vorsichtig und mit ruhiger Stimme: "Kann es sein, dass du auf meinen Bruder stehst?". Robin, die gerade dabei war, ihren Hauptgang zu probieren, musste kräftig husten. "BITTE??". "Versteh mich nicht falsch, aber du wärst jetzt nicht die Erste, die sich nur mit mir verabredet, um an meinen Bruder heranzukommen". "Waaas?!" Law hob abwehrend die Arme. "Okay, sorry. Ich glaube ich liege falsch mit meiner Vermutung... Es ist nur... Die Art, wie die über ihn sprichst, höre ich nicht zum ersten Mal. Letzten Endes verfallen die Frauen ihm dann doch..." Robin knüllte die Serviette, die sie in ihrer Hand hielt, zusammen. "Da liegst du falsch... Zorro ist nur nicht der erste Player, den ich kennenlernen musste. In meinem ganzen Leben würde ich mich nie wieder auf so einen Mann einlassen". "Was ist passiert?", hakte Law vorsichtig nach.
 

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"Was ist eigentlich dein Problem?". Sanjis Frage riss Zorro aus seinen trüben Gedanken. Seit knapp einer Stunde saß er nun in einer noblen Cocktailbar und hatte schon den dritten Drink intus. Anstatt sich mit Sanji zu unterhalten, der extra den gemeinsamen DVD-Abend mit Nami abgesagt hatte, brütete er vor sich hin. "Was soll schon sein?", gab er schlechtgelaunt zurück. Zorro lehnte sich zurück verschränkte die Arme vor seinen Körper und signalisierte der Frau an der Bar, die ihn schon seit seinem Eintreffen beobachtete, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte. Er hatte absolut keinen Nerv für irgendwelche Weiber, die ihn anmachen wollten. "Du ziehst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter!". "Blödsinn!". "Oder liegt es daran, dass Law mit Robin ausgegangen ist?", wagte sich Sanji vorsichtig vor. "Der kann die kleine Sportreporterin meinetwegen heiraten, das ist mir so was von egal!". "Ach ja? Ist es das?". Um Sanjis Mundwinkel spielte ein wohlwissendes Lächeln. "Was grinst du denn jetzt so dämlich? Natürlich ist es mir egal. Robin ist nichts im Vergleich zu Bonney!", murrte Zorro. "Stimmt. Mit Bonney kann man sie nun wirklich nicht vergleichen!". "Worauf willst du hinaus?" Langsam war Zorro wirklich wütend auf den Blonden. Sanji trank genüsslich ein Schluck von seinem Bier. "Kann es sein, dass du so wütend bist, weil sich Robin nicht für dich interessiert? Sie scheint die erste Frau zu sein, die gegen dich immun ist." Mit aufgerissenen Augen starrte Zorro sein Gegenüber an. "Robin ist einfach nur eine prüde Zicke. Wahrscheinlich bekommt sie einfach keinen Typen ab!". "Außer deinen Bruder...", gab Sanji zu bedenken. "Hör auf, so blöd zu grinsen", fuhr Zorro ihn an und konnte nicht verhindern, dass sein Kopfkino wieder von vorne losging.
 

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Obwohl sie schon befürchtet hatte, der Abend mit Law wäre durch ihre abfällige Aussage über Zorro im Eimer, wurde sie eines Besseren belehrt. Law hatte ihr zugehört und die Sache mit Franky besser verstanden, als sie es erwartet hatte. Nachdem sie aufgegessen hatten, gingen sie eine Runde spazieren. Nun schlenderte sie neben ihm her und beobachtete fasziniert das Nachtleben. "Wie ist es für ein Kleinstadtmädchen, plötzlich in einer Großstadt zu sein?", wollte Law wissen, der mitbekommen hatte, wie Robin sich alles ansah. "Ungewöhnlich und doch faszinierend!". "Ich kenne seit Jahren nichts anderes. Ich war immer in Großstädten unterwegs. Eigentlich finde ich es toll, denn du kommst überall ohne eigenes Auto hin. Man muss nicht meilenweit fahren, um Lebensmittel einkaufen zu gehen", gab Law von sich. "Kannst du dir vorstellen, für immer in der Stadt zu leben? Ich kann es im Moment nicht so recht", gab Robin ehrlich zu und genoss es, mit Law so zwangslos reden zu können. Sie musste sich nicht verstellen, um Law zu gefallen. Die Art, wie er sie ansah, wie er immer wieder versuchte, sie beiläufig anzufassen, verriet ihn. Wie jetzt im Moment, als er ihren Ellenbogen berührte, um sie an einer Traube Teenager vorbeizuschieben. "In meinem momentanen Job werde ich keine große Wahl haben. Aber ich tendiere sehr zu einem kleinen Vorort. Mit einem kleinen Garten und so." Robin nickte. Der Gedanke gefiel ihr. "Lust auf eine Tüte Eis?". Law deutete auf ein Eiscafé. "Gerne!". Knapp eine Stunde später saß sie in seinem Wagen und ließ sich nach Hause bringen. Einerseits wollte sie nicht, dass der Abend schon zu Ende war. Andererseits sagte ihr Kopf, dass es so besser war. Es war besser, wenn sie Law langsam kennenlernte und nicht den gleichen Fehler machte wie bei Franky . Law parkte vor ihrem Haus und die Dunkelheit in Robins Wohnung verriet ihr, dass Koala mal wieder unterwegs war.

"Es war ein sehr schöner Abend!" Law lehnte sich zurück und legte die Hände dabei auf seine Knie. "Der Abend war toll. Du bist ein wirklich guter Zuhörer". Robins Unsicherheit war ihr deutlich anzumerken. Sollte sie Law hochbitten? Er war definitiv ein Traummann, sah super aus, war den ganzen Abend über höflich, witzig und charmant und dazu noch ein echter Gentleman. Doch sie tat es nicht, schließlich sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist. Mit der einen Hand öffnete sie die Autotür, mit der anderen griff sie nach Laws Hand, drückte sie kurz und sagte: "Vielen Dank, Law. Das war einer meiner schönsten Abende seit Langem!". Schnell löste sie ihre Hand von seiner und stieg aus dem Auto. Mit einem Grinsen schloss sie die Autotür und ging in Richtung Haus. Erst als sie eintrat, hörte sie, wie Law den Motor startete und langsam davonfuhr.
 

Kaum hatte Robin am Montag die Redaktion betreten, wurde sie auch schon von Mr. Zero erwartet. Etwas aufgeregt ging sie in sein Büro und nahm auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz. Dabei betrachtete sie ihn, während er über einem Stapel Blätter hing und sie gekonnt ignorierte. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck, den sie nicht sicher deuten konnte. Die Aufregung in ihrem Magen wuchs, so viel hing von ihrem Artikel ab. Irgendwann schien die Stille ihr den Atem zu rauben und sie musste sich leicht räuspern, um das Gefühl, zu ersticken, loszuwerden. Mr. Zero hob zögerlich den Kopf und blickte sie mit seinen kalten Augen an. "Ms. Nico, ich habe lange überlegt, wie ich mit Ihnen verfahren soll. Ihr Artikel ist ganz okay, aber nicht das, was ich erwartet habe", gab er ihr ernst zu verstehen . "Oh", brachte sie enttäuscht hervor. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Mr. Zero blickte durch sie hindurch, vermutlich befürchtete er, Robin könnte jeden Moment in Tränen ausbrechen. So fühlte sie sich auch. "Wie dem auch sei, ich sehe Sie nicht im Fußballbereich. Ihr Schreibstil ist zu weiblich, das gefällt unseren männlichen Lesern nicht. Sie müssen sich mit dem Schreiber identifizieren können!". "Okay", sagte sie, doch seine Aussage war für sie alles andere als okay. "Das war die schlechte Nachricht...". Mr. Zero lehnte sich zurück und schaute etwas freundlicher. "Die gute Nachricht ist: Ich möchte, dass Sie ein Interview mit Lorenor Zorro führen!". Geschockt blickte Robin ihrem Chef entgegen. "Was? Warum ich? Ich dachte, ich wäre für diesen Bereich nicht geeignet?", entgegnete sie ihm leicht wütend. "Lorenor Zorro wird Jahr für Jahr von der Frauenwelt zum begehrtesten Fußballspieler gewählt. Sie sind eine Frau und außerdem haben Sie Beziehungen zum Verein!" Daher wehte also der Wind! Nur weil Nami ihr die Vereinsführung ermöglicht hatte, sollte sie diese Beziehung nun ausnutzen. Dafür war sie also gut genug. Robin verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust und gab ihrem Chef ruhig, aber bestimmt zu verstehen, dass sie nicht bereit war, Zorro zu interviewen. "Mr. Zero, Sie haben mich als Sportreporterin eingestellt und nicht als Klatschreporterin." Der Blick ihres Chefs verfinsterte sich. "Ich dulde keinen Widerspruch. Sie werden das Interview durchführen!", erwiderte er mit kalter Stimme. Robin seufzte resigniert. Zögerlich erhob sie sich und verließ mit hochrotem Kopf und einem kurzen Nicken das Büro.
 

Einige Tage später und mit super schlechter Laune betrat sie nun zum zweiten Mal in ihrem Leben das Vereinsgebäude. Mr. Zero hatte extra einen seiner Fotografen für dieses Interview mitgeschickt. Brook war ein älterer Herr, der während seiner Rente noch Fotos für die Zeitung knipste. "Du kennst diesen Lorenor Zorro?", forschte der große, dünne Mann an ihrer Seite nach. "Nicht direkt. Ich habe ihn ein paarmal gesehen und mich kurz mit ihm unterhalten!" Robin warf einen schnellen, prüfenden Blick in den großen Spiegel im Eingangsbereich. Sie trug eine schwarze enge Jeans und dazu eine weiße, kurzärmlige Bluse. Ihr langes schwarzes Haar trug sie offen. Sie gab den perfekten Anblick für eine Sportreporterin ab. Brook stand neben ihr, sah ebenfalls in den Spiegel und strich sich über seine schwarze, teilweise ergraute Afromähne. "Das wird schon. Lies einfach die Fragen vor und notiere dir die Antworten". Er dachte anscheinend, sie wäre wegen des Interviews nervös. Doch dem war nicht so, sie wollte Zorro nur nicht gegenübertreten, die Fragen hatte sie sich bisher noch nicht einmal angeschaut. Mr. Zero hatte ihr einfach einen Block in die Hand gedrückt und gemeint, das wären all die Fragen, die die weibliche Leserschaft gerne von dem Grünhaarigen beantwortet hätte. Robin lächelte Brook für seine lieben Worte dankbar an und ließ sich dann von dem Sicherheitsbeamten zu einem Besprechungsraum bringen. Unruhig spielte sie mit dem Block in ihrer Hand und wartete, bis der Beamte sie in den Raum bat. Dort sah sie ihn. Er saß auf einer großen, schwarzen Couch und hatte die Beine weit von sich getreckt. Bei ihrem Eintreten erhob er sich mit einem undefinierbaren Lächeln. Neben ihm saß Genzo, Namis Onkel, der Sportmanager.
 

"Ms. Nico. Jetzt sehen wir uns schon zum zweiten Mal in so kurzer Zeit", begrüßte Genzo sie freundlich und schüttelte ihre Hand. "Guten Tag. Danke, dass wir das Interview machen dürfen", erwiderte sie und überspielte ihr Unbehagen in Zorros Gegenwart. Genzo hielt noch immer ihre Hand gedrückt. "Da müssen Sie sich bei Zorro bedanken. Ich bin nur als Beisitzer dabei!". Er ließ ihre Hand los und begrüßte dann Brook. Zögerlich trat sie neben Zorro und reichte ihm, wenn auch widerwillig, ihre Hand. Dabei gab sie sich große Mühe, nicht in seine grünen Augen zu blicken. "Robin! Schön, dich wiederzusehen", wisperte er, nahm ihre Hand und führte sie an seinen Mund. Mit seinen Lippen berührte er ihren Handrücken und hauchte einen kaum spürbaren Kuss darauf. Allein diese Geste genügte, um ihr Blut in Wallung zu bringen. Robin spürte, wie die Röte in ihr Gesicht stieg, und wandte sich verlegen von Zorro ab. "Nehmen Sie bitte Platz! Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?", vernahm sie Genzos Stimme von weit entfernt. Robin schüttelte sich innerlich, setzte sich automatisch auf den Sessel, der sich gegenüber von Zorro befand und kramte in ihrer Tasche nach dem Diktiergerät. "Ein Wasser, bitte!". Brook holte seine Fotokamera heraus. Robin wollte das Interview einfach nur so schnell wie möglich hinter sich bringen. Sie legte das Diktiergerät auf den kleinen Glastisch und betrachtete Zorro aus dem Augenwinkel. Er trug eine perfekt sitzende hellblaue Use-looked-Jeans, durch die seine durchtrainierten Beine deutlich zu erkennen waren. Dazu ein schlichtes graues T-Shirt, welches so saß, dass man seine breite Brust und den flachen Bauch ausmachen konnte.
 

"Mr. Lorenor, ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich unser Gespräch aufzeichne?", fragte sie nach. "So förmlich? Robin, wir kennen uns doch. Ich bestehe darauf, dass du mich Zorro nennst", gab der Grünhaarige freundlich zurück. "Okay, ... Zorro", erwiderte sie. Dabei entging ihr natürlich nicht der fragende Blick, den Brook ihr zuwarf. Genzo kam in der Zwischenzeit mit den Getränken zurück und stellte diese auf den Tisch. Robin räusperte sich kurz und drückte dann auf die Aufnahmetaste. Ihren Block hatte sie auf dem Schoß und las nun die erste Frage vor. "Zorro, wie ist es, jedes Jahr zum Sexiest-Man gewählt zu werden?". Zorro hatte die Beine wieder weit von sich gestreckt und nur die Füße überkreuzt. Ein selbstbewusstes Lächeln umspielte seine Lippen. "Es ehrt mich natürlich. Allerdings bin ich Fußballspieler und möchte dafür gelobt werden. Mein Aussehen ist in dem Beruf nicht nur Nebensache, sondern vollkommen irrelevant." Robin las ohne Wertung die zweite Frage vor: "Stimmt es, dass du überwiegend mit berühmten Frauen ausgehst?". "Nun, das kann ich nicht unbedingt bestätigen. Vermutlich wurde ich einfach meistens nur mit Freundinnen fotografiert, die der Öffentlichkeit bekannt waren!". "Was du nicht sagst...", gab sie leise, aber so, dass es zumindest Zorro und Genzo gehört haben mussten, zurück. "Gut, Rebecca möchte von dir wissen, wie deine Traumfrau aussehen sollte.". "Ich kann es nicht leugnen, mir gefallen schwarzhaarige, große Frauen, die sich nicht alles gefallen lassen. Außerdem steh ich auf Frauen, die etwas im Kopf haben!" Hatte er das eben tatsächlich gesagt? Verwirrt hielt Robin kurz inne. "Entschuldigt mich ganz kurz. Ich hab noch ein wichtiges Telefonat zu führen!". Genzo sorgte mit seinem Einwurf dafür, dass Robin etwas Zeit hatte, ihre Fassung wiederzugewinnen. Dieser erhob sich und verließ den Raum.
 

"Gut, ähm... nächste Frage?". "Wenn du bereit bist, bin ich es auch...", erwiderte Zorro ruhig. Verdammt, warum sah er sie nur so an? Seine Augen und die selbstgefällige Art brachten sie komplett aus dem Konzept. Sie hatte das Gefühl, mit Zorro in einem engen, kleinen Raum allein zu sein. Jeder Blick von ihm war so heiß, dass sie sich kaum noch konzentrieren konnte. "Also, dann geht es weiter...", half Brook ihr. "Mhm... okay... Welchen Körperteil magst du … Mein Gott, die Fragen kommen nicht von mir!". Robin hielt kurz inne und las dann weiter vor. "Was magst du am meisten an deinem Körper?". "Die Fragen stammen nicht von dir? Schade!". Zorro lachte leise in sich hinein und Robin spürte, wie sie krebsrot anlief. Ohne auf eine Entgegnung von ihr zu warten, fuhr er fort. "Es gibt einige Stellen an meinem Körper, die nicht zu verachten sind... aber am meisten mag ich meine Augen." Wow, was für eine Antwort. Robin brauchte ein paar Minuten, um sich zu sammeln, und las die nächste Frage ab, die endlich einmal harmlos war. "Wo siehst du dich in fünf Jahren?". Zorro zögerte kurz und sie sah, wie sein selbstbewusster Gesichtsausdruck verschwand und stattdessen Ungewissheit auftauchte. Lorenor Zorro schien tatsächlich nervös zu werden. "In fünf Jahren? Gute Frage... Ich werde wohl auf jeden Fall im Fußballbereich tätig sein. Ob als Spieler oder Trainer... Im privaten Bereich möchte ich auf alle Fälle ein kleines Häuschen, einen Hund, eine wundervolle Ehefrau", dabei hob er seinen Blick, der bis eben noch auf seine Knie gerichtet war, und sah Robin kurz in die Augen, "und natürlich einen Stall voller Kinder haben!". Mit weit geöffneten Augen starrte sie ihn an. Doch auf seinem Gesicht lag nicht wie üblich der selbstbewusste Ausdruck. Seine Antwort schien tatsächlich aus seinem tiefsten Inneren zu kommen. Hatte Robin sich wirklich so in Zorro getäuscht?
 

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Eigentlich hatte er nur sehen wollen, wie Robin auf so eine Aussage reagieren würde, doch als er ihren Blick aufgefangen hatte, war ihm klargeworden, dass er das tatsächlich ernst meinte. Robin saß ihm gegenüber und starrte ihn an. Bis eben waren die Fragen alle Routine gewesen, auch wenn es für ihn sehr amüsant war zu sehen, wie verlegen die Schwarzhaarige bei jeder weiteren Frage wurde. Auch er konnte das Knistern zwischen ihnen deutlich spüren. Es lag in der Luft und hatte sich unsichtbar über sie gelegt. Ob Robin sich wirklich schon für seinen Bruder entschieden hatte? Vielleicht bestand doch noch ein kleiner Funke Hoffnung, dass sie auch Interesse an Zorro haben könnte. Das Knipsen des Fotografen riss Zorro aus seinen Gedanken und auch Robin schien sich langsam wieder zu fangen. "Nun... ähm... unsere Leserinnen freuen sich sicherlich, das zu hören", brachte Robin stockend hervor. Was interessierten ihn die Leserinnen? Er wollte wissen, was die hübsche Frau ihm gegenüber davon hielt. Sie senkte blitzartig wieder ihren Blick auf den Block und las die nächste Frage laut vor. "Gegen welche Mannschaft spielst du am liebsten?". In den restlichen Minuten, in denen Robin ihren Blick nicht mehr von ihren Oberschenkeln hob, stellte sie ihm nur noch Fragen über Fußball, worüber Zorro irgendwie auch froh war. Selbst ihn hatte das Interview aus dem Konzept gebracht.
 

"Nun brauchen wir nur noch ein Foto von euch beiden und wir sind fertig", sagte Brook, während Robin ihre Sachen zusammenpackte. "Ja, natürlich", stimmte sie zu, erhob sich von ihrem Sessel und kam auf ihn zu. Zorro rückte etwas zur Seite, um Robin Platz zu machen. Kaum hatte sie, allerdings mit etwas Abstand, neben ihn gesetzt, konnte er den Duft ihres Parfüms wahrnehmen. Sie roch nach Kirschblüten. Zorro legte seinen Arm um ihre Schulter und zog sie etwas näher zu sich, so wie er es immer tat, wenn ein Foto von ihm und einem Fan gemacht wurde. Aus dem Augenwinkel sah er, wie auf ihrem Gesicht ein beinahe gequälter Ausdruck auftauchte. "So, ihr Lieben! Dann schaut mal in die Kamera und … Robin, schau doch mal wenig freundlicher...", bat Brook sie und platzierte sich hinter seinen Apparat. Zorro setzte sein übliches Showlächeln auf. Nach zwei Schüssen war Brook mit dem Ergebnis zufrieden und wandte sich ab, um seine Sachen zusammen zu räumen. Anstatt Robin loszulassen, verstärkte Zorro seinen Griff um ihre Schulter und zwang sie so, ihn anzusehen. In ihren eisblauen Augen lag ein seltsam verunsicherter Ausdruck, und anstelle etwas zu sagen, begann sie, an ihrer Unterlippe zu knabbern. Fasziniert beobachtete er sie dabei und konnte sich nur mit Mühe beherrschen. Er fand sie in diesem Moment verdammt heiß. "Kannst du bitte aufhören, an deiner Unterlippe rumzukauen?", bat er mit leiser, gefährlicher Stimme. "Warum?". Hatte sie denn wirklich keine Ahnung, auf was für Gedanken ein Mann dabei kommen konnte?
 

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Mit verräterisch pochendem Herzen blickte sie Zorro an und ließ dabei ihre Unterlippe nach vorne gleiten. Seine Augen schienen sich verfärbt zu haben. Das Grün wurde dunkler, sein Blick intensiver. Ihre Handflächen fingen vor Aufregung an zu schwitzen und in ihrem Bauch explodierte etwas. "Ich warte dann mal draußen...", vernahm sie von weit weg Brooks Stimme. Eine Tür wurde geöffnet und gleich darauf wieder geschlossen. Dann war sie mit Zorro allein. Der ganze Raum um sie herum schien sich zu drehen, doch sie sah nur noch dunkle, verführerische Augen, die sie betrachteten, als ob es niemanden sonst auf dieser Welt geben würde. Langsam senkte sie den Blick zu dem wohlgeformten Mund, der nur noch wenige Zentimeter von ihrem eigenen entfernt war. Sie spürte kaum, wie der Griff um ihre Schulter sich nochmals verstärkte. Ohne nachzudenken beugte sie sich vor. Sanfte Lippen legten sich auf ihre und ihr Atem vermischte sich mit dem des Grünhaarigen. Bis eben war der weiche Mund geschlossen gewesen, doch langsam öffnete er sich. Robin konnte spüren, wie seine Zunge ihre Lippen leicht auseinanderschob. Nur zu gern ließ sie es zu und so berührten sich ihre Zungen. Sie vertieften den Kuss. Erst ganz langsam, dann wurden sie von Sekunde zu Sekunde schneller und wilder. Sie schmeckte Pfefferminz. Die Hand, die eben noch auf ihrer Schulter gelegen hatte, wanderte hinunter zu ihrem Oberarm und sie konnte das sanfte Streicheln seiner Finger auf ihrer Haut spüren. Robins Verstand hatte sich mittlerweile völlig verabschiedet und ihre Gedanken drehten sie nur noch um die Berührungen und diese Lippen. Sanft, aber bestimmt, wurde sie weggedrückt und ihr Mund plötzlich freigegeben. Robin öffnete ihre Augen und blickte Zorro an. "Was läuft zwischen dir und Law? Er ist mein Bruder und ich möchte ihn unter keinen Umständen verletzen!", flüsterte Zorro leise und seine warmen Finger ließen von ihrem Oberarm ab. Langsam begann ihr Gehirn wieder zu arbeiten. Mist, was hatte sie getan?! Sie hatte Zorro geküsst und das, obwohl sie sich doch geschworen hatte, nie wieder etwas mit einem Player anzufangen. "Ich nun … Verdammt was hast du getan?". Robin sprang auf und blickte zu Zorro hinunter. "Was hast 'du' getan??? 'Du' hast 'mich' geküsst!". Robin schüttelte verzweifelt den Kopf. Obwohl die Sache mit Law erst langsam anlief, war das bereits das Ende. Sie konnte doch nicht mit seinem Bruder knutschen und sich dabei Law warmhalten.
 

"Sagst du es ihm oder soll ich?". Die Stimmung war plötzlich umgeschwenkt und Zorros kalte Stimme ließ sie frösteln. Zorro erhob sich und baute sich vor Robin auf. "Da gibt es nichts zu sagen. Law und ich waren nur einmal Essen und da ist nichts passiert. Ich wollte die Sache langsam angehen lassen, weil er...", sie hielt kurz inne und deutete dann mir ihrem Zeigefinger auf Zorro, "ein Traummann ist. Er würde perfekt zu mir passen. Doch jetzt hab ich es mir verbockt, indem ich mit dir geknutscht habe. Wie blöd kann man nur sein?". Robin drehte sich abrupt um und eilte zur Tür. "Warte doch ... ich bin nicht so...", weiter kam Zorro nicht, denn mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter Robin ins Schloss. Es verletzte ihn, dass sie den Kuss offensichtlich bereute und in ihm nur den Weiberhelden sah, womit sie ja nicht unrecht hätte. Aber er war sich sicher, dass er sich ändern konnte und auch wollte.

Kapitel 8

Der pochende Schmerz in ihrem Kopf ließ Robin eilig die Treppe zu ihrer Wohnung hochsprinten. Sie fühlte sich wie nach einer mehrstündigen Prüfung. Ihr Kopf schwirrte und ließ keinen klaren Gedanken mehr zu. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss und die Kühle der Wohnung umfing sie. Draußen war es relativ warum und ihre Klamotten klebten an ihrer Haut. Ein unangenehmes Gefühl. Ihr erster Gang war in die Küche, um ihre Kopfschmerzen mit einer Tablette zu bekämpfen. Auf dem Nachhauseweg hatte sie Brook, der sie freundlicherweise gefahren hatte, mit Fragen bombardiert. Eigentlich hatte sie gehofft, dass man ihr die Szene mit Zorro nicht anmerken würde, doch Brook, der neben der Eingangstür auf sie gewartet hatte, schien zu ahnen, dass zwischen ihr und Zorro etwas vorgefallen war. Jedenfalls wollte er genau wissen, warum Robin so lange mit Zorro alleine gewesen war und dann den Raum verlassen hatte, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her gewesen. Natürlich hatte sie Brook eine Lüge aufgetischt, doch ob er ihr glaubte, war eine andere Frage. Wütend auf sich, stapfte sie in ihr Zimmer. "Du dumme, dumme Kuh! Wir blöd kann man nur sein?", zischte sie ihr Spiegelbild an, welches ihr entgegenblickte. Eilig schlüpfte sie aus ihren Klamotten in ihr Lieblingsschlabberoutfit -ein für sie viel zu großes T-Shirt- und warf sich auf ihr Bett. Dabei wurde sie den Gedanken nicht los, dass Zorro es auf den Kuss angelegt hatte.
 

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Zorro saß immer noch wie ein Idiot in seiner Wohnung und ließ das Geschehene noch einmal Revue passieren. Robin hatte ihn geküsst, etwas, was er schon seit ihrer ersten Begegnung vorgehabt hatte. Dabei hatte es nicht nur beim Küssen bleiben sollen. Doch jetzt war er so verwirrt, dass er selbst nicht einmal mehr wusste, was er eigentlich wollte. Ob es an der Tatsache lag, dass sie Law als ihren Traummann bezeichnet hatte? Wenn es so war, was war dann er für sie? "Ein Playboy", gab er sich zähneknirschend als Antwort. Das hatte sie ihm schließlich klar und deutlich an den Kopf geknallt. Obwohl er wusste, dass seine Weste alles andere als strahlendweiß war, verletzte ihn die Tatsache doch, dass Robin ihn so sah. Aber warum? Was war nur los mit ihm? Es hatte ihn doch nie gestört, wenn eine Frau so von ihm dachte. Er wurde das Bedürfnis, mit ihr zu reden, nicht los. Sein Gefühl sagte ihm, das klarstellen zu müssen, und zwar sofort. Eilig erhob sich Zorro von seinem Sessel, schaltete die Musik aus und schnappte sich seinen Schlüssel, der auf dem Wohnzimmertisch lag. Mit schnellen Schritten verließ er seine Wohnung.
 

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Robin war eingeschlafen, und als sie wieder zu sich kam, hörte sie das leise Surren ihres Handys. Ohne auf das Display zu achten, ging sie verschlafen ans Telefon. "Ja?". "Hier ist Law, hab ich dich gestört?", erklang eine gutgelaunte Männerstimme am anderen Ende der Leitung. Ihr Herz machte einen Satz - ein Stockwerk weiter nach unten. "Law, hi", kam es zögerlich von ihr. "Was machst du denn gerade? Alles klar bei dir?". Ob bei ihr alles klar war? Nichts war klar! Vor knapp drei Stunden hatte sie noch die Zunge von seinem Bruder im Mund gehabt. "Hm... ja so weit ... ich hab geschlafen", brachte sie gerade noch hervor. "Und ich hab dich geweckt? Sorry! Soll ich später noch einmal anrufen? Oder morgen?". Dabei klang Laws Stimme etwas enttäuscht. Robin zögerte und war froh, dass das Klingeln an der Haustür ihr eine kurze Pause vor der Antwort verschaffte. "Warte mal kurz, es hat an der Tür geklingelt", wich sie ihm aus und ging, ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass sie nur ein riesiges Schlabbershirt trug, zur Tür. Schwungvoll öffnete sie diese und vor Schreck wäre ihr beinahe das Handy aus der Hand gerutscht. Vor ihr stand Zorro und hatte sich zu seiner vollen Größe aufgebaut. Wortlos starrte sie Zorro an. Das alles musste doch ein Traum sein! Robin wandte sich von Zorro ab und sprach leise ins Telefon. "Law, können wir morgen telefonieren?". Ohne auf seine Antwort zu warten, legte sie auf uns schmiss das Handy zur Seite. Zorro, der bereits in der Wohnung stand, knallte nun die Tür hinter sich zu und blickte Robin von oben herab an. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dich hereingebeten zu haben", gab sie schnippisch von sich und verschränkte die Arme vor ihrem Körper. "Wir müssen reden", schoss er säuerlich zurück. "Ich wüsste nicht, worüber." Robin trat einen Schritt zurück und lehnte sich an der Kommode an, die im Flur stand. "Das weißt du ganz genau. Wollen wir das hier klären oder können wir auch in dein Wohnzimmer gehen?". "Wie schon gesagt, ich weiß nicht, war wir beide zu klären hätten. Also mach es kurz!". "Stimmt, ich vergaß, du hast ja meinen Bruder noch an der Angel." Zorro lehnte sich gegen die Wohnungstür und verschränkte ebenfalls die Arme unter seiner breiten Brust.
 

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Robin kniff die Augen zusammen und ihr Mund verzog sich wütend. "Lorenor Zorro, wag es nicht, in meiner Wohnung in so einem Ton mit mir zu sprechen!". Zorro war es egal, ob Robin auf ihn sauer war. Sie gab ihm ja sowieso schon die Schuld dafür, dass sie ihn geküsst hatte. "Du benimmst dich wie ein kleines, bockiges Kind", erwiderte er und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme dabei arrogant und überheblich klang. Robin blies hörbar die Luft aus und die Röte auf ihren Wangen vertiefte sich vor Zorn. Ging er zu weit? Doch auch Zorro hatte seine Wut nicht mehr im Griff, die nicht nur allein Robin galt, sondern eher der Tatsache, dass Law sie anrief. "Wie ein bockiges Kind? Sag mal, was bildest du dir überhaupt ein? Du glaubst auch nur...". Weiter kam sie nicht, denn Zorro stieß sich von der Wohnungstür ab und trat einen Schritt auf Robin zu. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und Zorro konnte deutlich spüren, dass sie sich zusammenreißen musste, um nicht auf ihn loszugehen. Sie funkelte ihn böse an, und obwohl er sich nun absolut sicher war, zu weit zu gehen, konnte er nicht anders. Es war reine Neugierde, wie sie jetzt auf ihn reagieren würde. Vielleicht war es aber auch sein Verlangen, das ihn dazu trieb. Er brauchte die Gewissheit, dass er sich das Knistern, das er jetzt zwischen ihnen wahrnahm und auch bei ihrem letzten Kuss am ganzen Körper gespürt hatte, nicht nur einbildete. Wenn ihn dieses Prickeln gleich wieder übermannen würde, wusste er, dass er um diese Frau kämpfen würde. Mit einer schnellen Bewegung umschloss er mit seinen Händen ihren Kopf. Ihre Haare waren samtweich und fühlten sich zwischen seinen Fingern so gut an. Er blickte in ihre Augen, die vor Zorn beinahe Funken sprühten. Unsanft verstärkte er seinen Griff an ihrem Kopf und zog sie zu sich heran, um ihre Schimpftiraden mit seinen Lippen zu ersticken. Wie versteinert stand sie da und ließ alles über sich ergehen. *Na warte, so schnell entkommst du mir nicht nicht*, dachte er für sich und raubte ihr mit seinem Kuss jeglichen Atem. Langsam spürte er, wie ihre Versteinerung nachließ und sie sich ebenfalls seinem Kuss hingab.
 

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Zorros ganzes Gewicht drückte sie gegen die kalte Zimmerwand, was sie aber kaum wahrnahm. Die Hitze in ihrem Körper stieg von Sekunde zu Sekunde, was vermutlich an Zorros Händen lag, die noch immer ihren Kopf festhielten und ihr somit keinerlei Möglichkeit zur Flucht gaben. Ihre Hände gehorchten ihrem Kopf nicht mehr und tasteten sich langsam von seinem Bauch zu seinem Brustkorb hoch, wo sie schließlich auf stahlharten Muskeln zum Liegen kamen. Durch sein dünnes T-Shirt konnte sie die Hitze, die von seinem Körper ausging, deutlich spüren. Seine Lippen lösten sich langsam von ihrem Mund und arbeiteten sich weiter zu ihrem Ohr. Gott, die Art, wie er ihre Haut zum Prickeln brachte, machte sie beinahe wahnsinnig! Sein Atem fühlte sich so gut an auf ihrer Haut und ihre Beine schienen ihr Gewicht nicht mehr halten zu können. An ihrem Ohr angekommen, zog er mit den Lippen leicht an ihrem Ohrläppchen und flüsterte kaum hörbar: "Jetzt hast due einen Grund, auf mich sauer zu sein. Bist du es?". Robin hatte die Augen geschlossen und ihr Atem ging stoßweise. "Nein", hauchte sie. "Bist du dir sicher?". Scheiße, seine Stimme klang so verführerisch und verscheuchte jede Vernunft aus ihrem Gehirn. War sie sich sicher? Robin wollte nicht darüber nachdenken. Sie wollte nur das Verlangen, das er in ihrem Körper auslöste, befriedigen. Sie ließ ihre Hände langsam hinuntergleiten, bis sie das Ende seines Shirts zwischen den Fingern spüren konnte. Während Zorro mit den Lippen ihr Ohr und ihren Hals liebkoste, berührte sie mit den Fingerkuppen seine warme Haut und strich über seine Bauchmuskulatur. Zorros Atem an ihrem Ohr beschleunigte sich und sie erkundete weiter jeden Zentimeter seiner nackten Haut.
 

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Mit seinen Händen fuhr Zorro an ihrer Seite hinunter und blieb an der Stelle, zwischen dem viel zu großen T-Shirt, das sie trug, und ihrer nackten Haut hängen. Er wollte Robin, und doch sagte etwas in seinem Kopf, dass sie aufhören mussten. Seine Hände blieben auf ihrer Hüfte liegen. Kaum hörbar flüsterte er ihren Namen. "Hmm?", gab sie gequält zurück. "Wir sollten das nicht tun", wisperte er leise und löste seinen Mund von ihrem Ohr. "Hmm", gab sie zurück und berührte immer noch seine Haut, die sich anfühlte, als ob sie brennen würde. "Bitte...". Zorro löste seine Hand von ihrer Hüfte und hielt damit ihre Hände fest, die sich unter seinem T-Shirt befanden. Langsam schien sie wieder zu sich zu kommen und ihre großen blauen Augen sahen ihn abwartend an. "Robin, du hast schon so ein schlechtes Bild von mir. Wenn wir jetzt hier weitermachen, bestätige ich es dir nur", hörte Zorro sich sagen und fragte sich insgeheim, was nur mit ihm los war. Robins Hände verkrampften sich unter seinem Shirt. Sie wollte sie wegziehen, doch Zorro hielt sie problemlos fest. "Bin ich dir nicht gut genug?", presste sie hervor. Mist, so hatte er das doch überhaupt nicht gemeint! Robin drehte ruckartig den Kopf zur Seite udn begann wieder an ihrer Unterlippe zu knabbern. "Halt, du verstehst das falsch!". "Schon gut, Zorro!". Dabei spuckte sie seinen Namen so böse aus, dass er in seinen Ohren wie ein Schimpfwort klang. Sie hatte den Kopf soweit zur Seite geneigt, dass er nur noch ihren Hals und das Haar, welches ihr Gesicht verbarg, sehen konnte. Was war denn los? Er hatte es doch nur gut gemeint und jetzt fühlte er sich trotzdem hundsmiserabel.
 

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Der Kloß in ihrer Kehle wollte einfach nicht kleiner werden und sie spürte, wie sich tief in ihrem Inneren etwas anstaute. Etwas, das schon seit Jahren verborgen lag. Ihre Unterlippe, die sie mit den Zähnen bearbeitete, begann zu zittern. Sie versuchte mit aller Macht, die Tränen hinunterzuwürgen. Doch vergeblich. Sie spürte, wie sie langsam nach oben traten und aus ihren Augen hervorquollen. Verdammt, sie konnte sie nicht einmal unauffällig wegwischen, weil Zorro noch immer ihre Hände unter seinem T-Shirt festhielt. Langsam bahnten sie ihre Tränen den Weg an ihren Wangen hinab. "Halt, Robin, was soll das?". Sie konnte seinen Atem an ihren Haaren spüren. "Jetzt sieh mich gefälligst an! Was soll das Ganze hier?". Zorros Stimme klang gefährlich leise, und bevor sie sich versah, hatte er ihre Hände losgelassen und griff unter ihr Kinn, um ihr Gesicht zu ihm zu drehen. Schnell schloss sie die Augen, doch selbst so konnte er die Tränen auf ihren Wangen sehen. Zorro verstummte und trat erschrocken einen Schritt zurück. Dabei ließ er ihr Gesicht so schnell los, als ob er sich eben verbrannt hätte. Sie wagte es nicht, die Augen zu öffnen, und wischte stattdessen verzweifelt mit den Ärmeln ihres T-Shirts über ihr Gesicht. Doch es stiegen immer mehr Tränen an die Oberfläche. Kraftlos ließ sie sich an der Wand hinuntergleiten. Noch bevor sie sich auf den Boden fallen lassen konnte, wurde sie von starken Armen umfasst und hochgehoben. mit schnellen Schritten trug er sie in ein Zimmer, wo er sie kurz darauf auf etwas Weichem ablegte. Robin musste die Augen nicht öffnen, um zu wissen, dass es ihr eigenes Zimmer war. Sie konnte es riechen, obwohl ihr noch immer der Duft von Zorro in der Nase hing. Wie ein kleines Kätzchen rollte sie sich zusammen und schluchzte in ihre Kissen. Eigentlich hatte sie erwartet, dass Zorro verschwinden würde, doch die Matratze ihres Bettes gab unter seinem Gewicht nach und mit einer sanften Bewegung wurde sie an seine breite Brust gezogen. "Du musst das nicht... ich ... bitte ... ", wehrte sie sich, doch Zorros Griff war zu stark. Irgendwann gab sie nach und lehnte ihren Kopf an seine Brust. "Ist gut, ich bin da...", flüsterte er leise, und während sie sein Shirt mit ihren Tränen durchnässte, strich er ihr über das Haar, wie es ihre Mutter immer getan hatte.
 

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Was hatte er nur getan? Zorro blickte in die Dunkelheit und vernahm das leise Atmen von Robin, die noch immer auf seiner Brust lag. Mittlerweile war sie eingeschlafen, doch sein Shirt war noch ganz feucht von ihren Tränen. Hatte er sie wirklich so verletzt, indem er nicht zugelassen hatte, dass sie im Bett landeten? Zorro wollte nicht glauben, dass sie deswegen so traurig war. Es musste noch einen anderen Grund geben. Mit weit geöffneten Augen schaute er sich in dem dunklen Zimmer um. Er konnte nur leichte Umrisse erkennen. Irgendetwas bedrückte Robin und er wollte herausfinden, was es war. Verdammt, sie hatte ihm das Gehirn vernebelt. Noch nie in seinem ganzen Leben war er neben einer Frau eingeschlafen, ohne vorher Sex gehabt zu haben. Bis auf wenige Ausnahmen war er noch nie lange neben einer Frau im Bett gelegen. Seine One-Night-Stands mussten seine Wohnung noch am gleichen Abend verlassen. Irgendwas war bei ihm und Robin anders. Er wollte sie unter keinen Umständen alleinlassen. Ob es daran lag, dass sein Herz so schnell schlug, wenn sie bei ihm war? Oder an dem warmen Kribbeln in seiner Magengegend, wenn sie ihn ansah? Zorro kannte das Gefühl nicht. Vermutlich hatte er sich beim letzten Training einen Virus eingeholt. Am besten ließ er sich etwas von seinem Arzt verschreiben.
 

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"Autsch", fluchte Robin leise und hielt sich ihr schmerzendes Genick. Ihr Hals fühlte sich an, als ob sie die halbe Nacht auf Beton geschlafen hätte. Langsam öffente sie die Augen und blickte sich um. Sie lag auf etwas Hartem, Heißem. "Zorro", flüsterte sie und betrachtete den lebenden Beton, auf dem sie die Nacht verbracht hatte. Zorro schlief noch immer tief und fest, und sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Selbst im Schlaf sah er verdammt scharf aus. Robin betrachtete ihn eine Weile, schüttelte dann den Kopf und erhob sich langsam. Lorenor Zorro lag vollbekleidet in ihrem Bett! Wie war das nur möglich? Dann kamen die Bilder der letzten Nacht wieder hoch. Gott, sie hatte sich so peinlich verhalten! Leise schlich sie aus dem Zimmer, um sich einen Kaffee aufzugießen. Sie war Zorro eine Erklärung schuldig, sonst dachte er vermutlich noch, dass es seine Schuld war, dass sie so geheult hatte. Während sie ihren Kaffee trank, überlegte sie, was sie Zorro sagen sollte. Die ganze Wahrheit? Vermutlich war das die beste Idee. Sie fragte sich ohnehin, was mit Zorro los war. Er wollte nicht mit ihr schlafen, wollte ihr ein anderes Bild von sich vermitteln. Aber warum? Hatte er dieses Kribbeln, dieses Verlangen zwischen ihnen ebenfalls gespürt? Robin kannte dieses überwältigende Gefühl so nicht, doch je länger sie darüber nachdachte, desto deutlicher spürte sie, dass es keine Lösung für sie und Zorro geben konnte. Kein Mensch war so dumm, zweimal denselben Fehler zu machen. Dabei fasste sie einen schweren Entschluss, der weder ihr noch Law noch Zorro gefallen würde. Sie war einmal auf einen Playboy hereingefallen und würde es unter keinen Umständen noch mal tun.
 

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Der Duft von frischem Kaffee stieg ihm in die Nase und verschlafen öffnete er seine Augen. Zorro musste ein paarmal blinzeln, um sich an das helle Licht, das durch den Raum drang, zu gewöhnen. Er neigte leicht den Kopf zur Seite und stelle fest, dass er allein war. Robin musste also schon wach sein. Langsam schwang er sich aus dem Bett und zog seine Schuhe an, die er als Einziges gestern Nacht zum Schlafen ausgezogen hatte. "Guten Morgen", begrüßte er Robin und blieb, an die Küchentür gelehnt, stehen. Erschrocken fuhr sie hoch und murmelte ein "Morgen". Unschlüssig stand er da, denn Robin war deutlich anzusehen, dass ihr die Situation äußerst unangenehm war. Nach ein paar Minuten hatte sie sich wieder gefangen und fragte: "Möchtest du Kaffee und Toast?". "Kaffee reicht völlig, danke.". Robin nickte. Zorro nahm ihr gegenüber auf dem instabil aussehenden Plastikstuhl Platz und schaute Robin dabei zu, wie sie Kaffee in einen Becher goss. Mit dem Rücken zu ihm begann sie zögerlich zu sprechen. "Das mit uns gestern ... Das Ganze tut mir leid. Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. Es war sehr nett von dir, dass ... na ja, dass du mich getröstet hast.". "Keine Ursache.". Zorro wusste, wie schwer es ihr fallen musste, darüber zu reden. Robin stellte den Kaffeebecher vor ihn auf den Tisch und drehte ihm dann wieder den Rücken zu, um Brot in den Toaster zu stecken. "Nun, ich hoffe, das mit gestern bleibt unter uns.". "Robin, ich weiß nicht, was zwischen dir und Law genau läft, aber ich halte es für unangebracht, wenn...". "Mach dir darüber keine Gedanken. Ich werde die Sache mit deinem Bruder beenden, noch bevor es überhaupt anfangen konnte.". Erleichtert atmete er aus. Warum hatte er trotzdem das Gefühl, dass ihm das, was sie jetzt sagen würde, nicht gefallen würde? Zorro nahm einen großen Schluck von seinem warmen Kaffee. "Auch die Sache zwischen uns sollten wir vergessen. Es wird nie wieder vorkommen, denn ich bin nicht bereit für ein Abenteuer mit dir", gab sie ihm mit fester Stimme zu verstehen. Das Ganze hört sich für ihn so an, als ob sie es ernst meinte. Zorro, der immer noch nur ihren Rücken sehen konnte, stellte seinen Kaffeebecher auf den Tisch und wollte aufstehen, um ihr ins Gesicht schauen zu können. Doch ihr nächster Satz ließ ihn wie angewurzelt auf seinem Stuhl innehalten. "Die Sache ist die: Mein Ex ... war dir ähnlich. Ein Playboy, der nichts anbrennen ließ. Und je mehr Zeit ich mit dir verbringe, desto mehr muss ich an ihn und an die Zeit mit ihm denken. Eine Zeit, die für mich alles andere als schön war. Um ihn endlich zu vergessen, bin ich nach Ohara gekommen. Ich möchte das Ganze nicht noch einmal erleben. Ich möchte einen Mann, der mich liebt, der mich nicht nur als Beute sieht und mich nicht bei erster Gelegenheit gegen eine Jüngere, Hübschere eintauscht!". Puh, das saß. Sprachlos und mich offenen Mund starrte er Robin an, die sich nun langsam umdrehte und ihn mit kalten, leeren Augen ansah. Sie hatte ihr Herz an diesen Typen verschenkt und schien noch immer nicht über ihn hinweg zu sein. Hilflos erhob er sich von seinem Stuhl, unfähig, etwas zu sagen. Robin hatte ihn, Lorenor Zorro, Playboy Nummer Eins, sprachlos gemacht. Er war mit ihrer ehrlichen Aussage überfordert und so verließ er mit einem knappen Nicken ihre Wohnung.

Kapitel 9

Am nächsten Tag, als sie Law anrief, hatte sie so ein schlechtes Gewissen, dass es sie beinahe ohnmächtig werden ließ. Aber sie musste die Dinge ins Reine bringen. "Hi Law, hier ist Robin", begrüßte sie ihn leise am Telefon, als er abnahm. Robin setzte sich auf ihr Sofa und zog die Knie dabei dicht an ihren Körper. Sie war nicht gut in solchen Dingen, und wenn Zorro ihre Gefühle nicht so durcheinandergebracht hätte, wäre Law genau der Mann gewesen, den Robin wollte. Doch so konnte sie nicht weitermachen. "Robin, schön, dass du anrufst! Wie geht es dir?". "Geht so.". Wie sollte sie nur anfangen... "Was ist los? Du hörst dich gar nicht glücklich an. Wollen wir uns treffen? Ich hab noch einen Kunden und danach hätte ich Zeit für dich!". Sie hörte den Lärm von vorbeifahrenden Autos, Law musste sich irgendwo draußen aufhalten. "Das ist sehr nett von dir, aber ich denke, es ist besser, wenn wir uns vorerst nicht sehen", platzte es aus ihr heraus. Seltsamerweise hatte sie dabei das Gefühl, als ob ihr gerade jemand einen Korb geben würde. "Okaaaaay...", brachte Law fragend heraus. "Es ist nur so... Ich steh im Moment zwischen den Stühlen. Ich denke in letzter Zeit wieder häufig an meinen Ex und ich glaube... Es tut mir leid...". "Du musst dich nicht entschuldigen. Natürlich finde ich es sehr schade, denn ich kann nicht abstreiten, dass ich dich wirklich gernhabe. Aber in dem Fall ist es wohl für uns beide besser so!". "Danke Law!". "Dafür musst du dich nicht bedanken.". "Okay. Vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder?". "Bestimmt. Mach´s gut, Robin!". "Du auch...". Damit legte Robin zerknirscht auf. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Law so nett reagieren würde. Jetzt fühlte sie sich noch schlechter als zuvor.
 

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Die Tage vergingen, ohne dass Zorro etwas von Robin oder Law hörte. Er kam gerade aus der Mannschaftsdusche, als ihn sein Trainer zur Seite nahm. "Zorro, ist alles okay bei dir? Du wirkst in den letzten Tagen so in dich gekehrt und deine Leistung beim Training war auch schon mal besser.". Dabei sah ihn der Coach vorwurfsvoll an. "Du bist der Kapitän. Gerade die jungen Spieler schauen zu dir auf!". Zorro musste ihm zwar Recht geben, aber dennoch ging ihm da eine Sache nicht mehr aus dem Kopf. Ständig musste er daran denken - ob im Training, wenn er mit Sanji sprach oder wenn er alleine in seinem Bett lag. Diese Zeit war am schlimmsten für ihn. Nacht für Nacht wälzte er sich von einer Seite zur anderen und hatte doch nur ein Bild vor Augen. "Zorro, hörst du mir zu?". Die missmutige Stimme seines Trainers riss ihn aus seinen Gedanken. "Ja, natürlich! Meinem Onkel geht es im Moment nicht so gut und ich fahre ihn übers Wochenende besuchen. Danach werde ich wieder richtig Gas geben, versprochen", log Zorro teilweise, denn er hatte wirklich vor, seinen Onkel zu besuchen, der allerdings in bester Verfassung war. "Gut, das hoffe ich!". Dabei boxte ihm der Coach kurz gegen die Schulter und fuhr fort: "In zwei Wochen geht die Saison wieder los und ich möchte, dass meine Jungs bis dahin fit sind. Also bring das, was auch immer gerade in deinem Kopf vorgeht, schnell in Ordnung!". "Wird gemacht", nickte er und blickte seinem Trainer hinterher.
 

Mit seinem Wagen fuhr er die Landstraße entlang, raus aus Ohara, rein in die Natur. In ein paar Minuten würde er bei seinem Onkel sein. Seine Eltern hatte Zorro schon in jungen Jahren verloren. Seine Tante, also die Frau seines Onkels, erlitt vor etlichen Jahren einen schweren Schlaganfall, von dem sie sich nie erholt hatte. Knapp 4 Wochen nach ihrem Schlaganfall war sie gestorben und Zorros Onkel trauerte noch heute, Jahre später, um seine geliebte Ehefrau. Für Zorro waren die beiden immer ein Vorbild gewesen und er hatte sich gewünscht, das zu finden, was seine Tante und sein Onkel miteinander gehabt hatten. Doch was hatte er schon

... Er hatte zwar Geld, aber noch nie eine ernsthafte Beziehung gehabt. Er wusste nicht mal, ob er jemals schon verliebt gewesen war.
 

Zorro hing seinen Gedanken nach und betrachtete die Landschaft. Die Straße war leer, weshalb er gemütlich vor sich hinfahren konnte. Als er die Hofeinfahrt zu dem Haus seines Onkels einbog, kamen alte Erinnerungen wieder hoch. Seine Tante hatte oft mit ihm und Law im Garten Fangen und Verstecken gespielt, während sein Onkel in der Garage an irgendetwas werkelte. Zorro hatte eine schöne Kindheit gehabt, bis zu dem Tag, als Law nach einem Fußballspiel nicht nach Hause gekommen war... Seitdem hatte sich das Verhältnis zu seinem großen Bruder verändert. Erst seit knapp zwei Jahren kamen sie wieder besser miteinander aus. Doch wenn Law und Robin wirklich ein Paar werden sollten, war ihre Freundschaft wohl dahin. "Zorro!". Sein Onkel kam aus dem Haus gestürmt und fuchtelte wie wild mit seinen Händen. Zorro löste den Sicherheitsgurt und stieg aus dem Auto. "Hi Mihawk", begrüßte er ihn und umarmte diesen anschließend. Es waren ein paar Monate vergangen, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Seine schwarzen Haare waren mittlerweile von grauen Strähnen durchzogen. Sein Onkel war ein großer, sportlicher Man, der sich mit ein paar Männern in der Nachbarschaft mit Kendo fit hielt. "Schön, dass du da bist! Bleibst du übers Wochenende?", fragte Mihawk ihn, während Zorro sein Gepäck aus dem Kofferraum holte. "Ja. Das Training geht erst am Dienstag wieder los!". "Sehr gut. Komm, ich hab uns ein paar Burger auf den Grill geschmissen", forderte er ihn auf und ging in Richtung Haus. Zorro folgte ihm und schloss die Tür hinter sich. Seine Sporttasche mit dem Gepäck ließ er achtlos im Flur stehen und kam seinem Onkel in die Küche nach. Nichts hatte sich verändert, und obwohl Zorro mittlerweile mehr Luxus gewöhnt war, fühlte er sich hier mehr als wohl. Wohler, als er es in seiner großen Stadtwohnung je konnte.
 

Mit einem vollen, schweren Magen lehnte er sich auf dem Stuhl zurück und betrachtete seinen Onkel, der das Geschirr wegräumte. "Weißt du, Moria´s Tochter, Boa, ist wieder solo. Ihr reicher Unternehmer hat sie einfach sitzen lassen. Sie würde sich bestimmt freuen, wenn du sie einmal ausführen würdest.". Sein Onkel nickte ihm mit einem Zwinkern zu und kam, nachdem er das Geschirr in die Küche gestellt hatte, wieder zurück. "Mihawk, du weißt doch, dass ich nicht verkuppelt werden möchte...". "Zorro, du wirst nicht jünger. Irgendwann sollten du und dein Bruder auch einmal an eine Familie denken. Ich will schließlich noch Großonkel werden.". "Mihawk, bitte!". Zorro verdrehte die Augen und streckte seine Beine weit von sich. Es war jedes Mal dasselbe. Obwohl er wusste, dass sein Onkel es nur gut mit ihm meinte, nervten ihn seine Verkupplungsversuche. "Ich mein ja nur... Kein Grund, sauer zu werden. Law nervt es auch schon...", entgegnete er und hob abwehrend die Hände. "Law? Hast du etwas von ihm gehört?". "Ich habe nur gestern mit ihm telefoniert.". "Gestern?", hakte Zorro neugierig nach. Ob er wohl etwas über Robin erzählt hatte? "Und was erzählt mein lieber Bruder so?". "Ach, das Übliche. Er sieht sich gerade ein paar Häuser an. Ich frag mich nur, mit wem er da einziehen will, so ohne Frau...". "Vielleicht hat er ja schon eine", flüsterte Zorro mehr zu sich selbst. Sein Onkel sah ihn fragend an. "Gibt es da etwas, das ich wissen sollte?". Ab dem Moment konnte Zorro nicht mehr anders und alles sprudelte aus ihm heraus.
 

Sein Onkel hatte schweigend zugehört. Das liebte er so an ihm. Er war ruhig, hörte sich alles in Ruhe an und vertrat seine Meinung erst am Schluss. Als Zorro fertig war, sah Mihawk seinen Neffen lange an und lächelte. "Unfassbar. Endlich ist es passiert!". "Was?". Hatte sein Onkel jetzt den Verstand verloren? Er schüttete ihm sein Herz aus und er wusste nichts Besseres zu sagen? "Zorro, diese Robin hat dir deinen Kopf verdreht. Ich würde dieses Mädchen, das es geschafft hat, dein Herz zu gewinnen, sehr gerne kennen lernen!". "Mihawk, hast du mir nicht zugehört? Robin hat sich mit Law getroffen und außerdem bin ich nicht verliebt!". "Oh doch, mein Junge, das bist du! Sie mag sich ja mit Law getroffen haben, aber es ist nicht mehr passiert!". "Mihawk, bitte!". "Nein, Zorro, das ist mein ernst. Wenn du sie wirklich liebst und ihr Herz erobern willst, dann solltest du dir etwas Gutes überlegen, denn sie scheint es dir nicht so einfach zu machen wie all die Damen vor ihr!" Damit spielte er auf die Dinge an, die über ihn in sämtlichen Klatschzeitschriften geschrieben wurden und ihn jedes Mal aufregten. "Was du nicht sagst! Da wär ich selbst nie drauf gekommen." Sein Onkel erhob sich und lief auf ihn zu. Er legte ihm die Hand auf die Schulter. "Zeig ihr den wahren Zorro und sie wird dich lieben!". "Der wahre Zorro ist ein Playboy, Mihawk." Sein Onkel deutete mit dem Zeigefinger auf seine Brust, genau dorthin, wo sein Herz saß. "Der wahre Zorro ist der Junge, den ich großgezogen habe. Kein Playboy und kein arroganter Typ. Zeig ihr dein wahres Gesicht. Zeig ihr, was hier drin ist", er klopfte zweimal mit dem Finger auf sein Herz, "und du hast sie gewonnen!". "Und was wird aus Law?". "Wenn Law ebenfalls in sie verliebt sein sollte, dann hätte er mir auch von ihr berichtet." Mit diesen Worten verschwand er in die Küche und ließ Zorro mit seinen Gedanken alleine.
 

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Die darauffolgende Woche hielt für Robin keine Überraschungen bereit. Allmählich hatte sie ihre Gefühle wieder im Griff, zumindest sagte sie sich das immer und immer wieder. Unter großer Anstrengung versuchte sie, nicht an Zorro oder Law zu denken.

Es war Samstagnachmittag und endlich hatte sie wieder einen kleinen Artikel zu schreiben bekommen, auch wenn es nur um ein langweiliges Golfturnier ging. An diesem Tag war sie schon früh aufgestanden, um pünktlich vor Ort zu sein. Nun verließ sie die Redaktion. Außer einem anderen Mitarbeiter war das Bürogebäude leer. Mit einer schwungvollen Bewegung öffnete sie die Tür ins Freie und sah, wie ein großer Mann durch den anderen Eingang ins Gebäude trat. Verdutzt drehte sie sich um, konnte aber nur noch die Rückansicht erkennen. Obwohl sie so wenig von der Person sah, kamen ihr der Mann und dessen Gangart bekannt vor. "Franky?" flüsterte sie leise und starrte dem Kerl, der nun mit dem Rücken zu ihr im Fahrstuhl stand, hinterher. Müde rieb sie sich die Augen und schüttelte dann den Kopf. Das konnte unmöglich Franky gewesen sein. Jetzt sah sie schon Gespenster...
 

"Keine Widerrede, du kommst mit! Die ganze Woche verkriechst du dich schon hier drin. Es ist Samstagabend." Koala hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und sah strafend auf Robin hinab, die mit angezogenen Knien auf dem Sofa saß und sich eine Folge ihrer Lieblingsserie ansah. "Bitte Koala, ich hab wirklich absolut keine Lust auszugehen", erklärte sie und ignorierte ihre Mitbewohnerin, die sich wie eine Bulldogge vor ihr aufgebaut hatte. "Das ist mir egal. Ich lasse nicht zu, dass meine Freundin sich hier drinnen verschanzt und auf einen Märchenprinzen wartet, der sie wachküsst. Das wird nicht passieren... zumindes nicht hier drin!" Mit diesen Worten schnappte sie sich die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. "Oh Mann, Koala!". "Nichts -Oh Mann-! Du kommst mit. In zwei Stunden bist du fertig oder ich versohl dir deinen hübschen Hintern!". "Versohl deinem Schatz den Hintern, aber nicht mir", beschwerte sich Robin, erhob sich dann aber widerwillig. Koala würde ja doch keine Ruhe geben und so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich für den Abend fertigzumachen.
 

Das laute Hämmern der Bässe begrüßte sie, als sie den Club betraten. Koala hatte Nami ebenfalls überredet, sie zu begleiten, doch diese sah um einiges fröhlicher aus als Robin. "Lasst uns an die Bar gehen", brüllte Koala über den Lärm hinweg. Die Frauen ergatterten die letzten Plätze am Tresen und bestellten sich ihre Drinks. Da es unmöglich war, sich zu unterhalten, betrachtete Robin die anderen Gäste. Der Club war gut besucht und auf der Tanzfläche bewegten sich die Ersten schon zum Takt der Musik. Mit einem Lächeln nahm sie ihr Getränk entgegen und ließ den Blick weiter durch die Menge schweifen, bis er schließlich an einer großen Gestalt hängen blieb. Das Haar des Mannes war zu einer modischen Frisur gegelt und in der weiten Jeans und dem weißen Hemd wirkte er sehr gepflegt. Sie beobachtete, wie er sich mit einer blonden Frau unterhielt, und gerade, als sie wegsehen wollte, drehte er seinen Kopf und blickte Robin direkt an. Ihre Augen trafen sich. Die Luft wurde ihr urplötzlich aus den Lungen gepresst und ein unbeschreiblicher Schmerz in ihrer Magengegend ließ sie nach hinten sacken. Der Tresen fing ihren zusammensinkenden Körper auf. "Robin, was ist los? Du bist ganz weiß im Gesicht!". Nami, die neben ihr saß, legte ihr den Arm um die Schulter und richtete sie wieder auf. "Ich... scheiße, er kommt rüber!", gab Robin mit weit aufgerissenen Augen zurück und starrte immer noch wie eine Bekloppte auf den Mann. "Wer? Süße, was ist los?", hörte sie Nami besorgt fragen. "Mein Ex, Franky!". "Dein Ex??". Auch Koala folgte nun Robins starrem Blick. Mehr als ein knappes Nicken brachte sie nicht zustande. Sie fühlte sich elend, ihr Magen schmerzte, ihre Lunge fühlte sich an wie nach einem Dauerlauf und in ihrem Kopf drehte sich alles. "Robin, sieh mich an", befahl Koala und zwickte ihr in den Oberarm. "Autsch", beschwerte sich Robin, doch hatte Koala nun ihre Aufmerksamkeit. "Dieser Typ", dabei deutete sie auf Franky, der langsam näherkam, "hat dich nach Strich und Faden verarscht. Ich möchte, dass du ihm zeigst, was er verpasst hat. Wisch ihm eins aus...", weiter kam Koala nicht, denn Franky stand nun direkt vor ihnen. "Robin! Schön, dich wiederzusehen", säuselte er und zeigte dabei sein strahlendweißes Lächeln. Allein das genügte, um Robin völlig in seinen Bann zu ziehen. Er kam näher und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Dabei saß Robin wie versteinert auf ihrem Barhocker und glotzte ihn weiter mit offenen Mund an. Was war hier los? Träumte sie etwa? Doch der Traum war viel zu real. Was tat er hier? Wie konnte es sein, dass er ausgerechnet hier war, wo es doch so viele Clubs in Ohara gab? Intensiv sah er sie an. Er hatte sich kaum verändert. Sein Haar hatte noch denselben Schnitt, dieselbe Farbe. Sein Lächeln, das er ihr in diesem Moment schenkte, brachte sie restlos aus der Fassung. Wie konnte er es wagen, hier vor ihr aufzutauchen und so zu tun, als ob nichts zwischen ihnen vorgefallen wäre?! Als wären sie immer noch gute, alte Bekannte, die sich blendend verstanden? Frankys frühere Anziehungskraft auf sie war beinahe erloschen, und doch spürte sie leider noch einen kleinen Teil davon...
 

"Wie geht es dir? Wie ich hörte, arbeitest du hier als Reporterin?!", wollte er wissen und besaß die Dreistigkeit, neben ihr Platz zu nehmen. Ohne auf Ihre Antwort zu warten, und mit musterndem Blick sagte er: "Du bist wunderschön! Hast dich kaum verändert!". Er lehnte sich etwas näher zu ihr, so, dass ihr sein Aftershave in die Nase stieg, der allerdings von einer gehörigen Menge Alkohol begleitet wurde. Kurz überlegte sie sich, ihm ihr Getränk ins Gesicht zu schütten, doch das wäre ziemlich unreif. Was sollte sie also tun? Ihn ignorieren? Ihm ihre Meinung geigen? Aber dann würde er merken, dass das, was er ihr seinerzeit angetan hatte, ihr noch immer wehtat. Nami und Koala schauten ihn an, als ob sie ihm jeden Moment eine knallen würden. "Freust du dich denn gar nicht, mich zu sehen?", wollte er wissen und setzte seinen betölpelten Hundeblick auf. War der Typ wirklich so doof? Er war es, der ihr das Herz gebrochen, der sie belogen hatte. Er war der Grund dafür, dass sie sich mit unzähligen Vollidioten getroffen hatte, nur um ihn zu vergessen. "Nein Franky, ich freue mich ganz und gar nicht", zischte sie ihm entgegen und hoffte, dass er endlich abhauen würde...
 

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Zorro stand im VIP-Bereich des Clubs und unterhielt sich mit Bonney, die heute ihren Geburtstag feierte. Zuerst war er gar nicht begeistert gewesen, als sie ihn angerufen und zur Party eingeladen hatte, doch kaum hatte er den Club betreten, waren seine trüben Gedanken verblasst. Während Bonney auf ihn einredete, ließ Zorro seinen Blick durch den Raum schweifen und erkannte Robin, Nami und Koala, die an der Bar saßen. Zuerst waren sie nur zu dritt, doch dann gesellte sich ein großer Mann zu ihnen - eigentlich eher zu Robin. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete er das Geschehen und hörte Bonney, die weiter in sein Ohr plauderte, nicht mehr zu. Der Typ hatte sich dicht neben Robin gestellt und sie hatte sich auch noch auf ihrem Stuhl in seine Richtung gedreht. Auf Koalas und Namis Gesichtern lag ein mürrischer Ausdruck, während Robin den Typen ausdruckslos ansah. Irgendetwas in ihm sagte ihm, dass er zu ihnen rübergehen sollte, auch wenn es ihm nicht zustand, sich wie ein eifersüchtiger Gockel aufzuführen. Zorro ballte seine Hände zu Fäusten. Er konnte nicht weiter mit ansehen, wie sich der schleimige Typ an Robin ranmachte. Ohne weiter auf Bonney zu achten, stand er einfach auf und marschierte geradewegs auf die beiden zu.
 

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Franky hob sein Glas, um mit Robin, die ihn finster anblickte, anzustoßen. "Seit wann bist du denn so bissig?". "Verzieh dich einfach!". Robin drehte ihm demonstrativ den Rücken zu. Sie war wirklich wütend und ihre Hände, die sie zu Fäusten geballt hatte, vergrub sie unter dem Tresen. "Kapierst du nicht, dass ich nichts mehr mit dir zu tun haben will?". "Bist du prüde oder was?", lallte Franky, kam um sie herum und legte seine Hände auf ihre Hüften. Koala und Nami blickten ihn bitterböse an, was ihn allerdings überhaupt nicht juckte. "Nein, ist sie nicht", erklang eine tiefe, nicht besonders freundliche Stimme hinter Robin. Sie wusste sofort, wem diese Stimme gehörte, dem Mann, der ihr seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf ging. Dem Mann, nach dem sie sich insgeheim so sehr sehnte, es aber immer noch nicht so recht wahrhaben wollte. "Ach ja? Ist das so?", hinterfragte Franky und sein Blick flog zwischen Robin und Zorro, der sich hinter ihrem Rücken aufgebaut hatte, hin und her. Robin fühlte sie zwischen zwei Alphamännchen eingeklemmt und überlegte, was sie sagten sollte. "Entweder nimmst du jetzt sofort deine Hände von ihr oder du kannst ab morgen nur noch Flüssignahrung zu dir nehmen!". Frankys Hände ließen ihre Hüften los und sie war froh, Zorros Gesicht nicht sehen zu müssen, denn Franky ließ normalerweise nie so einfach von seiner Beute ab. Zorro musste ihm schon einen Todesblick zugeworfen haben. Robin wurde auf ihrem Stuhl herumgewirbelt und starrte nun mitten in Zorros grüne Augen. Mit seinen Händen stützte er sich links und rechts neben ihrem Po auf dem Stuhl ab. "Alles in Ordnung?", fragte er leise und mit so samtweicher Stimme, dass Robin das wütende Schnauben hinter ihr kaum wahrnahm. Aus dem Augenwinkel bekam sie nur mit, wie Koala und Nami zufrieden grinsten und dann schnell so taten, als ob sie ganz in ein Gespräch vertieft wären. Robin brachte nur ein knappes Nicken zustande und versank in Zorros Blick, der ihr jeglichen Atem raubte. Er beugte sich so dicht über sie, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Ihr Herz klopfte wild gegen ihren Brustkorb und sie war sich sicher, dass jeder es sehen musste. "Komm", flüsterte er und reichte Robin seine Hand. Ohne zu zögern, ergriff sie diese und ließ den verdutzt dreinschauenden Franky einfach stehen. Sie wollte nur noch weg, und doch hielt sie nach drei Schritten inne. "Ich muss noch kurz etwas klären. Kannst du einen Augenblick warten?", wollte sie von Zorro wissen, der ihr kurz zunickte. "Hast es dir noch mal anders überlegt?", wollte Franky wissen. Bevor sie etwas sagen konnte, fuhr er fort: "Was willst du denn von dem Typen?", Franky deutete auf Zorro, "der passt doch gar nicht zu dir!". "Und ausgerechnet du meinst zu wissen, wer zu mir passt? Je länger ich dich ansehe, umso klarer wird mir, dass ich einen riesigen Fehler gemacht habe!". "Sag ich doch, Baby! Du weißt eben, was gut für dich ist!". Franky grinste anzüglich. Warum war ihr früher nie aufgefallen, was für ein überheblicher, selbstverliebter Arsch Franky war.
 

"Genau, du Arschloch! Aber du bist es mit Sicherheit nicht. Ich will dich nie, nie wieder sehen. Ich will deine verlogene, selbstverliebte Visage nie wieder sehen. Du widerst mich an!". Sie wollte sich schon umdrehen, als ihr noch etwas einfiel. "Und noch was... Meine Orgasmen waren immer nur gespielt. Du bist nicht annähernd so ein toller Hecht, wie du glaubst!". Das schien zu sitzen. Franky sah sie mit offenem Mund an. Robin winkte ihm mit ihrem Mittelfinger zu und stolzierte zu Zorro. Hand in Hand lief sie mit Zorro durch den Club und konnte die bewundernden Blicke der weiblichen Gäste auf sich spüren. Dabei wurde sie das Gefühl nicht los, dass die anderen Besucher zur Seite traten, um ihnen den Weg freizumachen. Zorro führte sie am Ellbogen zu seinem Wagen. Ohne ein Wort kletterte sie auf den Beifahrersitz und legte den Sicherheitsgurt an. Zorro startete den Motor und fuhr durch die dunkle Nacht. Nach einer Weile drehte er sein Autoradio leiser und fragte zögerlich: "Wer war der Typ?". "Franky. Mein Ex...". "Der Playboy?". Robin nickte nur und betrachtete die Lichter, die an ihnen vorbeirauschten.
 

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Dieser Typ war also ihr Ex. Der Typ, den sie immer noch nicht vergessen konnte. Wütend umfasste er sein Lenkrad und konzentrierte sich auf den Verkehr. Aber war es nicht ein gutes Zeichen, dass sie ihm ohne Protest gefolgt war? Zorro überlegte nicht lange, bog in seine Straße ein und parkte kurz darauf seinen Wagen in der Tiefgarage. Schweigend betraten sie den Fahrstuhl. Er betrachtete Robin, die an der Aufzugwand lehnte und ihren Blick starr geradeaus gerichtet hatte, als ob sie angestrengt über etwas nachdenken würde. "Der Typ ist es nicht wert, dass du dir wegen ihm dein hübsches Köpfchen zerbrichst...". Robin begann gedankenverloren an ihrer Unterlippe zu nagen. Gott, warum tat sie das immer? Es machte ihn jedes Mal wahnsinnig. Stumm beobachtete er sie dabei und war froh, als der Gong endlich erklang und sie in seiner Wohnung ankamen. Zorro knipste das Licht an und warf Schlüssel, Handy und Geldbörse auf den Tisch im Eingangsbereich. "Möchtest du ein Glas Wein?", fragte er und ging geradewegs in seine Küche, um etwas Abstand zwischen ihn und Robin zu bringen, doch vor allem deswegen, damit sie sein Verlangen nicht bemerkte. Zorro öffnete den Kühlschrank und holte eine Flasche Rotwein heraus. Als er die Tür wieder schloss, stand Robin plötzlich neben ihm. "Danke, Zorro!". Sie dankte ihm dafür, dass er sich wie ein eifersüchtiger Trottel benommen hatte? Verstand einer die Frauen! Zorro nickte nur, was sollte er auch sagen? Es fuchste ihn, dass dieser Schleimbolzen immer noch einen Platz in ihrem Herzen und in ihren Gedanken hatte.
 

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Robin ging hinter Zorro in sein Wohnzimmer, dabei betrachtete sie eingehend seine Räumlichkeiten. Für einen Mann hatte er echt einen guten Geschmack. Es war gemütlich eingerichtet. Für ihren Geschmack zwar etwas zu nobel, aber man durfte auch nicht vergessen, dass Zorro ziemlich viel Geld besaß. Robin fuhr mit der Handfläche über den kalten Lederstoff des Sofas. Was tat sie hier eigentlich? Gut, Zorro hatte sie vielleicht vor einer Szene bewahrt ... Aber war hier neben ihm zu sitzen kein Fehler? In diesem Moment wusste sie nur, dass sie jetzt nicht alleine sein wollte. Zorro stellte ihr Weinglas vor sie auf den Glastisch, dabei berührte er mit seinem Unterarm leicht ihr Knie. Seine smaragdgrünen Augen huschten kurz hoch und sie konnte deutlich das Verlangen darin erkennen. An der Stelle, wo er sie berührt hatte, hinterließ er einen warmen Schauer. Dazu noch sein Blick und es war um Robin geschehen. Ihr Herz klopfte und ihre Knie zitterten leicht vor Aufregung. Schüchtern lugte sie zu Zorro hinüber, der mit dem Weinglas in der Hand verbissen auf seinen ausgeschalteten Fernseher starrte. Dabei verzog sich sein hübscher Mund und automatisch musste sie an ihren ersten Kuss denken. Was würde sie dafür geben, wenn er sie noch einmal so küssen würde... Unruhig rutschte sie auf dem Sofa herum. Robin beugte sich vor zu ihrem Weinglas. Mit zittrigen Händen griff sie danach, bekam es aber nicht richtig zu fassen. Sie sah schon, wie sich die rote Flüssigkeit auf Zorros schönem, weißen Teppich ausbreitete, doch so weit kam es nicht. Blitzschnell griff Zorro nach dem Glas und stellte es wieder gerade hin. Robin fasste, ohne nachzudenken, zu und hielt Zorro am Unterarm fest. Verdutzt über ihre eigene Reaktion hielt sie inne. "Ich... also...", stotterte sie verlegen und zog ihre Hand zurück. Zorro rückte so dicht an sie heran, dass sein Mund nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war. "Sag nichts, bitte!". Kaum hatte er das ausgesprochen, schlangen sich ihre Arme um seinen Nacken. Verzweifelt presste sie ihre Lippen auf seine. Schmerzhaft stellte sie fest, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Zorro schmeckte so gut... Kräftige Arme umfassten ihre Hüften und hoben sie auf seinen Schoß. Robin positionierte ihre Knie links und rechts von Zorro auf dem Sofa, während er mit der einen Hand ihren Po umfasste und sie auf seinen Schoß drückte. Ihre Hände wühlten sich durch sein grünes Haar und ihre Haut kribbelte unter seinen Berührungen. Mit der anderen Hand fuhr er unter ihr Top. Er streichelte über jeden Zentimeter, vom Bauchnabel bis zu ihren Brüsten. Vor Verlangen konnte sie nur noch stoßweise atmen und auch Zorro schien es deutlich schwerer zu fallen, sich zu beherrschen.
 

Mit einer schnellen Bewegung lag sie plötzlich unter ihm, während er sich mit den Unterarmen auf dem Sofa abstützte. Robin schob sein T-Shirt hoch und betrachtete fasziniert seinen Waschbrettbauch und das, was sich etwas tiefer deutlich in seiner Hose abzeichnete. Vor Aufregung ganz ungeschickt, zerrte sie an dem Shirt und wollte es ihm über den Kopf ziehen. Doch irgendwo blieb es hängen, also machte sie sich stattdessen an seiner Jeans zu schaffen und knöpfte sie mit zittrigen Fingern auf. Zorro, der bis jetzt die Augen geschlossen hatte, öffnete sie und blickte Robin direkt an. Sie konnte in seinem Blick pure Lust sehen und ihr ging es nicht anders. "Du machst mich wahnsinnig", flüsterte er und zog ihr das Top über den Kopf. Dann öffnete er den Verschluss ihres schwarzen Spitzen-BHs und warf ihn achtlos hinter sich. Seine Händen schienen ihren ganzen Körper erkunden zu wollen und Robin folgte seinem Beispiel. Seine Haut fühlte sich weich unter ihren Fingerspitzen an. Irgendwann lagen sie nackt aufeinander. Sanft drang er in sie ein und bewegte sich so vorsichtig in ihr, als wäre sie aus Glas. Zorro fühlte sich so gut an, so männlich... Er wusste ganz genau, was ihr gefiel, wie er sie berühren musste. Seine Bewegungen wurden schneller und mit seinen Liebkosungen, seinen Küssen und seinen Stößen brachte er sie schließlich zu einem Orgasmus, den sie so noch nie zuvor erlebt hatte. Es fühlte sich an, als wäre es der erste ihres Lebens. Kurz darauf kam auch er.
 

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Erschöpft, aber mit einem Herzen, das vor Glück überquoll, lag er neben ihr. Noch immer hielt er sie fest in seinen Armen. Mit seinen Lippen strich er über ihr Haar, das nach Kirschblüten roch, und hauchte immer wieder ein paar Küsse darauf. "Zorro", vernahm er ihre leise Stimme. "Hmm?". Er wollte nicht reden, er wollte, dass dieser Augenblick nie endete. Nie im Leben hatte er sich so gefühlt wie in diesem Moment. Es war eine Mischung aus purer Zufriedenheit und einem Gefühl des Ankommens nach einer endlos langen Reise. Alles, was davor gewesen war, war oberflächlich gewesen, hatte zwar sein Verlangen befriedigt, nicht aber das, was tief in ihm war. Er hatte das Gefühl, alles viel intensiver zu spüren... das Laken um seine Beine, Robins Hand, die noch immer auf seinem Bauch lag und sanfte kleine Kreise malte. "Ich... Es war verdammt schön!". Glückselig lachte er und nahm sie statt einer Antwort noch fester in seine Arme.

Kapitel 10

Erst früh am Morgen schliefen sie schließlich nebeneinander ein. Irgendwann waren sie in seinem Bett gelandet und aus Angst, Robin könne ihn mitten in der Nacht verlassen, hielt Zorro ihren zierlichen Körper dicht an sich gepresst. Ihre gleichmäßigen Atemzüge beruhigten ihn dann so weit, dass auch er einschlief.
 

Hitze durchströmte seinen Körper und seine Haut klebte an etwas Weichem. Verschlafen öffnete Zorro die Augen und sah, dass Robin immer noch neben ihm lag. Sie schlief noch tief und fest und um ihren nackten Körper hatte sie die Decke gewickelt. Allein ihr friedlicher Anblick und die Erinnerung an die letzte Nacht ließen ihn wieder vor Verlangen aufstöhnen. Er konnte an einer Hand abzählen, wie oft eine Frau hier bei ihm im Bett übernachtet hatte, und der Gedanke, jeden Morgen neben Robin aufzuwachen, gefiel im außerordentlich.
 

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Okay, sie hatte mit Zorro geschlafen und das nicht nur einmal. Aber wenn sie ehrlich war, wusste sie doch, dass es ein Ausrutscher gewesen war und sicher nicht wieder vorkommen würde - auch wenn er ein wunderbarer Liebhaber war. Sie hörte, dass Zorro unter der Dusche stand. Etwas in ihr wäre am liebsten zu ihm unter das heiße Wasser geschlüpft, doch ihr Kopf sagte ihr, dass sie sich jetzt schleunigst anziehen und aus seiner Wohnung verschwinden sollte. Sie wollte sich und auch ihm eine peinliche Situation ersparen, aber vor allem wollte sie nicht hören, wie er ihr freundlich, aber bestimmt beibrachte, dass dies nur ein One-Night-Stand gewesen war. Für Robin waren schon zu viele Gefühle im Spiel, über die sie sich selbst erst einmal klarwerden musste. Robin sprang aus dem Bett und kramte ihre Sachen zusammen, die im Wohnzimmer verstreut lagen. In Windeseile zog sie sich an und lauschte dem Wassergeräusch, das aus dem Bad kam. Es war besser für sie, für ihn, einfach für alle und so eilte sie aus seiner Wohnung. Dabei wählte sie die Nummer eines Taxiunternehmens und ließ sich zwei Häuser weiter abholen. Während sie das Gebäude verließ und die Straße entlanglief, bemerkte sie nicht, dass jemand hinter einem Baum stand und sie genau beobachtete.
 

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Sie war weg, hatte ihn einfach sitzen gelassen. Normalerweise war das sein Part. Jetzt stand er hier, allein und wütend. Mit einem Mal konnte er die Frauen verstehen, die ihm gegenüber einen Groll hegten. Kein schönes Gefühl. Er kam sich benutzt und gedemütigt vor. Irgendwie hatte er sich den Morgen anders vorgestellt. Während er unter der Dusche stand, hatte er sich sogar überlegt, Frühstück zu machen. ER! Danach hatte er gehofft, dass sie sich näher kennenlernten - sowohl körperlich als auch geistig. Zorro schleuderte ein Kissen an die Wand. "Dann hau doch ab! Aber erwarte nicht von mir, dass ich dir hinterher laufe...", brüllte er wütend.
 

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Als Robin am Montag die Redaktion betrat, wurde sie nicht wie üblich ignoriert. Das Gegenteil war der Fall. Plötzlich sahen ihre Kollegen sie aufmerksam an und musterten sie, als ob sie sich über Nacht in ein kleines, grünes Männchen verwandelt hätte. "Ms. Nico, in mein Büro, und zwar sofort!", brüllte Mr. Zero. Das roch nach Ärger. Gewaltigem Ärger. Robin betrat mit gesenktem Kopf und eingezogenen Schultern Mr. Zeros Büro. "Setzen Sie sich", donnerte er und schloss die Tür hinter ihr. "Wenn es wegen des Artikels vom ...", versuchte sie es vorsichtig und konnte sich dabei nicht dazu überwinden, in Mr. Zeros vor Wut hochrotes Gesicht zu blicken. "Hier. Lesen Sie das", unterbrach er sie und deutete auf eine zusammengerollte Zeitung, die vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Robin tat, wie ihr befohlen, öffnete die Zeitung langsam und starrte mit weitgeöffneten Augen auf das Foto, das die Titelseite der Ausgabe schmückte. Auf dem Bild war sie zu sehen, wie sie mit zerzaustem Haar und unordentlich zerknitterter Kleidung aus dem Gebäude trat, in dem Zorro wohnte. Das Foto war von dem Morgen, an dem sie fluchtartig seine Wohnung verlassen hatte. In großen signalroten Buchstaben war als Schlagzeile zu lesen:
 

*So arbeiten unsere Reporterinnen heute. Um an Informationen zu kommen, ist ihnen kein Mittel zu schade.*
 

"Nein", flüsterte sie leise und las sich den Artikel aufmerksam durch.
 

*Nico Robin, Reporterin der OharaDaily, hat die Nacht von Samstag auf Sonntag mit Lorenor Zorro, Oharas bestem Fußballer und Frauenschwarm Nummer Eins, verbracht. Ihr Erscheinungsbild lässt darauf schließen, dass sie nicht nur zum Frühstücken bei ihm war. Lorenor Zorro hält sich zu der ganzen Sache sehr bedeckt. Bleibt abzuwarten, was unsere Kollegen von der OharaDaily zu ihren unfairen Mitteln, an Informationen zu gelangen, sagen.*
 

Robin konnte nicht sprechen. Ihr Magen schmerzte und drehte sich einmal um die eigene Achse. Sie hatte das Gefühl, sich jeden Moment übergeben zu müssen. "Nach diesem Vorfall lege ich Ihnen nahe zu kündigen. Solch eine Mitarbeiterin können und wollen wir hier nicht beschäftigen", knallte Mr. Zero ihr vor den Latz und blickte strafend auf sie hinab. Sie wollte ihm erklären, dass es nicht so war, wie es in dem Artikel stand, aber was hätte sie sagen sollen? Ihr fiel nichts ein und so schlich sie, in sich zusammengesunken, aus dem Büro. Aus war ihr Traum. Nachdem Robin ihre wenigen Sachen zusammengepackt hatte, fuhr sie auf direktem Weg zum Trainingsgelände. Das Ganze hatte sie nur Zorro zu verdanken. Sie war wütend. Wütend auf sich selbst und Zorro.
 

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Schon von Weitem sah er sie. Mit großen Schritten und zusammengeballten Fäusten kam sie auf ihn zu. Robin sah verdammt wütend aus. Nami eilte ihr hinterher und rief ihr etwas zu, doch Robin reagierte nicht darauf. Mit ihren Augen fixierte sie ihn und kam wie ein wilder Tornado über den Rasen gefegt. "Zorro, was soll das?", hörte er seinen Trainer sauer über das gesamte Spielfeld brüllen. "Einen Moment!", rief er ihm entgegen, schoss den Ball zu Sanji und entfernte sich ein paar Schritte vom Rest der Mannschaft. "Du verdammter Arsch! Was soll das?", schrie sie ihn voller Zorn an. Ihre Augen sprühten Funken und ihre Lippen hatte sie fest aufeinandergepresst. Mit verschränkten Armen baute sie sich vor ihm auf. "Robin, komm, du kannst hier nicht bleiben. Der Sicherheitsdienst wird dich vom Platz zerren", versuchte es Nami sanft. Sachte umfasste Zorro ihren Ellenbogen und zog sie etwas weiter weg, schließlich sollte nicht die ganze Mannschaft ihre Auseinandersetzung mitbekommen. "Was ist dein Problem?", fragte er leise. "Du ... du ...", zischte sie ihn an und ging mit geballten Fäusten auf ihn los. Problemlos hielt er ihre Hände über ihrem Kopf fest. "Lass mich los, du eingebildeter Arsch!". "Sicher nicht.". "Warum hast du das gemacht? Was hab ich dir getan?", zischte sie mit hasserfüllter Stimme. "Willst du damit etwa behaupten, dass ich dir die Presse auf den Hals gehetzt habe?". Zorro war nun ebenso wütend. Wütend über Robin, die trotz ihres Hasses ihm gegenüber seine Sinne vernebelte. Noch immer hielt er ihre Hände über ihrem Kopf fest und am liebsten hätte er sie dicht an sich gezogen, ihr das hübsche, fliederfarbene Kleid runtergerissen und ...
 

"Wer denn sonst? Vermutlich hab ich deinen Stolz verletzt, weil ich nicht geblieben bin, bis du mich aus der Wohnung werfen konntest.". "Glaub doch, was du willst. Ich war es jedenfalls nicht...". Damit ließ er ihre Hände los und drehte sich um. Sie hatte recht. Er war tatsächlich verletzt, dass sie einfach abgehauen war. Aber deswegen die Presse anrufen? Wann hätte er das ihrer Meinung nach tun sollen? Unter der Dusche? Er hatte genug von ihrer Meinung über ihn. Noch immer schien sie in ihm nur den Playboy zu sehen. "Ja genau, hau ab! Mach deinem Namen alle Ehre", rief sie ihm hinterher. Mitten in der Bewegung hielt er inne, drehte sich zu ihr um und zog sie unsanft an sich. Seine Arme schlangen sich um ihren Körper und pressten ihn an seine eigenen. Vielleicht sollte er ihr einen kleinen Denkanstoß verpassen. Etwas, das sie ins Grübeln brachte. Vielleicht war sie dann endlich bereit, einen Schritt auf ihn zuzugehen und ihm einmal richtig zuzuhören, was er wirklich wollte. Ohne auf ihren hasserfüllten Blick zu achten, senkte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Die völlig verdutzte Robin wehrte sich nicht. Noch bevor sie reagieren konnte, ließ er sie wieder los und ging schnellen Schrittes zu seiner Mannschaft. Er hoffte, dass die Botschaft angekommen war.
 

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Nach alldem ließ er sie einfach so stehen? Mit den Nerven am Ende, sah sie ihm hinterher, während er von den fragenden Blicken seiner Mannschaftskollegen empfangen wurde. Anstatt eine Antwort abzugeben, setzte er schweigend sein Training fort. "Komm...". Nami griff nach ihrem Arm und schob sie sanft, aber bestimmt vom Trainingsplatz. Wie in Trance ließ Robin es geschehen. Noch immer schmeckten ihre Lippen nach ihm und ihre Wut verblasste allein bei dem Gedanken an den Kuss. Nami führte sie in ihr winziges Büro und drückte sie auf den Schreibtischstuhl. "Kaffee?". "Hast du auch was Hartes?". "Ich fürchte nicht!". "Nami, was soll ich denn jetzt tun? Ich bin arbeitslos und ganz Ohara kennt mich. Bei welcher Zeitung soll ich mich jetzt noch bewerben? Niemand wird mich einstellen!". Verzweifelt ließ sie ihren Kopf in die Hände sinken, konnte die Tränen nicht mehr unterdrücken und schluchzte hemmungslos. Nami blieb hinter ihr stehen und legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter. "Süße, jetzt warte doch erst einmal ab. Nächste Woche kennt dich kein Mensch mehr.". "Ich hoffe es. Warum hab ich mich auch auf ihn eingelassen?". "Vermutlich ist es im Moment ein schlechter Zeitpunkt, um dich zu fragen, was zwischen dir und Zorro läuft.". "Was schon? Ich bin nur eine Nummer auf der Liste seiner Eroberungen!". Nami schüttelte den Kopf. "Das glaub ich nicht. Seine Augen verschlingen dich beinahe. Da ist noch mehr!". "Nami, ich bitte dich! Zorro hat vermutlich schon mit mehr Frauen geschlafen, als er Unterhosen hat. Denkst du ernsthaft, Zorro könnte sich verlieben?". Robin fand den Gedanken mehr als lächerlich. "Wer weiß? Irgendwann trifft es jeden mal!". "Mag sein. Auch wenn dem so wäre, ich lass mich sicher nicht auf einen Playboy ein!". Dabei machte sie eine wegwerfende Handbewegung. "So weit war ich schon einmal!". "Und wenn Zorro es wirklich ernst meint? Willst du ihm wirklich keine Chance geben?". "Nami, bitte. Zorro ist ein Player!". Die Antwort musste ihr genügen.
 

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Kaum dass er seine Wohnung betreten hatte, ließ er sich auch schon erschöpft auf seinen Sessel fallen. Was für ein Tag! Nicht nur, dass Robin dachte, er würde hinter dem Artikel stecken, nein, die Presse hatte ihm aufgelauert und ihn mit unzähligen persönlichen Fragen über Robin genervt. Fotografen und Reporter belagerten sein Haus und nur mit Mühe hatte er in die Tiefgarage flüchten können. Wer auch immer hinter dem Artikel steckte, hasste Robin wohl genauso sehr wie ihn. Das Klingeln seines Handys riss ihn aus den Gedanken. Widerwillig griff er danach und meldete sich mit einem knappen "Ja". "Verdammt, Zorro! Hast du mit Robin geschlafen?", kam es wütend vom anderen Ende der Leitung. "Law...", brachte er stockend hervor. An seinen Bruder hatte er bei der ganzen Sache nicht gedacht. "Ja genau, BRUDER!". Laws Wut war deutlich zu spüren. Zorro hatte ihn wieder einmal verletzt. "Law, es tut mir leid. Robin war bei mir und...". "Spar dir deine Entschuldigungen. Hast du mit ihr geschlafen - ja oder nein?". "Ja", gab er kleinlaut zu. Law würde es ja doch nicht verstehen. Er würde ihm wie immer eine Predigt halten und Zorro hätte wie immer ein schlechtes Gewissen. Er hörte, wie am anderen Ende der Leitung etwas zu Boden fiel, und war sich nicht sicher, ob Law absichtlich etwas fallen gelassen oder gar geworfen hatte. "Es ist immer dasselbe. Die Frauen wollen nur mit dir ins Bett, weil du reich und berühmt bist. Ich hab es so satt!". "Robin ist nicht so", verteidigte Zorro sie. "Nein, da gebe ich dir recht. Ich hätte ihr etwas mehr Klasse zugetraut. Reicht es nicht, dass du meinen Traum lebst? Musst du mir alles kaputtmachen?". Wieder nagte das schlechte Gewissen an Zorro. "Verdammt, Law, es ist nicht meine Schuld, dass du nicht mehr Fußball spielen kannst!". Langsam wurde Zorro ebenfalls wütend. Er hatte es satt, dass immer ihm die Schuld zugeschoben wurde. "Denkst du etwa, dass es mir leicht fiel, weiterhin zu spielen und gleichzeitig mit ansehen zu müssen, wie beschissen es dir nach der Diagnose ging? Ja, ich lebe deinen Traum, aber es ist auch meiner! Das Ganze war und ist für mich ebenfalls keine leichte Situation. Aber ich kann es nicht ändern! Es ist, verdammt noch mal, nicht meine Schuld!". "Das nicht und es tut mir leid, wenn ich dir das Gefühl gegeben habe, dass du an der Verletzung Schuld hättest. Aber dass du mir die Frauen ausspannst, das ist deine Schuld!". Zorro wartete, bis sich beide wieder beruhigt hatten. "Law, so war das nicht. Das mit Robin ist etwas Anderes. Ich glaube, ich habe mich in sie verliebt", gab Zorro zerknirscht zu. "Genau!". Law lachte ironisch in den Hörer. "Darf ich dich daran erinnern, dass du immer gesagt hast, dass du an nichts Ernstem interessiert bist?". "Daran musst du mich nicht erinnern. Mein ganzes altes Leben wird mir gerade zum Verhängnis. Robin sieht in mir nur einen Playboy und niemanden, der es vielleicht wirklich ernst meinen könnte...". Kurz schwieg er und fuhr sich durchs Haar. "Selbst du glaubst mir nicht. Nicht einmal mein eigener Bruder!". Er merkte selbst, wie verzweifelt sich seine Stimme anhörte, und seinem Bruder musste es ebenfalls auffallen. Wenn auch zögerlich, fragte dieser. "Meinst du es wirklich ernst?". "Verdammt ernst!". "Okay!". "Mehr sagst du dazu nicht?". Irgendwie hatte Zorro mehr erwartet. "Was soll ich sagen? Hör mal, ich denke gerade über etwas nach. Vielleicht helfe ich dir bei der Sache mit Robin. Auch wenn ich noch immer angepisst bin, bist du doch mein Bruder, und so scheiße wie jetzt hast du dich noch nie angehört!". "Danke!". "Ich melde mich.". Mit diesen Worten legte Law auf und Zorro fragte sich, was sein Bruder im Schilde führte.
 

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Die Tage vergingen und Robin fühlte sich krank. Krank aufgrund der Tatsache, hier in Ohara versagt zu haben. Ihr einziger Lichtblick war, dass die Presse es langsam aufgab, ihr nachzustellen. Nachts ging sie so spät ins Bett, dass die den halben Tag verschlief, und wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher hing, surfte sie im Internet nach Stellenangeboten. Doch jedes Mal musste sie enttäuscht feststellen, dass nichts für sie dabei war. "Robin, du kannst dich nicht dein restliches Leben hier verkriechen. Geh mit Nami und mir was essen!". Koala saß neben ihr auf dem Sofa und sah sie mitfühlend an. "Weißt du, jedes Mal, wenn du mich dazu überredet hast auszugehen, endete mein Abend in einem Desaster!". "Aber du kannst dich nicht hier drinnen verstecken! Komm schon, es wird ein reiner Mädelsabend". Robin schüttelte den Kopf. Nein, sie war absolut nicht in der Stimmung. "Okay, falls du es dir anders überlegen solltest, ruf mich an. Nami und ich würden uns echt über deine Gesellschaft freuen."
 

Schließlich verließ Koala die Wohnung und wieder einmal senkte sich die Stille über Robin. Sie war gerade dabei, einen schönen Film anzusehen, als ihr Handy einen Ton von sich gab. Zögerlich griff sie danach und blickte auf das Display. Die SMS war von Law. Seit ihrem letzten Telefonat hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Bestimmt war er genauso wenig begeistert von dem Artikel wie Robin.
 

Hey Robin!

Ich weiß, dass die Situation zwischen uns gerade nicht ganz einfach ist, aber ich fände es trotzdem schön, wenn du zu meiner Hauseinweihungsparty am Samstag kommst. Ich würde mich wirklich sehr darüber freuen!

Law
 

Noch einmal las sie sich die SMS durch. Law meinte es wohl ernst. Ohne zu zögern, wählte sie seine Nummer. Sie musste das mit ihm klären. Er war ein netter Kerl und wenn sie nicht so bescheuert gewesen wäre, hätte zwischen ihnen doch mehr sein können. Leider war ihr bewusst geworden, dass sie Law zwar sehr gerne hatte, er aber nicht das in ihr auslösen konnte, was sie verspürte, sobald sie an seinen Bruder dachte. "Hi Robin", begrüßte er sie freundlich. "Hi Law. Danke für die Einladung, ich komme sehr gerne. Wo genau hast du denn ein Haus gefunden?". Unbeschwert unterhielten sie sich und Law schaffte es, ihre trüben Gedanken zu verscheuchen. Er schien ihr die Sache mit Zorro nicht nachzutragen und Robin war froh, dass er auch nicht davon anfing. "Also dann, bis Samstag! Nami und Sanji kommen auch", verabschiedete sich Law eine halbe Stunde später. "Okay. Und noch einmal danke für deine Einladung!".

Kapitel 11

Mit einem Sektglas in der Hand sah sich Zorro Laws neues Zuhause aufmerksam an. Eine modern eingerichtete Villa, über zwei Stockwerke verteilt, die von innen und außen komplett neu renoviert worden war. Ein großer Garten umgab das Haus - genauso stellte sich auch Zorro sein zukünftiges Heim vor. Höflich begrüßte er Laws Freunde und Arbeitskollegen, die sich in der Küche und im Wohnzimmer versammelt hatten und sich unterhielten. Hier und da plauderte er mit ein paar Bekannten, und als er schließlich Bonney sah, ging er auf sie zu. Bonney und Law waren ebenfalls alte Bekannte. "Zorro!", begrüßte sie ihn begeistert und schlang ihre Arme um ihn. Zorro erwiderte ihre Umarmung und fragte: "Wie geht es dir?". "Gut, bis auf die Tatsache, dass du mich an meinem Geburtstag einfach sitzen gelassen hast!". Ihre rosabemalte Unterlippe schob sich vorwurfsvoll nach vorne. "Aber du hast es verkraftet?". "Natürlich, aber versprich mir, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt!". Mit ihren schwarzlackierten Fingernägeln fuhr sie an seiner Wange entlang. Zorro sah auf ihr hautenges, schwarz-weiß-gestreiftes Kleid, das mehr preisgab als es versteckte. Ihr langes, rosafarbenes Haar hatte sie gekonnt über ihr Dekolleté platziert.
 

~~
 

Robin betrat neben Sanji und Nami das Wohnzimmer. Sie hatten von Law eine persönliche Führung durch sein neues Zuhause bekommen: ein wunderschönes Haus mit viel Platz. Bevor er sie ins Wohnzimmer bringen konnte, klingelte es erneut an der Tür, und so gingen die drei alleine weiter. Robin blickte sich in dem Raum um, der mit modernen Möbeln eingerichtet war. Die Zimmerdecke bestand aus dunklem Holz. Fasziniert blickte sie sich weiter um und betrachtete auch die zahlreichen Gäste, die sich im Wohnzimmer versammelt hatten. Ihr Blick blieb an einem Pärchen hängen, das sich etwas abseits von den Anderen befand. Er stand mit dem Rücken zu ihr, eine vollbusige Rosahaarige hatte ihre Arme um ihn geschlungen und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der Mann trug ausgewaschene Jeans, ein weißes Hemd, welches bis zu den Ellbogen hochgekrempelt war, und Sneakers. Gewöhnliche Kleidung, doch an ihm sah sie so perfekt aus, als würde er darin für eine Modezeitschrift posieren. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr beschleunigte sich ihr Herzschlag und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Zorro! Natürlich hatte sie damit gerechnet, dass er ebenfalls da sein würde, und sich eingeredet, dass sie überhaupt kein Problem damit hatte. Doch hier zu stehen und ihn mit dieser Tussi zu sehen, machte ihr bewusst, wie falsch sie damit gelegen hatte. Sie hatte ein Problem damit, und zwar ein gewaltiges. "Das ist Bonney... Zorros Ex", flüsterte Nami Robin zu, die ihrem Blick gefolgt war. "Ich wusste gar nicht, dass er auf Barbies steht", gab Robin gereizt zurück. Dabei machte sich ein unangenehmes Gefühl in ihr breit, das sie am liebsten mit literweise Alkohol ertränken würde. "Champagner?", vernahm sie Sanjis Stimme. Robin nickte und wandte sich mit zusammengekniffenen Augen von Zorro und dieser Tussi ab. Dann blickte sie an sich hinunter. Was hatte sie auch schon zu bieten? Klar, sie hatte zwar auch große Brüste, aber dafür einen ihrer Meinung nach viel zu großen Hintern. Außerdem war sie mindestens 5 Zentimeter größer als dieses Püppchen. Ärgerlich zupfte sie an ihrem Jeansrock sowie ihrer schwarzen Bluse herum. Sie trug normale Klamotten und kein ultrateures Designerkleidchen.
 

Sanji reichte ihnen die Gläser und Robin leerte ihres in einem Zug. Sie sah, wie Nami und Sanji einen kurzen Blick wechselten, doch es war ihr egal. "Hier". Sanji reichte ihr sein Glas und verschwand dann in der Menge. "Zorro und Bonney sind nur Freunde", versuchte Nami sie zu besänftigen. "Was auch immer!". Robin trank von dem Glas und spürte, wie das Prickeln des Champagners langsam ihre Kehle hinunterrann. "Komm". Nami führte sie aus dem Wohnzimmer, als Bonney lauthals über etwas lachte, was Zorro gesagt hatte. Robin versetzte dies einen unbeschreiblichen Stich. Sie wollte an Bonneys Stelle sein und über Zorros Aussagen lachen. Sie wollte ihre Arme um seinen Nacken schlingen. Doch stattdessen stand sie hier und musste mit ansehen, wie diese Bonney sich an Zorro ranmachte. Wütend über sich selbst, schüttelte sie den Kopf und nahm nochmals einen kräftigen Schluck von ihrem Glas. Von Nami ließ sie sich in die Küche führen, wo Sanji stand und kleine Häppchen auf einem Teller platzierte. "Hunger?". "Nein, danke", wehrte Robin Namis Frage ab und blieb, an die Kühlschranktür gelehnt, stehen. Ihr war der Appetit schon vor Tagen vergangen. Nami und Sanji befüllten ihre Teller und unterhielten sich dabei mit ein paar Bekannten. Robin sah ihnen zu und wünschte sich, auf der Stelle von hier verschwinden zu können. "Guten Abend", vernahm sie eine tiefe, männliche Stimme neben sich. Robin drehte sich um und blickte in das Gesicht eines etwas älteren Mannes mit schwarzen Haaren, die von grauen Strähnen durchzogen waren. "Guten Abend", gab sie höflich zurück und löste ihre verschränkten Arme, um dem Unbekannten ihre Hand zu reichen. "Sie müssen Robin sein?", fragte der Herr offen heraus und betrachtete sie neugierig. Verdutzt blickte Robin ihr Gegenüber an. "Nun, ich bin Zorros und Laws Onkel", klärte Mihawk sie sodann auf und lächelte herzlich. "Oh", brachte Robin nur verwundert hervor. "Keine Sorge, junge Dame, Zorro und Law schwärmen nur so von dir. Jetzt hab ich endlich die Freude, dich einmal persönlich kennenzulernen!". "Danke, freut mich ebenfalls", flunkerte Robin. "Hast du Lust, dich ein wenig mit mir zu unterhalten?", fragte Zorros Onkel freundlich. Robin nickte und folgte ihm zögerlich in den Garten, schließlich wollte sie nicht unhöflich sein. Eine warme Sommerbrise umfing sie und schweigend gingen sie über den hell beleuchteten Rasen. Obwohl Robin keine Ahnung hatte, was Zorros Onkel alles wusste, fühlte sie sich absurderweise doch recht wohl in seiner Gesellschaft. "Ich hoffe, ich halte dich nicht auf?". "Nein, überhaupt nicht. Ich kenne nicht mal die Hälfte der Leute hier...". "Ich auch nicht. Übrigens heiße ich Mihawk", antwortete Zorros Onkel.
 

"Du bist Reporterin?". "War! Seit dem Vorfall mit Zorro bin ich arbeitslos", platzte es aus ihr heraus. Mihawk hielt in seiner Bewegung inne. "Deswegen haben sie dich gefeuert?". Robin nickte. Mihawk sah sie ungläubig an. "Das wusste ich nicht. Zorro hat mir davon gar nichts erzählt!". Robin gab ein Schnauben von sich. "So ist es aber...". "Warum unternimmt Zorro denn nichts dagegen?", fragte er mehr an sich selbst gewandt. "Ich weiß nicht, ob er überhaupt davon weiß!". Mihawks Hand legte sich auf Robins Unterarm und hinderte sie somit am Weitergehen. "Zorro mag manchmal ein ziemlicher Idiot sein, aber im Grunde hat er ein reines Herz!". Mihawk hatte keine Ahnung. Ob er wusste, dass Zorro mit der halben weiblichen Bevölkerung Oharas geschlafen hatte? Wie konnte er da noch denken, Zorro hätte ein reines Herz? "Hier bist du also", vernahm sie eine dunkle Stimme hinter sich. Schritte kamen näher und Mihawk drehte sich fröhlich um, um seinen Neffen zu begrüßen. "Zorro! Wo hast du denn gesteckt?". "Ich habe eine alte Bekannte getroffen", gab er ohne Emotionen zurück und sein Blick wechselte von seinem Onkel zu Robin, die ein paar Schritte hinter Mihawk stehen geblieben war. Ohne ihn zu beachten, sah sie sich in Laws Garten um. "Oh, ich hab Robin kennengelernt und sie hat mir erzählt, dass sie ihren Job verloren hat!". Mihawks Stimme klang ruhig und doch etwas verwundert. "Ach ja, hat sie das?", Zorros Blick fixierte sie. Robin hob den Kopf und schaute ihm trotzig entgegen. "Ja. Warum unternimmst du denn nichts dagegen?", wollte sein Onkel wissen. "Dafür ist sie viel zu stolz", erwiderte er und musterte sie von Kopf bis Fuß. Unter seinem Blick durchströmte ein wohliger Schauer ihren ganzen Körper und sie schalte sich einen Narren, weil sie sich in diesem Moment wünschte, dass seine Hände seinen Augen folgten und sie von Kopf bis Fuß erkundeten. "Ich brauche deine Hilfe nicht", warf sie ihm trotzig entgegen. "Siehst du, Mihawk! Hab ich dir doch gesagt!". Zorros Augen gaben sie frei und er schenkte seinem Onkel seine Aufmerksamkeit. "Ich denke, ihr zwei solltet das klären!". Mit diesen Worten wandte sich Mihawk um und ging in Richtung Haus. "Ich wüsste nicht, was es da zu klären gibt", presste Robin hervor und eilte hinter ihm her, doch als sie an Zorro vorbeigehen wollte, fassten seine Hände nach ihr und zogen sie zu sich. "Was soll das?". Sie wehrte sich dagegen, dass Zorro sie noch dichter an seinen stahlharten Körper pressen konnte, doch ohne Erfolg. "Jetzt halt schon still! Ich werde dir schon nichts tun. Aber wir sollten wirklich reden", befahl er ihr. "Lass mich sofort los! Ich will nicht mit dir reden. Geh doch zu deiner Barbie zurück und sprich mit ihr!". Ihre Hände trommelten auf seinem Brustkorb ein, doch Zorro ignorierte es. Stattdessen erklang ein tiefes Lachen aus seiner Kehle. Jetzt lachte der Typ sie noch aus?! Robin holte aus und trat mit voller Wucht gegen sein Schienbein. "Bist du verrückt?", bellte er sie an, und noch bevor sie das zweite Mal ausholen konnte, warf er sie über seine breite Schulter und trug sie zum hinteren Teil des Gartens. Dort befand sich ein aus Backsteinziegel gebautes Gartenhäuschen...
 

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Ohne auf ihre Schläge zu achten, die wild auf ihn eintrommelten, öffnete Zorro die schwere Holztür und trat mit Robin über der Schulter ein. Ein muffiger Geruch stieg ihm in die Nase und es war so dunkel, dass man nicht einmal seine eigene Hand vor Augen erkennen konnte. "Aua! Pass doch auf...", fluchte Robin. Sie musste sich irgendwo gestoßen haben und bevor er sie noch mehr verletzte, setzte Zorro sie wieder ab. "Wo zum Teufel sind wir??", gab sie von sich. "Ich vermute mal, es ist ein Gartenhaus oder ein Holzschuppen!". Zorro sah wirklich nichts. "Auf alle Fälle riecht es hier nicht besonders toll!". Sie fluchte wieder leise, weil sie ein paar Schritte nach hinten gegangen und gegen irgendetwas gestoßen war. "Du solltest aufpassen, wohin du trittst!". Mit seinen Armen fing er sie auf und hielt sie fest. "Hättest du mich nicht hergeschleppt, müsste ich jetzt nicht mit Kopfschmerzen und unzähligen blauen Flecken hier stehen!". "Mein Schienbein schmerzt ebenfalls", brummte er und strich sanft über ihre Wange, die er dort nur vermuten konnte, weil ihre Haare an seiner Nase kitzelten. Robin hielt unter seiner Berührung still und Zorro wusste, dass sie ihn ebenfalls vermisst hatte. Mit seinem Zeigefinger fuhr er langsam über die Stelle, wo er ihren Mund vermutete, und zeichnete ihre geschwungenen Lippen nach. "Zorro ... ich ...", protestierte sie leise. Zorro ignorierte es und senkte seine Lippen auf ihre. Robin schmeckte so gut und ihr Geruch ließ ihn sogar den muffigen Gestank der Hütte ertragen. Er hatte sie vermisst, ganz eindeutig. Zorro zog sie dichter an sich und ihr weicher Körper schmiegte sich eng an ihn. Er hielt sie so fest, dass er schon befürchtete, sie würde keine Luft mehr bekommen. Doch Robin presste sich noch dichter an ihn und ihre Hände bahnten sich einen Weg unter sein Hemd an seinem Bauch entlang. Die Frau machte ihn mit ihren Berührungen ganz wahnsinnig. Zorro griff um ihre Hüften und schob sie sanft an die Wand, wo er sie dann schließlich hochhob und auf seiner Hüfte platzierte. Die Anziehungskraft zwischen ihnen brannte so heiß wie nie zuvor. Er brauchte sie wie die Luft zum Atmen und er würde ihr vor Augen führen, dass auch sie ihn brauchte. Robin öffnete seine Hose und schob sie eilig nach unten. Auch er schob eilig ihren Rock nach oben.
 

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Robin wühlte auf dem kalten feuchten Boden nach ihren Klamotten. Zorro kniete neben ihr und suchte ebenfalls in der Dunkelheit nach seinen Sachen. Wieder einmal hatte sie sich auf ihn eingelassen und das, obwohl sie doch eigentlich nur miteinander reden wollten. Wie sollte das nur weitergehen? Seit sie hier in Ohara war, stand ihr Leben Kopf. "Hast du alles?", fragte er leise. Robin griff nach einem Stofffetzen, der wohl ihre Bluse sein musste. "Jetzt schon!". "Robin, ich denke...". "Schon gut. Du schuldest mir keine Rechenschaft. Wir wollten es beide", wehrte sie ab und zog sich ihre Bluse über. Zorro schwieg für einen kurzen Moment, um gleich darauf nach ihrer Hand zu greifen. "Nein, das mit dir ist etwas Anderes. Du musst mir glauben, dass ich nichts mit dem Artikel zu tun habe!". "Ich glaube dir. Mit war von Anfang an klar, dass du es eigentlich nicht gewesen sein konntest. Es tut mir leid, dass ich mich so dämlich aufgeführt habe. Aber die Frage ist, wer war es dann? Niemand wusste, dass ich die Nacht mit dir verbracht habe!". Seine warme Hand fühlte sich so gut an auf ihrer Haut. "Das frag ich mich auch. Glaub mir, die letzten Tage waren für mich auch nicht besonders schön. Die Presse hat mich mit Fragen belagert und stand ständig vor meiner Wohnung. Die Person, die uns das eingebrockt hat, mag uns wohl beide nicht besonders!". "Allerdings!". Robin nestelte an ihrer Bluse und klopfte den Schmutz ab. "Was machst du wegen deinem Job?". "Keine Ahnung. Nach dem Vorfall werde ich so schnell wohl nichts Neues bekommen!". Robin sprach dann das aus, was ihr schon die letzten Tage im Kopf herumgespukt hatte. "Vielleicht geh ich wieder zurück nach Alabasta!". "Was? Damit du deinen Traum aufgibst?". Zorros Stimme klang nicht begeistert von ihrer Idee. "Vermutlich", gab Robin tonlos zurück. "Das wäre aber sehr schade!". "Warum? Würde ich dir etwa fehlen?", fragte sie mit einem neckenden und ironischen Unterton.
 

Zorro kam näher, umfasste ihren Kopf mit seinen Händen und zwang sie so, zu ihm aufzusehen, auch wenn sie durch die Dunkelheit kaum etwas erkennen konnte. "Ja, das würdest du!". Ihr Herz, das sich noch immer nicht von der letzten halben Stunde erholt hatte, begann wieder heftiger zu schlagen und so flüsterte sie kaum hörbar: "Deine Schlange an Verehrerinnen ist doch so unsagbar lang. Du wirst jemand Anderen und vielleicht sogar einmal die Frau finden, mit der du alt werden kannst!". "Und wenn ich nur dich will? Was, wenn ich die Frau bereits gefunden habe?", erwiderte er leise, aber bestimmt. War das etwa eine Liebeserklärung? Nur zu gerne würde sie ihm glauben, doch ihr Kopf sagte ihr, dass es nicht gutgehen würde. "Zorro, ich weiß nicht... Du kannst beinahe jede Frau auf dem Planeten haben, warum also gerade ich? Schon einmal hab ich mich auf einen Player eingelassen und mein Herz hat Jahre gebraucht, um das zu verkraften ... Ich kann..", weiter kam sie nicht, denn Zorro küsste ihr mit seinen warmen, weichen Lippen jegliche weiteren Worte weg. "Gib uns eine Chance, bitte!", flüsterte er eindringlich, nachdem er ihren Mund wieder freigegeben hatte. Was sollte sie tun? Ihr Herz wollte es so sehr, doch ihr Kopf war alles andere als begeistert von der Idee.
 

~~
 

Was konnte er noch sagen, um sie zu überzeugen? Zorro wusste ja selbst nicht, ob er überhaupt zu einer Beziehung fähig war. Doch der Gedanke, Robin könnte wieder zurück nach Alabasta ziehen und so aus seinem Leben verschwinden, war unvorstellbar für ihn. Aus dem Playboy war ein Weichei geworden, musste Zorro feststellen, und die Tatsache fand er seltsamerweise gar nicht schlimm. "Zorro, ich weiß nicht, ob das gutgehen würde. Wir sind so verschieden, und wenn wir nicht streiten, haben wir Sex. Wie kann darauf eine Beziehung aufgebaut werden?". "Dann sollten wir uns besser kennenlernen. Lass es uns versuchen!". Gott, jetzt bettelte er schon! Robin zögerte noch immer, doch dann spürte er, wie sich ihr Kopf ganz leicht hob und senkte. Ein JA!!!!

Kapitel 12

Robin ging neben Zorro zurück zu Laws Haus. Ihre Augen mussten sich erst wieder an das Licht gewöhnen. Zorro hielt ihre Hand fest umklammert und auf seinem Gesicht zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab. Je näher sie dem Haus kamen, desto unwohler fühlte sie sich. Wie würden die Anderen reagieren? Law, Bonney und natürlich Nami und Sanji? "Zorro". Robin blieb stehen und zog leicht an seinem Arm. "Was hast du? Machst du dir Sorgen wegen Law?", fragte er. "Ja. Lass es uns langsam angehen. Wir sollten vielleicht nicht heute damit rausrücken!". "Gut, wie du meinst!". Zorro ließ ihre Hand los und hielt ihr die Tür zu Laws Wohnzimmer auf. Dankbar lächelte sie ihn an. Der Lärm der Party schlug ihr entgegen und am liebsten wäre sie auf dem Absatz umgekehrt. Ein paar von Laws Gästen musterten die beiden neugierig. Zorro steuerte direkt auf Nami und Sanji zu. Nami blickte Robin fragend an, dabei huschte ein Lächeln über ihre Lippen, als ob sie wissen würde, was eben passiert war. Robin war durchaus bewusst, dass Nami sie mit Fragen löchern würde, doch jetzt musste sie erst einmal selbst alles verdauen. Zorro hatte einen Platz in ihrem Herzen, keine Frage, doch waren ihre Gefühle stark genug, um allen Widrigkeiten zu trotzen?
 

~~
 

Das laute Johlen der begeisterten Menge umfing Zorro wie ein warmer Nebel. Er liebte den Moment, wenn er das Spielfeld betrat; die Aufregung, vermischt mit unsagbarer Freude. Nur etwas trübte seine Begeisterung. Zorro blickte hoch zur Ehrentribüne. Was hatte er erwartet? Dass Robin neben Nami sitzen und stolz zu ihm herunterblicken würde? Ja, das hatte er. Doch wie sollte sie auch, wenn ihre Beziehung immer noch darin bestand, sich heimlich bei ihm zu treffen? Langsam war seine Geduld am Ende, er wollte sich in aller Öffentlichkeit mit ihr zeigen! Er wollte sie bei sich haben, und das nicht nur für zwei Stunden am Abend. Seit Laws Einweihungsparty waren zwei Wochen vergangen. In dieser Zeit hatte er sie nur viermal gesehen. Niemand wusste von den beiden, nicht einmal Sanji, sein bester Freund. Zorro musste das ändern, und war gleich heute, gleich nach dem Spiel. Der Anpfiff ertönte und Zorro legte den Riegel in seinem Kopf um. Jetzt galt es nur noch, sich den Sieg zu holen.
 

~~
 

Robin verfolgte den Spielverlauf auf dem Fernseher. Zorro hatte ihr mehr als nur einmal angeboten, sich das Spiel live im Stadion anzusehen, doch sie war noch nicht so weit. Sie musste sich erst absolut sicher sein, dass Zorro es wirklich ernst mit ihnen meinte. Das Versteckspiel schlug auch ihr aufs Gemüt, vor allem, weil sie sich weder Koala noch Nami anvertrauen konnte. Das Klingeln ihres Handys ließ sie aufschrecken. Gerade jetzt, wo Zorro am Ball und nur noch ein paar Meter vom Tor entfernt war! Leise fluchend stand sie auf und blickte auf das Display und die unterdrückte Nummer. "Ja, hallo?", meldete sie sich. "Bin ich richtig bei Nico Robin?", vernahm sie eine weibliche Stimme. "Ja". "Gut, hier ist Boa Hancock. Ich habe einen Job für Sie", erklang es gutgelaunt am anderen Ende der Leitung. "Einen Job?", wiederholte Robin ungläubig. "Genau. Beim Kabel-TV. Wir suchen eine Sportreporterin. Leider handelt es sich hierbei um eine kleine Stelle, nur ein paar Stunden in der Woche...". Robin unterbrach die Frau. "Moment, ich hab mich nicht bei Ihnen beworben.". "Nein, aber Mihawk hat mit mir gesprochen und mir gesagt, dass Sie Arbeit suchen. Wie gesagt, es ist ein kleiner Sender und die Stelle ist nicht besonders umfangreich, aber vermutlich können wir da noch was machen. Haben Sie Interesse?". Robin musste sich erst einmal setzen. Mihawk hatte ihr geholfen? Zorros Onkel? "Hallo? Sind Sie noch da?". "Ja, ja. Ich weiß nur nicht, was ich sagen soll!". "Kommen Sie doch einfach vorbei und schauen es sich an. Ich bin noch gute zwei Stunden hier!". "Jetzt gleich?", fragte sie fassungslos. "Wenn es Ihnen passt!?". "Okay!". Robin ließ sich die Adresse geben und legte dann kopfschüttelnd auf. Sie beim Fernsehen! Aber einen Versuch war es wert, auch wenn es sich hierbei nur um einen kleinen Sender handelte. Hastig zog sie sich um und nahm ein Taxi zu besagter Adresse.
 

Wenig später fand sie sich in einem großen Büro wieder. Ihr gegenüber saß eine Frau mittleren Alters, die aber durchaus noch sehr attraktiv war. Sie hatte ein freundliches Lächeln und wunderschönes, schwarzes, langes Haar. "Nun, Robin - ich darf doch Du sagen? Wir machen das alle hier!". "Natürlich!". "Gut, ich bin also Hancock. Ich habe dir ja bereits erklärt, dass es sich nur um ein paar Aufträge im Monat handelt. Nichts Großes, aber dafür ist die Bezahlung okay. Könntest du dir vorstellen, bei uns anzufangen?". Hancock hatte ihren Kopf auf die Hände gestützt und sah sie durch ihre Augen fragend an. Die Stelle hörte sich wirklich interessant an und die Bezahlung war wirklich gut für die paar Stunden. "Ja, das kann ich. Allerdings weiß ich nicht, wie ich vor der Kamera wirke. Bis jetzt habe ich mich eher im Hintergrund gehalten und...". "Mach dir deswegen keine Sorgen. Nächste Woche Samstag kannst du es versuchen!". An diesem Tag sollte sie ihr erstes Interview nach dem Fußballspiel führen. Also stimmte Robin zu und war glücklich, wieder einen Job zu haben.
 

Als sie eine Stunde später das Studio verließ, klingelte ihr Handy. Das Display zeigte den Namen an, der Robin seit Wochen verfolgte: Zorro. "Hey!", begrüßte sie ihn und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. "Hey! Wo steckst du? Wir haben gewonnen und wollen unseren Sieg ein wenig feiern. Kommst du auch?". Zorro klang gutgelaunt und ausgelassen. "Ich denke nicht, denn ich hab ebenfalls etwas zu feiern!". "Und das wäre?". Robin konnte die leichte Enttäuschung in Zorros Stimme erkennen. "Ich habe einen Job! Dein Onkel hat mir eine Stelle bei einem Fernsehsender verschafft. Als Sportreporterin. Nächste Woche bist du also fällig! Ich werde dich mit Fragen nur so löchern", sprudelte es aus ihr heraus. Dabei stieg sie in den Bus, der sie wieder zu ihrer Wohnung bringen sollte. "Echt? Mein Onkel hat mir gar nichts gesagt! Toll, das freut mich für dich! Wann sehen wir uns dann? Soll ich dich später abholen?". "Mal sehen. Ich treffe mich mit Nami und Koala zum Feiern und weiß nicht, wie lang das gehen wird!". "Okay, dann kommen wir eben nach.". "Zorro, du weißt doch, dass ich es den Anderen noch nicht sagen möchte. Sollten wir beide uns nicht...". Zorro unterbrach sie und Robin spürte, dass er langsam sauer wurde. "...kennenlernen? Ich weiß. Aber langsam hab ich das Versteckspiel satt. Wie sollen wir uns denn besser kennenlernen, wenn du dich für mich schämst?". Zorro war wirklich sauer. Robin sprach leise weiter, damit nicht der ganze Bus ihre Unterhaltung mitbekam. "So ist es nicht und das weißt du auch... Ich möchte einfach nur auf den richtigen Zeitpunkt warten", versuchte sie ihn zu besänftigen. "Wie du meinst. Aber ich will nicht noch mal zwei Wochen warten!". "Das musst du nicht, versprochen! Ich melde mich! Bye!". Robin legte auf, schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete laut aus. Zorro hatte ja recht, das wusste sie. Sie musste endlich über ihren Schatten springen. Sie musste lernen, Zorro zu vertrauen, denn er meinte es ganz offensichtlich ernst. Für ihn schien sie nicht nur ein Betthäschen für zwischendurch zu sein.
 

~~
 

"Was ziehst du denn für ein Gesicht? Mensch, freu dich doch mal, wir haben gewonnen!". Sanji klopfte Zorro aufmunternd auf die Schulter und stellte zwei Flaschen Bier vor ihn auf den Tisch. Zorro zwang sich ein knappes Lächeln ab und blickte sich in der Vereinsbar um. Die meisten seiner Mannschaftskameraden saßen bei ihren Frauen und Freundinnen. Nur er, Sanji und fünf andere Junges hockten hier am Tisch. Zorro griff nach der Bierflasche und trank einen großen Schluck. Dabei bemerkte er, wie Sanji ihn musterte. "Was ist los? Dich bedrückt doch was!". Zorro zuckte kurz mit den Schultern und brummte. "Hey, ich bin es. Sanji. Was ist los?". Sanji schnippte mit den Fingern vor seiner Nase und zwang Zorro so, ihn anzusehen. "Weiber...", gab Zorro zurück. Die Antwort musste Sanji genügen. "Robin?". Erstaunt sah Zorro zu seinem besten Freund. "Jetzt schau nicht so. Denkst du, wir haben Tomaten auf den Augen? Wir wissen, dass zwischen dir und Robin etwas läuft, nur verstehen wir nicht, warum ihr das nicht endlich kapiert!". Zorro stöhnte auf und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. "Wir haben es ja kapiert, aber Robin will es noch nicht bekannt geben. Vermutlich fürchtet sie um ihren Ruf oder hat Angst, Law zu verletzen, oder was weiß ich...". "Law ist wohl das das kleinste Problem bei der Sache", gab Sanji gelassen zurück. "Was? Wie meinst du das?". "Naja, als du von seiner Party abgehauen bist, hab ich ihn zu später Stunde mit einer Blauhaarigen erwischt!". Was?? Davon wusste Zorro nichts! Und er machte sich immer noch Sorgen um Laws Gefühle! Aber hiermit hatte sich das wohl erledigt. So verliebt in Robin konnte er also nicht gewesen sein. "Jetzt schau nicht so! Lass uns die hier runterkippen und dann fahren wir zu den Mädels!". Sanji zwinkerte und fügte hinzu: "Ich weiß, wo sie feiern!"
 

~~
 

"Na, schau mal an!". Koala hatte sich auf dem roten Ledersessel in der Cocktail-Lounge zurückgelehnt und blickte lächelnd auf die Eingangstür. Robin hatte ihren beiden Freundinnen nun schon die zweite Runde ausgegeben und langsam stieg ihr der Alkohol zu Kopf. Neugierig spähte sie ebenfalls zur Tür und ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie sah, wer da auf die drei zugelaufen kam. Nami erhob sich, schlang ihre Arme erst um Zorro und drückte dann Sanji einen Kuss auf die Lippen. Koala begrüßte die Neuankömmlinge mit einer kurzen Umarmung. Robin drückte Sanji kurz an sich und blieb dann abwartend vor Zorro stehen, der sie mit seinen grünen Augen so liebevoll ansah, dass sie es nicht übers Herz brachte, ihn ebenfalls nur freundschaftlich zu drücken. Obwohl sie fast gleich groß waren, musste sie sich leicht auf die Zehenspitzen stellen, um Zorro zu umarmen. Seine muskulösen Arme umschlossen sie und Robin vergrub ihre Nase an seinem Hals und sog seinen Duft tief in sich auf. Sie liebte den Geruch seines Aftershaves. "Ich hab dich vermisst", flüsterte er kaum hörbar an ihrem Ohr. "Ich dich auch", gab sie leise zurück und schmiegte sich noch etwas enger an ihn. Sie wollte hier bei ihm bleiben, dicht an seine breite Brust gepresst. Noch immer hielten sie sich fest und Robin vergaß, dass die Anderen ja auch noch da waren. Ein leises Kichern brachte sie wieder in das Hier und Jetzt zurück. "Macht nur weiter. Lasst euch von uns nicht stören", vernahm sie Koalas belustigte Stimme. "Ihr braucht uns nichts mehr vorzuspielen. Selbst ein Blinder sieht, dass ihr zwei total verschossen ineinander seid", mischte sich nun auch Nami ein. "Na, wenn das so ist", erwiderte Robin und zog Zorros Kopf zu sich, um ihre Lippen auf die seinen zu legen. Gott, wie hatten ihr seine Küsse gefehlt!
 

Die Woche verging wie im Flug und nachdem ihre Freunde nun wussten, dass Zorro und sie zusammen waren, sahen sie sich beinahe jeden Tag. Auch Mihawk und Law wussten Bescheid. Ersterer war hellauf begeistert und behandelte Robin, als würde sie schon jahrelang zur Familie gehören. Vor dem Treffen mit Law hatte Robin allerdings etwas Bammel, obwohl Zorro ihr erzählt hatte, dass Law eine Blauhaarige kennengelernt hatte, mit der er nun regelmäßig ausging. Laws einziger Kommentar zu ihrem Geständnis hatte aus einer Warnung bestanden: "Zorro, wenn du Robin schlecht behandelst, bekommst du es mit mir zu tun. Ist das klar?!". Law gab ihnen seinen Segen. So musste nur noch die Presse von ihnen erfahren und Robin konnte ihre Beziehung zu Zorro in aller Öffentlichkeit zeigen.
 

Es war Samstag und in ein paar Sekunden würde das Spiel zu Ende sein, was bedeutete, dass ihr erster Auftrag begann. Robin hatte sich neben ein paar anderen Presseleuten positioniert und wartete darauf, die ersten Spieler zu interviewen. Zorros Mannschaft lag mit einem Tor hinten. Robin zählte in Gedanken die letzten Spielsekunden runter, und als dann der Schlusspfiff erklang, war das Spiel zu Ende und die Arbeit der Presseleute begann. Robin drängelte sich mit den Anderen nach vorne und hielt Ausschau nach den Spielern. Chopper, der Kameramann, folgte ihr. Die ersten Reporter hatten sich bereits ein paar Spieler geangelt und nur sie stand noch unschlüssig herum. "Hier, geh zu Lorenor Zorro! Er kommt gerade zum Ausgang. Die Leute lieben ihn, damit machst du dir bei der Chefin Pluspunkte", forderte Chopper sie auf. Robin lächelte verschwörerisch. Das war ihre leichteste Übung. Zielstrebig steuerte sie auf den verschwitzen Zorro zu und erkundigte sich höflich: "Mr. Lorenor, dürfen wir Ihnen ein paar Fragen stellen?". Zorro sah sie belustigt an, während er sich ein Handtuch schnappte. Er schien von der Niederlage nicht enttäuscht zu sein. "Sicher, Ms. Nico!". "Nun, was sagen Sie zum Spielverlauf? In der ersten Halbzeit war ihre Mannschaft klar im Vorteil. Was ist passiert?". "Vermutlich hat die Konzentration nachgelassen. Das darf nicht passieren, aber die Niederlage ist berechtigt!". "Was sagen Sie zur siebzigsten Spielminute? Sie haben eine hundertprozentige Chance vertan!". Robin kannte keine Skrupel, wenn es um ihren Job ging, auch nicht in Bezug auf Zorro. Seine Augen weiteten sich und er kam einen Schritt auf Robin zu. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. "Wissen Sie, Ms. Nico, meinen Kopf beherrschen im Moment ganz andere Bilder. Da kann man schon mal das Tor verfehlen!". Flirtete er etwa vor laufender Kamera mir ihr? Puh, unter seinem Blick wurde ihr ganz heiß und sie wusste, an was für Bilder er dachte. Bilder von ihnen beiden, wie sie unter der Dusche standen und ... Robin schluckte kurz und versuchte, ihre Gedanken wieder zu sammeln. "Eine Frage noch, Mr. Lorenor, wie schätzen Sie ihre Chancen nächste Woche ein?". "Das kommt ganz darauf an, was für Bilder mir da im Kopf herumschwirren werden", erwiderte er mit einem Lächeln, das eigentlich verboten gehörte: sexy, verwegen und durch und durch Zorro. Er trat noch näher, bis er nur noch ein paar Zentimeter von Robin entfernt war. Was hatte er vor? Die Kamera lief und ...
 

Zorro umfasste Robins Hüften und zog sie an seinen nassen, verschwitzten Körper. Seine Hände legten sich auf ihren Po und blitzschnell senkte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Zuerst blieb Robin regungslos stehen, doch dann wurde ihr bewusst, was er damit bezwecken wollte. Er wollte nicht, dass die Presse ihnen nun ständig auflauerte. Lieber sollten sie gleich erfahren, dass sie nun zusammen waren. Robins Hände legten sich um Zorros Kopf. Nur widerwillig löste sie sich schließlich von ihm, doch das Blitzlichtgewitter hagelte nur so auf sie und Zorro herab. Er verabschiedete sich mit einem Handkuss von Robin, die knallrot anlief.
 

Nachdem Robin der Presse bestätigt hatte, dass sie und Zorro ein Paar waren, wartete sie vor den Duschräumen neben Nami auf Zorro und Sanji. Sie war glücklich. Hancock war wegen des Vorfalls nicht sauer, vielmehr was das Gegenteil der Fall. Nach ihrer Arbeit war sie von der Tribüne heruntergekommen und hatte gefragt, wie viel Geld sie ihr nun bezahlen müsste. Sie als Sportreporterin, mit Lorenor Zorro, brachte ihrem Sender weitaus mehr Zuschauer. Robin bat Hancock nur, dass sie ihren Job behalten durfte, und so würde es nächste Woche zum nächsten Fußballspiel gehen.
 

Nami lehnte neben ihr an der kalten Wand und fragte. "Bist du glücklich?". "Oh ja, mehr als das! Zorro ist toll. Ich hätte nie gedacht, dass du recht behältst mit deiner Aussage über ihn!". "Das freut mich wirklich sehr. Ihr zwei seid auch ein echt tolles Paar!". Nami strich ihr orangenes Haar zurück und stieß sich dann von der Wand ab, als Sanji und Zorro aus der Kabine kamen. "Bist du mir böse?". Zorro ergriff Robins Hand und gab ihr einen kleinen Kuss auf den Handrücken. "Wegen dem Kuss vor versammelter Presse?", fragte sie und lächelte liebevoll zu ihm auf. Zorro nickte, er schien sich wirklich Sorgen darüber gemacht zu haben, wie Robin reagieren würde. "Ein wenig. Aber ich weiß schon, wie du es wiedergutmachen kannst...", gab sie breit grinsend von sich. Zorro blieb mitten im Gang stehen und flüsterte ihr ins Ohr: "Ist es das, was ich denke?". "Was denkst du denn? Also, ich denke da an dein wunderbares Badezimmer, an deine Dusche und...", weiter kam sie nicht, denn Zorro ließ seine Sporttasche zu Boden fallen und zog Robin dicht an sich heran. Sie konnte deutlich spüren, dass er das Gleiche dachte.
 

Kaum hatten sie den Parkplatz betreten, auf dem Zorro seinen Wagen abgestellt hatte, sahen sie die Person, die dort an dem schwarzen Auto lehnte und Robin und Zorro angriffslustig anblickte. "Franky", stieß Robin hervor und griff haltsuchend nach Zorros Hand. Seine Finger umfingen ihre. Seine Wärme beruhigte Robin. "Was willst du?", fragte Zorro unhöflich, während er seine Sporttasche in den Kofferraum verfrachtete. Franky fixierte Robin und zischte unfreundlich: "Hast du dir den nächsten Macker gesucht? Ich wusste es! Du bist gar nicht so unschuldig, wie du immer tust!". "Was ist dein Problem? DU hast MICH betrogen!", brachte Robin wütend heraus. Um Frankys Mundwinkel spielte ein Lächeln und auf einmal sah er gar nicht mehr so smart aus. Sein Gesicht glich einer hässlichen Fratze. "Sei froh, dass ich der Presse nur die Bilder geschickt habe, auf denen du einigermaßen gut ausgesehen hast. Da waren noch ganz andere dabei!". Franky stieß sich von Zorros Auto ab. "Du warst das? Du hast diese Fotos von mir gemacht?!". Robin sah ihn ungläubig an. Was um alles in der Welt hatte sie jemals an ihm gefunden? "Oh ja... Und sogar ziemlich viel Geld dafür kassiert!". "Verschwinde!". Zorro baute sie zwischen Robin und Franky auf. "Schon gut. Von mir aus könnt ihr zwei glücklich werden. Ich hatte meinen Spaß mit ihr!". Mit diesen Worten verschwand Franky, bevor Zorro sich vergessen konnte. Robin hielt den wütenden Zorro fest. "Lass ihn gehen, er ist es nicht wert. Außerdem will er doch nur, dass du ausflippst, um die nächsten Bilder an die Presse zu verkaufen!". Zorros Faust löste sich langsam und er blickte zu Robin. "Ich möchte nicht, dass jemand so mit dir spricht, du bist...". "Sssch... Lass uns gehen und deine Wiedergutmachung einlösen!". Zorro nickte und auf seinem wutverzerrtem Gesicht erschien ein Lächeln. Robin drehte sich noch einmal um und blickte Franky hinterher, der langsam aus ihrem Sichtfeld verschwand. Zorro war so anders als er und sie war froh, ihn gefunden zu haben. Vielleicht war er sogar ihr Mr. Right. Jetzt, in diesem Moment, war er es jedenfalls, und was die Zukunft bringen würde, würden sie sehen.
 

*ENDE*



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Kommentare zu dieser Fanfic (15)
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Von:  Stoechbiene
2022-03-15T20:16:50+00:00 15.03.2022 21:16
Steht da wirklich ENDE?

Nee, oder? Vielleicht sollte ich meine Brille putzen...

Ich bin jetzt so überrascht, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben soll.

Vielen Dank für die schöne FF und die schöne Zeit, du du mir damit bereitet hast.

LG
Von:  Stoechbiene
2022-03-15T20:00:18+00:00 15.03.2022 21:00
Gleich zwei Kapitel auf einmal! Doppelte Freude!

Ein emotional sehr turbulentes Kapitel für Robin. Zuerst Eifersucht, dann Wut und Ratlosigkeit, dann Verliebtheit, dann wieder Ratlosigkeit und und und.

Tja, in diesem Kapitel hast du wieder nicht verraten, wer die unbekannte Person gewesen ist. Da muss ich mich wohl noch ein wenig gedulden.

LG
Und auf zum nächsten Kap ;)
Von:  Stoechbiene
2022-02-21T21:39:21+00:00 21.02.2022 22:39
In diesem Kap ist wieder eine Menge passiert und hat auch wieder einige Fragen aufgeworfen. Natürlich die wichtigste Frage überhaupt: Wer stand hinter dem Baum vor Zorro's Haus? Franky?

Der Zeitungsartikel war natürlich total fies und hat Robin regelrecht kaltgestellt. So eine Gemeinheit muss man sich erst einmal ausdenken! Derjenige soll auf jeden Fall in der Hölle schmoren.

Auch bin ich skeptisch was Law betrifft. Aber das Gespräch zwischen ihm und Zorro hat mir gut gefallen. Es gibt wohl immer noch ein paar unausgesprochenen Dinge zwischen den beiden.

Kommt Onkel Mihawk zur Einweihungsfeier?

Ich freue mich auf die Fortsetzung!
LG
Von:  Stoechbiene
2022-01-11T21:06:53+00:00 11.01.2022 22:06
Ich muss gestehen, mit diesem Ende des Kapitels hatte ich nun gar nicht gerechnet, aber vielleicht fangen wir doch erst mit dem Anfang an ;)

Ich fand es gut, dass Robin Law angerufen hatte, um mit ihm zu sprechen. Dass sie ihm nicht die Wahrheit gesagt hat fand ich verständlich. Allerdings frage ich mich wieder, wie das mit ihm weitergehen wird, also in Bezug auf sein Verhältnis zu seinem Bruder und auch zu Robin, besonders wenn man den Schluss des Kaps mit einbezieht.

Dass Zorro sich je durch eine Frau von seinem geliebten Sport ablenken lassen würde, hätte er wohl am aller wenigsten vermutet ;)

Onkel Mihawk! Grandios! Ich bin begeistert!
Dass Zorro jemanden in seinem Leben hat, dem er vollends vertraut, das hat mich sehr gefreut. Die Frage, die sich unweigerlich aufdrängt, ist allerdings, ob Law zu ihm kein so gutes Verhältnis hat, oder ob er wirklich nicht ernsthaft an Robin interessiert ist, weil er seinem Onkel nicht von ihr erzählt hat? Da ist guter Rat teuer.

Franky...ohne Worte!
Aber andererseits muss man ihm auch wieder dankbar sein, denn ansonsten wären Robin und Zorro wahrscheinlich nie zu Zorro's Wohnung gefahren.
Ich gehe mal davon aus, dass Robin die erste Frau sein wird, die bei Zorro übernachten darf :)

Ich bin sehr gespannt darauf zu erfahren wie es weitergeht und ich hoffe sehr, dass Mihawk nochmals einen Auftritt bekommt.

LG
Von:  Stoechbiene
2022-01-10T09:00:42+00:00 10.01.2022 10:00
Puh, da hat Robin aber mal für klare Verhältnisse gesorgt.
Auf der einen Seite verdient sie dafür Respekt, auf der anderen Seite bestraft sie sich natürlich selbst. Und auch Law wird für etwas bestraft, wofür er im Grunde nichts kann. Oh je, so weit ist es schon gekommen, dass ich Law in Schutz nehme ;)

Ich bin mal gespannt, wie Nami auf die ganze Sache reagiert. Ihr wird sich Robin doch hoffentlich anvertrauen.

In diesem Kapitel hast du es perfekt gemeistert einen Spannungsbogen aufzubauen und uns Leser dann kalt abzuservieren ;) Das war klasse! Ich liebe so etwas!
LG
Von:  Stoechbiene
2022-01-10T08:33:58+00:00 10.01.2022 09:33
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Robin's rationale Seite mit ihrer emotionalen Seite kämpft. Irgendwann wird sie sich für eine Seite entscheiden müssen.
Tja, good guy oder bad boy?
LG
Von:  Stoechbiene
2021-12-16T08:57:10+00:00 16.12.2021 09:57
Dass Nami und Robin sich so gut verstehen finde ich schön, denn Robin braucht eine beste Freundin, der sie alles erzählen kann. Wir Frauen brauchen halt jemanden zu schnattern ;)
Es ist auch gut, dass sie sich jemandem geöffnet hat und ihr Leid klagen konnte, das wird ihr helfen Franky zu vergessen.

Was ich mich auch wieder in diesem Kapitel gefragt habe, ist, wie du das mit Robin und den beiden Herren regeln willst. Die beiden sind Brüder und wenn sie wirklich beide Interesse an Robin haben/entwickeln sollten, könnte das zu einem Problem werden. Ich bin zwar kein Law-Fan, aber in dieser Story scheint er ja einen guten Charakter zu haben.
Allerdings scheint er ein Entscheidungsproblem zu haben. Das würde mich ja in den Wahnsinn treiben! ;)

LG
Von:  Stoechbiene
2021-12-05T14:56:37+00:00 05.12.2021 15:56
Und weil ich so vergesslich bin, habe ich total vergessen zu erwähnen, dass ich die FF natürlich sofort zu meinen Favoriten gepackt habe.
Von:  Stoechbiene
2021-12-05T14:54:45+00:00 05.12.2021 15:54
Bepo, der Mann der aussieht wie ein Bär! Robin ist wirklich von lauter merkwürdigen Gestalten umgeben!! Ich musste echt laut lachen!

Zorro ist beziehungsunfähig und Robin enttäuscht von der Männerwelt. Klingt nach einem guten Deal! ;)
Allerdings mache ich mir ein wenig Sorgen um die Beziehung zwischen Law und Zorro, wenn beide Interesse an Robin haben. In einem der vorherigen Kapitel hast du ja geschrieben, dass die beiden zwischendurch ein angespanntes Verhältnis hatten. Es täte mir leid, wenn sie wieder Stress miteinander bekämen.

Es freut mich, dass Nami Robin so viel hilft und die beiden gute Freundinnen zu werden scheinen.
Von:  Stoechbiene
2021-12-05T14:37:36+00:00 05.12.2021 15:37
Zorro, das Schnittchen! Ich musste so lachen! Denn auf der einen Seite finde ich die Bezeichnung sehr passend (Aussehen) und auf der anderen auch wieder nicht (charakterlich). Einfach ein gut gewählter Ausdruck in diesem Moment!

Da hat Zorro Robin aber leicht rumgekriegt! Sie wird sich sicherlich "freuen", ihn nun noch öfter sehen zu können. Dabei könnte es ihrer Karriere wirklich nicht schaden, wenn sie mehr über ihn schreiben würde, oder?

LG


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