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Liebe Widerwillen

von

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Kapitel 7

Mit schnellen, harten Schlägen drosch Zorro auf seinen Boxsack ein. Vor ein paar Monaten hatte er sich das Teil gekauft, um seine Muskeln auch außerhalb des Fußballtrainings in Form zu halten. Mit zusammengebissenen Zählen donnerte er auf den schwarzen Sack ein. Schweißperlen fielen von seinem Gesicht auf seinen nackten Oberkörper. Zorro war wütend, mehr als wütend. Es war Freitagabend und vor einer Stunde hatte er bei seinem Bruder angerufen, um ihn auf ein Bierchen einzuladen. Danach hatte er mit ihm noch durch die Clubs ziehen wollen, um sich abzulenken und herauszufinden, ob er seinem bisherigen Liebesleben tatsächlich den Rücken kehren wollte. Doch stattdessen musste er erfahren, dass Law ein Date hatte. Mit Robin. Der nächste Schlag kam und der Boxsack schwenkte zur Seite aus. Warum war er nicht auf die Idee gekommen, Robin um ein Date zu bitten? Stattdessen war er davon ausgegangen, dass sie genauso leicht zu haben war wie alle anderen Frauen. Nicht aber nur als One-Night-Stand. Aus ihm unerklärlichen Gründen wollte er Robin näher kennenlernen. Jedoch hätte er wissen müssen, dass Robin mehr Stil hatte. Er stellte sich vor, wie Law und Robin im Restaurant saßen, Händchen hielten und sich küssten. Mit voller Kraft schnellte seine Faust in den Boxsack.
 

Ungeduldig öffnete er seine Boxhandschuhe und warf sie unachtsam in die Ecke. Mit der Wasserflasche in der Hand streifte er durch seine Wohnung und fühlte sich wie ein Tier, das in einem Käfig gefangen gehalten wurde. Er musste schleunigst hier raus, sich irgendwie ablenken, an etwas anderes denken. Zorro marschierte in sein Badezimmer, um sich abzuduschen. Danach würde er sich mit irgendeinem Teamkollegen treffen und ein paar Bierchen zischen. Vielleicht auch in einen Club gehen, obwohl er dazu im Moment so gar keine Lust hatte.
 

~~
 

Robin sah sich staunend in dem Restaurant um. Vor allem die großen Wassersäulen, die um ihren Tisch herumstanden und die großen Pflanzen, hatten es ihr angetan. Man hatte das Gefühl, allein zu sein. Law hatte sie in einen Luxustempel entführt. Er trug einen dunkelgrauen Anzug und dazu ein weißes Hemd. Über den Tisch hinweg konnte Robin sein Aftershave riechen. Robin blickte an sich hinunter. Sie hatte ein knielanges violettes Kleid und schwarze High Heels angezogen. Obwohl das Outfit schön war, kam sie sich doch unpassend gekleidet vor. Alle anderen Frauen trugen Kleider, die sehr wahrscheinlich ein kleines Vermögen gekostet haben, ihres dagegen hatte sie im Schlussverkauf ergattert. Law hatte ihr trotz all ihrer Bedenken ein Kompliment gemacht und sie bewundernd gemustert. "Was möchtest du essen?", fragte er und blickte sie über seine Speisekarte hinweg an. Robin studierte das Menü und konnte sich nicht entscheiden. "Ich kann mich nicht entscheiden! Bestell du uns doch etwas, ich esse eigentlich alles!", gab sie als Antwort. Law nickte, winkte dem Kellner zu und bestellte für jeden ein Vier-Gänge-Menü. "Ich hoffe, ich habe richtig gewählt", sagte er, als der Kellner verschwunden war. "Bestimmt", beruhigte sie ihn. "Was hättest du denn heute gemacht, wenn ich keine Zeit gehabt hätte?", hakte sie sodann nach. Law nahm einen Schluck von seinem Rotwein und antwortete: "Zorro hat mich angerufen. Er wollte mit mir um die Häuser ziehen und vermutlich auf Frauenfang gehen..." Allein diese Vorstellung genügte, um Zorro zu hassen. Er war ein Playboy, wie es im Buche stand. "Sollst du in seine Fußstapfen treten?", gab sie etwas zu schnippisch zurück. Law hob fragend eine Augenbraue, ignorierte aber ihren Ton. "Zorro ist schon okay. Er hatte bis jetzt einfach nur kein Glück mit Frauen." Robin gab ein abfälliges Schnauben von sich. "Du meinst wohl eher, er treibt sich so lange in fremden Betten herum, bis ihm irgendwann ein Kind oder eine Krankheit angehängt wird. Er ist es doch, der den Frauen falsche Hoffnungen macht, jede in sein Bett zerrt und dann einfach abserviert. Ich verstehe nicht, warum ihr Männer ihn in Schutz nehmt. Solche Typen wie dein Bruder sind einfach zum kotzen", ließ Robin sich aus. Law sah sie lange schweigend an und Robin dachte schon, den Abend mit ihrer Reaktion ruiniert zu haben. Dann aber fragte Law ganz vorsichtig und mit ruhiger Stimme: "Kann es sein, dass du auf meinen Bruder stehst?". Robin, die gerade dabei war, ihren Hauptgang zu probieren, musste kräftig husten. "BITTE??". "Versteh mich nicht falsch, aber du wärst jetzt nicht die Erste, die sich nur mit mir verabredet, um an meinen Bruder heranzukommen". "Waaas?!" Law hob abwehrend die Arme. "Okay, sorry. Ich glaube ich liege falsch mit meiner Vermutung... Es ist nur... Die Art, wie die über ihn sprichst, höre ich nicht zum ersten Mal. Letzten Endes verfallen die Frauen ihm dann doch..." Robin knüllte die Serviette, die sie in ihrer Hand hielt, zusammen. "Da liegst du falsch... Zorro ist nur nicht der erste Player, den ich kennenlernen musste. In meinem ganzen Leben würde ich mich nie wieder auf so einen Mann einlassen". "Was ist passiert?", hakte Law vorsichtig nach.
 

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"Was ist eigentlich dein Problem?". Sanjis Frage riss Zorro aus seinen trüben Gedanken. Seit knapp einer Stunde saß er nun in einer noblen Cocktailbar und hatte schon den dritten Drink intus. Anstatt sich mit Sanji zu unterhalten, der extra den gemeinsamen DVD-Abend mit Nami abgesagt hatte, brütete er vor sich hin. "Was soll schon sein?", gab er schlechtgelaunt zurück. Zorro lehnte sich zurück verschränkte die Arme vor seinen Körper und signalisierte der Frau an der Bar, die ihn schon seit seinem Eintreffen beobachtete, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte. Er hatte absolut keinen Nerv für irgendwelche Weiber, die ihn anmachen wollten. "Du ziehst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter!". "Blödsinn!". "Oder liegt es daran, dass Law mit Robin ausgegangen ist?", wagte sich Sanji vorsichtig vor. "Der kann die kleine Sportreporterin meinetwegen heiraten, das ist mir so was von egal!". "Ach ja? Ist es das?". Um Sanjis Mundwinkel spielte ein wohlwissendes Lächeln. "Was grinst du denn jetzt so dämlich? Natürlich ist es mir egal. Robin ist nichts im Vergleich zu Bonney!", murrte Zorro. "Stimmt. Mit Bonney kann man sie nun wirklich nicht vergleichen!". "Worauf willst du hinaus?" Langsam war Zorro wirklich wütend auf den Blonden. Sanji trank genüsslich ein Schluck von seinem Bier. "Kann es sein, dass du so wütend bist, weil sich Robin nicht für dich interessiert? Sie scheint die erste Frau zu sein, die gegen dich immun ist." Mit aufgerissenen Augen starrte Zorro sein Gegenüber an. "Robin ist einfach nur eine prüde Zicke. Wahrscheinlich bekommt sie einfach keinen Typen ab!". "Außer deinen Bruder...", gab Sanji zu bedenken. "Hör auf, so blöd zu grinsen", fuhr Zorro ihn an und konnte nicht verhindern, dass sein Kopfkino wieder von vorne losging.
 

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Obwohl sie schon befürchtet hatte, der Abend mit Law wäre durch ihre abfällige Aussage über Zorro im Eimer, wurde sie eines Besseren belehrt. Law hatte ihr zugehört und die Sache mit Franky besser verstanden, als sie es erwartet hatte. Nachdem sie aufgegessen hatten, gingen sie eine Runde spazieren. Nun schlenderte sie neben ihm her und beobachtete fasziniert das Nachtleben. "Wie ist es für ein Kleinstadtmädchen, plötzlich in einer Großstadt zu sein?", wollte Law wissen, der mitbekommen hatte, wie Robin sich alles ansah. "Ungewöhnlich und doch faszinierend!". "Ich kenne seit Jahren nichts anderes. Ich war immer in Großstädten unterwegs. Eigentlich finde ich es toll, denn du kommst überall ohne eigenes Auto hin. Man muss nicht meilenweit fahren, um Lebensmittel einkaufen zu gehen", gab Law von sich. "Kannst du dir vorstellen, für immer in der Stadt zu leben? Ich kann es im Moment nicht so recht", gab Robin ehrlich zu und genoss es, mit Law so zwangslos reden zu können. Sie musste sich nicht verstellen, um Law zu gefallen. Die Art, wie er sie ansah, wie er immer wieder versuchte, sie beiläufig anzufassen, verriet ihn. Wie jetzt im Moment, als er ihren Ellenbogen berührte, um sie an einer Traube Teenager vorbeizuschieben. "In meinem momentanen Job werde ich keine große Wahl haben. Aber ich tendiere sehr zu einem kleinen Vorort. Mit einem kleinen Garten und so." Robin nickte. Der Gedanke gefiel ihr. "Lust auf eine Tüte Eis?". Law deutete auf ein Eiscafé. "Gerne!". Knapp eine Stunde später saß sie in seinem Wagen und ließ sich nach Hause bringen. Einerseits wollte sie nicht, dass der Abend schon zu Ende war. Andererseits sagte ihr Kopf, dass es so besser war. Es war besser, wenn sie Law langsam kennenlernte und nicht den gleichen Fehler machte wie bei Franky . Law parkte vor ihrem Haus und die Dunkelheit in Robins Wohnung verriet ihr, dass Koala mal wieder unterwegs war.

"Es war ein sehr schöner Abend!" Law lehnte sich zurück und legte die Hände dabei auf seine Knie. "Der Abend war toll. Du bist ein wirklich guter Zuhörer". Robins Unsicherheit war ihr deutlich anzumerken. Sollte sie Law hochbitten? Er war definitiv ein Traummann, sah super aus, war den ganzen Abend über höflich, witzig und charmant und dazu noch ein echter Gentleman. Doch sie tat es nicht, schließlich sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist. Mit der einen Hand öffnete sie die Autotür, mit der anderen griff sie nach Laws Hand, drückte sie kurz und sagte: "Vielen Dank, Law. Das war einer meiner schönsten Abende seit Langem!". Schnell löste sie ihre Hand von seiner und stieg aus dem Auto. Mit einem Grinsen schloss sie die Autotür und ging in Richtung Haus. Erst als sie eintrat, hörte sie, wie Law den Motor startete und langsam davonfuhr.
 

Kaum hatte Robin am Montag die Redaktion betreten, wurde sie auch schon von Mr. Zero erwartet. Etwas aufgeregt ging sie in sein Büro und nahm auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz. Dabei betrachtete sie ihn, während er über einem Stapel Blätter hing und sie gekonnt ignorierte. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck, den sie nicht sicher deuten konnte. Die Aufregung in ihrem Magen wuchs, so viel hing von ihrem Artikel ab. Irgendwann schien die Stille ihr den Atem zu rauben und sie musste sich leicht räuspern, um das Gefühl, zu ersticken, loszuwerden. Mr. Zero hob zögerlich den Kopf und blickte sie mit seinen kalten Augen an. "Ms. Nico, ich habe lange überlegt, wie ich mit Ihnen verfahren soll. Ihr Artikel ist ganz okay, aber nicht das, was ich erwartet habe", gab er ihr ernst zu verstehen . "Oh", brachte sie enttäuscht hervor. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Mr. Zero blickte durch sie hindurch, vermutlich befürchtete er, Robin könnte jeden Moment in Tränen ausbrechen. So fühlte sie sich auch. "Wie dem auch sei, ich sehe Sie nicht im Fußballbereich. Ihr Schreibstil ist zu weiblich, das gefällt unseren männlichen Lesern nicht. Sie müssen sich mit dem Schreiber identifizieren können!". "Okay", sagte sie, doch seine Aussage war für sie alles andere als okay. "Das war die schlechte Nachricht...". Mr. Zero lehnte sich zurück und schaute etwas freundlicher. "Die gute Nachricht ist: Ich möchte, dass Sie ein Interview mit Lorenor Zorro führen!". Geschockt blickte Robin ihrem Chef entgegen. "Was? Warum ich? Ich dachte, ich wäre für diesen Bereich nicht geeignet?", entgegnete sie ihm leicht wütend. "Lorenor Zorro wird Jahr für Jahr von der Frauenwelt zum begehrtesten Fußballspieler gewählt. Sie sind eine Frau und außerdem haben Sie Beziehungen zum Verein!" Daher wehte also der Wind! Nur weil Nami ihr die Vereinsführung ermöglicht hatte, sollte sie diese Beziehung nun ausnutzen. Dafür war sie also gut genug. Robin verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust und gab ihrem Chef ruhig, aber bestimmt zu verstehen, dass sie nicht bereit war, Zorro zu interviewen. "Mr. Zero, Sie haben mich als Sportreporterin eingestellt und nicht als Klatschreporterin." Der Blick ihres Chefs verfinsterte sich. "Ich dulde keinen Widerspruch. Sie werden das Interview durchführen!", erwiderte er mit kalter Stimme. Robin seufzte resigniert. Zögerlich erhob sie sich und verließ mit hochrotem Kopf und einem kurzen Nicken das Büro.
 

Einige Tage später und mit super schlechter Laune betrat sie nun zum zweiten Mal in ihrem Leben das Vereinsgebäude. Mr. Zero hatte extra einen seiner Fotografen für dieses Interview mitgeschickt. Brook war ein älterer Herr, der während seiner Rente noch Fotos für die Zeitung knipste. "Du kennst diesen Lorenor Zorro?", forschte der große, dünne Mann an ihrer Seite nach. "Nicht direkt. Ich habe ihn ein paarmal gesehen und mich kurz mit ihm unterhalten!" Robin warf einen schnellen, prüfenden Blick in den großen Spiegel im Eingangsbereich. Sie trug eine schwarze enge Jeans und dazu eine weiße, kurzärmlige Bluse. Ihr langes schwarzes Haar trug sie offen. Sie gab den perfekten Anblick für eine Sportreporterin ab. Brook stand neben ihr, sah ebenfalls in den Spiegel und strich sich über seine schwarze, teilweise ergraute Afromähne. "Das wird schon. Lies einfach die Fragen vor und notiere dir die Antworten". Er dachte anscheinend, sie wäre wegen des Interviews nervös. Doch dem war nicht so, sie wollte Zorro nur nicht gegenübertreten, die Fragen hatte sie sich bisher noch nicht einmal angeschaut. Mr. Zero hatte ihr einfach einen Block in die Hand gedrückt und gemeint, das wären all die Fragen, die die weibliche Leserschaft gerne von dem Grünhaarigen beantwortet hätte. Robin lächelte Brook für seine lieben Worte dankbar an und ließ sich dann von dem Sicherheitsbeamten zu einem Besprechungsraum bringen. Unruhig spielte sie mit dem Block in ihrer Hand und wartete, bis der Beamte sie in den Raum bat. Dort sah sie ihn. Er saß auf einer großen, schwarzen Couch und hatte die Beine weit von sich getreckt. Bei ihrem Eintreten erhob er sich mit einem undefinierbaren Lächeln. Neben ihm saß Genzo, Namis Onkel, der Sportmanager.
 

"Ms. Nico. Jetzt sehen wir uns schon zum zweiten Mal in so kurzer Zeit", begrüßte Genzo sie freundlich und schüttelte ihre Hand. "Guten Tag. Danke, dass wir das Interview machen dürfen", erwiderte sie und überspielte ihr Unbehagen in Zorros Gegenwart. Genzo hielt noch immer ihre Hand gedrückt. "Da müssen Sie sich bei Zorro bedanken. Ich bin nur als Beisitzer dabei!". Er ließ ihre Hand los und begrüßte dann Brook. Zögerlich trat sie neben Zorro und reichte ihm, wenn auch widerwillig, ihre Hand. Dabei gab sie sich große Mühe, nicht in seine grünen Augen zu blicken. "Robin! Schön, dich wiederzusehen", wisperte er, nahm ihre Hand und führte sie an seinen Mund. Mit seinen Lippen berührte er ihren Handrücken und hauchte einen kaum spürbaren Kuss darauf. Allein diese Geste genügte, um ihr Blut in Wallung zu bringen. Robin spürte, wie die Röte in ihr Gesicht stieg, und wandte sich verlegen von Zorro ab. "Nehmen Sie bitte Platz! Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?", vernahm sie Genzos Stimme von weit entfernt. Robin schüttelte sich innerlich, setzte sich automatisch auf den Sessel, der sich gegenüber von Zorro befand und kramte in ihrer Tasche nach dem Diktiergerät. "Ein Wasser, bitte!". Brook holte seine Fotokamera heraus. Robin wollte das Interview einfach nur so schnell wie möglich hinter sich bringen. Sie legte das Diktiergerät auf den kleinen Glastisch und betrachtete Zorro aus dem Augenwinkel. Er trug eine perfekt sitzende hellblaue Use-looked-Jeans, durch die seine durchtrainierten Beine deutlich zu erkennen waren. Dazu ein schlichtes graues T-Shirt, welches so saß, dass man seine breite Brust und den flachen Bauch ausmachen konnte.
 

"Mr. Lorenor, ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich unser Gespräch aufzeichne?", fragte sie nach. "So förmlich? Robin, wir kennen uns doch. Ich bestehe darauf, dass du mich Zorro nennst", gab der Grünhaarige freundlich zurück. "Okay, ... Zorro", erwiderte sie. Dabei entging ihr natürlich nicht der fragende Blick, den Brook ihr zuwarf. Genzo kam in der Zwischenzeit mit den Getränken zurück und stellte diese auf den Tisch. Robin räusperte sich kurz und drückte dann auf die Aufnahmetaste. Ihren Block hatte sie auf dem Schoß und las nun die erste Frage vor. "Zorro, wie ist es, jedes Jahr zum Sexiest-Man gewählt zu werden?". Zorro hatte die Beine wieder weit von sich gestreckt und nur die Füße überkreuzt. Ein selbstbewusstes Lächeln umspielte seine Lippen. "Es ehrt mich natürlich. Allerdings bin ich Fußballspieler und möchte dafür gelobt werden. Mein Aussehen ist in dem Beruf nicht nur Nebensache, sondern vollkommen irrelevant." Robin las ohne Wertung die zweite Frage vor: "Stimmt es, dass du überwiegend mit berühmten Frauen ausgehst?". "Nun, das kann ich nicht unbedingt bestätigen. Vermutlich wurde ich einfach meistens nur mit Freundinnen fotografiert, die der Öffentlichkeit bekannt waren!". "Was du nicht sagst...", gab sie leise, aber so, dass es zumindest Zorro und Genzo gehört haben mussten, zurück. "Gut, Rebecca möchte von dir wissen, wie deine Traumfrau aussehen sollte.". "Ich kann es nicht leugnen, mir gefallen schwarzhaarige, große Frauen, die sich nicht alles gefallen lassen. Außerdem steh ich auf Frauen, die etwas im Kopf haben!" Hatte er das eben tatsächlich gesagt? Verwirrt hielt Robin kurz inne. "Entschuldigt mich ganz kurz. Ich hab noch ein wichtiges Telefonat zu führen!". Genzo sorgte mit seinem Einwurf dafür, dass Robin etwas Zeit hatte, ihre Fassung wiederzugewinnen. Dieser erhob sich und verließ den Raum.
 

"Gut, ähm... nächste Frage?". "Wenn du bereit bist, bin ich es auch...", erwiderte Zorro ruhig. Verdammt, warum sah er sie nur so an? Seine Augen und die selbstgefällige Art brachten sie komplett aus dem Konzept. Sie hatte das Gefühl, mit Zorro in einem engen, kleinen Raum allein zu sein. Jeder Blick von ihm war so heiß, dass sie sich kaum noch konzentrieren konnte. "Also, dann geht es weiter...", half Brook ihr. "Mhm... okay... Welchen Körperteil magst du … Mein Gott, die Fragen kommen nicht von mir!". Robin hielt kurz inne und las dann weiter vor. "Was magst du am meisten an deinem Körper?". "Die Fragen stammen nicht von dir? Schade!". Zorro lachte leise in sich hinein und Robin spürte, wie sie krebsrot anlief. Ohne auf eine Entgegnung von ihr zu warten, fuhr er fort. "Es gibt einige Stellen an meinem Körper, die nicht zu verachten sind... aber am meisten mag ich meine Augen." Wow, was für eine Antwort. Robin brauchte ein paar Minuten, um sich zu sammeln, und las die nächste Frage ab, die endlich einmal harmlos war. "Wo siehst du dich in fünf Jahren?". Zorro zögerte kurz und sie sah, wie sein selbstbewusster Gesichtsausdruck verschwand und stattdessen Ungewissheit auftauchte. Lorenor Zorro schien tatsächlich nervös zu werden. "In fünf Jahren? Gute Frage... Ich werde wohl auf jeden Fall im Fußballbereich tätig sein. Ob als Spieler oder Trainer... Im privaten Bereich möchte ich auf alle Fälle ein kleines Häuschen, einen Hund, eine wundervolle Ehefrau", dabei hob er seinen Blick, der bis eben noch auf seine Knie gerichtet war, und sah Robin kurz in die Augen, "und natürlich einen Stall voller Kinder haben!". Mit weit geöffneten Augen starrte sie ihn an. Doch auf seinem Gesicht lag nicht wie üblich der selbstbewusste Ausdruck. Seine Antwort schien tatsächlich aus seinem tiefsten Inneren zu kommen. Hatte Robin sich wirklich so in Zorro getäuscht?
 

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Eigentlich hatte er nur sehen wollen, wie Robin auf so eine Aussage reagieren würde, doch als er ihren Blick aufgefangen hatte, war ihm klargeworden, dass er das tatsächlich ernst meinte. Robin saß ihm gegenüber und starrte ihn an. Bis eben waren die Fragen alle Routine gewesen, auch wenn es für ihn sehr amüsant war zu sehen, wie verlegen die Schwarzhaarige bei jeder weiteren Frage wurde. Auch er konnte das Knistern zwischen ihnen deutlich spüren. Es lag in der Luft und hatte sich unsichtbar über sie gelegt. Ob Robin sich wirklich schon für seinen Bruder entschieden hatte? Vielleicht bestand doch noch ein kleiner Funke Hoffnung, dass sie auch Interesse an Zorro haben könnte. Das Knipsen des Fotografen riss Zorro aus seinen Gedanken und auch Robin schien sich langsam wieder zu fangen. "Nun... ähm... unsere Leserinnen freuen sich sicherlich, das zu hören", brachte Robin stockend hervor. Was interessierten ihn die Leserinnen? Er wollte wissen, was die hübsche Frau ihm gegenüber davon hielt. Sie senkte blitzartig wieder ihren Blick auf den Block und las die nächste Frage laut vor. "Gegen welche Mannschaft spielst du am liebsten?". In den restlichen Minuten, in denen Robin ihren Blick nicht mehr von ihren Oberschenkeln hob, stellte sie ihm nur noch Fragen über Fußball, worüber Zorro irgendwie auch froh war. Selbst ihn hatte das Interview aus dem Konzept gebracht.
 

"Nun brauchen wir nur noch ein Foto von euch beiden und wir sind fertig", sagte Brook, während Robin ihre Sachen zusammenpackte. "Ja, natürlich", stimmte sie zu, erhob sich von ihrem Sessel und kam auf ihn zu. Zorro rückte etwas zur Seite, um Robin Platz zu machen. Kaum hatte sie, allerdings mit etwas Abstand, neben ihn gesetzt, konnte er den Duft ihres Parfüms wahrnehmen. Sie roch nach Kirschblüten. Zorro legte seinen Arm um ihre Schulter und zog sie etwas näher zu sich, so wie er es immer tat, wenn ein Foto von ihm und einem Fan gemacht wurde. Aus dem Augenwinkel sah er, wie auf ihrem Gesicht ein beinahe gequälter Ausdruck auftauchte. "So, ihr Lieben! Dann schaut mal in die Kamera und … Robin, schau doch mal wenig freundlicher...", bat Brook sie und platzierte sich hinter seinen Apparat. Zorro setzte sein übliches Showlächeln auf. Nach zwei Schüssen war Brook mit dem Ergebnis zufrieden und wandte sich ab, um seine Sachen zusammen zu räumen. Anstatt Robin loszulassen, verstärkte Zorro seinen Griff um ihre Schulter und zwang sie so, ihn anzusehen. In ihren eisblauen Augen lag ein seltsam verunsicherter Ausdruck, und anstelle etwas zu sagen, begann sie, an ihrer Unterlippe zu knabbern. Fasziniert beobachtete er sie dabei und konnte sich nur mit Mühe beherrschen. Er fand sie in diesem Moment verdammt heiß. "Kannst du bitte aufhören, an deiner Unterlippe rumzukauen?", bat er mit leiser, gefährlicher Stimme. "Warum?". Hatte sie denn wirklich keine Ahnung, auf was für Gedanken ein Mann dabei kommen konnte?
 

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Mit verräterisch pochendem Herzen blickte sie Zorro an und ließ dabei ihre Unterlippe nach vorne gleiten. Seine Augen schienen sich verfärbt zu haben. Das Grün wurde dunkler, sein Blick intensiver. Ihre Handflächen fingen vor Aufregung an zu schwitzen und in ihrem Bauch explodierte etwas. "Ich warte dann mal draußen...", vernahm sie von weit weg Brooks Stimme. Eine Tür wurde geöffnet und gleich darauf wieder geschlossen. Dann war sie mit Zorro allein. Der ganze Raum um sie herum schien sich zu drehen, doch sie sah nur noch dunkle, verführerische Augen, die sie betrachteten, als ob es niemanden sonst auf dieser Welt geben würde. Langsam senkte sie den Blick zu dem wohlgeformten Mund, der nur noch wenige Zentimeter von ihrem eigenen entfernt war. Sie spürte kaum, wie der Griff um ihre Schulter sich nochmals verstärkte. Ohne nachzudenken beugte sie sich vor. Sanfte Lippen legten sich auf ihre und ihr Atem vermischte sich mit dem des Grünhaarigen. Bis eben war der weiche Mund geschlossen gewesen, doch langsam öffnete er sich. Robin konnte spüren, wie seine Zunge ihre Lippen leicht auseinanderschob. Nur zu gern ließ sie es zu und so berührten sich ihre Zungen. Sie vertieften den Kuss. Erst ganz langsam, dann wurden sie von Sekunde zu Sekunde schneller und wilder. Sie schmeckte Pfefferminz. Die Hand, die eben noch auf ihrer Schulter gelegen hatte, wanderte hinunter zu ihrem Oberarm und sie konnte das sanfte Streicheln seiner Finger auf ihrer Haut spüren. Robins Verstand hatte sich mittlerweile völlig verabschiedet und ihre Gedanken drehten sie nur noch um die Berührungen und diese Lippen. Sanft, aber bestimmt, wurde sie weggedrückt und ihr Mund plötzlich freigegeben. Robin öffnete ihre Augen und blickte Zorro an. "Was läuft zwischen dir und Law? Er ist mein Bruder und ich möchte ihn unter keinen Umständen verletzen!", flüsterte Zorro leise und seine warmen Finger ließen von ihrem Oberarm ab. Langsam begann ihr Gehirn wieder zu arbeiten. Mist, was hatte sie getan?! Sie hatte Zorro geküsst und das, obwohl sie sich doch geschworen hatte, nie wieder etwas mit einem Player anzufangen. "Ich nun … Verdammt was hast du getan?". Robin sprang auf und blickte zu Zorro hinunter. "Was hast 'du' getan??? 'Du' hast 'mich' geküsst!". Robin schüttelte verzweifelt den Kopf. Obwohl die Sache mit Law erst langsam anlief, war das bereits das Ende. Sie konnte doch nicht mit seinem Bruder knutschen und sich dabei Law warmhalten.
 

"Sagst du es ihm oder soll ich?". Die Stimmung war plötzlich umgeschwenkt und Zorros kalte Stimme ließ sie frösteln. Zorro erhob sich und baute sich vor Robin auf. "Da gibt es nichts zu sagen. Law und ich waren nur einmal Essen und da ist nichts passiert. Ich wollte die Sache langsam angehen lassen, weil er...", sie hielt kurz inne und deutete dann mir ihrem Zeigefinger auf Zorro, "ein Traummann ist. Er würde perfekt zu mir passen. Doch jetzt hab ich es mir verbockt, indem ich mit dir geknutscht habe. Wie blöd kann man nur sein?". Robin drehte sich abrupt um und eilte zur Tür. "Warte doch ... ich bin nicht so...", weiter kam Zorro nicht, denn mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter Robin ins Schloss. Es verletzte ihn, dass sie den Kuss offensichtlich bereute und in ihm nur den Weiberhelden sah, womit sie ja nicht unrecht hätte. Aber er war sich sicher, dass er sich ändern konnte und auch wollte.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  Stoechbiene
2022-01-10T08:33:58+00:00 10.01.2022 09:33
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Robin's rationale Seite mit ihrer emotionalen Seite kämpft. Irgendwann wird sie sich für eine Seite entscheiden müssen.
Tja, good guy oder bad boy?
LG


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