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Ein süßer Groupie

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Das Kapitel passt sehr schön, weil ich selbst gerade vom Dir en Grey Konzert komme. Es war einfach traumhaft nur leider war es viel zu kurz. Die Jungs sind so wudervoll und ich bin noch immer ein bisschen verzaubert <3.
Dann wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen ;) Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
So ihr Lieben, es geht weiter und was ist schöner an einem verregnetem Sonntag bei einem warmen Tee gemütlich in der Wohnung zu sitzen und sich Geschichten auszudenken ;). Dann euch noch ein schönes Restwochenende und viel Spaß mit dem Kapitel. Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Ich möchte hier vorweg sagen, dass ich ein bisschen mit mir gehadert habe, ob ich das Kapitel wirklich "zwei Freaks" nennen soll, da viele in einem Freak ja etwas schlechtes sehen, doch meine Intention ist genau das Gegenteil. Natürlich wird man eher als "Freak" beschimpft, doch ich finde es deutet auch darauf hin anders zu sein und, dass es schön und besonders sein kann anders zu sein. Ich bin nur dann stark, wenn ich auch bereit bin den kleinen "Freak" in mir zu akzeptieren und mal ganz ehrlich, was heißt schon normal sein? ^^ In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen und euch allen einen wunderschönen ersten Advent.

LG Marry Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Ja es war die letzten Wochen sehr ruhig um meine Aktivitäten und noch Mal sorry dafür, das lag am herumreisen an den Feiertagen und der wenigen Zeit dazwischen, aber juhu, ich habe es geschafft noch dieses Jahr ein Kapitel zu schreiben, auch wenn das nächste besse gepasst hätte, weil es von Silvester handelt, aber das kommt bestimmt nächste Woche noch.

Außerdem schreibe ich gerade parallel eine weitere Kyo-Story, die ein bisschen seine Vorgeschichte, bevor er mit Kazuki zusammengekommt, beleuchtet. Außerdem möchte ich da die Entstehungsgeschichte von La Siedie's bis zu Dir en Grey anreißen. Ihr seht also, es gibt viel zu tun und bald neuen Lesestoff ^^.

Dann euch allen schon Mal einen guten Rutsch ins neue Jahr, verbringt einen wundervollen Abend mit euren liebsten und hier möchte ich allen, die meine FF lesen und kommentieren einfach Mal DANKE sagen. Das freut mich immer sehr, ihr seid toll <3. Bis bald ihr Lieben und natürlich viel Spaß beim Lesen ;).

Bis nächstes Jahr.
LG Marry Komplett anzeigen

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every day the same

 Wie fast jedes Wochenende spielte ich in meiner Stammbar Gitarre und sang dazu meine selbstgeschriebenen Texte. Bisher hatte es immer nur für die Bar gereicht. Sicher hatte ich mir schon oft ausgemalt wie es wäre mit meiner Musik erfolgreich zu sein, doch ich war nur ein kleiner Fisch umgeben von großen Haien, die meinen Erfolg sicherlich nicht gern sahen. Ich mit meiner einfachen Klampfe in irgendeiner Bar in Kyoto war nichtig und würde den großen Rockstars niemals das Wasser reichen können. Doch meinen Fans hier genügte es. Sie genossen es mich spielen zu hören, auch wenn meine Stimme nur als leises Hintergrundgeräusch fungiert. Genau in der richtigen Lautstärke, sodass man sich noch unterhalten kann. Denn wer achtet schon auf meine Texte? Solange ich niemanden nerve und nicht ich, sondern die Gäste im Mittelpunkt der Bar stehen, ist doch alles prima. Nein, ich würde niemals ein großer Musiker werden.

Nach meiner „Show“ ließ ich mich an der Bar nieder und bestellte das übliche. Tequila und Bier. Ich leerte die klare Flüssigkeit in dem kleinen Glas in einem Zug und bestelle gleich noch einen. Das Bier trinke ich schon fast genüsslich und lecke mir den Schaum von den trocknen Lippen. Die Gage für den heutigen Abend hätte schlechter sein können und was bleibt mir auch anderes übrig, als mich damit zufrieden zu geben?

„Kazuki, du warst super heute“, lobte mich Takashi, der Inhaber der Bar. Ich nicke nur und trinke einen großen Schluck. Irgendwie schmeckt das Bier heute nicht. Deshalb bestelle ich noch einen Schnaps. Doch es hilft alles nichts. Ich stürze mein Getränk runter, hänge mir die Klampfe um und verlasse mein zweites Wohnzimmer.

„Morgen gleiche Zeit?“, ruft mir der alte Mann noch nach und ich hebe die Hand, ohne mich umzudrehen. Klar. Wie jeden Abend.

 

Mein Apartment besteht aus nur einem Raum. Mehr kann ich mir nicht leisten und schon dieses kleine Zimmer bringt mich an den Rand meiner Existenz. Meine Klamotten hänge ich ordentlich über die Lehne des einzigen Stuhles in meinem Zimmer und lehne mein Instrument an die Wand. Dann falle ich in die weichen Federn. Das einzig schöne an meiner kleinen Wohnung ist das schräge Fenster über meinem Bett, durch das ich jeden Abend den Sternenhimmel über mir habe. Eine der wenigen Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Manchmal zumindest. Doch heute schaffen es nicht Mal die Sterne und der helle Mond, welcher wunderschön am Nachthimmel erstrahlt meine düsteren Gedanken zu mildern. Mein Magen krampft sich zusammen und ich spüre diese leere, den Schmerz und den Hass in mir aufsteigen. Oh ja, heute ist es wirklich schlimmer als sonst. Liegt wohl daran, dass mein Geburtstag vor der Tür steht. Nein, ich kann beim besten Willen nicht schlafen. Deshalb greife ich nach dem Laptop neben meinem Bett und rufe das Internet auf, um mir Videos von Ihm anzuschauen, wie so oft, wenn ich in einem Tief festhänge. Irgendwie beruhigt mich seine Stimme. Seine Stimme, die einerseits so sanft und melodisch klingt und dann wieder völlig verrückt und wild, als würde er eine Art Disharmonie zwischen die Instrumente und sich bringen wollen. Doch auf eine ziemlich komische Weise finden Musik und Gesang am Ende einen Weg zueinander und alle seine Lieder faszinieren mich. Er fasziniert mich und ich muss mir ein bisschen eingestehen, dass er und seine Musik Schuld daran tragen, dass ich jeden Abend in dieser beschissenen Bar vorspiele. Aber ich kann nichts anderes. Früher war ich immer der Streber der Schule, der, der reiche Eltern hat und alles in den Arsch geschoben bekommt. Und jetzt? Hocke ich hier und schmachte einen Musiker an, dem ich nie und nimmer das Wasser reichen kann. Wie armselig. Es zerreißt mich fast ihn so singen zu hören. Diese Leidenschaft treibt mich fast an meine emotionale Grenze und ich springe auf, um mir eine Zigarette zu gönnen. Ich stütze mich auf meine Ellenbogen und lasse meinen Blick in die noch dunkle Nacht hinausschweifen. Ja, es hätte so viel anders laufen können. Wenn ich nicht so eigensinnig gewesen wäre, hätte ich jetzt einen super Job haben können, in dem ich gutes Geld verdiente, mit dem ich später Mal meine Familie ernähren würde. Stopp! Nein, da war es wieder, dieses hässliche Gefühl. Denn wenn es nach anderen ginge, ist es in unserer heutigen Gesellschaft eine Abartigkeit, dass jemand mit meinen Neigungen eine Familie gründet. Wie denn auch, wenn man nicht auf Frauen steht. Wieder treiben mir diese dummen Gedanken die Tränen in die Augen. Ich schlucke und ziehe an der Zigarette.

Das Klopfen an meiner Tür lässt mich zusammenfahren.

„Ist offen!“, rufe ich, denn ich weiß, dass mich nur eine Person um diese Uhrzeit heimsucht. Und heute kommt mir mein besonderer Freund sehr gelegen.

„Na bist du hier, um deine nächtlichen Triebe zu befriedigen?“, frage ich amüsiert.

So lief das mehrmals die Woche, ich bekomme Sex und Sota seinen Gute-Nacht-Blowjob.

„Du weißt doch, dass ich ohne nicht einschlafen kann.“

Ich drücke die Zigarette im Aschenbecher aus und drücke Sota auf mein Bett. Beginne seinen Körper, den ich in und auswendig kenne zu liebkosen. Nur kein Kuss. Und er ist mehr als bereit für mich. Das schmeichelt mir noch immer.

 

Nach dem Sex trinken wir noch was. Ich habe nur Bier in meinem Kühlschrank und reiche Sota eine Dose.

„Wie geht’s dir eigentlich Kazu?“

„Schlechten Menschen geht es immer gut, das weißt du doch“, versuche ich zu scherzen, doch stattdessen ernte ich einen besorgten Blick von Seiten meines Freundes.

„Ich meine es ernst…immerhin ist es bald wieder soweit…“

„Ja ja, schiebst du jetzt dauernd Panik? Letztes Jahr war eine Ausnahme, es wird nie wieder so weit kommen.“

Noch immer war die Sorgenfalte zwischen seinen Augen nicht verschwunden. Ich seufzte und zündete mir eine neue Kippe an.

„Jetzt hör bitte auf mich so bemitleidend anzuschauen. Sonst schmeiß ich dich raus“, drohte ich ihm und er schien mich ernst zu nehmen.

„Zieh dir lieber was an, sonst erkältest du dich noch am Fenster.“

„Quatsch. Außerdem kann ich es nicht leiden mit Klamotten zu schlafen, das solltest du langsam wissen.“

„Möchtest du, dass ich bei dir bleibe?“

Ich zuckte mit den Schultern und kuschelte mich in die Decke.

„Mir egal.“

Sota verdrehte nur die Augen und kam zu mir unter die Decke. Ich löschte das Licht und fiel in einen unruhigen Schlaf.

 

Ich befand mich gerade mitten im Spiel, als ein ziemlich betrunkener Typ in die Bar torkelte und sich an einem Zweimann Tisch rechts von mir nieder ließ. Seine Mütze war tief ins Gesicht gezogen und der hohe Kragen seiner grauen Jacke verdeckte das Gesicht fast komplett. Mich nervte er ziemlich, weil er jetzt die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer hatte und nicht mehr ich. Verfluchter Alki. Was hatte dieser Arsch in meiner Bar zu suchen? Ich versuchte ihn zu ignorieren und konzentrierte mich auf meine Show.

Der Rest des Abends verlief wie der Abend am Tag zuvor. Nichts Spannendes passierte.

Am nächsten Tag fiel mir dieser Typ wieder auf. Doch dieses Mal schien er nicht ganz so blau zu sein und er schien mich zu beobachten, was mich irgendwie nervös werden ließ, sodass ich mich sogar das eine oder andere Mal verspielte. Verdammt, was sollte der Scheiß? Diesem Vollidioten sollte ich später mal die Meinung geigen. Naja, zumindest lieferte ich mir ein geistiges Duell mit ihm, während ich mein Bier trank und zwei Kurze kippte.

„Du könntest mehr aus deiner Stimme holen, wenn du dich anstrengen würdest“, flüsterte mir jemand ins Ohr und ich zuckte erschrocken zusammen. Doch als ich mich umwandte, sah ich gerade noch, wie dieser Kerl in der Tür verschwand. Was fiel ihm eigentlich ein in mein Territorium zu kommen und mich dann auch noch zu kritisieren?

 

Fast eine Woche blieb es still um meinen heimlichen Verehrer, wie ich ihn jetzt im Stillen nannte und irgendwie war ich froh darüber.

Heute war Freitag und sicher würde die Bar wieder voll sein, aber das hieß auch mehr Kohle.

Ich zog aus meinem Kleiderschrank die enge schwarze Jeans, die ich fast immer trug und die schon fast ein bisschen unverschämt weit unten auf meiner Hüfte saß. Darüber eines meiner Tanktops und den schwarzen Hoodie. Ich fädelte den Nietengürtel in meine Hose und schlüpfte in meine Chucks. So machte ich mich auf den Weg, um mein täglich Brot zu verdienen.

Oh nein, der Typ war wieder da und dieses mal schien er sich in der Bar abschießen zu wollen. Ich spielte und versuchte ihn zu ignorieren, doch das gelang mir irgendwie nicht. Immerhin passierten mir keine Patzer mehr. Plötzlich kam ein weiterer unbekannter in die Bar und ließ seinen suchenden Blick im Raum umherschweifen. Dann blieben seine Augen an meinem Stalker hängen und mit besorgter Miene eilte er zu ihm, legte seine Arme um ihn und redete auf ihn ein. Doch der Umsorgte blieb teilnahmslos und bestellte sich sein viertes Bier. Ja ich hatte mitgezählt. Ich legte eine musikalische Kunstpause ein, um mir auch noch ein Getränk zu besorgen, dabei ging ich beabsichtigt langsamer an den beiden Männern vorbei. Dabei konnte ich leider nur Wortfetzen einfangen.

„Tooru…betrunken…Sorgen…mitkommen…“

Es war zwecklos. An der Bar hielt mir Takashi sogleich ein Bier hin. Wie traumhaft. Tooru? Irgendwie kam mir dieser Name schrecklich Bekannt vor, doch woher? Ich grübelte, doch es wollte mir nicht einfallen.

 

Gegen drei Uhr in der Nacht verließen auch die letzten Gäste die Bar. Naja fast, denn nur der betrunkene Kerl hockte noch immer an seinem Tisch. Auch ich war nicht mehr ganz so nüchtern und sammelte mich. Selbstbewusst schritt ich auf ihn zu und packte ihn. Er leistete keinen großartigen Widerstand und ließ sich von mir aus der Bar befördern. Na toll und was jetzt?

„Wo wohnst’n du?“ fragte ich. Der Fremde lallte den Straßennamen und ich kannte die Straße sogar, weil es bei mir in der Nähe war. Ich orderte uns ein Taxi und ließ uns zur besagten Adresse chauffieren. Er fingerte seinen Schlüssel aus der Hosentasche und aus einem unerklärlichen Grund folgte ich ihm in seine Wohnung. Natürlich musste er ganz oben wohnen, doch zum Glück gab es einen Fahrstuhl. Langsam fragte ich mich wirklich, was ich hier tat. Meine Glieder gehorchten mir kaum noch, weil ich hundemüde war und ins Bett sollte, doch stattdessen brachte ich einen wildfremden sturzbetrunkenen Typ in seine Wohnung.

Ich stand ein bisschen unbeholfen in der Tür und überlegte schon zu gehen. Das würde ihm sicher nicht auffallen. Doch ich blieb. Er schälte sich aus seinen Klamotten, währenddessen nahm ich die Wohnung etwas unter die Lupe. Der Flur führte ins Wohnzimmer mit einer offenen Küche und einer überdimensionalen Couch, von der aus man auf einen großen Flachbildfernseher blickte mit samt modernstem Sundsystem. Ich war schon beeindruckt. Mir fiel ein Bild auf dem Regal im Flur. Es zeigte Kyo und Toshiya von Dir en Grey. Mir fiel die Kinnlade runter. Kannte er die Jungs etwa? Ich drehte mich gerade um und wollte ihn danach fragen, doch da stockte mir der Atem. Vor mir stand ein ziemlich betrunkener Kyo. Tooru. Ja klar. Sein richtiger Name. Ich bekam kein Wort raus und starrte den anderen Mann nur an.

Die Vernunft gewinnt nie

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

ein gelungener Auftritt

Das Klingeln meines Handys riss mich aus dem viel zu kurzem Schlaf. Murrend nahm ich den Anruf entgegen. Es war Takashi und erkundigte sich, wo ich denn blieb. Verdammt, hatte ich etwa den ganzen Tag verpennt? Und tatsächlich, ein Blick auf meine Handyuhr verriet mir, dass es bereits 19 Uhr war. Ich sprang unter die Dusche, zog mir irgendwas an, schnappte meine Gitarre und sprintete zur Bar. Erst jetzt stieg das Übelkeitsgefühl hoch und ich kam nicht umhin mich auf dem Klo zu übergeben. Einen Blick in den Spiegel wagte ich nicht, weil ich gar nicht wissen wollte, wie beschissen ich aussah.

Ich holte mir ein Wasser und stöpselte meine Klampfe an. Los ging es. Meine Hände zitterten ein bisschen und der Klang meiner Stimme war brüchiger als sonst. Doch auch das schien keinen der Gäste zu stören. In der Pause gönnte ich mir eine Suppe des Hauses, denn etwas anderes konnte man in dieser Spelunke kaum anrühren, wenn einem sein Leben lieb war. Takashi schob mir einen Umschlag zu.

„Hier Junge, der war heut im Briefkasten. Steht dein Name drauf.“

Tatsächlich. Ich las die fein säuberlich geschriebenen Buchstaben immer wieder. Kazuki.

„Und von wem ist der?“

Der Alte zuckte nur mit den Schultern. Ich öffnete den Umschlag und mir fiel eine Konzertkarte in die Hände. Nicht irgendeine Konzertkarte, nein. Für morgen Abend mit VIP Ticket. Mein Chef beäugte mich neugierig.

„Na, was hast’n da bekommen Jungchen?“

„Eine Konzertkarte für morgen Abend…aber ich geh nicht hin.“

Takashi zog seine ohnehin schon faltige Stirn noch mehr in Falten.

„Sei nicht dumm. Gönn dir ruhig Mal einen freien Abend und hab deinen Spaß.“

Ich glaubte mich verhört zu haben. Der alte Griesgram war doch sonst nicht so freundlich.

 

Ein bisschen nervös war ich schon. Was wollte er damit bezwecken? Und erwartete er mich später im Backstage? Tausende Fragen schwirrten durch meinen Kopf, auf die ich keine Antwort hatte.

Ich beschloss früher loszugehen, fuhr mit der Metro zur Konzerthalle, wo sich zwar schon einige Menschen versammelt hatten, dennoch hielt es sich in Grenzen. Mein letztes Konzert war bestimmt mindestens zwei Jahre her. Für sowas hatte ich nun leider kein Geld mehr. Die Securitys tasteten mich kurz ab und winkten mich dann durch. Naja, Geld für ein Bier hatte ich gerade so. Ich exte es fast, doch von einem Bier allein wurde ich auch nicht betrunken. Das hieß, nervös war ich noch immer. Ich drängelte mich in die Halle und suchte mir einen Platz recht weit vorne, damit sich mein Geschenk auch lohnte. Mein Herz wummerte, als das Intro begann. Klaviermusik und im Hintergrund sah man auf dem riesigen Bildschirm Wolken und teilweise das Bild vom Album Arche. Die Melodie veränderte sich und wurde ein bisschen elektronischer und bedrohlicher. Die Menge jubelt, nur ich schaue gebannt auf die Bühne. Sehe Shinya am Schlagzeug, Kaoru, Toshi und Die an der Gitarre beziehungsweise am Bass. Ein Schriftzug auf der Leinwand Dir en Grey Arche. Weiße Schrift auf feurig rotem Hintergrund. Und dann betrat Kyo die Bühne. Mein Herz setzte einen Moment aus, als Un Deux angestimmt wurde und seine Stimme durch die Halle klang. Sein Gesicht war von einem schwarzen Schleier verdeckt, der jedoch immer wieder vom „Wind“ hoch geweht wurde. Das Make up fiel sehr ausgefallen aus, doch etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Über Kyos Augen waren noch Mal zwei Augen geschminkt und dieser Anblick wirkte sehr skurril. An den Rändern seiner Augen verliefen schwarze Ornamente, die seinem Make up etwas Maskenartiges verliehen. Das schwarze Jackett verdeckte bisher noch seinen Oberkörper. Ich versuchte auch die anderen vier zu beobachten, doch mein Blick fiel immer wieder auf Kyo, der aus voller Leidenschaft sang. Die Bühne gehörte ihm und der teilweise recht irre oder verletzte Blick zeigte, dass er in seiner Welt angekommen war. Er lebte jedes Wort und ließ seine Gefühle nach draußen, fast so als müsste er sie sonst wie ein böses Monster unter Verschluss halten. Angekettet, weil sie ihm nicht gehorchten. Nur auf der Bühne konnte er es wagen seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, weil sie durch die anderen Instrumente gezähmt werden konnten. Ich beneidete Kyo, dass er so singen konnte und ich war mir nicht sicher, ob ich mich jemals traute es ihm gleich zu tun. Bei Magayasou befreite sich der schöne Sänger aus seinem Jackett, dabei führte er einen regelrechten Tanz auf und das Kleidungsstück rutschte erst über den rechten Arm und dann über den linken. Mir wurde ganz heiß, wenn ich daran dachte, dass ich diesen wundervollen Körper vor wenigen Tagen noch berühren durfte. So sehr ich mich auch wehrte, Kyo zog mich in seinen Bann und bewegte mich fast hypnotisch zur Musik. Dieser Mann dort auf der Bühne, der fast wie eine Marionette wirkte trieb mir die Tränen in die Augen, so rührten mich seine Gefühlsausbrüche. Und als dann nach einer Weile die ersten Töne von Vanitas erklangen, biss ich mir so heftig auf die Unterlippe, dass ich Blut schmeckte. Die Musik verzauberte mich und ich war Kyo mehr als dankbar, dass er mich zu seiner Show eingeladen hatte. Doch wie sollte es dann weitergehen? Die Jungs gaben noch eine saftige Zugabe, dann verdunkelte sich die Bühne vollends und wirkte auf einmal so groß und leer. Schon fast leblos. Ich griff nach meinem VIP Pass und machte mich mit gemischten Gefühlen auf zum besagten Bereich. Natürlich war ich nicht allein. Dort warteten mehrere Mädels und ein paar Jungs. Nach einer gefühlten halben Stunde ließen sich Shinya und Die blicken, dann stieß noch Kaoru hinzu, doch von Toshiya und Kyo fehlte jede Spur. Mein Magen zog sich zusammen, was sollte ich dann hier? Der Leader blickte auf einmal suchend in die Menge der Fans. Sein Blick traf mich und er winkte mich zu sich ran, wies die anderen sogar an, mich durchzulassen. Was bitte ging denn jetzt ab.

„Bist du Kazuki?“, richtete Kaoru die Frage an mich. Ich nickte etwas verlegen und der ältere wies mich an ihm zu folgen. Im Gehen erhaschte ich den einen oder anderen bösen Blick der anderen Fans. Als hätte ich mir das ausgesucht. Der Leader führte mich durch einen Gang mit mehreren Türen und blieb schließlich vor einer der letzten stehen. Ein Zettel klebte dort „Dir en Grey“.

„Unser heut nicht ganz so mies gelaunter Sänger erwartet dich. Sei ein bisschen nachsichtig mit ihm. Nach einem Konzert ist er manchmal etwas grob und sagt Dinge, die er nicht so meint…meistens zumindest.“

Lächelnd öffnete Kaoru die Tür und schob mich eher gegen meinen Willen in den Raum. Ich bekam ein bisschen Panik, denn um ehrlich zu sein hatte ich jetzt keinen Bock auf einen schlechtgelaunten Kyo zu treffen. Doch er war nicht allein. Sein Kopf lag in Toshiyas Schoß. Beide waren schon umgezogen und auch das Make up war verschwunden. Nun wirkten die zwei schon fast wieder normal. Der Bassist strich dem Sänger liebevoll über die Wange und schon allein diese Geste machte mich furchtbar eifersüchtig. Wie gerne hätte ich jetzt mit Toshi getauscht. Außerdem erweckte es bei mir den Anschein, als würden mich die beiden gar nicht wahrnehmen. Als sich der schwarzhaarige auch noch zu Kyo hinab beugte und ihn küsste, setzte mein Herz für einen Moment aus. Warum durfte er ihn küssen und ich nicht? Sicher, diese Frage war mehr als unberechtigt. Wie lange kannte ich den Sänger? Und kennen ist weit übertrieben. Der Bassist erhob sich und kam auf mich zu, warf mir ein aufmunterndes Lächeln zu und verschwand aus dem Raum. Langsam bewegte ich mich auf Kyo zu und sein finsterer Blick jagte mir schon ein wenig Angst ein.

„Hey…gute Show und danke für die Karte.“

Immerhin hatte ich meine guten Manieren nicht verloren. Er hielt mir eine Zigarette hin, die ich dankend annahm. Das Schweigen zwischen uns wurde für mich unerträglich und am liebsten wäre ich wieder gegangen, doch ich wollte ihm auch nahe sein. Was auch immer ihn gerade beschäftigte. Auf einmal sprang er auf. Ich schaute ihn fragend an.

„Muss kurz zu den Fans. Bin gleich wieder da“, brammelte er und verschwand. Nun hockte ich allein in der Umkleidekabine von Diru. Ob es später noch eine Aftershow Party gab? Ich zuckte zusammen, als sich die Tür erneut öffnete und wieder schloss. So schnell hatte ich Kyo nicht zurück erwartet. Leider war es auch gar nicht Kyo, sondern Toshiya.

„Tut mir leid unser Sängerchen ist heute nicht gut drauf.“

„Was um alles in der Welt wollte er dann von mir?“, fragte ich genervt und verwirrt zugleich.

„Dich sehen…Nimm es ihm bitte nicht übel.“

„Mich sehen? Dein ernst? Und jetzt?“

„Wir wollen noch was trinken gehen, wenn du magst, kannst du gern mitkommen. Du heißt Kazuki richtig?“

Ich nickte nur. Die anderen drei trudelten auch ein, scheinbar bester Laune, nur keine Spur von Kyo. Kaoru hakte sich bei mir unter und wir fuhren mit der Bahn in die Stadt zurück. Dort suchten wir uns eine kleine gemütliche Cocktailbar.

„Oh mein Gott, da kann man Karaoke singen…Shini machst du mit? Bitte bitte bitte“, bettelte Toshiya und schließlich raffte sich der Drummer auf und folgte dem aufgedrehten Bassisten. Ich musste nur schmunzeln und kam mir vor wie in einem Film. Mal ernsthaft, ich hocke gerade mit den Bandjungs von Dir en Grey in einer Bar, ohne dass sie mich wirklich kennen und wir tranken zusammen. Verrückter kann mein Leben gerade wirklich nicht werden. Und außer Kyo schienen alle ganz witzige Jungs zu sein. Trotzdem fühlte ich mich etwas fehl am Platz.

„Sag mal Kazuki, Tooru meinte, dass du ein hervorragender Musiker wärst. Stimmt das?“

„Naja, ich kann ein bisschen singen und spiele Gitarre, aber hervorragend ist anders…finde ich. Ihr seid hervorragend, ich bin nicht mal ausreichend.“

Kaoru musterte mich mit interessierter Miene.

„Mhh, vielleicht sollten wir dich Mal mit in unseren Proberaum nehmen und eine Jamsession veranstalten.“

„Warum denkt ihr eigentlich ich wäre so toll?“

„Weil Tooru sich selten irrt“, kam es dieses Mal von Die, dem bisher stillsten. Shinya und Toshiya kehrten zu uns zurück und bestellten noch eine Runde Bier. Die Jungs unterhielten sich über die Tour und ich hörte raus, dass das heute das vorerst letzte Konzert war. Nun stand Studioarbeit auf dem Tagesplan. Am Schluss blieben nur noch der Bassist und ich. Irgendwie schien der schwarzhaarige sehr trinklustig zu sein.

„Lass ja die Finger von dem kleinen Toshi“, warnte Shinya scherzhaft und verschwand.

„Sag mal Toshiya…was hat Kyo über mich erzählt?“

Der Ältere nippte an seinem Bier und überlegte kurz.

„Naja, er meinte nur, dass er vielleicht einen guten Nachwuchsmusiker gefunden hat, der mal wieder ein bisschen Abwechslung in diese ganze Popscheiße bringt…mh, ja so ungefähr hat er sich ausgedrückt. Deshalb noch Mal sorry, dass Tooru nicht da ist.“

„Schon okay…naja ich bin echt nicht so gut…egal. Woher weiß er eigentlich meinen Namen? Ich meine an dem Abend haben wir kaum geredet…“, überlegte ich.

„Er hat wohl den Barkeeper gefragt…warte Moment Mal…an welchem Abend?“, fragte der Bassist jetzt neugierig.

„Naja, als ich ihn nach Hause gebracht habe…“

„Du hast was?“, fiel mir Toshi ins Wort und ich sah ihn verwirrt an.

„Ähm ja…er war sturzbetrunken und wollte nicht gehen. Da musste ich ihn wohl oder übel rauswerfen, hab nen Taxi gerufen und ihn in seine Wohnung gebracht.“

Die vor Überraschung geweiteten Augen meines Gegenübers machten mich etwas stutzig.

„Ist das so unnormal?“ fragte ich schließlich.

„Irgendwie schon…Tooru nimmt nie jemanden mit zu sich…darf ich fragen, was dann passiert ist? Du musst es mir natürlich nicht sagen…“

„Ähm, naja…wir hatten Sex…“

Jetzt spuckte der Ältere sein Bier, was er gerade im Mund hatte über den halben Tisch.

„Scheiße…das erklärt so einiges…sorry Kazu, ich muss noch Mal wohin.“

Ich zog den Bassisten am Arm zurück.

„Bitte warte…ich wohne in seiner Nähe, falls du zu Kyo willst komm ich mit…ich muss ihn sehen…“

Toshiya schüttelte heftig mit dem Kopf.

„Oh nein glaub mir, das ist eine richtig beschissene Idee…wir können gern zusammen in die Richtung fahren, aber ich geh erst Mal allein zu ihm.“

Das verstand ich zwar alles nicht, doch war auch egal. Mit dem ganzen Alkohol in meinem Kopf ließ sich ohnehin kein klarer Gedanke fassen. Ich sollte dringend weniger trinken. Toshi gab mir tatsächlich noch seine Nummer und verabschiedete sich dann von mir.

 

Irgendwie deprimiert schlurfte ich durch das Treppenhaus zu meiner Wohnung. Noch bevor ich aufschließen konnte, überfiel mich Sota. Es kam mir vor als lägen Wochen zwischen unserem letzten Treffen. Ich zog meine Klamotten aus und ließ mich ins Bett fallen. Mein Freund legte sich neben mich und sah mir mit Sicherheit an der Nasenspitze an, dass etwas nicht stimmte.

„Wer hat dir denn die Laune verdorben?“

„Das glaubst du mir niemals“, krächzte ich und mein Mund war auf einmal so trocken. Ich holte mir ein Wasser.

„Verdammt Kazu…kannst du nicht wenigstens in Shorts schlafen.“

Ich exte die Flüssigkeit in meinem Glas und füllte es gleich noch einmal. Wunderschön unperfekt. Diese Worte hallten in meinem Kopf. Ausgesprochen von dem Mann, in den ich mich verliebt hatte. Warum ausgerechnet er? Und warum hatte er heute nicht da sein können?

„Nein kann ich nicht. Musst ja nicht hier pennen“, fuhr ich Sota ungewollt an und kroch wieder unter die Decke.

„Oh oh…was ist los? Bitte rede mit mir.“

Ich stützte mich auf die Ellenbogen.

„Bin ich ein guter Musiker Sota?“

Mein Freund sah mich irritiert an.

„Klar, aber wie kommst du denn jetzt darauf?“

„Das heißt du denkst auch, dass ich weit mehr Potenzial hätte und mein Geld nicht in dieser schäbigen Bar verdienen müsste?“

„Naja, versuchen solltest du es auf jeden Fall…“

Etwas erzürnt stieg ich wieder aus dem Bett und zündete mir eine Zigarette an.

„Und warum verflucht noch Mal hast du mir das nie gesagt? Musste da erst dieser Scheiß passieren?“, fluchte ich.

„Kazuki verdammt, was für Scheiß ist denn passiert? Rede doch endlich mit mir!“

„Kyo hat mich gefickt, mir dann gesagt, dass ich ein guter Musiker bin und mich dann zum Konzert eingeladen, von dem ich gerade komme. Doch hab ich ihn nicht mehr gesehen…“

Mein Freund schaute mich ähnlich schockiert an wie Toshiya zuvor.

„Kyo? Der Kyo? Ich meine der Dir en Grey Kyo?“

„Ja genau der…hat mich in der Bar besucht…hab ihn erst gar nicht erkannt, erst als ich ihn nach Hause gebracht hab…er hat seine Wohnung hier um die Ecke.“

„Wow…ich bin sprachlos…da lass ich dich Mal zwei Tage aus den Augen und verführst den Sänger von Dir en Grey, das ist schon eine Leistung…und seht ihr euch wieder?...verflucht und entweder zu ziehst dir jetzt was an oder gehst unter deine Decke!“

Jetzt musste ich grinsen und augenblicklich wünschte ich mir, Kyo würde mich so begehren. Vielleicht sollte ich das Mal ausprobieren.

„Warum, mach ich dich geil?“, amüsierte ich mich jetzt.

„Natürlich tust du das und das weißt du genau, verdammter Idiot.“

„Wie wär‘s dann mit nem Gute-Nacht-Fick?“

Sota entblößte sich für mich und wir besiegelten unser Ritual. Erschöpft schlief ich dann in den Armen meines Freundes ein. Warum nur konnte Kyo nicht so unkompliziert sein.

ein düsterer Geburtstag

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Geständnisse im Proberaum

Natürlich ließ Kyo nichts von sich hören. Was hatte ich auch von ihm erwartet? Dass er mir seine Liebe ebenso gestand? Was für ein Schwachsinn. Ich schrieb ein paar neue Texte. Der erste Schnee fiel und ich schaffte es meine selbstmörderischen Gedanken soweit im Zaum zu halten. Takashi freute sich, als ich bei ihm aufschlug und fragte, ob ich wieder in seiner Bar spielen dürfte.

Es schien ein Abend wie jeder andere zu sein. Ein Samstag Anfang November. Die Menschen stimmten sich langsam auf das Fest der Liebe ein und die Bar erschien mir voller als sonst. Auf mein Freigetränk vor der Show hatte ich dieses Mal verzichtet. Irgendwie war ich nervöser als sonst. Lag das an meinen neuen Songs? Ich stimmte das erste Lied an. Zuerst erfüllte nur der Klang meiner Gitarre den Raum, dann kam meine Stimme hinzu und alle Gespräche verstummten. Das war neu, doch ließ ich mich nicht beirren. Es motivierte mich nur mehr und zum ersten Mal in meinem verkorksten Leben fühlte sich etwas richtig an. Ich spielte mehr mit meiner Stimme als sonst und gab alles. Auch eine Pause legte ich nicht ein, weil ich völlig mit der Musik verschmolz.

Der Applaus nach meinem letzten Song ließ mich wieder in der Realität ankommen. Ich grinste, verbeugte mich tief und bedankte mich. Da fielen mir drei Männer auf, die sonst nie hier waren und mein Grinsen wurde breiter. Toshiya, Die und Kaoru. Ich begrüßte die Jungs und bestellte eine Runde Bier.

„Du warst echt nicht übel kleiner“, sagte Kaoru und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. Doch meine gute Laune wurde ein bisschen betrübter und Toshi schien das als erster zu bemerken.

„Er ist im Studio…schon seit Tagen. Morgen sollen wir alle kommen, auch du.“

„Sicher? Ich weiß nicht, ob er mich sehen will.“

„Das hat er ausdrücklich gesagt“, meinte Daisuke. Ich seufzte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich dem gewachsen war. Sechs Augenpaare waren auf mich gerichtet und sie mussten nicht Mal fragen, was passiert war. Ihre Blicke sprachen Bände. Ich sank immer tiefer in meinen Stuhl hinein, nippte am Bier und versuchte die Blicke der Jungs zu ignorieren.

„Wann und wo treffen wir uns?“, wich ich aus.

„Tooru meinte, er schreibt dir die Adresse…Kazuki, was ist passiert…“, drängte Kaoru. Ich zuckte unschuldig mit den Schultern.

„Ich weiß nicht was du meinst.“

Toshiya legte seinen Kopf schief und zog eine Augenbraue hoch.

„Schon Mal daran gedacht, dass wir dir vielleicht helfen könnten?…und außerdem bist du ein miserabler Lügner.“

Ich seufzte, zündete mir eine Zigarette an und trank noch einen Schluck.

„Na schön…ich hab ihm gesagt, dass ich ihn liebe…“, wisperte ich und hoffte, dass es keiner verstand.

„Du hast was? Scheiße…dann solltest du dir wirklich überlegen, ob du morgen mitkommst“

Ich ignorierte das ziehen in der Brust. Auf einmal kicherte Die und wir alle schauten ihn fragend an.

„Wow, starke Leistung Kleiner…Tooru scheint dich zu mögen, sonst hätte er dich nicht in den Proberaum bestellt. Jetzt schaut den Kurzen nicht so kritisch an Jungs. Kyo hat sich im Proberaum verschanzt, weil er neue Texte schreibt. Und das nachdem ihm unser Kazuki seine Liebe gestanden hat, vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für unser Sängerchen.“

Das war der längste Satz, den ich von Daisuke gehört hatte, seit wir uns kannten.

„Vielleicht hast du Recht und Shinya ist bei ihm…das verheißt meist auch was Gutes.“

Ich verstand nur Bahnhof, beließ es aber dabei.

 

Kyo hatte mir tatsächlich eine Nachricht mit der besagten Adresse geschickt doch nichts weiter. Nur die Adresse, keine Begrüßung oder ein „Hey, wie geht’s dir“. Nur die verdammte Adresse. Naja immerhin. Ich war das reinste Nervenbündel als ich an dem Areal ankam, wo sich -der Proberaum von Dir en Grey befand. Dieser befand sich in einem größeren Hinterhof eines Fabrikgeländes, umgeben von Hochhäusern und wenig Grünfläche. Trotz meiner dicken Jacke und dem Schal fröstelte es mich. Zu meinem Unglück stand Kyo auch noch draußen und rauchte. Langsam und mit wummernden Herzen ging ich auf ihn zu. Er wirkte wie ein heller Fleck in dieser tristen grauen Umgebung. Der Nieselregen peitschte mir ins Gesicht und ich zog die Kapuze tiefer, als könnte sie mich vor dem nasskalten Wetter beschützen. Die knallenge Jeans saß perfekt auf seinen Hüften und das weiße Shirt, das er unter der schon recht abgewetzten Lederjacke trug, schloss gerade so mit dem Bund seiner Hose ab. Es sollte verboten werden so gut auszusehen! Auch sein Gesicht war zur Hälfte von einer Kapuze verdeckt. Er hob kurz die Hand zum Gruß und schwieg. Ich atmete tief ein und wieder aus. Mit dem Hintergedanken, dass das vermutlich die dümmste Idee meines Lebens sein würde, griff ich nach der Zigarette in seiner Hand, nahm zwei Züge und gab sie ihm zurück. Sein Blick sprach Bände und ich wollte mich schon ins Innere verziehen. Da zog er den Schlüssel aus seiner Hosentasche und hielt ihn mir vor die Nase. Verdammt, ich war ein toter Mann.

„Hat dir nie jemand beigebracht, dass man nicht mit dem Feuer spielen sollte?“

„Doch, aber ich tue es trotzdem…es gibt mir irgendwie diesen gewissen Kick.“

Wow, ich überraschte mich selbst. Plötzlich war sein Gesicht viel zu nahe an meinem, doch er küsste mich nicht. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich hoffte, dass die anderen bald eintreffen würden, denn ich fühlte mich ein bisschen wie eine Antilope oder eine Gazelle. Von seiner Beute anvisiert, doch bevor der Tiger sich an seiner Mahlzeit labte, spielte er mit ihr.

„Du solltest es trotzdem nicht zu weit treiben“, flüsterte er mir bedrohlich zu. Seine Worte bereiteten mir eine Gänsehaut und auch wenn mein Gehirn diese Drohung als solche empfangen hatte, sprach mein Körper eine ganz andere Sprache und ich fragte mich ernsthaft, wie ich diesen wunderschönen Mann für mich gewinnen konnte.

„Ich kann nichts für meine Gefühle und wenn du mich nicht sehen willst, musst du mich wegschicken“, konterte ich.

„Verdammt Kazu!“, war alles, was er erwiderte und schließlich aufschloss. 1:0 für mich würde ich sagen. Da näherten sich auch schon die anderen vier Diru Members und betraten mit uns den Proberaum, der recht spärlich eingerichtet war, doch was hatte ich erwartet? Die schwere Metalltür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss. Der Raum teilte sich in zwei kleinere Räume. Im ersten befand sich ein sehr mitgenommenes schwarzes Sofa, ein kleiner Tisch und ein Sessel, der einen zu verschlingen drohte, wenn man sich in ihm nieder ließ. Ein Aschenbecher stand auf dem Tisch und quoll beinahe über. Auch waren Aschreste auf dem Tisch verstreut. Im zweiten Raum herrschte mehr Ordnung und jedes der Instrumente schien seinen festen Platz zu haben. Die Jungs nahmen ihre Positionen ein.

Die Probe verlief härter als erwartet und war alles andere als Zuckerschlecken. Die sonst so lustigen Jungs, mit der Ausnahme von Kyo, mutierten zu ernst zu nehmenden Profis, die ihr Handwerk verstanden und keine Fehler zuließen. Auch der sonst so witzige Kaoru legte einen anderen Ton an die Tagesordnung. Sie motzten sich gegenseitig an, wenn etwas nicht klappte und mein liebster Sänger schien kurz davor zu sein, alle aus dem Proberaum zu schmeißen. Mir rutschte das Herz in die Hose. Nach etwa zwei Stunden kamen sie zu mir, lachend, scherzend und klopften sich anerkennend auf die Schultern. Als sie meinen irritierten Blick bemerkten, schien sie das nur noch mehr zu erheitern.

„Guck nicht so…so sind wir eben, verdammt anspruchsvoll und jaaaa, wir mögen uns. Doch ohne Disziplin funktioniert das nicht. Glaub mir, mit dir werden wir nicht so hart ins Gericht gehen. Die Bühne ist frei. Zeig uns, was du kannst“, bat mich Kaoru. Ich, ein nervliches Wrack schnappte mir meine Klampfe, hockte mich ans Mikro und stimmte mich zuerst ein bisschen ein und begann dann zu spielen. Dummerweise leistete ich mir auch den einen oder anderen Patzer. Doch ich versuchte darüber hinweg zu sehen. Ich trug auch mein neuestes Lied vor und dann war es vorbei. Ich schaute die Jungs fragend an und erntete einen Applaus. Nur Kyo musterte mich mit unzufriedener Miene und kam auf mich zu. Mein Herz rutschte mir schon wieder in die Hose und ich wollte mich schon auf das Schlimmste gefasst machen.

„Du scheinst nicht ganz bei der Sache zu sein. Noch Mal.“

Zuerst wollte ich ihn für diese Worte rügen, doch dann legte er seine Hände auf meine Schultern und ich wurde tatsächlich ruhiger.

„Schließ deine Augen“, bat er mich mit sanfter Stimme. Ich tat es. Wie hätte ich bei dem Klang seiner Stimme auch etwas anderes tun können.

„Und jetzt spiel das letzte Lied noch ein Mal.“

Ich tat wie mir geheißen und fühlte mich auf einmal wieder so wie gestern. Frei und nur mit meiner Musik verschmelzend. Auch schaffte ich es die Augen die meiste Zeit geschlossen zu halten und mit all meinen Emotionen zu singen. Wieder Applaus, dieses Mal auch von dem schönen Sänger.

„Und, merkst du den Unterschied? Diese Leistung will ich ab jetzt immer sehen. Morgen dasselbe noch mal. So Schluss für heute, morgen wird noch Mal geprobt. Schlaft euch aus, ich will morgen 200% von euch sehen!“

Alle gingen und auch Kyo machte sich zum Aufbruch bereit. Ich fasste all meinen Mut zusammen und ergriff seine Hand.

„Ist alles okay zwischen uns?“, fragte ich endlich mit zittriger Stimme.

„Ich bin nicht sicher…dein Geständnis macht mir ganz schön zu schaffen…ich bin kein Mann den man lieben sollte Kazu.“

„Aber ich kann doch nichts für meine Gefühle…bitte verstoße mich nicht…wir können immer noch Sex haben. Ich komm damit klar.“

Doch Kyo schüttelte mit dem Kopf.

„Aber ich nicht. Du sagst du liebst mich, doch woran machst du das fest? Nur weil ich Mal ein bisschen nett zu dir war?“

„Nein,…ja auch, aber es hat schon davor begonnen…naja, da war es vielleicht nur eine dumme Schwärmerei. Doch als ich dich dann kennenlernte, änderten sich meine Gefühle und sobald ich in deiner Nähe war, fühlte ich mich so geborgen…glücklich und akzeptiert. Du hast mir die Kraft gegeben an mich zu glauben Kyo…deshalb.“

„Tue es als Schwärmerei ab…mehr kann ich dir nicht geben“, fertigte er mich ab. Doch ich wollte nicht aufgeben. Ich konnte ihn jetzt nicht gehen lassen. Mit einem Satz war ich bei ihm und presste meine Lippen auf seine. Seine Reaktion war die Gewohnte, doch schnell drückte er mich von sich weg.

„Du willst wissen, warum ich dich so verrückt mache Kyo? Weil auch du mehr für mich empfindest, als du zugibst. Ich bin nicht bescheuert und kann sehr gut unterscheiden, ob ich Sex mit Gefühlen oder Sex ohne Gefühle habe. Mit Sota ist es nicht mal annähernd so aufregend wie mit dir.“

Meine Worte erzielten seine erhoffte Wirkung.

„Du vögelst ihn? Seit wann?“, fuhr er mich aufgebracht an.

„Schon eine Weile…das hat lange vor dir angefangen und warum muss ich das rechtfertigen? Du und ich sind kein Paar, also entspann dich.“

Sein Gesicht war jetzt schmerzerfüllt.

„Du sagst du liebst mich und fickst einen anderen Kerl?“, bluffte er mich noch immer an.

„Verdammt Kyo, was erwartest du denn von mir? Ich habe auch meine Bedürfnisse und höre jetzt bestimmt nicht damit auf, nur weil dir mir der Sex mit dir gefällt.“

„Dann untersteh dich gefälligst von LIEBE zu reden…“, keifte er, jedoch weit aus weniger herrisch als zuvor.

„Doch, ich maße mir an von LIEBE zu sprechen, denn ich kann an nichts andere mehr denken…du dominierst meine Gedankenwelt…ich sehe dich auf der Bühne singen…ich sehe dich an unserem letzten Abend oder wie du deinen Kopf in Toshiyas Schoß bettest. All diese Erinnerungen bringen mich mehr oder weniger lebendig durch den Tag…weil du darin die Hauptrolle spielst…und falls es dich beruhigt, seit unserem letzten Mal geht bei Sota und mir nichts mehr…ich kann nicht, weil ich eben dich im Kopf habe.“

Plötzlich zog er mich auf den Sessel und küsste mich als gäbe es keinen Morgen mehr. Mein Körper begann vor Erregung zu beben und auch den schönen Sänger packte die Leidenschaft und er vögelte mir buchstäblich die Seele aus dem Leib. Meine Güte konnte der besitzergreifend sein. Kyo zog mich auf seinen Schoß und streichelte über meinen Rücken.

„Sag deinem Sota gefälligst, er sollte in Zukunft die Finger von dir lassen, sonst muss ich sie ihm brechen. Schön, du liebst mich? Dann untersteh dich je wieder etwas mit einem anderen Typen anzufangen, denn ich teile meinen Besitz nicht gerne.“

Wow, das war mal eine unerwartete Ansage und ich war ein bisschen geplättet. Naja eher völlig aus dem Häuschen. Hatte mich Kyo gerade unbewusst sein eigen genannt?

„Aber so funktioniert das nicht…ich meine, was ist das jetzt zwischen uns?“

Wieder funkelte er mich mit diesem Blick an, den ich so gar nicht mochte. Er schob mich von seinem Schoß.

„Scheiße ich brauch jetzt ein Bier, willst du auch eins?“

Ich nickte nur. Kyo reichte mir die Flasche, ließ sich in den Sessel fallen und musterte mich eine Weile. Dann schaute er im Raum umher, als wäre er sich nicht ganz sicher, was er sagen sollte. Er zündete sich eine Zigarette an und warf auch mir die Schachtel rüber.

„Hör zu du kleine Nervensäge…glaub mir, ich hasse es, wenn ich anderen Recht geben muss, aber du hast Recht…ich empfinde mehr für dich. Am liebsten hätte ich dich den ganzen Tag um mich herum…nackt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es Liebe ist, was ich für dich empfinde…ich habe Mal jemanden geliebt und der hat mich ziemlich heftig enttäuscht…mich verarscht und mir das Gefühl gegeben ich wäre der widerwärtigste Mensch auf der Welt. Früher fand ich mich hübsch, habe hin und wieder mit meinen Fans geflirtet oder mich auf die eine andere Affäre eingelassen. Das änderte sich schlagartig und nun bin ich 40 und das Gefühl ist noch immer da. Manchmal zumindest. Bis zu dem besagten Abend, an dem ich dich traf…ich würde dir gern sagen, dass du dir doch jemanden suchen könntest, der deine Liebe mehr verdient als ich…aber ich will das nicht. Es macht mich verrückt, wenn ich auch nur daran denke ein anderer Mann berührt deinen Körper…glaubst du wir können so irgendwie zusammen sein?“

Mein Atem ging unregelmäßig und mein Herz drohte vor Glück zu zerspringen. Ich trank einen großen Schluck und versuchte die sich anbahnende Erregungswelle zurück zu halten. Aber es funktionierte bei diesem Mann einfach nicht. Ich ließ mich wieder selbstsicher auf seinem Schoß gleiten.

„Ja ich denke, damit kann ich leben…und versprochen, mein Körper gehört ab jetzt nur noch dir allein“, raunte ich ihm zu und zog meine Hose absichtlich noch ein Stück tiefer. Öffnete einen Knopf, dann den nächsten und den dritten.

„Fass mich an.“

„Du holst dir noch den Tod, wenn du bei den Temperaturen dauernd ohne Unterwäsche rumläufst.“

„Das ist es mir wert und dir gefällt es scheinbar auch.“

„Du machst mich fertig Kazuki“, erwiderte mein schöner Sänger und berührte meine Erregung. Seine Hände bewegten sich auf und ab, mit dem Daumen verrieb er den Lusttropfen. Er beschleunigte seine Bewegung und ich krallte mich in seine Schultern, als mich der Höhepunkt überrollte. Oh Mann, ich würde einfach nie genug von diesem Kerl bekommen.

 

Kyo wollte mich mit zu sich Hause nehmen, doch ich musste mir erst ein paar Sachen bei mir holen, da ich ja keine Klamotten für morgen dabei hatte. Nach einem kurzen Disput ließ er mich schließlich gehen.

Gerade als ich auf dem Sprung war, hielt mich Sota auf und bat mich um ein paar Minuten meiner Zeit. Ich schrieb Kyo, dass ich noch was mit meinem Freund zu klären hätte und mich etwas verspätete. Sota öffnete eine Flasche Wein bei sich und bot mir ein Glas an, welches ich dankend annahm. Irgendwas war heute anders an ihm, er wirkte so still und fast schon ein wenig verunsichert.

„Kazu…ich bin nicht sicher, wie beginnen soll…“, begann er doch hielt mitten im Satz inne und zeigte auf meinen Hals. Ich wusste erst nicht Recht, was er meinte und warf einen kurzen Blick in den kleinen Spiegel an der Wand gegenüber vom Bett, auf dem wir hockten. Da hatte mir mein Lieblingssänger aber einen deftigen Knutschfleck verpasst. Wollte wohl sein Besitz markieren. Ich schmunzelte.

„Tja…da hat mich Kyo wohl gezeichnet…“, witzelte ich.

„Seid ihr jetzt zusammen oder was?“, fragte Sota irgendwie enttäuscht. Ich nickte.

„Irgendwie schon.“

„Dann heißt unsere heiße Affäre endet?“

Wieder bejahte ich seine Frage mit einem Kopfnicken.

„Ich fürchte ja…naja und vielleicht solltest du dir auch…“, setzte ich an, doch wurde sogleich unterbrochen, als sich Sotas Lippen auf meinen spürte. Etwas bestürzt stieß ich ihn von mir. Das war gegen unsere Abmachung und mich traf es ziemlich hart, dass er diese einfach so brach.

„Sota, was…“

„Kazuki, ich liebe dich…bitte vergiss Kyo, das geht doch eh nicht lange gut…“

„WAS?“

Sein Geständnis traf mich wie ein Blitzschlag und jetzt konnte ich verstehen, wie sich Kyo gefühlt haben musste, als ich ihm mit diesen drei magischen Worten überfiel. Sogleich wurmte mich mein schlechtes Gewissen.

„Kazu…ich…wie kannst du wissen, dass er immer für dich da sein wird? Ich habe dich schon immer geliebt.“

„Stop Sota…für mich war das zwischen uns nie mehr als eine Affäre…außerdem liebe ich Kyo…“

„Ach ja? Und er dich auch? Verdammt Kazu, er ist einer der größten Rockstars in Japan…nein mittlerweile ist er in der ganzen Welt bekannt. Glaubst du allen Ernstes, dass das hält? Außerdem ihr kennt euch jetzt…wie lange?“, fuhr mich mein Freund an und legte zwischen seinen Worten eine für meinen Geschmack viel zu dramatisierende Kunstpause ein.

„Wir kennen uns vielleicht noch nicht lange, aber er tut mir gut…und vielleicht kann er mir helfen…“

„Helfen? Wobei?“

„Wie ich es in den Griff bekomme…wie ich meinen Schmerz in Musik umsetze…“

Sota schaute mich noch immer beleidigt an und es tat schon weh. Immerhin kannten wir uns schon so lange und ich fühlte mich ungerecht behandelt.

„Ach ja? Weil er Erfahrung damit hat, wie man sich selbst verletzt?“

„Er hat für sich einen Weg gefunden damit umzugehen…außerdem…warum kannst du dich nicht einfach für mich freuen?“, keifte ich jetzt zurück. Sota leerte sein Glas in einem Zug und schenkte sich nach. Ich konnte und wollte das nicht weiter ausdiskutieren, weil es mir zu sehr zusetzte. Mit einem lauten Knall flog die Tür zu Sotas Wohnung hinter mir ins Schloss. Da fiel mir auf, dass ich noch immer das Weinglas in der Hand hielt. Ich kehrte in mein Apartment zurück, stolperte versehentlich über die Türschwelle und fiel der Länge nach hin. Das Glas zersprang auf dem Fußboden und zerflog in tausend kleine Stückchen. Mit bloßen Händen sammelte ich die Splitter auf und natürlich schnitt ich mich direkt in die Handfläche. Ein klaffender Riss öffnete sich und Blut floss bis zu meinem Unterarm. Schnell versuchte ich den Fluss zu stoppen und griff nach der Küchenrolle. Ich versuchte das Tuch mit den Fingern auf den Schnitt zu pressen und machte mich nebenher an meinem Verbandskasten zu schaffen, um mich zu verarzten. Ich wusch das Blut ab und verband meine Hand.

Dann machte ich mich auf dem schnellsten Weg zu Kyo. Dabei verdeckte ich meine Hand, weil ich nicht gleicht wollte, dass er das sah. Ohne auch nur ein Wort zu sagen verschwand er wieder in seinem Arbeitszimmer. Toll, warum waren eigentlich in letzter Zeit alle sauer auf mich? Den pochenden Schmerz meiner Verletzung versuchte ich zu ignorieren, hievte mich auf’s Sofa und zündete mir eine Zigarette an. Ich hörte, wie er auf der Gitarre ein paar Akkorde spielte und leise dazu sang. Eine recht langsame Melodie und wunderschön. Der Text handelte wie bei so vielen seiner Lieder von Trauer, Enttäuschung und Verlustängsten, aber auch sich selbst wieder zu finden und die Hoffnung nicht zu verlieren. Mich rührte das fast zu Tränen, denn in Momenten wie diesen offenbarte mir der hübsche Sänger immer wieder sein innigstes Seelenleben. Ich drückte meine Zigarette aus und spickelte durch den Türspalt. Kyo hielt seine Augen geschlossen und schien mich nicht zu bemerken. Ein Lächeln lag auf meinen Lippen und mir wurde mehr als sonst bewusst, wie sehr ich diesen Mann liebte. Mit seinen schwarzen kurzgeschorenen Haaren gefiel er mir sogar fast am besten. Sein Kopf neigte sich langsam in meine Richtung und sein Blick war so sanft. So unbeschwert. Ich wünschte mir, dass er mich öfter so ansah. Auf einmal wanderten seine Augen zu meiner Hand. Er kam auf mich zu und ergriff diese.

„Hab mich nur an ner Glasscherbe geschnitten. Sota und ich haben uns gestritten und ich musste schnell weg, bin gestolpert und das Glas ist zerbrochen.“

Und da war sie wieder die Zornesfalte auf seiner Stirn.

„Ich mag ihn nicht. Lass Mal sehen…“

Mein schöner Sänger besah sich meine mehr oder weniger gut verarztete Wunde und wickelte vorsichtig den Verband ab, salbte die Stelle ein und bandagierte sie neu.

„Mh, das merkt man kaum“, entgegnete ich trocken.

„Was hast du überhaupt bei ihm gemacht?“

„Kyo, er ist mein Freund und falls du es noch nicht bemerkt hast, davon hab ich nicht so viele…du kannst mir nicht verbieten Sota zu treffen.“

Der Ältere murrte kaum hörbar.

„Ich teile nun Mal nicht gerne und wenn dann auch noch sowas passiert, passt mir das gar nicht in den Kram.“

„Außerdem musste ich ihm doch genau das sagen…dass wir jetzt zusammen sind…“, flüsterte ich und legte meine Arme um ihn.

„Warum habt ihr euch gestritten?“

Verdammt, warum hatte ich nur gewusst, dass er mir diese Frage stellen würde. Außerdem war ich mir auch darüber im Klaren, dass ihn die Antwort nicht gerade dazu animierte in Jubelgeschrei auszubrechen.

„Er…er wollte mehr als nur eine Affäre…“

Kyo funkelte mich mit seinen fast schwarzen Augen an.

„Na klar…das hätte ich dir auch sagen können. Fast jede Affäre endet irgendwann in einer Beziehung. Das hast du nun von deiner Vögelei mit ihm!“, fuhr er mich an.

„Musst du jetzt darauf herumreiten? Falls du es mitbekommen hast, ich bin gerade bei dir und nicht bei ihm“, fauchte ich zurück. Dass Kyo auch immer so streitlustig sein musste.

„Hab ich schon Mal erwähnt, dass du mich verrückt machst? Und das gerade nicht in sexueller Hinsicht…wenn das mit uns klappen soll, könntest du auch versuchen mich zu verstehen. Dir würde es genauso wenig gefallen, wenn du wüsstest  ich hätte vor dir was mit einem meiner Jungs am Laufen gehabt.“

Damit hatte er nicht ganz unrecht. Ich wollte trotzdem nicht nachgeben.

„Heißt das jetzt du verbietest mir meinen Freund zu sehen?“

„Nein…ja, ich hab keine Ahnung Kazuki…vielleicht sollten wir heute getrennt schlafen. Ich kann das gerade nicht.“

Kyo verschwand in der Küche und setzte Tee auf. Auch, wenn ich ihn verstand taten seine Worte verdammt weh. Da es schon recht spät war, machten wir uns Bettfertig. Als Kyo im Schlafzimmer verschwand, zog sich mein Herz krampfartig zusammen und ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Warum war er nur so? Ich kuschelte mich auf’s Sofa, fand allerdings keine Ruhe und das Gefühl der Enttäuschung machte sich in mir breit. Warum verdammt musste gerade alles so kompliziert sein? Da hatte ich ihn schon dazu bekommen mit mir zusammen zu sein und er fand trotzdem immer etwas, das ihn störte. Stumme Tränen rannen meinen Wangen herab und ich wischte sie mit der Decke beiseite. Schließlich versuchte ich dann doch zu schlafen, doch es war ein unruhiger Schlaf und ich träumte wirres Zeug. Außerdem fror ich ein bisschen und die erste Übernachtung bei meinem liebsten hätte ich mir anders vorgestellt.

Schließlich dämmerte ich weg. Ich träumte von Kyo und Toshiya, wie sie sich küssten. Einerseits fand ich den Dir en Grey Bassisten jetzt nicht gerade hässlich, aber der Schmerz war heftig. Als würde jemand mein Herz zerquetschen. Ich wollte auf die beiden zugehen und sie fragen, warum sie das taten, doch jeh näher ich auf sie zuging, desto weiter entfernten sie sich von mir. Ich schreckte hoch und schmeckte die salzigen Tränen auf meinen Lippen. Eine Hand strich mir behutsam über den Rücken und ich zuckte zusammen. Kyo blinzelte mich verschlafen an. Moment Mal, seit wann lag er neben mir?

„Es war nur ein Traum Kazu. Leg dich wieder hin.“

Ich kuschelte mich an meinen Sänger und er zog mich in seine Arme. Sofort wurde mir leichter ums Herz.

„Kyo, ich will dich nicht verlieren…“, wisperte ich.

„Mhh…schlaf jetzt mein kleiner Herzensbrecher“

Ich schmiegte meinen Kopf in seine Halsbeuge und hauchte einen Kuss auf seine warme Haut.

„Wie kommst du eigentlich auf’s Sofa?“

„Geflogen…“

„Idiot“, kicherte ich.

„Außerdem ist allein schlafen blöd und jetzt halt endlich deinen Mund sonst geh ich wieder.“

In meinem Bauch flatterten tausende von kleinen Schmetterlingen und ich lauschte Kyos ruhigen Atemzügen. Seine helle Haut leuchtete im Licht des Mondes, der zum Fenster hinein schien. Oh Mann, war das gerade Wirklichkeit? Ich konnte es noch immer nicht fassen, dass ich in den Armen des berühmten Dir en Grey Sängers lag. Zaghaft küsste ich seine Wange.

„Du schläfst ja immer noch nicht“, brummte Kyo jetzt fast schon ein bisschen genervt.

„Ich genieße gerade deinen Anblick…ist es dir bei mir auch egal, wenn ich dir sage, dass du wunderschön bist?“

Ein beschwertes Seufzen entfuhr ihm.

„Natürlich nicht…aber können wir bitte morgen reden? Ich bin wirklich müde und glaub mir, du möchtest mich nicht erleben, wenn ich richtig schlechte Laune habe.“

Diese unterschwellige Drohung nahm ich dann doch ernst, doch ließ es mir nicht nehmen Kyo noch einen letzten Kuss zu geben. Dann endlich fiel auch ich wieder in einen ruhigen, dieses Mal traumlosen Schlaf.

 

Der Geruch von Kaffee und frischen Brötchen stieg mir in die Nase. Ich setzte mich etwas auf und konnte in die offene Küche schauen. Kyo stand mit dem Rücken zu mir gewandt und dem Geruch nach zu urteilen war er gerade dabei Eier zu braten. Machte er ernsthaft Frühstück für mich? Mit einem glücklichen Glucksen und einem breiten Grinsen auf den Lippen sank ich wieder in die weichen Kissen. Oh Mann, daran musste ich mich wohl noch gewöhnen. Ich schwang meine Beine aus dem „Bett“ und näherte mich dem hübschen Sänger. Eine Weile lehnte ich noch am Tisch und sah ihn einfach nur an. Meine Augen wanderten über das große Tattoo auf seinem Rücken bis hin zu seinem wohlgeformten Hintern, der bedauerlicherweise von seiner Shorts bedeckt wurde. Wahrscheinlich hing mir mein imaginärer Sabberfaden bis zum Boden. Als würde er meinen schmachtenden Blich bemerken, drehte er sich langsam um.

„Magst du Kaffee oder Tee?“

Was? Wirklich jetzt? Ich stand gerade nackt vor ihm und er hatte nichts Besseres zu tun als mich zu fragen, was ich trinken wollte? Na schön. Fragte sich nur, wer schneller seine Selbstbeherrschung verlor.

„Kaffee bitte.“

Kyo reichte mir eine Tasse mit der dampfenden fast schwarzen Flüssigkeit darin. Mhh, vermutlich würde ich den Selbstberherrschungs-Wettbewerb gnadenlos verlieren. Und wieder schenkte er dem Herd mehr Aufmerksamkeit als mir. Wie machte er das? Ich lehnte mich ein bisschen provokant an die Arbeitsfläche und beobachtete ihn noch immer. Doch er hatte das perfekte Pokerface aufgesetzt und ich zweifelte schon fast an der Ernsthaftigkeit seiner Worte am Tag zuvor. Mit einer Gelassenheit verteilte er das Rührei auf zwei Tellern und stellte diese auf das Tablett, wo auch schon die Brötchen, Butter und diverse Käsesorten platziert waren. Anschließend holte er noch Besteck aus der Schublade unter dem Herd und balancierte das Frühstück elegant ins Wohnzimmer. An Kyo war wohl ein hochbegabter Kellner verloren gegangen. Ich wusste nicht was mich gerade mehr irritierte. Dass er so gelassen tat oder, dass er mir gerade Frühstück ans Bett brachte. Ich folgte ihm und kuschelte mich wieder in die Decke. Auch Kyo schlüpfte zu mir ins Warme.

„Danke für’s Frühstück machen…“, murmelte ich. Ein freundliches Lächeln umspielte seine Lippen.

„Naja, jetzt muss ich ja dafür sorgen, dass ich dich bei Laune halte.“

„Mh, das schaffst du sicher auch mit anderen Dingen“, entgegnete ich frech.

„Oh glaub mir, dessen bin ich mir mehr als bewusst und an die wundervolle Kazuki-Dekoration, die meine Wohnung ziert, könnte ich mich gewöhnen.“

Ich musste lachen, also war das noch nicht so ganz an ihm vorbeigegangen.

„Du darfst auch gerne mit deiner Dekoration spielen“, ärgerte ich Kyo weiter und erntete ein anzügliches Grinsen seinerseits.

„Ich wusste gar nicht, dass meine Dekoration so viel reden kann. Normalerweise sind solche Gegenstände doch immer stumm und nicht so aufmüpfig.“

„Dann solltest du mich vielleicht reklamieren oder einfach damit leben.“

„Kannst du mir mal verraten, wie man eigentlich so zuckersüß und so verdammt heiß zur gleichen Zeit sein kann?“

Ich lachte herzhaft und verschluckte mich fast an einem Brötchenkrümel.

„Zu meiner Schulzeit war ich in einer Theater AG…da hab ich gelernt andere mit meinem zuckersüßen Charme zu verführen. Funktioniert ja scheinbar auch.“

Kyo zog die Stirn in Falten und musterte mich mit einem eher ungläubigen Blick. So als würde ich ihm gerade Märchen auftischen wollen.

„Was? Das ist die Wahrheit…irgendwie musste ich ja lernen mit diesen beschissenen Gefühlen umzugehen…“, rutschte es mir raus und schon kippte meine Stimmung. Auch mein schöner Sänger schien das zu bemerken.

„Kazu…“, flüsterte er und klang dabei so liebevoll, dass es mir schon wieder dir Tränen in die Augen trieb. Bisher hatte ich vor Kyo nur eine richtige Beziehung gehabt und die hätte mich beinahe zerstört. Mehr noch als der ständige Streit mit meiner Familie. Doch dann lernte ich Sota kennen und wir wurden Freunde. Er schaffte es ohne mich großartig nach meiner Vergangenheit zu fragen, mich aufzubauen, mir ein treuer Freund und Wegbegleiter zu sein. Ab und zu fragte er mich zwar Dinge zu meiner Familie oder meinen Exlovern, doch nie bekam er eine Antwort darauf. Mir war es ohnehin ein Rätsel, wie er es schon so lange mit mir ausgehalten hatte. Denn wenn ich mir das so recht überlegte, musste es für Sota mehr als frustrierend sein einen Freund wie mich zu haben, der nur kam, wenn er Lust auf Sex und ein bisschen körperlicher Nähe verspürte. Im Gegenzug aber nie mehr als nötig zuließ. So kam es auch zu der Regel, dass wir uns tatsächlich nur auf’s körperliche reduzierten. Kein Kuss und auch keine zärtlichen Streicheleinheiten oder das typische Kuscheln danach. Nichts, weil ich es nicht verkraftet hätte, doch warum funktionierte das bei Kyo? Noch nie in meinem Leben hatte ich den Drang verspürt mit irgendwem über meine Probleme und naja in gewisser Weise zwanghaften Störungen zu reden. Bis heute.

von guten Freunde und einem ganz besonderen Schatz

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Selbstzweifel

Nach dem Frühstück packte Kyo ein paar Sachen zusammen und verabschiedete sich von mir. Ich zog ihn in einen langen leidenschaftlichen Kuss und er grinste, als unsere Lippen aufeinander lagen.

„Bald bin ich wieder da, versprochen“, nuschelte er noch halb an mir hängend und riss sich los.

„Viel Spaß.“

Das Wetter draußen war ungemütlich, regnerisch und kalt. Ich mochte den Herbst nicht besonders, denn gerade in dieser eher düsteren Jahreszeit fiel es mir schwerer meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Außerdem kam hinzu, dass ich nicht gern allein war, weil ich es kaum mit mir aushielt. Immer wieder verfolgten mich diese beschissenen Erinnerungen und meine Gedanken schweiften zu tief ab. Deshalb beschloss ich Kyos Wohnung zu verlassen und mich unter Menschen zu mischen.

Mein zweites Wohnzimmer, die vertraute, leicht heruntergekommene Bar bot mir Schutz und hier war es mir möglich den Klauen meiner Vergangenheit zu entfliehen. Zumindest für eine Weile. Kurz überlegte ich Sota einen Besuch abzustatten, doch vermutlich war das nach unserem letzten Streit keine so berauschende Idee. Takashi lud mich auf einen Tee ein und begann zu plaudern. Komischerweise wollte er nicht wissen, warum ich mich die letzten Tage nicht hatte blicken lassen, doch eigentlich ging ihn das auch nichts an. Schließlich war das nicht in unserer mündlichen Vereinbarung festgelegt. Ich spielte, wenn ich Zeit dazu hatte, das war der Deal. Heute schien ein Tag wie jeder andere zu sein. Lahmes Publikum und nicht all zu viele Besucher in der Bar. Ich erledigte meinen Job trotzdem so gut ich konnte und hörte Kyos Stimme in meinem Hinterkopf flüstern, wenn ich mir mal einen Fehler erlaubte. Wahnsinn, dass er auch in seiner Abwesenheit mit einer derartigen Präsens glänzte. Seit langem gönnte ich mir nach dem Auftritt mal wieder ein Bier und machte mich anschließend auf den Weg in meine Wohnung.

Allerdings erwartete mich dort eine böse Überraschung. Ein Brief war unter der Tür hindurch geschoben worden und er stammte von meinem Vermieter. Das seltsame Ziehen in meinem Magen verstärkte sich. Mir war klar, dass ich mit der Miete etwas in Verzug war, doch bisher hatte ihn das auch nie gestört. Warum dann jetzt das plötzliche Interesse? Ich beschloss ihn am nächsten Tag anzurufen und das Missverständnis aus der Welt zu schaffen.

 

Nach dem ersten Klingeln nahm er ab und schlug vor sogleich vorbeizukommen. Ich schlüpfte schnell in meine Klamotten und da er nur zwei Etagen unter mir wohnte, ließ er nicht lange auf sich warten. Ich öffnete noch ein bisschen verpeilt die Tür und bot ihm einen Kaffee an, den er jedoch ablehnte. Seine schwarzen Haare waren streng nach hinten gestrichen und in der Anzughose, dem Hemd und dem Overall darüber wirkte er sehr spießig und dennoch respekteinflößend.

„Sie haben das Schreiben erhalten Herr Nakamura?“, fiel er sogleich mit der Tür ins Haus und ich nickte.

„Dann wissen Sie ja Bescheid. Leider ist das nicht das erste Mal, dass sie mit Ihrer Miete im Verzug sind, deshalb muss ich wohl oder übel härtere Geschütze auffahren.“

„Ich versichere Ihnen, dass ich das Geld bis zum Ende der Woche haben werde. Nur bitte werfen Sie mich nicht aus der Wohnung“, flehte ich meinen Vermieter an, doch seine Miene blieb hart wie Stein.

„Seit einem halben Jahr bekomme ich Ihre Miete nun schon nicht zum vereinbarten Termin. Es tut mir leid. Sie haben bis zum Ende des Tages Zeit.“

„Bitte was? Aber wo soll ich denn dann wohnen?“

„Das ist nicht mehr mein Problem. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag Herr Nakamura!“

„Als ob ich den jetzt noch habe Sie Arschloch!“, rief ich ihm nach und feuerte meinen Rucksack in die nächste Ecke. Verfluchte Scheiße! Was sollte ich jetzt tun? Ich biss heftig auf die Unterlippe und der imaginäre Knoten in meiner Brust drohte mir die Luft abzuschnüren. Ich sank auf mein Bett und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Obwohl ich mit Kyo zusammen war, lief gerade alles andere in meinem Leben mehr als beschissen. Mit einem Seufzen und der bitteren Einsicht, dass ich ohnehin nichts ändern konnte, packte ich meine wenigen Habseligkeiten in meine kleine schwarze Reisetasche. Ein letztes Mal blickte ich mich in der winzigen Wohnung um und irgendwie hatte ich sie doch gemocht. Den Schlüssel warf ich bei meinem Vermieter in den Briefkasten. Auf dem Weg nach unten wäre ich fast mit Sota zusammengestoßen. Na super, auch das noch. Er nickte irritiert in Richtung Tasche.

„Willst du verreisen oder was?“

„Ne ausziehen“, gab ich kurz und knapp zurück. Jetzt schaute mich mein Freund geschockt an.

„Etwa zu deinem Kyo? Ist das dein ernst Kazu?“

Ich war heute ganz und gar nicht zum Streiten aufgelegt und mir fehlte auch jegliche Kraft dazu.

„Wenn du es genau wissen willst, ich wurde aus der Wohnung geschmissen und bin jetzt obdachlos. Lässt du mich jetzt bitte vorbei? Ich muss mich mit dem nächstbesten Penner um die gemütlichste Parkbank schlagen“, entfuhr es mir und irgendwie erstaunte mich mein schwarzer Humor selbst.

„Was? Aber wieso? Ich meine, du kannst auch bei mir pennen…“

„Nein schon gut…ich komm irgendwie klar. Zu dem wieso…konnte meine Miete nicht immer rechtzeitig bezahlen…ist scheiße gelaufen, jetzt muss ich damit klarkommen.“

„Verdammt Kazuki, draußen ist es arschkalt…jetzt sei nicht so ein Spinner und komm mit zu mir…ich werde dich auch sicher nicht anfassen, aber du holst dir den Tod“, entgegnete er und ich lächelte traurig.

„Tja, dann war es schön deine Bekanntschaft gemacht zu haben. Vielleicht treffen wir uns in einem anderen Leben unter besseren Umständen wieder.“

Mein Freund schaute mich mitfühlend an, doch ich wollte sein Mitgefühl nicht.

„Kannst du nicht irgendwie zu seiner Familie gehen, zumindest übergangsweise?“, fragte er vorsichtig, weil er zu ahnen schien, dass dieses Thema wie ein rotes Tuch für mich war, auch wenn ich ihm nichts von dem Drama mit meinen Eltern erzählt hatte.

„Nein, das geht leider nicht…bis irgendwann Sota“, beendete ich unser Gespräch und zwängte mich an ihm vorbei. Er rief mir noch nach, doch ich tat so, als würde ich ihn nicht hören. Ich kaufte mir am nächsten Kiosk etwas zum Essen und eine Kaffee und schlug die Zeit im Einkaufzentrum tot. Mein Instrument stand noch sicher verwahrt in der Bar und dort würde ich später auch wieder hingehen, in der Hoffnung den Abend dort verbringen zu können, bis sich die Pforten schlossen. Diesen Plan setzte ich dann auch in die Tat um.

Takashi stellte keine Fragen, als ich am Schluss noch immer gefährlich schwankend am Tresen auf meinem Barsessel hockte und schon viel zu viel intus hatte. Meine Tasche und die Klampfe hatte ich sicher hinter der Bar verwahrt.

„Schließt du noch ab Junge? Ich weiß nicht was los ist, aber du kannst auf dem Sofa hier übernachten. Schlaf gut.“

Mit diesen Worten verabschiedete er sich und löschte das Licht. Ich wankte zu dem abgewetzten Ledersofa, welches mich kalt und unwürdig empfing. Nur meine Jacke diente mir als Decke und wärmte nicht besonders gut. Irgendwann erwachte ich, weil mich ein unangenehmes Ziehen in meinem Magen weckte. Na klasse. Ich torkelte zu den Toiletten und eckte dabei bestimmt an allen Tischen oder Stühlen an, die sich auf dem Weg dorthin befanden. Ich beschleunigte meinen Schritt, als ich merkte, wie sich mein Mageninhalt ziemlich schnell seinen Weg ins Freie suchte. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich die Kabine, riss den Deckel nach oben und übergab mich. Nach einer Weile hatte sich mein Magen beruhigt und erschöpft sank ich an der Wand in einen Dämmerschlaf, bis zur nächsten Übelkeitswelle.

Ich musste wohl wirklich eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal erwachte, schien helles Licht in den kleinen Raum. Ich kam mir schäbig und einfach nur widerlich vor. Aus meiner Tasche, die ich holte, kramte ich meine Zahnbürste hervor und putzte mir die Zähne, spritzte mir noch ein bisschen Wasser ins Gesicht und beschloss diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Konnte ich dem alten Mann jeh wieder unter die Augen treten? Beschämt kritzelte ich ein paar dankende Worte auf einen Zettel, nahm meine Tasche und die Gitarre und verschwand. Ausgelaugt von der letzten Nacht und das schwere Gepäck, das mich beim Laufen behinderte, schlurfte ich wie Zombie durch die nahezu leeren Straßen. Im Gegensatz zu sonst schien heute nicht so viel in der Stadt los zu sein. Menschen rauschten an mir vorbei, schenkten mir jedoch keinerlei Beachtung.

Nach Essen war mir nicht zumute, aber schlafen und duschen wäre jetzt nicht übel. Eher unbewusst griff meine Hand nach dem Schlüssel in meiner Hosentasche. Sollte ich zurück in Kyos Wohnung? Schließlich hatte er es mir ja angeboten oder? Verunsichert war ich trotzdem, denn es kam mir vor, als würde ich so in seine Privatsphäre eindringen. Meine Hände waren mittlerweile so steif von der Kälte, dass es mir Schwierigkeiten bereitete meine Tasche zu halten. Ich musste mich aufwärmen und kehrte wieder im Einkaufscenter ein. Dort hockte ich mich auf eine Bank und wollte meine Mails checken, da fiel mir das schwarze Display auf. Schön, mein Handy war tot, kein Akku mehr. Egal, wer würde mich auch erreichen wollen? Am liebsten würde ich schreien. Tolle Karriere. Mit Anfang dreißig keinen ordentlichen Job und obdachlos. Nur ein verträumter Musiker, der gehofft hatte irgendwann Erfolg zu haben. Ich beobachtete all die fröhlichen Gesichter in der Vorweihnachtszeit. Wie frustrierend, noch zwei Wochen und dann stand dieses verhasste Fest schon vor der Tür. Meine Erinnerungen schweiften zehn Jahre zurück. Von meinem ersten Lohn hatte ich mir eine Gitarre gekauft, eben diese, die ich auch heute noch bei mir trug und die stets meine treue Begleiterin war. Mein Zimmer im Haus meiner Eltern befand sich damals ganz oben im Dachgeschoss, sodass ich mir in Ruhe das Spielen beibringen konnte. Es störte sich ja ohnehin niemand daran, denn wen interessierte schon, was der schwule Versager der Familie trieb? Wenn meine Eltern unsere Familie über die Feiertage einlud, schlich ich mich immer aus dem Haus. Die ersten Male, als ich dann doch erwischt wurde, weil ich mitten in der Nacht völlig betrunken zurück kam, prügelte mich mein Vater grün und blau. Und immer wieder bleute er mir ein, dass ich meine nächtlichen Streifzüge unterlassen solle, denn schließlich könnten unsere Nachbarn davon Wind bekommen. Natürlich ließ ich es nicht bleiben.

Tagsüber schaute ich mir Videos oder Tutorials an und spielte diese nach. Schließlich keimte in mir der Wunsch endlich vor Menschen zu musizieren. So landete ich dann in der Bar von Takashi und lernte dort auch Sota kennen, der mir später die Wohnung vermittelte. Ich hatte meine Familie nie darüber in Kenntnis gesetzt, was meine Pläne betraf und nachdem ich meinen Schulabschluss in der Tasche hatte, war ich ohne sie zu fragen ausgezogen. Ab und zu liefen wir uns noch über den Weg, doch sie ignorierten mich. Für meine Familie war ich wie Luft, schlimmer noch, denn Luft hätte wenigstens einen Sinn, da man diese zum Atmen brauchte. Ich war nichts. Nicht existent und ihnen war es vollkommen egal, ob ich mein Leben auf die Reihe bekam oder nicht. Dieser Gedanke zerfraß mich innerlich, weil es irgendwann mal anders war. Doch wann kam es zu dieser Wendung? Ich wusste es genau, doch genau diese Erinnerung blieb die schlimmste von allen und ich verdrängte sie so oft wie möglich. Wenn es mir denn gelang, aber wie bereits erwähnt, in dieser kalten Jahreszeit hatte ich meine Gefühle kaum unter Kontrolle.

 

Irgendwie verspürte ich ein leichtes Hungergefühl, doch sobald ich an Essen dachte, es in meinem Kopf Gestalt annahm, zog sich mein Magen wieder zusammen. Dann also nicht. Ich zog den Schlüsselbund erneut aus meiner Hose heraus und mir fiel auf, dass das da auch die Schlüssel für den Proberaum dran hingen. Plötzlich kam mir ein Gedanke und meine Euphorie schien langsam ihren Weg zurück zu mir zurück zu finden. Ich sprang schon fast gut gelaunt auf, als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. Verwirrt drehte ich mich um und schon sackte meine Laune wieder in den sprichwörtlichen Keller. Vor mir standen eine Frau mittleren Alters und ein Mädchen, das jetzt ungefähr 19 oder 20 sein müsste. Beide wirkten sehr gepflegt und man sah ihnen an, dass sie der gehobeneren Gesellschaft angehörten. Zwei Augenpaare starrten mich unentwegt an und schon war mir wieder kotzübel. Ich setzte meine Tasche auf der Bank ab.

„Kazuki? Bist du das?“, fragte mich die Frau.

„Bedauerlicherweise ja…ich bin noch am Leben, sicher hätte dich ein anderer Tatbestand mehr gefreut“, entfuhr es mir. Nein, Nettigkeit ihr gegenüber war schon lange nicht mehr meine Stärke.

„Du siehst furchtbar aus…und was sind das für Kratzer auf deiner Brust?“

Da mein Shirt unter der Kapuzenjacke sehr tief ausgeschnitten war, gab es meine Narben preis. Ich bekam ihre Hand noch gerade so zu fassen.

„Wage es nicht mich anzufassen!“, fuhr ich sie an und ihr erschrockener Blick fixierte mich kurz, als würde sie doch so was wie Mitleid empfinden. Doch dann spiegelte sich die gewohnte Gleichgültigkeit darin. Auch das Mädchen warf mir einen verachtenden Blick zu. Ihre kalten Augen musterten mich von unten bis oben und allein diese Geste bewirkte, dass ich mir wie das letzte Stück Dreck vorkam.

„Ich fasse es nicht, wie kannst du dich in deinem Zustand hier an einem so öffentlichen Platz herumtreiben? Was sollen denn die Eltern mit ihren Kindern denken? Die bekommen es ja mit der Angst zu tun. Hast du getrunken oder womöglich Drogen konsumiert?“

Ich schüttelte mit dem Kopf.

„Keine Drogen…warum redest du überhaupt mit mir? Hast du nichts Besseres zu tun?“

„Doch, hab ich. Deine Schwester und ich gehen jetzt ein Kleid für ihre Silvesterparty kaufen.“

„Wie kannst du es wagen sowas zu sagen Mama. Ich habe keinen Bruder, schon vergessen!“, entgegnete dieses kleine fiese Miststück und brach mich, wie schon so viele Male davor. Nicht mehr lange und ich verlor meine Selbstbeherrschung.

„Ich muss dann auch los…viel Erfolg beim Kleider shoppen…“, versuchte ich dennoch freundlich zu sagen.

„Halt doch die Klappe, du schwänzelutschender Wiederling…danke, dass du mir jetzt den Tag vermiest hast.“

Ich schluckte die Beleidigung runter wie immer.

„Mei, es reicht. Nicht solche Worte in der Öffentlichkeit! Tschüss…“

Noch bevor sich meine Mutter von mir verabschieden konnte, rannte ich aus dem Einkaufszentrum. Stürzte zur Metrostation und fuhr zum Proberaum.

Mit zittrigen Händen zündete ich mir eine Zigarette an und um den Tag wirklich beschissen perfekt werden zu lassen, begann es jetzt auch noch zu regnen. Nicht nur en leichter Nieselregen, nein, es schüttete wie aus Eimern. Es dauerte eine Weile, bis ich den passenden Schlüssel aus dem Bund gefingert hatte und leicht durchnässt ließ ich mich auf das Sofa sinken, wo ich mir eine neue Zigarette anzündete. Besonders warm war es hier nicht und mein Körper zitterte ein bisschen in den feuchten Klamotten. Außerdem konnte ich wirklich langsam eine heiße Dusche vertragen, denn mich beschlich das Gefühl, dass ich ein bisschen streng roch. Also doch zu Kyo?

Ich zuckte panisch zusammen, als ich hörte, wie hinten auf dem Klo die Spülung betätigt wurde. Verdammt, wer konnte dass sein? War jemand eingebrochen? Schon wollte ich aufspringen, als sich die Tür öffnete und der Mann, der mich da anschaute war mindestens genauso perplex wie ich. Seine verstrubbelten braunen Haare hingen ihm ein bisschen ins Gesicht und seine dunklen Augen, die mich schon fast ein wenig an die von Kyo erinnerten, fixierten mich neugierig. Die letzten beiden Knöpfe seines schwarz-violett karierten Hemdes standen offen und entblößten seine helle Haut minimal. Die enge Hose mit der großen Gürtelschnalle in Form eines Kreuzes hing schon fast unverschämt weit unten. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl diesen Mann zu kennen. Er stand noch immer da und beobachtete mich.

„Nanu, was für eine nette Überraschung. Aber wie kommst du in den Proberaum von Dir en Grey?“, fragte er mich mit tiefer Stimme und kam näher auf mich zu.

„Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, gab ich etwas kleinlaut zurück und zündete mir eine zweite Zigarette an.

„Aber ich hab zuerst gefragt. Also?“

„Wie denn schon, natürlich mit nem Schlüssel. Zufrieden?“

Der Typ kratzte sich am Kinn und schaute nachdenklich zur Decke.

„Mhh,…Tooru hat einen Schlüssel, Shinya und Kao…doch der hat mir seinen geliehen, bleiben also nur noch zwei…Shini vielleicht?“, überlegte er. Moment, was tat der Kerl mit dem Proberaumschlüssel des Diru Leaders? Und warum war er so daran interessiert, von wem ich meinen Schlüssel hatte? War das nicht egal? Ich hatte eben einen. Basta! Ich zog meine Jacke enger um mich. Er wartete noch immer auf eine Antwort. Doch ich tat nicht dergleichen, weil ich keinen Bock hatte mit irgendwelchen komischen Typen zu reden. Ich wünschte mir Kyo her, mehr als alles andere auf der Welt. Wollte in seinen Armen liegen und die letzten zwei Tage einfach vergessen.

„Naja, sehr gesprächig scheinst du ja nicht zu sein. Stört es dich, wenn ich ein bisschen Bass spiele?“

Ich schüttelte nur den Kopf und schaute im Kühlschrank nach einer Flasche Wasser, welches ich dort auch fand. Dann kribbelte es mich doch in den Fingern und auch ich packte meine Gitarre aus. Hörte dem Bassisten zu und versuchte einzusteigen. Als dieser bemerkte, dass ich ihn begleitete, staunte er nicht schlecht. Wir lieferten uns ein kleines Battle, was mich zumindest für einen kurzen Augenblick vergessen ließ. Als er sein Tun stoppte, begann ich meine eigenen Songs zu spielen und zu singen. Das schien auch den anderen Musiker mächtig zu beeindrucken.

„Nicht übel…sag mal, du bist aber nicht zufällig Kazuki oder?“

Mit weit aufgerissenen Augen musterte ich den Fremden. Woher zur Hölle wusste er, wer ich war?

„Ähm…doch, aber woher weißt du das?“

Jetzt lächelte der andere Bassist und winkte mit der Hand ab.

„Kao hat das letztens Mal erwähnt…mh, wie war sein genauer Wortlaut? Das wirst du mir nicht glauben, aber ich glaube Tooru ist doch noch nicht verloren…er hat da gestern diesen echt schnuckeligen Nachwuchsmusiker mit in den Proberaum gebracht….und der kleine hat’s echt drauf.

Kaoru? War das vielleicht Kaorus Freund?

„Schön und mit wem habe ich die Ehre?“, fragte ich noch immer reserviert. Er streckte mir seine Hand entgegen.

„Verzeih, wo bleiben meine guten Manieren. Ich bin Zero“, stellte sich der braunhaarige vor. Zero? In meinem Hirn begann es zu rattern.

„Freut mich“, gab ich zurück und meinte es auch so. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Jetzt wurde mir auch klar, woher in den anderen kannte. Oh mein Gott. Augenblicklich hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich ihm gegenüber so unfreundlich verhalten hatte. Naja, zu spät.

„Na, hat es klick gemacht?“, amüsierte sich der D’espairs Ray Bassist.

„Sorry…heute ist nicht gerade mein Glückstag.“

„Schon okay…aber vielleicht solltest du langsam mal aus den nassen Klamotten raus. Sonst bist du morgen krank. Das würden mir die Jungs sicher nicht verzeihen.“

„Ist vielleicht echt nicht die schlechteste Idee.“

Ich kramte saubere Kleidung aus meiner Tasche und zog mich bis auf die Unterhose aus. Die Anwesenheit von Zero störte mich nicht und seiner Reaktion nach zu urteilen war auch ich nicht der erste Mann, den er halbnackt zu Gesicht bekam.

Mit den trockenen Klamotten wurde mir tatsächlich ein bisschen wärmer. Ein Blick in meine Kippenschachtel ließ mich seufzen. Nur noch drei Zigaretten, na toll. Ich zündete mir eine an. Kalt war mir noch immer.

„Sag mal, bist du auf der Flucht oder was soll die Reisetasche?“

Und schon kippte meine ausgelassene Stimmung wieder. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„So was in der Art…lange Geschichte.“

„Mh verstehe, du magst nicht drüber reden. Ist vollkommen okay. Verstehst du dich gut mit den Jungs?“, wechselte Zero das Thema und ich war ihm ausgesprochen dankbar dafür.

„Schon. Manchmal ist es irgendwie noch ein bisschen komisch, weil…naja, sie ja so berühmt sind…aber Kyo scheint ernsthaftes Potenzial in mir zu sehen.“

„Da kann ich ihm nur beipflichten.“

„Danke…sowas bekomme ich nicht all zu oft zu hören.“

„Dann warst du bisher wohl mit den falschen Leuten zusammen. Ich muss dann auch los. Soll ich dich irgendwohin fahren?“

Ich schluckte und überlegte kurz, doch ich kam zu keiner besseren Alternative.

„Weißt du wo Kyo wohnt?“

Zero schaute mich mit einer Mischung aus „bist du völlig irre“ und „vielleicht hast du dich doch verkühlt“ an. Ich ignorierte es.

„Du meinst das ernst oder?“

Ich nickte und er schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Gemeinsam verließen wir den Proberaum und stiegen ins Zeros Auto, welches er um die Ecke geparkt hatte. Der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen, im Gegenteil. Zero musste vorsichtig fahren, da das Wasser auf den Straßen stieg und seine Scheibenwischer über die Windschutzscheibe flitzten.

„Das heißt, du hast auch Kyos Wohnungsschlüssel?“, fragte der Bassist dann nach einer Weile. Klar, wenn er mit dem Diru Leader befreundet war, wusste er sicher auch, dass sich die Jungs gerade in Tokio befanden.

„Sieht so aus.“

„Das ist echt verrückt. Ich meine ich kenne die Jungs schon eine Weile, doch ich habe  noch nie mitbekommen, dass Tooru jemanden mit zu sich nimmt. Sogar seine Freunde…naja abgesehen von Shinya, nimmt er nicht all zu oft mit in seine privaten Gemächer und dann dich?...Oh tut mir leid, das sollte nicht so rüberkommen…“

„Schon okay, ich verstehe auch nicht, was er an mir findet. Immerhin könnte er jeden haben.“

Plötzlich entfuhr Zero ein übertriebenes Lachen.

„Oh mein Gott, sag bloß ihr habt was miteinander?“

Na toll, was sollte ich darauf schon wieder antworten?

„Wüsste nicht, was dich das angeht. Schließlich frag ich auch nicht, ob du mit Kaoru vögelst“, rutschte es mir raus und ich sollte dringend schlafen, denn irgendwie schien ich nicht mehr so ganz unter Kontrolle zu haben, was ich sagte.

„Ja tue ich und wir machen daraus auch kein Geheimnis. Er ist süß und toll…manchmal ein bisschen verrückt…keine Sorge ich sag es keinem. Schließlich weiß ich, wie Kyo austicken kann. So da wären wir.“

Zero parkte vor dem Haus. Ich bedankte mich und verabschiedete mich von ihm.

Endlich duschen, den Dreck und diese Erinnerungen der letzten Tage loswerden. Ich kauerte in der Dusche und das heiße Wasser prasselte auf meinen Körper herab. Jetzt da ich wieder alleine war drangen diese unschönen Gefühle wieder empor. Ich zitterte, trotz des warmen Wassers und schluchzte, denn keine Minute länger hätte ich diese Welle der Emotionen zurückhalten können. Doch war ich alleine damit, niemand, der mir gerade Beistand leisten konnte oder mich davor bewahrte, mich selbst zu verletzen. Meine Fingernägel krallten sich auf diese gefährliche Art in meine Oberarme. Ich biss mir heftig auf die Unterlippe und die Tränen liefen unentwegt meinen Wangen hinab. Ich kippte zur Seite und fand Halt an der kalten Fliesenwand. Mein Körper war am Limit angekommen und so allmählich begann meine Haut zu schrumpeln, deshalb rappelte ich mich mit aller Kraft auf und trocknete mich ab.

Erschöpft und müde brach ich auf dem Sofa zusammen. Ich trug keine Klamotten und kuschelte mich in die Decke ein. Meine Augen brannten vor Müdigkeit, doch ich fand keinen Schlaf, zu sehr war mein beschissenes Gehirn damit beschäftigt mir diverse Szenen der letzten Tage immer und immer wieder zu zeigen. Lief es nun doch auf Selbstverletzung hinaus? In der Dusche hatte ich es wie auch immer abwenden können, doch nun überkam mich dieser Drang erneut. Und dieses Mal war die Versuchung heftiger. Mein Körper sehnte sich nach Schlaf und Befriedigung. Schlimm genug, wenn man sowas als befriedigend ansah, aber ich konnte es nicht ändern. Oder doch? Meine Fingernägel waren zwar nicht lang, aber dafür würde es reichen. Ich fuhr mit der spitzen Seite meines Nagels unterhalb meiner Rippen entlang. Einmal. Es blieb nur ein Kratzer zurück. Zweimal. Die gereizte Haut schwoll ein bisschen an. Dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal. Endlich erreichte ich mein Ziel und das Blut sickerte aus der Wunde. Wieder flossen die Tränen und der Schmerz zerfraß mich noch immer. Ohne wirklich zu wissen, was ich tat, erhob ich mich und schwankte völlig kraftlos in Richtung Schlafzimmer. Die Luft hier drin war kühler als im Wohnzimmer. Ich öffnete den Kleiderschrank und kramte ein T-shirt von Kyo heraus, zog es mir über den Kopf und kuschelte mich ins Bett. Es roch nach ihm. Nach seinem Parfum, seinem Schweiß und ich vergrub mein Gesicht in dem Kissen. Und als wäre das die Linderung für all meine Sorgen, umfing mich dieser Geruch wie ein schützender Schleier. Ich vergrub mich noch tiefer in der Bettwäsche. Keine zwei Sekunden später fielen mir die Augen zu und ich schlief ein.

in den Tiefen deiner Seele

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

wie auf der Achterbahn

Am nächsten Tag fuhren wir leider schon wieder nach Hause und später wollten wir eventuell noch mit den Jungs was trinken gehen.

Zum gefühlt hundertsten Mal vibrierte mein Handy an diesem Tag. Kyo funkelte mich mit einer Mischung aus feindseligen und genervten Blick an. Das liebevolle darin war verschwunden.

„Was will er von dir Kazuki?“

Natürlich ahnte er, dass das wohl nur Sota sein konnte.

„Mit mir reden…vermutlich.“

„Kannst du ihm nicht klarmachen, dass es vorbei ist?“

Ich seufzte.

„Es ist nicht vorbei…Sota ist noch immer mein Freund…früher oder später sollte ich mich bei ihm melden. Er macht sich Sorgen.“

„Und was ist, wenn ich das nicht will!“, fuhr mich Kyo jetzt etwas forsch an.

„Dann werde ich es trotzdem tun…er ist noch immer mein Freund und du kannst mir den Umgang mit ihm nicht verbieten“, entgegnete ich so ruhig wie möglich.

„Dein Freund…der dich gevögelt hat…und vielleicht hat er auch genau das im Sinn!“

„Ist es das, was dich stört? Wäre es etwa anders, wenn ich nichts mit ihm gehabt hätte?“

Kyo kniff seine Augen zusammen und funkelte mich wütend an.

„Natürlich wäre es dann anders…“

„Aber ich liebe doch nur dich…niemals würde ich mich wieder auf ihn einlassen.“

„Trotzdem. Allein die Tatsache, dass du ihn attraktiv fandest und ihr Sex hattet, macht mich rasend.“

Ich trank einen Schluck von meinem Tee.

„Vertraust du mir denn gar nicht?“, fragte ich enttäuscht.

„Es fällt mir schwer…und ich teile nun mal nicht gerne…deshalb bin ich ein beschissener Umgang Kazu…ich bin kein Mann, den du lieben solltest…ich bin egoistisch, besitzergreifend und vieles mehr…“

Auf einmal verstand ich es oder zumindest hegte ich einen vagen Verdacht, was die Gefühle des Mannes betrafen, den ich so sehr liebte.

„Hör mir zu Kyo, ich werde mit Sota reden müssen, ob dir das in den Kram passt oder nicht. Aber ich möchte auch, dass du mir vertraust…“

„Ich bin nicht sicher ob ich das kann.“

„Verdammt Kyo! Was soll der Scheiß! Ich schreibe dir auch nicht vor, mit wem du dich treffen darfst und mit wem nicht…ich verbiete dir nicht, Zeit mit deinen Jungs zu verbringen…“

„Von denen hat mich auch noch keiner flach gelegt!“, fuhr er mich wieder an. Ich sprang auf, schnappte meine Zigaretten und verschwand auf dem Balkon. Mit zittrigen Händen zündete ich mir einen Glimmstängel an. Warum zum Henker musste er alles so kompliziert machen? Ja mein schöner Dir en Grey Sänger war mehr als ein Sturkopf. Das machte mich rasend und dann verletzte mich da noch der Aspekt, dass er mir scheinbar nicht vertraute. Das tat weh, sehr sogar. Dieser Grad zwischen Freude, Lust und dieser verdammten Wut war verdammt schmal und gerade war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich diesen Spagat tatsächlich hinbekam. Noch immer verletzt drückte ich die aufgerauchte Zigarette in dem Aschenbecher aus und holte mir noch ein Bier. Kyo’s Blick verfolgte mich, doch ich wollte nicht nachgeben. Er hatte nicht das Recht dazu darüber zu bestimmen, wer meine Freunde sein durften und wer nicht. Seine Hand streckte sich mir entgegen, doch ich ignorierte ihn, so sehr mein Herz auch nach seiner Nähe kreischte.

„Kazu…bitte komm Mal her“, bat er mich und seine Stimme hatte diesen aggressiven Unterton verloren. Deshalb gab ich schließlich doch nach und ließ mich neben ihm nieder.

„Kyo…das funktioniert so nicht…echt nicht…entweder wir vertrauen einander oder lassen es gleich bleiben.“

„Dann ist das wohl eine Sache, bei der ich deine Hilfe brauche…beweise mir, dass ich dir vertrauen kann…“

Ich presste meine Lippen aufeinander und überlegte krampfhaft. Kyo schob mein Shirt ein Stück hoch und strich behutsam über meine Narben auf der Brust. Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen und spiegelte sich auch für einen winzigen Moment in seinen Augen.

„Das kann ich, indem du mich Sota besuchen lässt…“

Und es gäbe noch eine andere Möglichkeit…“

Ich warf ihm einen fragenden Blick zu. Ach das schon wieder. Ich seufzte.

„…wenn du mir versprichst, dass du dir keine Verletzungen mehr zufügst…“

Das Thema hatte ich nicht noch mal erwartet, zumindest nicht so schnell. Nachdem ich es beim letzten Mal mehr oder minder erfolgreich hatte abwürgen können.

„Ich…ich hab das nicht unter Kontrolle…manchmal überkommt es mich…“

„Wann?“

„Naja eben, wenn ich keinen anderen Ausweg mehr sehe…wenn mein Körper nach diesen Schmerzen lechzt…ich hab das Gefühl, ich brauche das manchmal…ziemlich gestört…“

„Ich habe Angst um dich, denn diese Narbe hier…“

Er strich über die Verletzung, die sich zwischen Brust und Schlüsselbein entlang zog.

„…das war kritisch, stimmt‘s? Sie war ziemlich tief, hab ich Recht?“

Ich nickte nur.

„Na und…ich weiß mittlerweile, wie weit ich gehen kann…“

„Verdammt Kazuki! Ich will, dass das nie mehr passiert! Egal ob du weißt, wie weit du gehen kannst oder nicht…irgendwann passiert es vielleicht trotzdem und das…würde ich nicht…ertragen“, flüsterte er und seinem Blick spiegelte sich dir pure Verzweiflung. Und das löste etwas in mir aus. Auch, wenn wir zuvor noch gestritten hatten, wurde mir jetzt wieder bewusst, wie tief unsere Gefühle füreinander doch waren.

„Dann darfst du mich wohl wirklich nie mehr aus den Augen lassen…“, wisperte ich.

„Glaub mir, das werde ich nicht…dafür bist du mir viel zu wichtig geworden.“

Immer wenn Kyo derartiges sagte, erreichte das mein innigstes emotionales Zentrum und diese wohlige Wärme breitete sich in mir aus.

„Mit Sota muss ich trotzdem reden…bitte…“, flehte ich ihn an.

„Du hast das Recht deine Entscheidungen selbst zu treffen…wenn du mit den Konsequenzen leben kannst?“

Ging das schon wieder los. Ich verdrehte die Augen.

„Ich verspreche dir, dass nichts passiert. Wenn ich könnte, würde ich mir einen Keuschheitsgürtel umlegen…bitte vertraue mir doch…gib mir zwei Stunden, maximal drei, dann bin ich zurück. Ich geb dir mein Wort…“

Kyo erhob sich und bewegte sich in Richtung seines Arbeitszimmers.

„3 Stunden…“, gab er mit tonloser Stimme von sich und schloss die Tür. Nicht mal ein Kuss oder eine Umarmung. Doch vermutlich tat er das mit Absicht und trotzdem schmerzte es und den Stich im Herzen konnte ich unweigerlich vermeiden. Ich schrieb Sota, dass ich gleich bei ihm vorbeikommen würde. Seine Antwort dauerte keine zwei Sekunden.

 

Mit gemischten Gefühlen betätigte ich den Klingelknopf. Dass ich in diesem Haus gewohnt hatte, schien Jahre her zu sein, obwohl gerade Mal eine Woche verstrichen war. Verrückt. Doch in der Zeit war so viel passiert. Ich stieg die Treppen empor und mein Freund erwartete mich schon und lehnte im Türrahmen. Als wir uns fast gegenüber standen, überfiel er mich mit einer stürmischen Umarmung. Dann ließ er mich los und betrachtete meine Gestalt.

„Wow, gut siehst du aus“, begann er die Unterhaltung und mir entging nicht, dass seine Wangen einen dezenten rosafarbenen Ton annahmen, als er mir das Kompliment machte. Er bot mir einen Tee an. Ich hockte mich auf eines der großen Kissen auf dem Fußboden und zündete mir eine Zigarette an.

„Sota…hör zu…mir geht es bestens, schon so gut wie lange nicht mehr und ich würde gerne, dass es so bleibt“, setzte ich an.

„Wohnst du jetzt bei Kyo?“

Ich nickte.

„Nur ist er sehr gebrandmarkt und ich muss den Kontakt zu dir erst Mal so gering wie möglich halten…“

„Warum das denn?“, fragte mein Freund irritiert und entsetzt zugleich.

„Weil wir Sex hatten…Kyo will einfach nur Gewissheit, dass da nie mehr was läuft.“

„Tut es doch auch nicht…schließlich bist du ja jetzt mit Mister Rockstar zusammen“, gab er etwas mehr übertrieben, als nötig gewesen wäre von sich.

„Ich bin nicht deswegen mit ihm zusammen…ich liebe ihn und er tut mir gut…ich will das nicht versauen.“

„Klar. Du hast diese Band schon immer angehimmelt und ganz besonders diesen kleinen verrückten Sänger…Kazuki, ich komme dagegen ohnehin nicht an, nur lass dir von ihm nicht sagen, was du darfst und was nicht. Das klingt falsch.“

„Das tue ich nicht und ich verspreche dir, dass wir uns wieder öfter sehen, wenn es möglich ist. Nur muss ich ihn davon überzeugen, dass er mir vertrauen kann. Ich hoffe du verstehst das.“

„Irgendwie schon…trotzdem wirst du mir fehlen.“

Ich lachte bitter.

„Was wird dir fehlen? Ich hab dich nicht gerade nett behandelt, zumindest wenn es um Sex ging. Du hast jemanden verdient, der dich würdigt, nicht jemanden, der dich benutzt.“

„Vielleicht gefällt es mir ja“, gab er etwas schüchtern zurück.

„Doch wie du schon richtig erkannt hast, gegen Kyo kommst du nicht an…tut mir leid. Wir sehen uns und pass auf dich auf.“

Mit diesen Worten erhob ich mich, weil ich nicht länger als nötig bleiben wollte. Zwar hätte ich theoretisch noch knapp zwei Stunden, aber ich wollte diese nicht ausreizen.

Wieder umarmte mich Sota. Ich räumte meine Tasse noch in die Spüle und machte mich wieder auf den Weg nach Hause? Zumindest fühlte es sich wie ein zu Hause an. Ich lächelte, zog die Kopfhörer auf und beeilte mich.

 

Kyo schien sich noch immer in seinem Arbeitszimmer verbarrikadiert zu haben. Sollte ich anklopfen? Oder überschritt ich dann eine Grenze? Schließlich konnte ich mir denken, dass er nicht jeden in seine privaten Gemächer ließ. Doch war ich ja nicht jeder oder? Nach einem Moment des Zögerns entschied ich mich schließlich doch zu klopfen. Meine Hand erzeugte dieses dumpfe Geräusch auf der Holztür und ich erhielt keine Antwort. Ich klopfte ein zweites Mal, doch es blieb still. Mich überkam ein mulmiges Gefühl. Denn entweder war Kyo in seinem Arbeitszimmer und wollte mich nicht sehen oder er trieb sich irgendwo herum, betrank sich oder heulte sich bei Shinya aus. Dieses Gefühl brachte mich beinahe um den Verstand, deshalb öffnete ich die Tür und spickelte durch den Spalt. Das Licht brannte, doch der schöne Sänger saß nicht an seinem Schreibtisch. Wo war er dann? Ich schob die Tür ganz auf und da fiel mir auf, dass ich noch nie in Kyos Arbeitszimmer war. Duldete er mich hier überhaupt? Es lief Musik und er lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden. In der rechten Hand brannte eine Zigarette und in der linken hielt er eine Flasche Sake. Er nahm einen Zug, ohne seine Augen zu öffnen und blies den bläulichen Rauch aus.

„Kyo? Ich bin wieder da…“, sagte ich etwas unsicher und endlich schlug er seine Augen auf. Erst jetzt fiel mir auf, dass diese leicht gerötet waren. Hatte er etwa geweint? Und wenn ja, weshalb? Mich überrannte automatisch das schlechte Gewissen, doch warum eigentlich? Schließlich hatte ich mir nichts zu Schulden kommen lassen.

„Na dann…hoffe ihr konntet alles klären…“, lallte er ein bisschen und ich fragte mich, wie viel er schon getrunken hatte? Ich setzte mich neben ihn, griff nach der Flasche und trank selbst etwas davon.

„Ja konnten wir und ich bin zu dir zurückgekommen…“

„Und? Erwartest du jetzt Applaus von mir?“

Ich trank einen weiteren Schluck.

„Nein, aber was zur Hölle soll der Scheiß gerade? Glaubst du wirklich ich habe Sota besucht, weil ich mit ihm vögeln wollte?“

Kyo zuckte mit den Schultern und setzte sich jetzt auch auf.

„Vielleicht? Für ein Quickie oder nen Blowjob hätte es auf jeden Fall gereicht“, fuhr er mich an und riss mir die Flasche aus der Hand, um einen kräftigen Schluck zu nehmen.

„Du kannst echt ätzend sein, wenn du dich vollaufen lässt.“

„Danke, das hör ich nicht zum ersten Mal“, gab er verbittert zurück und zündete sich eine weitere Zigarette an. Irgendwie musste ich diese Situation retten. Versuchen das Ruder herum zu reißen.

„Hör zu…ich hab Sota gesagt, dass wir uns in nächster Zeit nicht mehr sehen werden, weil unsere Beziehung Vorrang hat.“

„Ohhh wie schön…und bestimmt hat er dir sein vollstes Verständnis ausgesprochen, während er dich mit seinen Blicken ausgezogen hat und dich in seinen Gedanken flach gelegt hat…ein Wunder, dass er nicht versuchte dich zu küssen…mhh wer weiß, am Ende stehst du noch drauf…“

Kyos Worte trafen mich sehr und ich musste mich zurückhalten, dass ich nicht gleichermaßen zurückschoss und die Situation vollends ausartete. Wie konnte er sowas auch nur ansatzweise denken?

„Nur weil du schlechte Erfahrungen gemacht hast, bedeutet das nicht, dass jeder ein Arschloch ist…und ich dachte du kennst mich besser…“

„Genau deshalb Kazu…denn nur die Menschen, die man gut kennt, sind imstande einen zu verletzen…und sind wir dahingehend nicht alle gleich? Als würdest du es nicht genießen von zwei Männern angehimmelt zu werden…“

Ich wusste, dass das der falscheste Weg war, den ich hätte wählen können, doch in meiner Verzweiflung sah ich keine andere Möglichkeit und verpasste Kyo eine saftige Ohrfeige. Er stockte und funkelte mich wütender an, als jemals zuvor. Doch bevor er weiterreden konnte, eroberte ich mir die Flasche Sake wieder zurück, trank einen großen Schluck und stellte sie zwischen uns.

„Und jetzt hörst du mir gefälligst zu! Ich habe nur mit Sota gevögelt, weil ich nun Mal auch meine Bedürfnisse habe. Aber ich bin nicht der Typ, der jede Nacht nen anderen Kerl abschleppt…ich muss jemanden erst kennen und er war damit einverstanden. Allerdings gab es zwei Regeln…Sota durfte mich nicht küssen und nur ich durfte ihn ficken, nicht umgedreht. Das was ich mit ihm hatte war nur Sex. Nur körperliche Befriedigung ohne jegliche Nähe. Ohne Liebe. Ich wollte keinen anderen Typen küssen, weil das zu viel Gefühl gewesen wäre. Ich wollte nicht angefasst werden, weil das bedeutete, ich könnte mich verlieren. Ich wollte nicht von anderen Typen gevögelt werden, weil das den Schmerz wieder hätte aufleben lassen. Ja ich hatte Sex mit Sota, daran kann ich nichts mehr ändern Kyo, doch trotzdem hab ich mich jedes Jahr an meinem Geburtstag blutig geritzt…hab mich verkrochen und von der Welt abgeschottet. Er konnte meine Wunden nicht heilen, weil er nur ein Freund ist, im Gegensatz zu dir….dich liebe ich. Also hör endlich auf mit der Scheiße!“, beendete ich meinen Monolog und hoffte die Situation noch retten zu können.

Plötzlich zogen sich seine Grübchen nach oben und er lächelte. Doch es blieb nicht dabei, es ging in ein amüsiertes Gelächter über und endete in einem Lachanfall. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und verstand die Welt nicht mehr.

„Hast du mir jetzt ernsthaft eine geknallt?“, fragte er schließlich, als er sich wieder ein bisschen beruhigt hatte. Ich zog die Augenbrauen hoch.

„Hast du mir eigentlich gerade zugehört?“, richtete ich meine Gegenfrage an ihn.

„Ja hab ich, aber du hast mir gerade wirklich eine Ohrfeige verpasst Kazuki.“

„Auch nur, um dich von deinem beschissenen Egotrip runter zu holen. Du verlangst von mir, dass ich mich akzeptieren soll…doch tust du das auch oder erzählst du das nur allen, damit sie beruhigt sind? Glaub mir, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut…wenn die Rasierklinge oder was auch immer durch dein Fleisch schneidet und du den bittersüßen Schmerz spürst…der dich dennoch befriedigt…manchmal hilft Alkohol aber nicht immer. Und sei ehrlich, hättest du auch durchgehalten, wenn ich erst nach zwei oder drei Stunden wiedergekommen wäre?“

Auf einmal bröckelte seine Fassade und der Schmerz in seinen Augen erschlug mich beinahe.

„Ich weiß es nicht“, wisperte er und biss sich heftig auf die Unterlippe.

„Ich sag es noch einmal…Sota ist nur ein Freund, mehr nicht. Kyo bitte…wir haben beide ne echt beschissene Vergangenheit…sind gezeichnet von Situationen oder Menschen, die uns immer prägen werden, aber zusammen schaffen wir das.“

Dann brach mein schöner Sänger vollends zusammen. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und schluchzte.

„Wie kannst du mich nur lieben Kazu?“, murmelte er mehr zu sich als zu mir.

„Aus den eben genannten Gründen…es macht mir nichts aus dich zu küssen oder von dir berührt zu werden. In deiner Gegenwart kann ich mich fallen lassen, weil du mir Halt gibst. Du bist der Anker, auf den ich immer so sehr gehofft hatte und der versucht mich in all meiner Verzweiflung aus den Fluten zu ziehen. Brauchst du noch mehr Gründe?“, hauchte ich ihm zu und endlich konnte er mich wieder anschauen. Ich wischte seine Tränen weg, schnappte mir die Flasche Sake und zog Kyo hoch. Dieser taumelte in meine Arme doch ich hielt ihn fest.

„Scheint so, also musst du auch auf mich aufpassen.“

„Ist das nicht Sinn und Zweck einer Beziehung? Egal was passiert, ich gehe mit dir überall hin“, sagte ich und küsste meinen schönen Sänger, um diesen dummen Streit und die schmerzhaften Worte zu vergessen. Er erwiderte meinen Kuss und wild knutschend schwankten wir zum Sofa. Rissen uns auf halben Weg die Klamotten vom Leib und verteilten eine wunderschöne Spur vom Arbeitszimmer bis ins Wohnzimmer. Die Lehne, die plötzlich gegen meinen Rücken prallte, stoppte mich und ich fiel auf das Sofa, riss Kyo sogleich mit mir, ohne mich auch nur eine Sekunde von seinen Lippen zu trennen. Ich musste ihm nicht sagen, was er zu tun hatte, denn unsere Körper harmonierten mittlerweile so gut miteinander, dass wir fühlten, was der jeweils andere gerade brauchte. Er nahm mich, als gäbe es kein Morgen mehr und als wir unsere Höhepunkte kurz nacheinander erreichten, sanken wir glücklich nebeneinander in die Wand aus Kissen. Ich zog die Decke über unsere verschwitzten Körper und kuschelte mich an meinen schönen Sänger. Dieser beugte sich gerade über die Lehne und suchte seine Zigaretten in der Hose auf dem Boden. Ich konnte nicht anders und haute zaghaft auf seinen zuckersüßen Arsch, den er mir gerade so lasziv entgegenstreckte. Schließlich hatte er gefunden, was er wollte.

„Hörst du wohl auf mich zu schlagen?“, fuhr er mich mit einer Mischung aus Belustigung und Entsetzen an.

„Die Ohrfeige tut mir echt leid…das eben nicht. Gewöhn dich dran Schatz…“, amüsierte ich mich.

„Das wird dir noch leid tun“, entgegnete er und zündete sich eine Zigarette an. Ich klaute sie ihm und er schüttelte nur mit dem Kopf, ohne etwas zu sagen. Scheinbar gewöhnte er sich an meine Frechheiten. Auch spürte ich den Alkohol jetzt, denn alles schwankte und drehte sich ein bisschen.

„Kyo?“

Der Dir en Grey Sänger schaute mich fragend an.

„Was denn?“

„Ist jetzt wieder alles gut zwischen uns?“

Er seufzte, doch da war es wieder, mein Lieblingslächeln, bei dem sich Kyos Grübchen zeigten.

„Das will ich doch schwer hoffen…danke für deine Offenheit Kazu…ich denke dadurch kann ich mit diversen Situationen besser umgehen…dennoch wird unsere Beziehung wohl immer eine Achterbahn der Gefühle sein…aber warum konntest du ausgerechnet mich an dich ranlassen?“

Ich zuckte etwas unbeholfen mit den Schultern.

„Weil ich irgendwie gemerkt hab, dass du anders bist. Hinter deinem unnahbaren Schutzwall befindet sich dieser wundervolle Mensch, der du in Wirklichkeit bist…naja und außerdem…nee, das ist echt peinlich…“

Kyo zog die Stirn in Falten.

„Was? Jetzt will ich es wissen.“

„Ich war früher ein verzweifelter Kerl und hab mir dauernd Videos von euch angeschaut und mir gesagt, dass ich gern nen Mann wie dich hätte…nicht unbedingt dich, aber eben so ähnlich…du faszinierst mich einfach und durch deine Musik spürt man schon, dass du anders bist. Vielleicht schwerer zu knacken, aber doch liebenswert.“

„Du bist süß…und dafür liebe ich dich so sehr Kazuki.“

„Selber süß…und wage es nicht zu widersprechen. Wolltest du nicht nich noch was mit den Jungs unternehmen?“

„Mhh…allerdings bin ich schon echt betrunken. Ich könnte sie fragen, ob sie herkommen wollen, allerdings setzt das voraus, dass wir uns anziehen müssen.“

Ich grinste.

„Ich glaube ich mag dich für den Rest des Abends für mich allein haben.“

„Gott sei Dank. Das wäre sonst auch echt anstrengend geworden.“

Was für ein Abend. Noch immer war ich ein bisschen durcheinander und mir blieben Kyos Worte im Kopf, dass unsere Beziehung immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle sein würde, doch ich war mir nicht sicher, ob ich öfter einen solchen Streit mit meinem Liebsten ausfechten wollte wie heute. Das hatte uns beiden ganz schön zugesetzt, doch vielleicht fanden wir ja auch einen anderen Weg. Ziemlich erschöpft lehnte ich mich an Kyos Schulter und schlief recht schnell ein.

Zwei Freaks

„Hast du schon Mal Sushi selbst gemacht?“, fragte mich Shinya, der irgendwie Dauergast bei uns zu sein schien. Doch ich mochte den schlanken blonden Japaner mit seinen femininen Zügen und jeh öfter er uns besuchte, desto besser lernte ich ihn kennen, was mir in Anbetracht dessen, dass sich der Drummer und Kyo sehr nahe standen, verdammt wichtig war. Ich schüttelte mit dem Kopf und lächelte ein bisschen verlegen.

„Was erwartest du denn von unserem einsamen Junggesellen Shin“, mischte sich Kyo in unser Gespräch über die Wahl des Weihnachtsmenüs ein.

Mit zusammengekniffenen Augen funkelte ich ihn versucht böse an. Selbst in seinem schwarz glänzenden Trainingsanzug sah er zum Anbeißen aus. Schnell schüttelte ich diese schon wieder viel zu obszönen Gedanken ab.

„Na und? Ich bin auf dem Weg der Besserung“, entgegnete ich. Er strich mir zaghaft über die Wange und hauchte mir ein Kuss auf die Stirn.

„Ich hab noch ein paar Dinge zu erledigen. Könnt ihr zwei einkaufen gehen? Ich schreib auf, was wir alles brauchen“, bat uns der Drummer.

„Du schickst mich ernsthaft aus meiner eigenen Wohnung? Nur damit ich mich in den weihnachtlichen Wahnsinn stürze?“, murrte Kyo sichtlich genervt und nicht einverstanden. Doch Shinya zuckte mit den Schultern.

„Dann gibt es dieses Jahr eben keinen Christmas Cake. Wir können auch gern tauschen, du kümmerst dich ums Essen und ich geh einkaufen.“

Der Diru Sänger rollte mit den Augen und schien einzusehen, dass das in einer Endlosdiskussion ausufern würde wenn er nicht nachgab. Kyo nickte. Sein Gammeloutfit ließ er an, setzte eine Cappie auf und zog die Kapuze seines Hoddies darüber. Ich prustete los und erntete einen beleidigten Blick seinerseits.

„In dem Outfit könntest du glatt als Gangster Rapper auftreten. Vielleicht solltest du mal was Neues probieren. Fehlen nur noch die goldenen Klunker.“

„Und selbst dann würdest du mich noch anschmachten“, konterte er und lieferte somit das tot-schlag-Argument, denn damit hatte er verdammt Recht. Ich seufzte und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass mir seine Worte wieder Mal die Sprache verschlagen hatten.

Der Dir en Grey Sänger schlüpfte in seine Sneakers und die Winterjacke. Ich war mal so frei und lieh mir Kyos schwarzen Wintermantel, damit wenigstens einer von uns beiden elegant aussah. Doch insgeheim mochte ich den nahezu fast schon normalen Kyo. Das zeigte mir immer wieder, dass er eben nicht nur das Image des berühmten Rockstars raushängen ließ, sondern hinter dieser Fassade ein wundervoller Mensch verbarg. Da es ein wunderschöner sonniger Dezembernachmittag war, schnappte sich mein Liebster im Gehen noch seine Sonnenbrille oder eine der Sonnenbrillen auf dem Regal, denn davon hatte er mindestens hundert und setzte sie auf. Man könnte fast meinen, dass er sich ein bisschen tarnen wollte. Doch diesen Gedanken sprach ich nicht laut aus.

Trotz Sonne wehte draußen ein eiskalter Wind und ich zog den Mantel enger um mich. Zögerlich ergriff ich Kyos Hand und er ließ es zu, nachdem er mir ein schon fast schüchternes Lächeln zugeworfen hatte. Mein Herz schlug schneller und diese kleinen Gesten ließen mein Herz vor Verliebtheit aufblühen. Für manch andere erscheint so etwas normal zu sein, doch Kyo war alles andere als normal. Dieser besondere Mann ließ mich an seinem Leben Teil haben und das ehrte mich zutiefst und ich sah es nicht als selbstverständlich an.
 

Im Shoppingcenter war die Hölle los, vermutlich hatte uns Shinya deshalb losgeschickt, weil er selbst wenig Lust gehabt hatte sich in diese tollwütige Meute von Menschen zu stürzen. Ich knöpfte den Mantel auf, da mein inneres Thermometer augenblicklich rapide anstieg. Genervt drängten wir uns durch die Menschen, die sich schon fast in Zeitlupe bewegten oder einfach stehen blieben. Hab ich schon Mal erwähnt, dass ich Menschen hasse? Also nicht alle, aber eben solche, die nicht auf ihre Umgebung achteten und einfach vor sich hin träumen. Oder eben diese, die einen umrennen, weil ihre Augen schon fast am Display ihres Handys klebten. Kyos Griff wurde fester.

Plötzlich wurde meine andere freie Hand ergriffen und ich wurde zurückgezogen. Mein schöner Sänger sah mich verwundert an, doch ich zuckte nur mit den Schultern.

„Ka-zuki?“, erklang eine mädchenhafte Stimme an mein Ohr und ich wendete mich langsam um. Ihre langen schwarzen Haare hatte sie in zwei Zöpfe geflochten, die über ihre Schultern hingen. Sie sah ihren beiden Schwestern verdammt ähnlich und prompt war dieses miese erdrückende Gefühl, welches ich in den letzten Tagen so erfolgreich bekämpft hatte wieder da. Langsam spielte ich wirklich mit dem Gedanken meine Familie zu verfluchen.

„Yuna…“, seufzte ich. Kyo befand sich an meiner Seite und seine Hand ruhte auf meiner Schulter.

„Oh mein Gott, du bist es wirklich…ich bin ja so froh dich zu sehen…“

„Kyo, das ist meine kleine…Schwester…“, gab ich etwas verunsichert von mir, denn schmerzhafter Weise musste ich an die letzte Begegnung mit Mei denken, die sichtlich mehr als empört war, als ich sie Schwester nannte. Ich schluckte diesen bitteren Geschmack runter. Yuna streckte meinem Liebsten die Hand entgegen und lächelte freundlich.

„Soll ich kurz allein einkaufen gehen und dich dann wieder hier einsammeln?“, fragte er mich und ich sah ihn verzweifelt an.

„Ich bin nicht sicher.“

„Hör dir an, was sie zu sagen hat und wenn was sein sollte, ich bin nicht weit…bis gleich…“, gab er zurück und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. Wow und das in aller Öffentlichkeit. Mein Herz machte einen Hüpfer. Ich schleifte meine Schwester mit ins nächste Café.

„Was willst du von mir“, fuhr ich sie recht forsch an.

„Ich wollte dich sehen.“

„Schön, das hast du. Kann ich jetzt gehen?“

Zögerlich ergriff sie erneut meine Hand über den Tisch hinweg. Die Bedienung brachte uns Tee. Ich entzog mich ihr und sie warf mir einen traurigen Blick zu.

„Kazuki, es tut mir leid…so unendlich leid…ich habe Mama und Mei reden hören…über dich. Dass sie dich hier getroffen haben. Seit dem komm ich fast jeden Tag her und hoffe, dass du da bist.“

Das erstaunte mich dann doch etwas. Tat es ihr etwa ernsthaft leid?

„Und jetzt? Meinst du damit ist das alles vergessen? Warst du es nicht, die sich als erstes gegen mich verschworen hat, als ich mich vor euch geoutet habe? Das sitzt tief Yuni…sehr tief…“

Sie seufzte erneut.

„Und doch nennst du mich Yuni? Ich war so dumm, so unglaublich dumm und ich möchte es am liebsten ungeschehen machen. Aber das kann ich nicht…doch eines weiß ich…du fehlst mir großer Bruder…“

Ich sog die Luft scharf ein, weil ich ihr so gern glauben würde, doch konnte ich es nicht. Zu verletzt war mein Stolz. Zu tief die Wunden, die sie mir zugefügt hatte.

„Es ist zu spät…ich kann und will nicht mehr zurück.“

„Du warst schon immer ein schlechter Lügner…du kannst nicht zurück, aber ich kann vielleicht ein paar Schritte nach vorn. Bitte Kazuki. Hat nicht jeder eine zweite Chance verdient?“

„Keine Ahnung…vielleicht…wenn dir es wirklich so ernst ist kleine Schwester, komm in zwei Tagen zu dieser Adresse“, sagte ich und kritzelte Takashis Anschrift auf eine Serviette und schob sie ihr rüber.

„Das ist Weihnachten…“, stellte Yuna etwas überrascht fest. Ich nickte.

„Richtig erkannt…falls du es ernst meinen solltest und ich dir wirklich so wichtig bin, komm da hin. Dann überleg ich es mir.“

Erschrocken fuhr ich zusammen, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Kyo hatte tatsächlich alles bekommen. Seine Sonnenbrille hing an seiner Jacke.

„Braucht ihr noch Zeit?“, fragte er mich, doch ich schüttelte entschieden den Kopf und erhob mich reflexartig.

„Nein…Yuna, wie gesagt…es liegt an dir…“

Der Heimweg verlief relativ schweigsam. Wir nahmen einen kleinen Umweg durch den Park, der voller Lichter und kitschiger Weihnachtsdekoration an ein harmonisches unbeschwertes Fest der Liebe erinnerte. Nur leider war das nur der trügerische Schein, um die Menschen in dieser Zeit von ihren wirklichen Problemen abzulenken.

„Süßer…egal, was dir deine Schwester erzählt hat, du solltest das ernst nehmen. Vielleicht ist es eine zweite Chance?“

Ich konnte seine Augen hinter der dunklen Sonnenbrille nur erahnen.

„Und was ist, wenn sie mich wieder enttäuscht, wie schon so oft davor?“

„Dann werde ich da sein.“

„Und was ist, wenn ich das nicht packe? Wenn ich eine weiteren Rückschlag nicht ertrage Kyo? Was willst du dann tun?“

Ein Hauch von Enttäuschung lag in seinem Blick.

„Glaubst du etwa nicht an uns? Oder befürchtest du, ich bin nicht stark genug.“

In seinen letzten Worten schwang dieser verbitterte Unterton mit und schon bereute ich das, was ich gesagt hatte.

„Nein, so war das nicht gemeint…ich habe nur Angst, dass all das, was ich mir in den letzten Wochen aufgebaut habe, wieder genommen wird. Ich zweifle nicht an dir, sondern an mir, weil ich weitaus nicht so stark bin, wie immer tue.“

Mein schöner Sänger nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich. In dem Moment, wo sich unsere Lippen berührten blieb die Welt um uns herum stehen und ich wusste, dass es nicht wichtig war, ob ich stark genug sein würde. Kyo würde da sein und mich auffangen, egal wie schlecht es mir ging und egal wie tief ich fiel.

„Mami, guck mal, die beiden Männer küssen sich. Dürfen die das?“

Ich grinste in den Kuss hinein und merkte auch, wie sich die Mundwinkel meines hübschen Sänger nach oben zogen.

„Komm weiter Kenji. Das ist nichts, was du sehen solltest“, wies die empörte Dame ihr Kind an.

„Es gibt eindeutig noch zu viele intolerante Leute hier“, beschwerte sich Kyo und verflocht seine Hand mit seiner eigenen. Er ließ sich auf einer Bank einer sogenannten Smoking Area nieder und steckte sich eine Zigarette zwischen seine Lippen. Die Sonne hatte sich mittlerweile verflüchtigt und Kyo packte die Sonnenbrille weg.

„Die wirst du wohl immer haben. Bekomm ich nen Zug?“

Mein hübscher Sänger funkelte mich an und reichte mir den Glimmstängel. Plötzlich vernahmen wir in unserer unmittelbaren Nähe aufgeregtes Geschnatter. Kyo warf mir einen verzweifelten Blick zu. Was hatte er denn auf einmal? Er deutete nur mit Kopf hinter mich, doch als ich mich umdrehen wollte, schüttelte er heftig mit dem Kopf. Er tippte eine kurze Message auf seinem Handy und wenige Sekunden später vibrierte mein eigenes Telefon. Ich glaub die haben mich erkannt. Stand da nur geschrieben. Doch bevor im Begriff war zu Handeln, stand die Traube von Mädchen auch schon neben uns.

„Bist du nicht Kyo von Dir en Grey?“, fragte eine Blondine im Lolitaoutfit. Er nickte nur ein wenig abwesend.

„Oh mein Gott, ich hab‘s dir doch gleich gesagt. Können wir ein Autogramm haben?“

Die aufgeregte aufgescheuchte Mädchenclique sprang euphorisch umher und eine klatschte vor Freude in die Hände. Sie reichten Kyo fünf Flyer mit seiner Band darauf und er setzte seine Unterschrift darauf.

„Vielen Dank Kyo-Sama. Dürfen wir auch ein Bild machen?“

„Nein, keine Bilder Sorry. Habt noch einen schönen Tag.“

Damit sprang er auf und bewegte sich im Eiltempo vorwärts, dass ich Schwierigkeiten hatte mit ihm Schritt zu halten. Er verlangsamte sein Tempo erst, als seine Wohnung in Sichtweite war.

„Wie ich das hasse. Ich mag meine Fans keine Frage, aber diese süßen aufgedrehten Lolitamädels. Das geht echt gar nicht.“

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben und ein bisschen zu gereizt überreichte Kyo seinem Drummer die Einkäufe. Dann verschwand er in seinem Arbeitszimmer. Shinya warf mir einen fragenden Blick zu und jetzt musste ich lachen.

„Kyo wurde von einer Meute Lolitamädels überfallen, die ein Autogramm von ihm haben wollten.“

„Oh, verstehe. Hilfst du mir beim Kuchen?“

„Klar.“
 

Am Morgen des 24. Dezembers erwachte ich relativ früh, doch was riss mich so zeitig aus dem Schlaf? Ich wälzte mich noch ein bisschen im Bett umher und dann merkte ich, dass etwas fehlte. Oder bessergesagt jemand. Kyo schien schon auf zu sein, doch mir war nicht nach aufstehen. Zu weich und bequem war es hier im Bett. Außerdem hatten wir heute nicht sonderlich viel geplant. Erst heute Abend würden wir uns alle bei Takashi treffen, weil ich ein Konzert gab. Doch bis dahin hatte ich noch alle Zeit der Welt und so kuschelte ich mich wieder in die weichen Kissen und schloss die Augen. Nein, ich wollte noch nicht aufstehen.

Ich schreckte auf, als ich etwas Kaltes an meinem Rücken spürte und saß völlig schockiert im Bett.

„Na du Schlafmütze. Zeit zum Aufstehen“, flüsterte mir Kyo über die Schulter zu und die Matratze hob sich wieder ein bisschen, als er aufstand. Ich drehte mich um und beäugte meinen schönen Sänger. Er schien sich schon herausgeputzt zu haben und dieser Anblick haute mich echt von den Socken. Auf der grauen figurbetonten Hose, die verboten tief auf seinen Hüften saß, trug er ein schwarzes Hemd, welches legere in der Hose steckte. Sein Gürtel fiel heut etwas dezenter aus und vermutlich war es Kyos Gürtelschnalle gewesen, deren Metall ich am Rücken gespürt hatte.

„Wow, du siehst bezaubernd aus“, schmeichelte ich ihm, während ich mich aus dem Bett bequemte und meine Arme um ihn legte. Ein liebevolles Lächeln umspielte seine Lippen. Ich knöpfte die ersten drei Knöpfe seines Hemdes auf und betrachtete meinen schönen Mann zufrieden. Kyo schüttelte nur amüsiert den Kopf und zog mich noch einmal zu sich heran, um mich zu küssen.

„Und du solltest besser duschen gehen und dich anziehen. Die Jungs kommen jeden Augenblick.“

Provokant versperrte ich ihm jedoch den Weg, denn schon wieder tat er so, als würde ihn meine Nacktheit völlig kalt lassen.

„Nur wenn du mir sagst, wie heiß du mich findest“, ärgerte ich ihn und er verdrehte die Augen.

„Sicher nicht. Ich hab meine Hormone eben unter Kontrolle und jetzt ab mit dir ins Bad“, entgegnete er und streifte mich absichtlich mit der Hand. Nur soviel wie nötig war. Warum nur gehorchte mir mein Körper nicht mehr, sobald er von Kyo berührt wurde? Ich seufzte und stellte den Regler der Dusche kurz auf kalt, um mich wieder ein bisschen runter zu fahren.

Auch ich wollte heute unwiderstehlich für meinen schönen Sänger sein und entschloss mich eine seiner Hosen anzuziehen, da die Auswahl in seiner Hälfte des Kleiderschrankes weitaus mehr hergab als meine paar Klamotten. Schließlich entschied ich mich für eine schwarze, enganliegende aus matt schimmerndem satinartigem Stoff. Ich fädelte meinen schwarzen Ledergürtel durch die Laschen und suchte mein ärmelloses Shirt und das schwarz- grau karierte Hemd heraus, dessen Ärmel ich bis zur Mitte meiner Arme hochkrempelte. Zufrieden mit meinem Outfit stolzierte ich zu Kyo in die Küche. Er war gerade damit beschäftigt das Sushi auf Servierteller zu verteilen, den Glasnudelsalat und den Braten auf den Esstisch zu stellen.

„Mh das duftet köstlich“, lobte ich ihn und er lächelte. Doch dann beäugte er mich leicht kritisch und zog die rechte Augenbraue nach oben, während er den Topflappen zur Seite legte.

„Ist das etwa meine Hose?“

Verdammt!

„Ähm…ja…schlimm?“, fragte ich so undschuldig und zuckersüß wie möglich.

„Eigentlich nicht…steht dir gut“, entgegnete mein schöner Sänger und schob seine Hände in den Hosenbund. Automatisch schlug mein Herz schneller.

„Und nein, unter diesem knallengen Teil trage ich keine Unterhose“, wisperte ich, drückte mich absichtlich enger gegen ihn und küsste sein Tattoo am Hals.

„Du unmöglicher Kerl“, hauchte Kyo schon wieder sichtlich erregt und ich musste grinsen. In dem Moment läutete es an der Tür und schweren Herzens ließ ich von ihm ab.

Die Jungs begrüßten uns wie immer gut gelaunt. Auch Zero war mit von der Partie und das war das erste Mal, dass wir uns nach dem besagten Nachmittag im Proberaum wieder über den Weg liefen. Er war der einzige der Gäste, die Kyo eher zurückhaltend, ja schon fast eingeschüchtert gegenüber traten. Ich sollte meinen liebsten später danach fragen, denn es interessierte mich brennend, warum Zero sich so zierte.

Wir aßen, tranken und scherzten. Shinya und ich halfen dann noch beim Abräumen. Ich fragte den anderen Bassisten, ob er mit eine Rauchen kommen wolle und er willigte ein.

„Sag mal, ist irgendwas zwischen Kyo und dir vorgefallen? Oder mögt ihr euch nur einfach nicht“, fiel ich gleich mit der Tür ins Haus. Zero grinste ein bisschen verlegen.

„Mh, ich hab mich mal aufgeregt, als er Kao nach der Probe so angefahren hat und das hat dem Herrn nicht gepasst…ich frag mich wirklich, wie du es mit ihm aushältst.“

Ich winkte ab und nahm einen tiefen Zug.

„Ach, so schlimm ist er gar nicht und bisher bin ich auch noch nicht mit ihm angeeckt.“

„Naja, immerhin scheint er entspannter, meint Kaoru zumindest.“
 

Wir machten uns dann auf den Weg zur Bar und um ein Haar hätte ich meine Gitarre vergessen.

Auch Sota wusste, dass ich heute spielen würde und er hatte mich gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er käme. Ich hatte seine Frage nicht verneint und hoffte nur, dass mein Liebster heute nicht all zu streitlustig aufgelegt war.

Takashi freute sich riesig mich sehen und ließ die erste Runde springen. Ich schloss mein Instrument an, spielte mich warm und begann. Immer wieder richtete sich mein Blick gen Kyo und auch mein schöner Sänger schien mich zu beobachten, was mich ein bisschen nervös machte. Doch als ich dann mit meiner Gitarre verschmolz, nahm ich auch davon kaum noch Notiz. Ich bekam sogar eine Zugabe und schloss meinen Auftritt mit einem der neueren Lieder. Bevor ich wieder an den Tisch zurückkehrte, drängelte ich mich zur Bar, um etwas zum Trinken zu organisieren. Da sprang mich Sota auf einmal von der Seite und umarmte mich.

„Du warst großartig Kazu.“

Dankend lächelte ich und befreite mich aus seiner Umarmung, denn es war mir nicht besonders Recht, wenn mich Kyo in den Armen meines Freundes erblickte. Plötzlich tippte mir einen weitere Person auf die Schulter. Yuna. Erstaunt musterte ich meine kleine Schwester. Mann, das war ja eine Überraschung nach der anderen.

„Bekommst du keinen Ärger, wenn du dich mit Leuten wie mir herumtreibst?“, fragte ich und Sota warf mir einen fragenden Blick zu, den ich gekonnt ignorierte.

„Naja, sie wissen nicht, wo ich bin. Ich hab nur gesagt, dass ich mit einer Freundin noch auf eine Party gehen möchte.“

Ich nickte nur und wies den beiden an mir zu folgen. Dabei versuchte ich Kyo vorher noch zu erklären, dass Sota auch hier war. Mein liebster funkelte mich wütend an, hielt jedoch den Mund. Deshalb setzte ich mich auf seinen Schoß, neben mir Yuna und dann Sota. Auch zu meinem Auftritt ließ er kein Wort verlauten, was mich ein bisschen kränkte. Kyo schob mich von seinem Schoß, erhob sich und holte noch einen Stuhl vom Nachbartisch. Yuna hatte sich den Jungs selbst vorgestellt und schien sich auch auf Anhieb mit ihnen zu verstehen. Nur nicht mit Kyo, der auf einmal viel zu schweigsam wurde. Ich legte meine Hand auf seinen Oberschenkel, doch er ignorierte mich. Flüsterte Shinya stattdessen etwas zu und traf mich damit wohl eher unbewusst. Yuna rückte näher zu mir und ich wusste noch immer nicht, ob ich das gut oder schlecht fand.

„Sag Mal…das sind doch die Jungs von Dir en Grey?“, flüsterte sie mir aufgeregt zu. Ich nickte nur und zündete mir eine Zigarette an. Verblüfft und erfreut wie ein kleines Fangirl hielt sie sich die Hand vor den Mund und ihre Augen leuchteten.

„Oh mein Gott, das ist ja der Hammer! Woher kennst du die?“

„Hab Kyo hier getroffen und da kam eins zum anderen“, antwortete ich und immer wieder schielte ich zu dem Drummer und meinem Lover, die jetzt schon fast ein bisschen zu hitzig miteinander diskutierten. Ich tippte eine Nachricht auf mein Handy und schob es Kyo zu. Dieser schaute mich noch immer genervt an und schüttelte mit dem Kopf. Ich seufzte und tippte eine weitere Nachricht ein. Schob das Telefon ein zweites Mal in seine Richtung und glücklicherweise wurden seine Gesichtszüge weicher.

„Du weißt warum Kazu“, antwortete er und ich verdrehte die Augen.

„Als ob dich hier jemand kennen würde…sonst bist du doch auch immer so versessen auf deine Besitzansprüche“, fauchte ich ihn an und wollte doch nur seine Nähe, mehr nicht. Ich holte mir einen neuen Drink und beschloss mich zu betrinken, denn meinem tollen Freund schien es ohnehin egal zu sein. Toshiyas Blick traf den meinen über den Tisch hinweg und er winkte mich mit dem Zeigefinger zu sich rüber. Rutschte ein Stück, sodass ich zwischen Die und ihm Platz fand.

„Seid ihr schon wieder am Streiten?“, fragte der Drummer ein bisschen belustigt.

„Ach er hat wieder irgendein Problem und das nervt mich. Weil er auch immer um den heißen Brei redet und nichts ausspricht. Alles muss ich ihm aus der Nase ziehen.“

Toshi legte seinen Arm um meine Schulter.

„Dann nerv ihn ganz penetrant. Das hilft, glaub mir“, riet er und ich schaute zu ihm als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank.

„Klar…und dann hat er genug von mir und schießt mich ab. Ich bin nicht wie ihr…ihr seid seine besten Freunde und könnt euch das erlauben…“

„Oh Kazu…das liegt nicht an uns…er braucht nun Mal jemanden, der ihm Konter gibt, sonst wird es unserem Sängerchen schnell zu langweilig. Also, reize ihn. Zeig ihm, wie viel dir daran liegt zu ihm durchzudringen.“

Ich seufzte und zündete mir eine Zigarette an. Da suchte Kyo plötzlich Trost an Shinyas Schulter und dieser strich dem Sänger liebevoll über den Kopf. Keine Frage ich mochte den Drummer sehr, aber das traf mich dennoch. Warum nur konnte er heute Abend nicht so mit mir umgehen? Ich presste meine Lippen aufeinander und schaute verletzt zu Toshi.

„Und deshalb solltest du dir schon Mal gar keine Gedanken machen. Die beiden brauchen sich eben manchmal. Was glaubst du, wie oft ich schon mit Kao gekuschelt hab, stimmts Die?“

Der Gitarrist nickte nur und lächelte seinen Bassisten ganz verliebt an.

„Wir sind nun Mal eine große Familie Kazu und zu der gehörst du nun auch.“

„Kuscheln ist immer erlaubt und wenn dich Kyo mal wieder aufregt, darfst gern zu uns kommen“, schmeichelte mir der Gitarrist. Die und Toshi umarmten mich und gaben mir jeweils rechts und links ein Küsschen auf die Wange. Meine Mundwinkel zogen sich automatisch zu einem Lächeln nach oben. Die beiden schafften es meine Laune tatsächlich wieder besser werden zu lassen. Wir stießen an und ich kehrte wieder auf meinen Platz zurück. Da sprang mein schöner Sänger plötzlich auf, zog seinen Mantel, hauchte mir einen Kuss auf den Mund und ging. Verdattert schweifte mein Blick zu Shinya.

„Er erklärt es dir später“, antwortete er auf meine unausgesprochene Frage. Ich verdrehte meine Augen und steckte mir eine Zigarette an.

„Klar…wie immer halt.“

Der Drummer rückte in bisschen näher zu mir heran und stützte seinen Arm auf dem Tisch ab.

„Kazu…“

„Warum kann er nicht einfach jetzt mit mir reden? Es geht irgendwie immer nur richtig gut oder richtig beschissen. Dazwischen gibt’s nichts und das macht mich wahnsinnig Shin…“

„Ich würde dir gerne so viel sagen, aber dafür würde mich Tooru köpfen und es steht mir auch nicht zu. Aber ich verspreche dir, dass sich das heute noch klären wird. Das habe ich ihm zumindest nahe gelegt.“

„Und du meinst er hört auf dich?“

Shinya lächelte verhalten.

„Meistens schon.“
 

Da wir eh alle noch im Proberaum weiterfeiern wollten, beschlossen wir unsere Party dort hin zu verlegen. Ich versuchte dieses beschissene Gefühl zu ignorieren. Ich versuchte mir nicht all zu viel darauf einzubilden und doch überkam mich schon wieder die Angst, Kyo könnte mich verlassen. Sota hielt es für angebrachter, wenn er uns alleine gehen ließ. Ich umarmte meinen Freund und folgte dem Rest. Da hielt mich Shinya schließlich zurück.

„Was ist?“

„Lass die anderen schon Mal vorgehen. Wir müssen noch wohin.“

Erst legten wir ein Stück zu Fuß zurück, dann fuhren wir mit der Bahn und schließlich liefen wir wieder. Bis ich begriff, dass mich der Drummer zum Friedhof führte. Dieser wurde kaum beleuchtet und ich bekam eine Gänsehaut, weil mir ein bisschen mulmig zumute wurde. Was um alles in der Welt suchten wir hier? Wir bewegten uns quer Feld ein, bis wir anhielten. Zuerst wollte ich Shinya mit Fragen Löchern, doch dieser zeigte mit dem Kopf in eine bestimmte Richtung und ich folgte seinem Blick. Vor einem der eng aneinander gereihten Grabsteine hockte Kyo.

„Du solltest mit ihm reden…“

Langsam näherte ich mich meinen schönen Sänger, doch dieser schien mich kaum bemerken. Kamimura Ukyō, laß ich auf dem Grabstein. Ich legte meine Hände auf seine Schultern und etwas erschrocken blickte er zu mir auf. Auch Shinya trat hervor.

Kyo tätschelte meine Hand, was mich irgendwie beruhigte.

„Danke Shini…gehst du schon Mal vor?“

„Ja, wir sehen uns später.“

Wir hockten schweigend nebeneinander und so langsam kroch mir die Kälte in die Glieder. Kyo schwieg noch immer und ich wusste nicht so Recht, was ich hier eigentlich verloren hatte. Deshalb fragte ich ihn. Doch wie immer, bekam ich keine Antwort.

„Kyo…verrätst du mir, wessen Grab das ist?“, fragte ich erneut. Ich hörte ihn tief seufzen und mich überkam der Drang nach einer Zigarette. Doch hielt ich mich zurück. Schließlich wollte ich die Ruhe der Toten nicht stören.

„Das…das…kann ich nicht…“

„Warum nicht?“

„Ich fürchte ich bin noch nicht bereit dazu.“

„Dein Ernst?“, fuhr ich ihn unangemessener Weise an.

„Ja…lass uns zu den anderen gehen“

„Nein!“, zischte ich und trotz der Dunkelheit spürte ich Kyos feindseligen Blick. Außerdem ging sein Atem unregelmäßig.

„Kazu…bitte komm.“

„Ich geh erst, wenn du mir sagst, warum du dich mitten in der Nacht auf dem Friedhof herumtreibst!“

„Es gibt Dinge, die sollte man ruhen lassen“

„Oh ja, im wahrsten Sinne des Wortes…vergiss es Kyo. Du willst, dass ich dir vertraue? Dann sei verdammt noch Mal ehrlich zu mir!“

Mein schöner Sänger ergriff meine Hand und zog mich mit sich, doch ich riss mich los und funkelte ihn nun auch wütend an.

„Ich dachte gerade du würdest das verstehen…“, wisperte er und fasste wieder nach meiner Hand. Ich ließ es geschehen, doch dieser schwere Klotz im Magen schien nun unerträglich.

Der Weg zum Proberaum verlief schweigend und ich hasste ihn gerade. Warum hielt er mich so hin? Warum redete er nicht mit mir? Hatte er überhaupt gewollt, dass ich ihm zu diesem ominösen Grab folge? Ich entzog ihm meine Hand wieder und zündete mir endlich eine Zigarette an. Inhalierte den Rauch tief ein.

„Ach und warum soll ausgerechnet ich das verstehen? Weißt du Kyo, wenn du nicht so ein verficktes Geheimnis um all das machen würdest, könnte ich dich vielleicht verstehen. Aber du redest ja nie! Immer muss ich mir meine Teil denken und dann bist wieder sauer, nur weil ich mit meinem Freund rede!“

Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schien wahrhaftig mit seiner Selbstbeherrschung zu kämpfen.

„Weil wir von denselben Dämonen heimgesucht werden…wir werden von Verlustängsten getrieben und hoffen, dass wir in unseren nächsten Beziehungen nicht scheitern, weil uns das wieder zurück an den Rand des Wahnsinns treiben würde. Deshalb bist du doch mit mir zusammen oder? Weil du dir erhoffst, dass ich dir da heraushelfen kann…doch die Wahrheit ist, dass ich genauso kaputt bin Kazuki.“

Kyos Worte machten mich verdammt wütend.

„Warum bist du dann überhaupt mit mir zusammen? Denn scheinbar erinnere ich dich ohnehin nur an deine grausame Vergangenheit. Warum ich Kyo? Ich meine, die Typen oder auch Mädels, die auf dich stehen findest du sicher wie Sand am Meer. Sie liegen dir zu Füßen. Was zur Hölle willst du dann mit so nem Freak wie mir?“

Noch immer funkelten mich seine Augen an.

„Weil zwei Freaks vielleicht besser miteinander klarkommen als einer allein.“

„Aber du könntest jeden haben Kyo…und sicher würdest du ziemlich schnell jemanden finden, der deinen Ansprüchen gerecht wird…vielleicht war er einer von diesen Menschen“ entfuhr es mir und ich zeigte in Richtung Friedhof. Jetzt hatte ich ihn. Fast schien er vor Zorn zu kochen und die blinde Wut schien Besitz von ihm zu ergreifen. Dann schloss er seine Augen und wendete sich von mir ab.

„Wir sollten zu den anderen gehen“, gab er zurück und setzte sich in Bewegung.

„Ist das dein scheiß Ernst? Schön!“

Mindestens genauso aufgebracht folgte ich ihm zum Proberaum. Wenigstens war dort gute Stimmung, denn zwischen Kyo und mir herrschte Eiszeit. Ich wollte dringend betrunkener werden und eventuell so viel wie möglich vergessen. Während der schöne Sänger den Kontakt zu mir mied und schon nach drinnen zu den anderen ging, blieb ich draußen und rauchte noch eine Zigarette. Mir war nicht Mal nach Heulen zumute. Ich wünschte mir einfach nur, dass mich Kyo verstand. Warum konnte er sich mir nicht öffnen? Konnte das, was ihm wiederfahren war, so schlimm sein, dass es nahezu den Rest seines Lebens bestimmte?

„Na, treibt dich Tooru schon in den Wahnsinn?“, erklang plötzlich eine Stimme neben mir und ich blickte auf in die braunen Augen von Kaoru. Etwas verlegen versuchte ich zu lächeln und zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahung…warum muss er so anstrengend sein? Warum kann er manche Dinge nicht einfach hinnehmen?“

„Kompliziert sein ist eine seiner Lieblingseigenschaften und so ungern ich dir das auch sage…entweder du kommst damit klar oder eben nicht. Weißt du, ich bin zu den Jungs gestoßen, als sie sich alle schon echt lange kannten und musste mich dann irgendwie beweisen. Mit allen habe ich mich irgendwann super verstanden und ich habe sie lieben gelernt…nur Tooru war ein Sonderfall. Seine Eskapaden auf der Bühne machten mich fertig und auch sonst schien er mit keinem zu reden außer mit Shini…das war schon immer so. Bis er irgendwann beschloss mich zu akzeptieren. Kazuki glaub mir, ich weiß es kann verdammt hart sein ihn zu lieben, aber wenn er dir irgendwann beginnt zu vertrauen, kann es wunderschön sein.“

Ich nickte nur und drückte die Zigarette aus.

„Ich habe Angst ihn zu enttäuschen oder ihm nicht mehr genug bieten zu können.“

Der Gitarrist legte freundschaftlich seinen Arm um meine Schulter.

„Mach dich nicht kleiner als du bist und er liebt dich, sonst würde er nicht so reagieren. Rede mit ihm…“

Ich seufzte und nickte nur. Drinnen würdigte mich mein schöner Sänger keines Blickes, das tat verdammt weh, doch ich beschloss mich nicht beirren zu lassen, zog mich mit meiner Gitarre ein bisschen zurück und klimperte zuerst wahllos auf dem Instrument herum, dann entstand eine Melodie. Eine Melodie die mir fast so leicht von den Fingern ging wie meine eigenen Songs. Ain't afraid to die war eines meiner absoluten Lieblingslieder von Dir en Grey. Meine Schwester gesellte sich zu mir.

„Du spielst wundervoll…“, unterbrach mich meine Schwester.

„Danke.“

„Wie steht es jetzt eigentlich um uns?“

Ich zuckte mit den Schultern und zündete mir eine Zigarette an.

„Ich bin nicht sicher. Einerseits hast du mich echt überrascht, aber das andere kann ich nicht einfach so ausblenden.“

„Ja das ist mir bewusst, aber kannst du uns nicht wenigstens eine Chance geben? Bitte.“

Ich schaute meine Schwester lange mit forschendem Blick an. Versuchte etwas in ihren Augen zu finden, was mich zweifeln lassen könnte. Doch da war nichts.

„Yuni…ich würde mir nichts mehr wünschen, doch vergib mir meine Vorsicht.“

„Natürlich…aber ich mag dich wirklich Kazu. Das hab ich glaub schon immer…nur hat es mich früher immer genervt, dass dir alles so leicht von der Hand ging. Alles, was du getan hast, schien andere zu beeindrucken…doch das war kein Grund dich so mies zu behandeln. Ich hoffe du kannst mir irgendwann vergeben.“

„Wir werden sehen.“

Ich spielte erneut denselben Song und sang den Text dazu. Da umarmte mich auf einmal jemand von hinten und seine Stimme erklang dicht an meinem Ohr, als auch er seinen Text mitsang. Deshalb verstummte ich und spielte nur Gitarre, denn diesen wunderschönen Gesang konnte und wollte ich nicht toppen. Ich bekam eine Gänsehaut und war fast zu Tränen gerührt.

„Mit ein bisschen mehr Übung beherrscht du den Song perfekt“, ärgerte mich Kyo.

Ich legte mein Instrument zur Seite und zog ihn vor mich.

„Kannst du mich nicht einmal beim ersten Mal loben?“, murrte ich und ein süffisantes Grinsen umspielte seine Lippen, auf die er seinen Zeigefinger legte und so tat als würde er nachdenken.

„Ähm nein…vor allem nicht, wenn du meine Songs spielst.“

Ich zog einen Schmollmund.

„Kann schließlich nicht jeder son Perfektionist sein wie du.“

Kyo legte seine Arme um mich und so verweilten wir eine ganze Zeit. Mich lullte sein typischer Kyo Geruch ein und ich mochte es, wenn er kein Parfum auftrug. Seine Finger streiften meine Wange und in seinem Lächeln lag dieser verliebte Ausdruck, den er nur mir gegenüber zeigte, wenn die anderen gerade nicht hinschauten. Die Sanftheit in seinen Augen ließ mein Herz schmelzen und ich verliebte mich glatt noch Mal in diesen wundervollen Mann.

„Oh mein hübscher Schatz…es tut mir leid, dass ich vorhin so unfair war, aber…es fällt mir wirklich nicht leicht darüber zu sprechen.“

„Und warum fällt es dir so schwer?“

Kyo seufzte und streifte sich durch seine kurzen Stoppeln.

„Weil du dann Dinge über mich erfährst…die dich wohlmöglich abschrecken…davor hab ich Angst. Ich will nicht, dass du schlecht von mir denkst.“

Ich zog ihn in einen sanften Kuss.

„Niemals könnte ich schlecht von dir denken, egal was du mir erzählst…ich liebe dich, mehr als alles andere auf dieser beschissenen Welt Kyo…“

Mein hübscher Sänger ließ sich im Schneidersitz vor der Heizung nieder um klopfte mit der Hand auf seinen Beine und ich folgte seinem Ruf.

„Kami war meine erste große Liebe…damals spielte er Schlagzeug bei Malice Mizer und wir hatten Dir en Grey ein paar Jahre davor ins Leben gerufen. Wir lernten die Jungs in einer Bar in Osaka kennen und einige von ihnen hatten uns zuvor bei unserem ersten Auftritt gesehen…Kami fiel mir gleich auf, doch ich bekam schnell mit, dass er vergeben war. Doch das hinderte mich damals nicht und ich flirtete mit ihm…woraus sich dann recht schnell mehr entwickelte.“

Kyo hielt Inne und rief Toshi her, damit er uns noch ein Bier holen konnte. Der Bassist grinste nur und schüttelte mit dem Kopf.

„Du hast deine Jungs ganz schön unter Kontrolle, selbst wenn ihr nur zusammen trinkt.“

Der Sänger lächelte, als wäre er sich keiner Schuld bewusst und prostete mir zu.

„Einer muss diese Chaosbande ja im Zaum halten…soll ich fortfahren?“

Ich nickte zur Antwort.

„Allerdings stellten meine Jungs fest, dass Kami mir ganz und gar nicht gut tat…was war passiert? Ich hatte mich Hals über Kopf in ihn verliebt, doch er wollte nicht mit mir zusammen sein…zumindest nicht über unsere Affäre hinaus. Dann kam schmerzlich noch hinzu, dass meine Mama starb…und mit ihrem Tod starb auch ein Teil in mir. Kami spendete mir Trost und war für mich da, doch am Ende kehrte er immer wieder zu seinem Lover zurück und ich blieb allein. Anfangs konnte ich den Schmerz in meiner Musik verarbeiten, doch als Kami mich immer und immer wieder von sich stieß, drehte ich durch…verletzte mich selbst. Natürlich versuchten das meine Jungs zu unterbinden, deshalb tat ich es an dem einzigen Ort, an dem sie mich nicht daran hindern konnten…“

„Auf der Bühne…“, entfuhr es mir und Kyo nickte traurig.

„Genau…ich entfernte mich so weit es ging von den vier Menschen, die mir eigentlich alles bedeuteten. Ließ keine Nähe zu, nur Kamis Liebe erreichte mich und die war nicht mal echt…Unsere Affäre dauerte 2 Jahre, bis Kami schließlich an einem Schlaganfall starb…sein Tod riss mich dann endgültig in ein Loch. Der zweite Mensch, den ich verloren hatte…ich stürzte mich in die Musik und übertrieb es auf unseren Konzerten maßlos. Meine persönliche erste Hilfe Gang stand meist schon in den Startlöchern, um meine Wunden nach der Show zu verarzten…aber außerhalb meiner Zeit mit der Band kapselte ich mich vollends ab…denn wenn ich allein war, konnte mich keiner davon abhalten mir selbst Schmerzen zuzufügen…irgendwann hatte ich es jedoch nicht unter Kontrolle, ich kippte um und verlor das Bewusstsein. Shinya hat mich gefunden…natürlich rief er sofort den Notarzt und weicht von dem Tag an kaum von meiner Seite.“

„Und einen Monat später, als sich Tooru erholt hat, haben Kao und ich ihn zum Tätowierer geschleift. Denn da sind Schmerzen garantiert…und hat ja auch super funktioniert, wenn man deine Bildergalerie so anschaut…aber sorry, ich wollte euch zwei nicht stören, nur ich mach mich auf den Heimweg…“

Ich rutschte von Kyos Schoß und er schlang die Arme um seinen Drummer.

„Komm gut heim und pass auf dich auf.“

Dieser nickte und gab meinem Freund einen Kuss auf den Mund. Kurz meldete sich die Eifersucht, doch nun verstand ich endlich, weshalb sich die beiden so nahe standen und unterdrückte dieses nun völlig unnötige Gefühl. Auch mich umarmte Shinya und verschwand in der kalten Nacht. Ich kuschelte mich wieder an meinen schönen Sänger und schmiegte meinen Kopf an seine Schulter. Ich wollte ihm zeigen, dass seine Geschichte meine Gefühle für ihn in keinster Weise beeinflussten. Im Gegenteil, seine Worte bedeuteten mir alles und mir war klar, dass ihm das alles andere als leicht fiel.

„Danke“, wisperte ich in sein Ohr und musste ihn einfach küssen. Es war ein verzweifelter, nach Nähe gierender Kuss. Ja ich wollte gerade nicht mehr. Nur diesen Kuss. Er streifte meine Lippen mit seinen Zähnen, oh wie mich das anmachte. Besitzergreifend schob sich Kyos Zunge in meinen Mund und wurde von meiner sinnlich empfangen. Meine Hände schoben sich in seinen Nacken und schon fast ein bisschen unzüchtig setzten wir unser Zungenspiel fort. Ich saugte an seiner Unterlippe und fing seine Zunge erneut ein. Dann ein bisschen schwer atmend ließen wir voneinander ab.

„Und du möchtest dennoch mit mir zusammen sein?“, fragte Kyo schließlich und ich nickte.

„Natürlich…Kyo…ich verspreche dir, dass ich den Mist auch nicht mehr mache…wir passen einfach gegenseitig auf uns auf, dann passiert das nicht…“

„Oh Kazu…was tust du nur mit mir…ich glaub ich mag nach Hause, kommst du mit?“

„Gerne…“

Wir teilten uns ein Taxi mit meiner Schwester und ich freute mich sehr auf mein Bett. Naja, natürlich schliefen wir nicht sofort. Dieses Weihnachten würde ich wohl endlich als Positiv in Erinnerung behalten.

von Liebe und Freundschaft

„Ich wollte die Tage zu meinen Geschwistern fahren“, weckte mich Kyo und verschlafen blinzelte ich ihm entgegen.

„Mhh…“

Mehr brachte ich noch nicht zustande.

„Du bist echt ein Morgenmuffel, jetzt wach auf.“

Mein liebster zog mir die Decke weg, doch ich eroberte sie mir wieder zurück und warf ihm einen grimmigen Blick zu, doch er lachte nur. Er begann an mir zu rütteln und seine Finger strichen ganz sanft über meinen Hals, was furchtbar kitzelte und ich mich dagegen wehrte.

„Und du bist eine Nervensäge“, knurrte ich.

„Das mit Vergnügen…außerdem wollte ich dich fragen, ob du mitkommen willst“

Jetzt war ich hellwach. Hatte mich Kyo gerade unterschwellig gefragt, ob ich seine Familie kennenlernen wollte?

„Ähm…als dein Freund? Ich meine wissen sie, dass du auch auf Männer stehst?“

„Mir ist egal was sie darüber denken Kazu und ja, natürlich als meinen Freund…außerdem, warum machen da alle immer so ein Drama draus. Ich hatte auch schon was mit Frauen…ich nehme mir eben das, was mir gefällt.“

Für diese Aussage musste ich ihn einfach küssen.

 

Zwei Tage später befanden wir uns dann tatsächlich auf dem Weg zu Kyos Geschwistern und ich war mehr als nervös. Auch weil ich mich fragte, wie sie so waren und warum er sie zuvor noch nie erwähnt hatte? Bislang war ich davon ausgegangen, dass er keinerlei Kontakt zu seiner Familie hat, doch mein schöner Sänger steckte wohl doch voller Überraschungen, daran sollte ich mich wohl gewöhnen.

„Wie viele Geschwister hast du eigentlich?“, erkundigte ich mich um später nicht ganz so blöd dazustehen.

„Meine Schwester ist so alt wie du und mein Bruder fünf Jahre jünger als ich.“

„Okay…verrätst du mir ihre Namen noch?“

Gerade hatte ich das Gefühl ihm alles aus der Nase ziehen zu müssen. Oder vielleicht war er auch einfach nur ein konzentrierter Autofahrer?

„Hana und Akira. Wir sind bald da.“

Kyo parkte den Wagen in einer Seitenstraße einer scheinbar eher gehobeneren Wohngegend Osakas. Wir rauchten noch eine Zigarette und dann betraten wir das Haus links von uns. Die Wohnung befand sich im Erdgeschoss und fiel durch ihre großen Fenster und die Holzverkleidung auf. Die Tür öffnete sich und eine junge Frau winkte uns zu. Die langen schwarzen Haare waren zu einem Knoten auf den Kopf gebunden und ihr zierlicher Körper steckte in einem knallroten Kleid, was ihr ausgezeichnet stand. Neben sie trat ein Mann, der Kyo nicht ganz unähnlich war. Lässig lehnte er neben seiner Schwester und vergrub seine Hände in den Tiefen seiner Hosentaschen. Durch das weiße Hemd, welches in der dunkelbraunen Hose steckte, die von Hosenträgern gehalten wurde, wirkte er schon fast ein bisschen spießig. Mein Liebster zog beide in eine lange Umarmung.

„Willkommen Niichan“, begrüßten die zwei ihren großen Bruder. Dann wurde auch ich herzlich begrüßt und wir betraten das Haus. Vom Wohnzimmer konnte man in den großen schneebedeckten Garten schauen, was schon fast ein bisschen märchenhaft und kitschig wirkte. Auch hier drinnen waren alle Möbel aus Holz, was der Wohnung Gemütlichkeit verlieh. Eben ein Platz, an dem man sich sehr heimisch fühlt. Wir nahmen auf den Kissen um den Tisch platz, wo schon der Tee stand. Hana servierte dann eine köstlich duftenden Gemüsesuppe und später gefüllte Teigtaschen, Reis, Gemüse und Soße.

Sie fragte ihrem großen Bruder Löcher in den Bauch, doch dieser schien es mit Humor zu nehmen oder war es vielleicht auch gewohnt. Er wirkte entspannt. So, wie man Kyo selten zu Gesicht bekam und es erwärmte mein Herz.

„Wie geht es mit Dir en Grey voran?“, fragte die junge Frau weiter.

„Erst Mal kommt der Videodreh und dann gehen wir wieder auf Tour. Ich kann euch gern sagen, wenn wir in Osaka sind.“

„Ja, das wäre schön. Und was machst du in der Zeit Kazuki?“, richtete sie ihre Frage an mich.

„Mh, vermutlich mitkommen und Kyo auf der Nerven gehen“, ärgerte ich ihn, doch er grinste mich nur an.

„Dann bringe ich dich persönlich zurück.“

„Ach das würdest du nicht wagen…ohne mich ist‘s doch langweilig.“

„Du scheinst sehr von dir überzeugt zu sein Süßer.“

„Nicht?“

„Also…seid ihr eigentlich zusammen?“, fragte Akira dann neugierig.

„Ja sind wir.“

Wir plauderten noch über Vergangenes und die Stimmung lockerte immer mehr auf. Doch mir fiel auf, dass mein schöner Sänger keinen Tropfen Alkohol anrührte. Hatte er etwa vor heute noch zurück nach Kyoto zu fahren? Doch da fiel mir ein, dass er gesagt hatte, dass wir hier übernachten wollten. Vielleicht hatte er ja auch einfach keine Lust zu trinken.

Plötzlich klingelte es erneut und Hana sah ihren jüngeren Bruder misstrauisch an, doch dieser zuckte nur mit den Schultern. Sie erhob sich und schritt in den Flur, um die Tür zu öffnen. Dann eine eher unerfreute Begrüßung. Kyo versteifte sich neben mir und seine eben noch so unbeschwerte Miene gefror zu einem eisigen Gesichtsausdruck.

„Was will er hier Aki?“

Der jüngere zuckte mit den Schultern und schaute betreten zu Boden.

„Es tut mir leid…ich dachte es wäre vielleicht gut, wenn ihr euch Mal wieder seht…ich hatte keine bösen Absichten“, wisperte Akira und schien wahrhaftig ein schlechtes Gewissen zu haben.

„Über meinen Kopf hinweg triffst du solche Entscheidungen?“, fuhr Kyo seinen kleinen Bruder an und jetzt wollte auch ich gespannter Weise wissen, um wen es sich hier handelte. Da trat Hana auch schon wieder zu uns mit einem älteren Mann im Schlepptau, dessen Blick auf meinem schönen Sänger haften blieb.

„Deshalb also hast du mich hier her bestellt Akira-chan? Den Weg hätte ich mir nun wirklich sparen können!“

„Aki…du?“, fragte nun auch Hana verblüfft und der jüngere sprang empört auf und fixierte seine Geschwister.

„Ich dachte es wäre vielleicht Mal wieder ein Versuch, dass sich Tooru und Papa mal näher kommen. Ich bin es leid immer nur einen von beiden zu sehen…dabei sind wir doch eine Familie oder nicht Hana? Ich liebe euch alle und warum verdammt könnt ihr euch nicht Mal den einen beschissenen Tag zusammenreißen!“, schimpfte Akira und ich wusste, wie er sich fühlte, doch vermutlich war das alles nicht so einfach.

„Ich werde mich nicht mit jemanden an einen Tisch setzten, der mich für den Tod meiner eigenen Frau verantwortlich macht. Deinen Versuch weiß ich zu würdigen Akira-chan, aber Tooru hat schon immer Schande über unsere Familie gebracht und ich werde mich nicht entschuldigen, für nichts. Ich bin der ältere und wenn du wünscht, dass unsere Familie wieder zusammenfindet, solltest du das deinem Bruder verdeutlichen.“

Der Blick des älteren Mannes, der sich ja nun als Kyos Vater entpuppt hatte, ruhte auf ihm. Doch diese Bitterkeit darin war beachtlich und ich weiß nicht, was Kyo angestellt hat, dass er ihn so hasste, aber das ging selbst mir verdammt nah.

„Niichan?“, wendete sich Akira jetzt an seinen älteren Bruder, doch mein schöner Sänger schüttelte nur mit dem Kopf.

„Tut mir leid Aki…ich kann nicht.“

Hana legte ihren Arm um Akiras Schulter, um ihn etwas zu beruhigen.

„Warum? Sind wir dir so egal?“

„Ihr seid mir nicht egal und das wart ihr nie…“

„Dann entschuldige dich doch bei Papa, bitte. Tue es für mich…für uns.“

Jetzt sprang auch Kyo auf und funkelte seinen jüngeren Bruder wütend an.

„Ich mich entschuldigen? Dafür, dass ich mein halbes Leben lang wie Luft behandelt wurde? Dafür, dass alles, was ich versucht habe mir aufzubauen immer falsch war? Dafür, dass auch ich immer versuchte diese Familie zusammenzuhalten? Nein, tut mir leid Ototo, dazu bin ich nicht bereit.“

„Du hattest noch nie Respekt vor den älteren, nicht Mal vor deiner eigene Mutter. stetig versuchte sie dich auf den richtigen Weg zu bringen doch was hast du getan? Sieh dich an, du verkörperst all das, was unsere Kultur verpönt.“, murrte der ältere Mann Kyo an und ich merkte, wie mein liebster so langsam die Beherrschung verlor.

„Und genau aus diesem Grund vergebe ich dir nicht. Mama hat mich immer toleriert und meine Musik geschätzt. Ihr war es egal, wie viele Tattoos oder Piercings ich habe. Doch du hast sie sterben lassen und das weißt du insgeheim…das ist der Grund, warum du mich wirklich hasst. Lass uns abhauen Kazuki…ich geb mir dieses Theater nicht länger.“

Kyo umarmte seine Geschwister und zog mich dann mit sich, dass ich fast über meine eigenen Füße stolperte.

Der Rückweg über die Autobahn ging fast doppelt so schnell wie der Weg hinzu. Ich traute mich kaum mit ihm zu reden. Aber hatte er geahnt, dass auch sein Vater uns aufsuchen würde? Vorsichtig und mit pochenden Herzen schob ich meine Hand auf seinen Oberschenkel, in der Hoffnung, er würde mich nicht sofort wieder von sich stoßen. Als er dann auch noch meine Hand ergriff und kurz drückte fiel mir ein Stein vom Herzen. Dann müssen wir wohl gegenseitig auf uns aufpassen. Die Worte nach unserem Streit kamen mir wieder in den Sinn und ich wünschte mir so sehr, dass Kyo dieses Versprechen einfordern würde.

 

Zu Hause war er gerade dabei sich wieder in seinem Arbeitszimmer zu verkriechen, da hielt er einen Augenblick inne und schaute mich an.

„Ich brauch einen Moment für mich Kazu…“

Ich nickte nur.

„Kyo…isses okay, wenn ich mich mit Shinya oder Toshi treffe?“

„Quatsch…du kannst sie auch gern hier her einladen…“

Dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss und ich beschloss das andere Diru Pärchen zu fragen, ob sie Lust hatten Schlittschuhlaufen zu gehen. Keine Sekunde später kam eine Antwort von dem Bassisten und wir wollten uns an der Eisbahn treffen. Sicherheitshalber schrieb ich Kyo noch einen Zettel und verfasste eine weitere Nachricht an Shinya, dass er sich vielleicht mal bei Kyo melden sollte. Seufzend zog ich mich an und machte mich auf den Weg. Die kam mir schon entgegen gerannt, stoppte jedoch, als er mein leicht betrübte Miene bemerkte.

„Oh oh…was ist los kleiner?“

„Nichts Dramatisches…wir waren nur heut bei Kyos Geschwistern und da ist sein Vater auch aufgetaucht…naja…das war dann weniger schön…“

Auch Toshiya hatte uns erreicht und den letzten Satz mitbekommen.

„Verdammt…das geht meist nie gut aus…wo ist er jetzt?“

„Zu Hause, wollte noch was arbeiten, aber ich hab Shinya geschrieben, dass er nach ihm schauen soll.“

Die seufzte und legte seinen Arm um mich.

„Das war eine gute Idee…aber jetzt lass uns ein bisschen Spaß haben.“

Dieses Mal übernahm ich die Kosten, denn ich hatte schon langsam ein schlechtes Gewissen, weil die beiden dauernd alles für mich bezahlten.

Doch mit den Schlittschuhen an meinen Füßen fühlte ich mich dann doch nicht mehr so sicher, weil es eine sehr wackelige Angelegenheit wurde. Ich hielt mich gerade so auf dem glatten Eis und versuchte erste Schritte. Toshi schien darin ein echter Profi zu sein, denn er fuhr uns davon. Die bot mir seinen Arm an.

„Wenn ich falle, dann fällst du aber auch.“

Er winkte mit der Hand ab und grinste.

„Dann fallen wir zusammen. Komm schon!“, ermutigte er mich und ich griff seine Hand. Langsam zog er mich hinter sich her und auf einmal wurde ich von hinten angeschoben. Erschrocken klammerte ich mich an dem Gitarristen fest und hörte Toshiya hinter mir kichern. Dieser ergriff jetzt meine freie Hand und so hielten mich beide fest. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge. Fehlte nur noch, dass die zwei jetzt Engelchen, Engelchen flieg mit mir spielten. Naja, auf dem Eis wäre das wohl für uns drei keine besonders schlaue Idee. Doch ich merkte, wie ich sicherer wurde und so langsam traute ich mich dann auch allein zu fahren.

„Oh schau mal Tosh…unser kleiner Eisprinz. Ist er nicht niedlich.“

Ich warf dem Blonden einen vernichtenden Blick zu. Wir fuhren noch ein paar Runden, dann wurde uns kalt und wir beschlossen noch irgendwo was trinken zu gehen.

In dem warmen Café um die Ecke tauten meine erfrorenen Glieder wieder auf und ich bestellte eine heiße Schokolade. Ich checkte mein Mails, falls sich Kyo oder Shinya gemeldet haben sollte und tatsächlich, eine Nachricht von dem Drummer:

 

Sind jetzt im Proberaum, vielleicht wollt ihr ja später nachkommen. Danke, dass du mir geschrieben hast <3.

 

Ich lächelte traurig und wäre jetzt gern an Shinyas Stelle. Immerhin hatte er mir ein Herzchen geschickt, das war irgendwie süß. Ich zeigte Toshi und Die die Nachricht.

„Das klingt gut…Kazu, ich weiß, was du denkst, aber Shini wird in solchen Momenten immer für Tooru da sein. Sie kennen sich jetzt über zwanzig Jahre und wenn ihn einer versteht dann er. Es ist nicht leicht für dich, aber lass es zu.“

„Tue ich ja…“, seufzte ich und nippte an meinem heißen Getränk.

„Wisst ihr was, morgen ist schon Silvester. Habt ihr schon Pläne Kazuki?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Bisher hab ich mit Sota immer bei Takashi gefeiert. Was macht ihr da immer so?“

„Wir treffen uns alle bei einem von uns und feiern gemeinsam. Wenn mich nicht alles täuscht sind wir dran Die?“, fragte der Bassist seinen Liebsten. Dieser nickte.

„Genau. Können wir ja später noch bequatschen wer was mitbringt. Natürlich nur, wenn du auch Lust hast, aber ich zähle dich automatisch dazu.“

Ich grinste Daisuke an.

„Gerne.“

Noch immer wippte ich ungeduldig mit dem Fuß unter dem Tisch. Wie es Kyo wohl ging und ob ihm Shinya helfen konnte? Würde ich ihm jemals helfen können? Ich biss mir auf die Unterlippe, um meinen Unmut zu verbergen, doch das entging den beiden anderen trotzdem nicht.

„Sollen wir nach den beiden gucken gehen? Sonst wirst du nie ruhig heute…geht schon Mal raus, ich bezahl für uns“, meinte Die und ich war ihm mehr als dankbar. Vor der Tür hatte das Schneetreiben erheblich zugenommen und man konnte kaum noch etwas erkennen. Zum Glück konnte man den Proberaum von hier auch zu Fuß erreichen und wir beeilten uns, damit wir nicht noch zu Eiszapfen mutierten. Ich fragte mich, was mich erwarten würde und ob Kyo noch traurig, wütend oder enttäuscht war? Toshi und Die nahmen mich wieder in ihre Mitte und schon erreichten das Areal. Der Innenhof war spiegelglatt und wir mussten tierisch aufpassen nicht auszurutschen. Von drinnen schlug uns Wärme und Gelächter entgegen. Auf dem Sofatisch stand eine fast leere Flasche Sake und die beiden schienen sich ordentlich die Kante gegeben zu haben. Ich erhaschte einen Blick auf meinen schönen Sänger, der an seinem Drummer lehnte und über irgendwas lachte. Einerseits tat es gut ihn so zu sehen, aber da war eben dieses beschissene ABER. Unsere Blicke trafen sich und er winkte mir grinsend zu. Ich erwiderte es und versuchte ruhig zu bleiben. Wieder Mal flüsterte er Shinya etwas zu und ich nahm im Sessel Platz. Die und Toshiya drängte sich mit auf das Sofa. Ich zündete mir eine Zigarette an und versuchte Kyos Blicke zu deuten, der noch immer an seinen Drummer gelehnt auf dem Sofa lungerte. Doch dann erhob er sich, kam auf mich zu und machte mir mit einer Handbewegung deutlich, dass ich aufstehen sollte. Das tat ich und er setzte sich in den Sessel und zog mich auf seinen Schoß.

„Bevor du mich mit deinen Blicken noch tötest“, wisperte er mir zu und zog mich in einen Kuss.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, nuschelte ich.

„Kazuki…verkauf mich nicht für blöd…was war jetzt das Problem? Mich so vertraut mit Shinya zu sehen? Daran solltest du dich gewöhnen“

Seine Stimme klang nicht zornig, duldete aber auch keine Widerrede. Augenblicklich überkam mich das schlechte Gewissen.

„Es tut mir leid…nur manchmal wünschte ich mir, dass du dich auch bei mir so fallen lassen könntest“

Kyo zog die linke Augenbraue hoch.

„Ooookay…Regel Nummer eins: kein Drama. Regel Nummer zwei: versuche nie dich zwischen diese Freundschaft zu drängen und Regel Nummer drei: genieße endlich das, was du hast…denn du bekommst weit aus mehr Zuwendung als Shinya…“

„Ich wollte dich nicht verärgern und natürlich hast du Recht…“

„Kazu…er stand mir in der schwersten Zeit meines Lebens bei…ohne ihn wäre ich verrückt geworden.“

„Liebst du ihn?“, platzte es aus mir heraus und am liebsten hätte ich mir die Zunge abgebissen.

„Natürlich tue ich das, das bedeutet aber nicht, dass du mir nicht wichtig bist, im Gegenteil. Ich liebe dich und das weißt du auch…nur diese Freundschaft und das ist eine der wenigen Dinge, die ich von dir erwarte, ist unantastbar Süßer. Akzeptiere das bitte.“

„Okay…wenn du mir erlaubst Sota hin und wieder zu treffen“

Kyo sog die Luft scharf ein und ich wusste, dass ich mich auf dünnem Eis bewegte.

„Geht das wieder los…du bist echt sturer als ein Esel…na schön. Aber ich schwöre dir, ich bringe ihn höchstpersönlich um, wenn er dich versucht anzufassen oder zu küssen.“

„Glaub mir, das weiß er selbst und ich würde ihm die Freundschaft kündigen, wenn er das probiert…nur er fehlt mir eben…als Freund.“

Kyo nickte verständnisvoll.

„Verstehe…möchtest du ihn morgen dabei haben?“

Mit weit aufgerissenen Augen blickte ich zu Kyo hinab.

„Wirklich? Wäre das in Ordnung für dich?“

Mein hübscher Sänger seufzte und er zündete sich eine Zigarette an.

„Ich bin kein Unmensch, auch, wenn das viele denken und vielleicht ist es gar nicht so schlecht deinen Sota mal besser kennenzulernen.“

Mir wurde ganz warm ums Herz und ich küsste meinen Liebsten.

„Ich werde ihn fragen…vielleicht hat er ja auch schon was anderes geplant.“

„Das glaubst du doch wohl selbst nicht…sag ihm, ich würde ihn gern dabei haben.“

Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen und klaute dem Sänger mal wieder die Zigarette. Dieser schüttelte nur mit dem Kopf und hob mich von seinem Schoß runter. Er postierte sich vor dem Tisch, sodass ihn alle sehen konnten und räusperte sich.

„Ich würde euch gern was sagen…Kaoru und ich haben uns unterhalten und ich würde gerne nächste Woche mit den Dreharbeiten zu unserer neuen Single Ranunculus beginnen…außerdem wollte ich dich fragen Kazu, ob du einen Part in dem Video übernehmen möchtest?“

Ich verschluckte mich am Rauch meiner Zigarette und blinzelte Kyo verlegen entgegen. In seinem Blick lag so viel Liebe und Vertrauen, dass es mir die Tränen in die Augen trieb.

„Ich…oh Mann…ja gerne…“

„Dann hätten wir das auch geklärt oder hat jemand etwas dagegen?“, fragte er dann in die Runde.

„Dann sollten wir darauf anstoßen“, meinte Shinya feierlich und zauberte eine neue Flasche Sake hervor. Kyo organisierte noch mehr Gläser und ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Wir stießen an und dann schrieb ich Sota. Natürlich willigte er ein und ich freute mich auf eine hoffentlich lustige Silvesterparty.

Silvester

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I will love you forever

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...and ever...ever...ever

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Level up

Wieder einmal hatte ich diesen verfluchten Tag ausgeblendet, wollte nicht, dass er kam, doch nun war er da. Wir waren vorgestern wieder in Kyoto angekommen und alles war wundervoll, aber auf einmal kippte meine Stimmung. Mein Liebster war noch unterwegs und wollte in etwa einer Stunde zu Hause sein, doch überkam mich das Gefühl so plötzlich und unerwartet, ich würde es keine Minute länger aushalten. Ich versuchte mich mit Rauchen abzulenken. Appetit hatte ich ohnehin keinen. Mit den Unterarmen stützte ich mich auf dem Fensterbrett ab und schaute auf die Lichter der Stadt vor mir, doch dieses miese Gefühl schnürte mir die Luft ab und mein Herz wummerte in meiner Brust. Wieder fragte ich mich, womit ich das hier alles verdient hatte und wie Kyo mich nur lieben konnte? Mich, einen Versager ohne Job und mittelmäßigem musikalischen Talent. Wieder überkam mich diese Angst, dass er mich irgendwann doch verlassen würde, weil ich ihm nicht mehr genügte. Ich ihm zu langweilig oder anstrengend wurde. Vielleicht hatte er schon jetzt keine Lust mehr mit mir zusammen zu wohnen und war deshalb so oft weg? Dieser Gedanke schmerzte so unglaublich heftig, dass mich das Stechen in meinem Herzen fast zu Boden rang. Ich biss mir auf die Unterlippe und schmeckte Blut. Verdammt. Mein Therapeut riet mir damals, wenn mich denn Mal wieder einer dieser Anfälle heimsucht, sollte ich mich vor einen Spiegel stellen und mir sagen, was ich an mir mochte. Total schwachsinnig und doch wollte ich es versuchen. Mit etwas zittrigen Knien stellte ich mich vor den großen Spiegel im Schlafzimmer und betrachtete meine Gestalt. Ich mochte mein Gesicht, die leicht kantigen Wangenknochen und die kleine Nase. Manchmal mochte ich auch meine Augen, wenn ich es denn ertrug mich durch sie hindurch anzuschauen. Gerade fiel es mir richtig schwer, weil mein Blick von dieser trostlosen Leere erfüllt war. Und wieder flüsterte diese dunkle fiese Stimme in mir, dass mich Kyo unmöglich für immer lieben könnte. Wieder biss ich mir auf die Lippe und sah ihm Spiegel, wie Blut aus der kleinen Wunde drang. Ich zwang mich mein Spiegelbild weiter anzusehen und nach Merkmalen zu suchen, die ich an mir mochte. Mein schlanker Körper gefiel mir tatsächlich und in der knallengen Hose und dem transparenten bauchfreien Oberteil machte ich gar keine so schlechte Figur. Doch dann stachen mir die kleinen hellen Schnitte auf meinem Bauch ins Auge. Auch meinen Arm hatte ich gezeichnet. Angewidert senkte ich den Blick. Nein länger ertrug ich das wirklich nicht, kehrte meinem Spiegelbild den Rücken und ging in die Küche zurück. So sehr ich mich auch bemühte, ich fand mich in diesem Augenblick abstoßend, hässlich und ungewollt. Nicht geliebt und nutzlos. Eben so, wie es mir meine Familie immer eingeredet hatte. Vor allem mein Vater, der nie verkraften konnte, dass ich auf Männer stand und mich so sehr verachtete. Eine unsichtbare Klinge bohrte sich in mein schwaches Herz und so sehr ich auch mit mir ran, momentan kam ich gegen diese dumme Blockade in meinem Kopf nicht an. Viel lieber würde ich dieses Gefühl gern loswerden, weil es mich in den Wahnsinn trieb. Nein, ich musste dagegen ankämpfen, weil ich es meinem Liebsten versprochen hatte. Aber war das nicht ohnehin egal, wenn er mich nicht liebte? Wütend über mich selbst schlug ich mit der Faust auf die Theke. Plötzlich fühlte sich meine Kehle staubtrocken an und ich holte mir ein Glas aus dem Schrank, um mir Wasser einzuschenken. Meine Hände zitterten derart, dass ich das Glas fast hätte fallen lassen. Ich leerte es in einem Zug und wollte es in die Spüle stellten. Dabei glitt es mir aus der Hand, fiel zu Boden und ging zu Bruch. Tränen stiegen mir jetzt in die Augen und die scharfkantigen Scherben waren für mich wie kribbelbunte Riesenlollies für kleine Kinder. Mit pochenden Herzen kniete ich mich vor den Scherbenhaufen und es war, als würden sie mich anlächeln, zu mir flüsterten, wie schön sie doch sind. Mit ihrer glatten glänzenden Oberfläche und den scharfen Kanten und wie schön sich das Glas auf der Haut anfühlte. Ich war nahezu hypnotisiert von diesem Anblick und diese Stimme in meinem Kopf riet mir letztendlich doch, eine der schönen Scherben in die Hand zu nehmen und genau das tat ich dann auch. Ich wiegte sie hin und her, setzte die Spitze an meinem linken Unterarm an und schnitt mich. Kurz schloss ich meine Augen, um diesen bittersüßen Schmerz zu genießen. Der nächste Schnitt ging tiefer. Der dritte noch tiefer. Mir wurde etwas schummrig vor Augen und ich sank gegen den Küchenschrank zu Boden. Blieb dort sitzen und schaute zu, wie das Blut meinem Arm hinabfloss, einen wunderschönen Kontrast zu meiner hellen Haut bildete und auf die Fließen tropfte. Dort bildete sich eine kleine Pfütze. So saß ich eine Weile da und dachte nichts. Die Dunkelheit war ein bisschen gewichen.

Da hörte ich, wie dir Tür ins Schloss fiel. Kyo war zurück und würde mich jetzt noch mehr hassen, wenn er sah, was ich getan hatte. Gut so. Da bekam ich wenigstens meine Bestätigung, dass ich nichts wert war. Als er mich erblickte, weiteten sich seine Augen vor Schreck. Mit einem Satz war er bei mir, verarztete meine Wunde und schaute mich mit besorgtem Blick an, der mir die Tränen in die Augen trieb.

„Du Dummerchen, was in aller Welt tust du denn da?“

Er zog mich in seine starken Arme.

„Vergessen, dass heute dieser beschissene Tag ist…“, murmelte ich in den Stoff seines Pullis. Seine Hände umfingen mein Gesicht und er küsste mich. Ganz zaghaft und voller Liebe. Jetzt musste ich erst Recht heulen und Kyo hielt mich nur, aber warum? Weshalb hasste er mich nicht?

„Kazu…mein Herz…ich liebe dich und ich weiß welcher Tag heute ist. Deshalb dachte ich, wir könnten vielleicht etwas daran ändern, damit du diesen mit etwas positiven verbindest.“

Ich schaute meinen schönen Sänger fragend an.

„Wenn du es erlaubst, würde ich dich gerne entführen…sollte eigentlich eine Überraschung werden.“

„Kyo…ich kann das nicht. Nicht heute. Ich verfluche meinen Geburtstag und würde diesen Tag am liebsten aus meinem Leben streichen…aber geh, hab Spaß und lass mich allein.“

„Sicher nicht…es sind alle da, die Jungs, Sota, Yuna…alle warten auf dich mein Süßer, weil wir dich alle furchtbar gern haben.“

Ich schüttelte nur mit dem Kopf.

„Aber warum Kyo? Was tue ich denn, damit mich die Menschen mögen? Ich bin ein Nichts…nicht liebenswert.“

Mein Liebster erwiderte lange nichts. Dann erhob er sich, holte eine Flasche Sake und zwei Gläser und ließ sich mir gegenüber nieder. Er reichte mir das volle Glas und prostete mir zu.

„Okay, dann anders…Kazuki, du vergisst eine Sache…ich weiß nur zu gut, wie es in dir drinnen aussieht und ich weiß auch, wie schwer es ist, aus diesem Loch herauszukommen. Deshalb erzähl mir jetzt, was in dir vorgeht…und zwar alles.“

Ich schluckte. Und schenkte mir noch Mal nach.

„Ich…ich habe Angst…dass…du mich irgendwann verlässt…mich nicht mehr willst…mich nicht mehr brauchst…“, krächzte ich und die Tränen flossen wie kleine Bäche über meine Wangen.

„Und warum glaubst du das?“, fragte er ruhig weiter.

„Kann ich nicht genau sagen…es ist halt so ein…Gefühl…Verlustängste und so…außerdem verabscheue ich mich gerade selbst…“

Wieder schwieg er lange und zündete sich eine Zigarette an.

„Kyo…ich zieh dich doch nur runter…ich hab dich nicht verdient und erzähl mir nicht, dass du das gerade toll findest mich so zu sehen…“, fuhr ich ihn jetzt an, weil es immer noch besser war, als nichts zu sagen. Unsere Blicke trafen sich wieder und er reichte mir seine Zigarette. Etwas verwirrt schaute ich ihn an, weil er das noch nie freiwillig getan hatte und griff nach dem Glimmstängel.

„Kazu…den Spieß könnten wir genauso umdrehen…ich glaube ich weiß jetzt zum ersten Mal, wie sich Shini gefühlt hat, wenn ich so am Ende war…aber egal…hör mir einfach zu…du ziehst mich nicht runter und ich brauche dich. Mehr als ich jemals einen Menschen gebraucht habe. Ohne dich gehe ich kaputt Kazuki…bitte. Wir schaffen das…aber zusammen.“

„Wozu brauchst du mich Kyo? Zum Vögeln? Als ob irgendwas Attraktives an mir ist…und irgendwann wirst auch du das begreifen. Nur um deinen Spaß auszuleben, kannst du auch gerne mit hundert anderen ficken…dazu brauchst du mich nicht…“

„Kazuki hör auf!“, fuhr er mich jetzt an und wirkte schon fast verletzt.

„Nein ich hör nicht auf…erst, wenn du zugibst, dass ich Recht habe!“, schrie ich jetzt und auf einmal war er über mir und küsste mich hart, sodass mir fast die Luft wegblieb. Seine Zunge eroberte in Windeseile meine Mundhöhle und ich keuchte eher unbewusst auf. Und dann nahm er meine Hand und führte sie zwischen seine Beine.

„Fühlst du das?“

Ich konnte nur nicken.

„Und das ist deinetwegen…auch wenn du hier heulend vor mir sitzt und alle Welt scheiße findest…ich steh sowas von auf dich und sag du mir nie wieder, dass du unattraktiv bist. Du bist der schönste Mann der Welt und jetzt lass uns zu deiner Party gehen.“

Doch so leicht ließ ich ihn nicht davonkommen, schlang meine Beine um seine Hüften und zog ihn näher zu mir. Wollt ihn küssen und ihn in mir spüren.

Kyo schob mein Oberteil ganz nach oben und spielte mit meinen Nippelpiercings. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus.

„Und erzähl mir jetzt noch Mal, dass das nicht verdammt sexy ist mein Schatz…du und dein heißer Körper treiben mich irgendwann noch in den Wahnsinn…den ganzen Tag kann ich an kaum an etwas anderes denken…ich liebe dich. So sehr…“

Und während er meine kaputte Seele mit seinen Worten heilte, liebkosten seine Lippen und seine Zunge meine empfindlichsten Stellen und ich sah schon wieder Sternchen. Doch dann auf einmal ließ er von mir ab.

„Wir sollten das auf später verschieben…alle warten auf dich.“

„Na und, dann lassen wir sie eben warten…bitte Kyo, ich brauch das jetzt.“

Leicht amüsiert grinsend fuhren seine Finger über meine Brust über den Hals und berührten meine Lippen. Ich fuhr mit der Zunge über seine Kuppen und saugte ein wenig daran.

„Ohhh…Kazu…weißt du wie verrucht das gerade aussieht?“, raunte er mir zu und jetzt konnte auch ich wieder lächeln. Ich schob seine Finger tiefer in meinen Mund, wohl wissend, dass sie sehr bald noch andere Körperstellen erkunden würden. Dieser Gedanke ließ mich aufstöhnen und ich zog meine Hose bis zu Knien runter. Heiß und erregt vor Lust drängte ich mich meinem schönen Sänger entgegen und er verstand mich auch ohne Worte, bewegte seine Hände über meinen Körper, entlang meiner Seiten, doch die empfindlichen Zonen ließ er mit Absicht aus. Dafür hasste und liebte ich ihn zugleich. Einerseits, weil es mich fast rasend machte, meine Lust jedoch noch mehr steigerte. Seine Zähne knabberten an meinen Nippeln und eine Welle der Erregung überflutete mich. Nein ich wollte kein Vorspiel mehr, sondern Kyo in mir spüren. Hart und heftig.

„Fick mich Kyo…vögel mir den Verstand raus…ich brauch das jetzt…ganz dringend…“

Seine Lippen pressten sich auf die Meinen und sein heftiger Stoß ließ mich aufschreien. Den kurzen Schmerz ignorierte ich, denn das was danach folgte vertrieb ihn ohnehin wieder. Kyo nahm mich tatsächlich beim Wort und die Härte, mit der er sich das nahm, was ihm gehörte ließ mich kaum mehr an seiner Liebe zu mir zweifeln. Mit einem berauschten, zu tiefst entspannten Grinsen ergoss ich mich auf meinem Bauch und auch mein Liebster erreichte bald danach seinen Höhepunkt. Entzog sich mir langsam und säuberte mich. Ich verschwand kurz auf dem Klo und zog mich wieder an. Mein hübscher Sänger klopfte und fragte, ob er zu mir kommen dürfe. Ich öffnete die Tür und warf ihm einen fragenden Blick zu. Er trat ein und holte ein Beautycase aus dem Badschrank heraus.

„Setz dich auf den Badewannenrand“, befahl er schon fast wieder in diesem typischen Kyo-Ton. Ich gehorchte.

„Was hast du vor?“, fragte ich neugierig.

„Dein Ego ein bisschen pushen…hast du dich früher eigentlich manchmal geschminkt?“

„Ja, als ich noch zu Hause gewohnt hab immer…einer der Gründe, weshalb ich raus geflogen bin. Meine Eltern wollten halt nicht mit ner beschissenen Schwuchtel unter einem Dach leben…willst du mich etwa schminken?“

Ein Grinsen huschte über seine Lippen und er nickte. Ich zuckte mit den Schultern und ließ es über mich ergehen.

„Schließ deine Augen.“

Auch das tat ich und es fühlte sich schön an, wie der Pinsel auf meinen Augenlider malte und ich hoffte nur, dass ich nachher nicht wie ein Paradiesvogel aussah.

„Oookay…jetzt öffnen und nach oben schauen…versuch nicht zu blinzeln.“

Kyo hübschte mich scheinbar auch mit Kaja und Eyliner auf, tuschte meine Wimpern und besah sich sein Werk recht zufrieden. Auch ich warf jetzt endlich einen Blick in den Spiegel und staunte nicht schlecht.

„Voll ungewohnt, aber ich könnte mich wieder dran gewöhnen…hast du schwarzen Lippenstift?“

„Was für eine Frage…bist du etwa auf den Geschmack gekommen?“, fragte er leicht amüsiert.

„Ja klar, wenn schon, denn schon.“

Ich beugte mich etwas vor und fuhr mit dem Lippenstift die Konturen meines Mundes nach und färbte diesen pechschwarz. Und tatsächlich fühlte ich mich jetzt ein wenig besser, zumindest zeigte sich mein Selbstbewusstsein etwas mehr und es ging mir nicht mehr ganz so beschissen. Dennoch entfuhr mir ein tiefer Seufzer.

„Magst du dein Netzoberteil anziehen?“, fragte mich mein Liebster dann und ich nickte, verschwand im Schlafzimmer und kleidete mich um. Da es draußen doch noch recht frisch war, nahm ich kurzerhand mein grünes Samtjacket und zog es über das Netzhemd. Zufrieden schaute mich mein schöner Sänger an. Auch er trug jetzt seine Vampirkontaktlinsen und seine Augen hatte er auch ein bisschen dunkel geschminkt. Ich musste ihn einfach küssen, hielt jedoch innne, um zu überprüfen, ob der Lippenstift kussfest war. Das war er in der Tat. Ich warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und schon jetzt stand fest, dass ich mich wieder öfter aufhübschen sollte. Dieser dunkle Glitzerliedschatten passte perfekt zu mir und ich ergriff Kyos Hand.

„Wohin gehen wir eigentlich?“

„In unsere Stammbar…da ist zumindest sicher, dass wir keinen Trubel haben oder von nervigen Paparazzis überfallen werden.“

Wir liefen zur Haltestelle und ich wusste nicht, ob es gerade an meiner nicht so stabilen Verfassung lag oder er das unbewusst tat, aber Kyo hielt noch immer meine Hand, obwohl wir uns auf offener Straße bewegten. Es war zwar schon dunkel, aber trotzdem konnte uns ja jeder sehen und die Wahrscheinlichkeit, dass man den Dir en Grey Sänger erkannte, war ja nicht mal so unwahrscheinlich. Deshalb löste ich unseren Griff, doch als er meine Hand wieder mit der Seinen verflocht, setzte mein Herz einen Moment aus. Tat er das also gerade wirklich im vollen Bewusstsein? Wollte er sich tatsächlich vor aller Welt zu mir bekennen? Ich lächelte verlegen und wagte es einen Blick zu ihm zu riskieren. Auch Kyo drehte seinen Kopf in dem Moment zu mir und erwiderte mein Lächeln. Wärme breitete sich in meinem Körper aus und ich konnte mein Glück kaum fassen.

Wir erwischten die nächste Bahn gerade noch und fielen etwas stürmisch auf einen Zweiersitz. Auch eine ältere Dame stieg zu und schaute sich suchend nach einem Platz zum Sitzen um. Sofort sprang Kyo von seinem auf, wies mich an zu rutschen, bot seinen Platz der Frau an und zog mich auf seinen Schoß.

„Kyo…was machst du, wenn dich jemand erkennt? Ich meine…willst du das wirklich riskieren?“

Mein schöner Sänger zog mich in einen Kuss, der mich vollends aus der Bahn warf und ich gar nichts mehr verstand.

„Ich bin auch nur ein Mensch Kazu…und ich liebe dich…scheiß drauf, was die verfluchte Welt davon hält. Und mal ganz ehrlich, was wollen sie denn machen? Uhhh ja, ich knutsche nen anderen Kerl…wen interessiert‘s?“

Belustigt schüttelte ich mit dem Kopf. Nächste Station mussten wir aussteigen. Da legte die ältere Frau plötzlich ihre Hand auf Kyos tätowierten Arm und schenkte ihm ein warmherziges Lächeln.

„Ich wünsche Ihnen beiden alles Glück der Welt…ich finde es sehr mutig, dass Sie ihre Liebe so offen zeigen.“

„Dankeschön. Ich wünsche noch einen angenehmen Abend“, entgegnete er.

Okay, konnte dieser verfluchte Tag eigentlich noch besser werden? Vermutlich grinste ich wie ein Honigkuchenpferd. Ein leichter Wind umwehte uns und wir schritten noch immer Hand in Hand zur Bar. Kyo schob mich nun etwas ungeduldig durch die Tür und alle drehten sich zu mir um, worauf mir eine leichte Röte ins Gesicht stieg. Meine Schwester flog zuerst auf mich zu und landete in meinen Armen.

„Happy Birthday großer Bruder. Auf dass wir uns wieder näher kommen.“

Als nächster folgte Sota. Die und Toshi umarmten mich gemeinsam und dann kam Shinya. Da lag etwas in seinem Blick, was mich erschreckte und zugleich erleichterte und Kyos Worte kamen mir wieder in den Sinn. Ich glaube ich weiß jetzt zum ersten Mal, wie sich Shini gefühlt hat, wenn ich so am Ende war. Und er schien auch zu wissen, was mit mir los war. Ich schloss meine Arme um den Drummer und blinzelte die Tränen weg. Nein, heute durfte ich nicht mehr heulen, sonst würde mein Make-up verschmieren.

„Ich wünsche dir alles Gute Kazu-chan…genieße deinen Abend und lass die Vergangenheit hinter dir. Ich habe dich sehr lieb.“

Ich zog ihn noch ein bisschen enger an mich.

„Danke Shini…“, gab ich mit erstickter Stimme zurück und entließ ihn aus der Umarmung. Da überreichte mir mein bester Freund eine Kiste aus Holz, die einer Schatzkiste glich.

„Mach sie schon auf“, forderte er mich aufgeregt auf und ich öffnete das Schnappschloss. Darin lagen viele Goldmünzen aus Schokolade und ein Brief? Ich faltete den Zettel auseinander und meine Augen wurden immer größer, während sie die Zeilen überflogen. Ein Tattoogutschein? Ich schluckte und stellte nicht zum ersten Mal an diesem Tag fest, dass der Tag wohl von nun an als ein glücklicherer in meine Geschichte einging.

„Wow…ich fürchte ich bin ein bisschen sprachlos…vielen Dank ihr wundervollen Menschen…aber jetzt möchte ich mit euch trinken.“

Meine kleine Schwester brachte schon ein Tablett mit Sektgläsern und jeder meiner Freunde nahm sich eines davon weg. Alle prosteten mir zu und ich wusste, dass ich noch eine Sache zu erledigen hatte, auch wenn mich Kyo dafür vermutlich steinigte. Ich räusperte mich und erhob das Glas.

„Ähm…bevor ich mit euch anstoße, muss ich noch kurz was loswerden…das betrifft einen ganz besonderen Menschen hier in diesem Raum und ich weiß, dass du nicht gern im Mittelpunkt stehst Kyo, aber ich möchte mich vor allem bei dir bedanken…für deine Geduld, für deine Liebe, für dein immer für mich da sein…vor allem vorhin…ich liebe dich…“

Alle klatschten, doch ich hatte nur Augen für meinen schönen Sänger und zum Glück lächelte er mich an.

Der Alkohol floss und ich war zu fortgeschrittener Stunde schon ziemlich gut drauf. Natürlich lief die Karaokemaschine an dem Abend heiß, doch ich hatte mich noch nicht dort hin gewagt. Ich redete mit meinen Freunden, vor allem mit Toshiya. Wir alberten umher und rissen Witze. Da stieß Sota zu uns und fragte, ob mit mir alles okay sei. Ich grinste und nickte mit dem Kopf. Meine Jacke hatte ich schon vor einer Weile abgelegt. Auch eine ziemlich betrunken Yuna kam angetorkelt und klammerte sich an meinen Arm.

„Hihi, wenn dich unsere Eltern so sehen würden Kazu…die würden sicher voll ausflippen“, amüsierte sie sich, doch ich konnte ihre Freude nicht so recht teilen. Vorsichtig strich sie über den Verband an meinem Arm und warf mir einen fragenden Blick zu. Auch mein Freund sah mich leicht panisch an. Ich zuckte nur mit den Schultern und zündete mir eine Zigarette an.

„Halb so wild…nichts Schlimmes“, versuchte ich die Situation zu retten, doch es war bereits zu spät.

„Hast du dich wieder geritzt Kazu?“ fragte mein Freund besorgt und jetzt schienen auch bei meiner Schwester die Alarmglocken zu klingeln. Ich zog die beiden in eine Sitznische, etwas weg vom Geschehen. Atmete tief ein und dann wieder aus.

„Ja Sota, hab ich…und jetzt? Das ist nun Mal eine Seite von mir, die ich schwer unterdrücken kann…aber ist okay…Kyo konnte schlimmeres verhindern und ich will jetzt nicht mehr darüber reden.“

„Wie ein Teil von dir? Was ist los mit dir Kazuki?“

Yuna wirkte verwirrt und besorgt. Wortlos zeigte ich ihr die Narben auf meinem Oberkörper, die durch das Netzoberteil hindurch schienen. Schockiert hielt sie sich die Hand vor den Mund.

„Hast du mal mit einem Arzt geredet?“, fragte sie erschrocken. Ich rollte mit den Augen und nickte.

„Ja hab ich und es war nicht besonders toll…hör zu Schwesterchen…ich musste schon mit vielen Rückschlägen in meinem Leben klarkommen, aber ich schaff das okay? Alles was jetzt kommt, kann nur besser werden. Ich möchte, dass du dir keine Sorgen um mich machst.“

„Es tut mir so leid Niichan.“

Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Muss es nicht…es ist wirklich alles gut und jetzt lasst uns noch ein bisschen Spaß haben.“

Ich steuerte die Bar an und holte mir einen neuen Drink, da umfingen mich zwei Arme von hinten und seine tätowierten Hände schoben sich unter mein Oberteil. Ich kicherte, als sein warmer Atem meinen Nacken kitzelte.

„Ich hasse mich ein bisschen“, flüsterte mir Kyo ins Ohr und ich drehte mich zu ihm.

„Warum das?“

„Weil ich heute dazu beigetragen haben, dass du so verflucht heiß aussiehst…“

„Selbst schuld…aber mir geht es nicht anders. Jedes Mal, wenn ich dich anschaue, brennt in mir diese süße Leidenschaft auf…aber ich fürchte das muss warten…du musstest ja unbedingt eine Party organisieren. Mir hätte auch ein Sexabend mit dir genügt“, ärgerte ich meinen Liebsten und er gab einen Brummen von sich.

„Geht’s dir gut mein Schatz?“

Ich nickte und küsste ihn.

„Danke dafür…das kann ich nie wieder gut machen…“

„Oh doch, glaub mir, da fällt mir schon so einiges ein…trittst du gegen mich an? Oder hast du Schiss?“

Ich zog die Stirn in Falten und warf Kyo einen gespielt arroganten Blick zu.

„Schiss? Vor dir? Niemals. Also los…aber ich will aussuchen.“

Doch da stoppte mich mein schöner Sänger und zückte sein Handy, verband es mit der Anlage und startete eine Lied, dass er mir vor kurzem erst gezeigt hatte. Von einer Band, die er auf einem Festival in Deutschland mal kennengelernt hatte. Sie hießen Typo o Negative und der Song Love you to death. Hilfe, ich schwebte auf Wolke sieben. Kyo tat wirklich alles, damit mir mein Geburtstag in Zukunft positiv in Erinnerung blieb. Und so starteten wir unser Lied. Doch ich konnte mich kaum konzentrieren, weil meine Augen an meinem Liebsten hafteten, wie er so voller Leidenschaft sang, auf Englisch.

Hey am I good enough

for you?

Hey am I good enough

for you?

Am I?

Am I?

Am I good enough

for you?“

Den letzten Part sang ich aus voller Kehle mit und das brachte uns einen saftigen Applaus. Doch das schrie auch nach einer Revanche und das nächste Lied suchte dann tatsächlich ich aus. Ich entschied mich für Bohemian Rhapsody von Queen, weil ich diesen Song schon immer Mal singen wollte und diese Runde zockte ich meinen schönen Sänger sowas von ab, weil er in den mittleren Parts eher versagte. Unsere Freunde jubelten uns zu und wir mischten uns wieder unter die Gäste. Ich dachte schon, ich sei betrunken, aber scheinbar hatte es meine Schwester auch ein bisschen übertrieben, denn schwankend krallte sie sich an der Theke fest. Ich legte meinen Arm behutsam um sie.

„Alles gut?“

„Ich…weiß nicht…mir is schlecht…“, lallte sie und rannte sofort zu den Toiletten. Ich folgte ihr und zwar auf’s Mädchenklo und hielt ihre Haare beim Kotzen.

„Ss tut mir leid…“

Ich lachte ein bisschen und reichte ihr ein Taschentuch.

„Schon okay…willst du gehen?“

„Is doch deine Party…wills dir nich versauen…“

„Alles gut…wenn du willst, kannst du bei uns schlafen“, beschloss ich jetzt einfach Mal über Kyos Kopf hinweg und hofft, dass das für ihn in Ordnung ging. Yuna hakte sich bei mir unter und ich weihte meinen Liebsten in meinen Plan ein. Dieser nickte nur und so lösten wir die Runde auf. Umarmten alle zum Abschied und begaben uns auf den Heimweg.

Wir mussten mein betrunkenes Schwesterchen von beiden Seiten stützen und während Kyo ihr Nachtlager im Wohnzimmer herrichtete, zeigte ich ihr im Bad alles. Ich schminkte mich ab, putzte meine Zähne und verzog mich ins kuschelige Bett. Mein schöner Sänger folgte mir bald.

„Ich hab es zwar schon oft gesagt…aber Danke für den Abend heute…“

Gedankenverloren strich er über meine neueste Verletzung.

„Wenn nicht Mal ich das unterbinden kann Kazu…ich dachte ich wäre stark genug…“

„Heyyy, das bist du…ohne dich wäre ich heute vermutlich im Krankenhaus gelandet…du trägst dazu bei, dass es nicht mehr so oft und so schlimm ist…glaub mir bitte.“

Kyo schmiegte sich an mich und so schliefen wir dann ein.

 

Der Duft von Kaffee und frischen Brötchen stieg mir in die Nase. Ich schlüpfte in eine bequeme Hose und stand auf. Meine Kopfschmerzen waren nicht ganz so schlimm wie erwartet. Da fiel mir Yuna wieder ein und schon war ich mit einem Satz im Wohnzimmer, doch ihr Bett war leer. Den Stimmen nach zu urteilen, unterhielt sie sich mit Kyo in der Küche. Sie trug ein viel zu großes Shirt meines Sängers und ich musste bei diesem Anblick schmunzeln, goss mir Kaffee ein und öffnete das Fenster, um zu rauchen.

„Wie geht’s dir Imoto?“

„Mhh, hatte schon bessere Tage…aber ich werde ja verwöhnt…und dir?“, fragte sie vorsichtig zurück. Ich zuckte mit den Schultern und nahm einen tiefen Zug.

„Ganz okay…“

„Kazuki…ich mach mir wirklich Sorgen um dich…“

„Musst du nicht…ja, ich hatte gestern einen Rückfall, aber es geht mir weitaus besser als in den letzten Jahren.“

Ich schaute ab und an zu meinem Liebsten, der von der Küche ins Wohnzimmer wirbelte, um den Tisch zu decken. Ein verliebtes Grinsen umspielte meine Lippen und ich seufzte.

„Du liebst Kyo sehr, nicht wahr?“

„Mehr als ich in Worte fassen kann…Yuni…er ist so wundervoll…ich bin völlig verrückt nach ihm.“

Meine Schwester lachte.

„Das merkt man kaum“, ärgerte sie mich und ich knuffte sie in die Seite.

„Werd ja nicht frech…wohnst du eigentlich noch immer…zu…Hause?“

„Ja, aber ich will bald mit einer Freundin zusammen ziehen…wird Zeit. Eine Wohnung haben wir schon. Ist auch gar nicht so weit von hier.“

„Cool…ich glaub wir sollten Mal frühstücken gehen, sonst beschwert sich der alte Mann wieder“, witzelte ich.

„Das habe ich gehört!“, erklang Kyos Stimme aus dem Wohnzimmer und der leicht gereizte Unterton entging mir nicht. Yuna warf mir einen verunsicherten Blick zu, doch ich tat es mit einer lässigen Handbewegung ab.

„Vielleicht wollte ich ja, dass du es hörst…“

Mein hübscher Sänger verengte seine Augen und funkelte mich angriffslustig an.

„Du spielst schon wieder mit dem Feuer“, warnte er mich, doch ich warf ihm einen Luftkuss zu, den er nicht erwiderte.

„Das ist mir bewusst…und alt ist ja nichts Schlechtes…“

„Jetzt halt die Klappe…ich bin nicht alt…“, murrte er.

„Mhh, älter als ich schon…“

„Und scheinbar auch reifer…du führst dich gerade echt auf wie ein Teenie…“

„Das will ich jetzt Mal überhört haben.“

Ich steckte ihm die Zunge raus und er rollte mit den Augen.

Während Kyo abräumte, verabschiedete ich Yuna und half ihm noch ein bisschen. Das wenige Geschirr spülten wir gemeinsam ab. Als er gerade nicht hinsah, versenkte ich meine Hand im Spülwasser und spritzte es ihm ins Gesicht. Daraufhin traf auch mich ein Schwall Seifenwasser und ich lachte, verschluckte mich und zurück blieb ein dezent seifiger Geschmack. Kyo hingegen schien das nicht so witzig zu finden. Mein zweiter Versuch ihn mit Wasser zu bespritzen scheiterte kläglich. Stattdessen ergriff seine Hand mein Handgelenk und drückte mich weg.

„Du bist ganz schön frech…“, stellte er nun etwas belustigt fest, stibitzte mir das Abtrockentuch aus den Fingern und stopfte es mir in den Mund.

„Vielleicht sollte ich dir dein vorlautes Mundwerk stopfen…mhh, ich mag den Knebel…das lässt dich so willenlos erscheinen.“

Kyo delegierte mich ins Schlafzimmer und mich überkam eine süße Furcht vor dem Ungewissen, denn mich beschlich der Gedanke, dass unser Sexleben noch lange nicht ausgereizt war. Meine Hände pinnte er mit seinen über meinem Kopf fest und mit den Zähnen entfernte er den Knebel aus meinem Mund.

„Kannst du gerne tun…“, gab ich zur Antwort.

„Ohhh Kazuki, du weißt nicht, was du da sagst…“, schnurrte er mir schon fast ins Ohr.

„Vielleicht möchte ich es aber herausfinden…ich will, dass du mich um den Verstand bringst…mit mir Dinge tust, die dir schon lange durch den Kopf schwirren…ich finde unsere Beziehung hat nen Level up verdient…“

Kyos Stirn sank gegen meine Brust.

„Du musst völlig verrückt sein…aber ich denke das macht dich so unwiderstehlich, weil ich bei dir keine Hemmungen haben muss…aber ich denke wir sollten erst duschen…einzeln“, grinste er mir ein bisschen fies zu und verschwand im Bad. Mein Herz wummerte in der Brust und ich war ein bisschen aufgeregt. Aber nicht, weil mir Bedenken kamen, nein, eher, weil ich unbedingt wissen wollte, in welche lustvollen Spähern mich mein schöner Mann dieses Mal entführen würde. Um mich abzulenken, spülte ich noch das restliche Geschirr. Kyo verbrachte ungewöhnlich lange im Bad und wenn ich mir seinen nackten Körper unter der Dusche vorstellte, wie das Wasser über seine tätowierte Haut floss. Oh Mann, zu viel Kopfkino. Schnell räumte ich das Geschirr in den Schrank, wollte wieder ins Schlafzimmer zurückkehren, da erstarrte ich und meine Kinnlade klappte runter. Was. Für. Ein. Anblick.

Kazu in Wonderland

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Nachwort zu diesem Kapitel:
So, hier ein neues, recht düsteres Kapitel. Muss ja auch Mal wieder sein nach diesem ganzen Schnulzen zuvor XD. Hoffe euch gefällt es trotzdem und man erfährt ein bisschen mehr über Kazukis Vergangenheit. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Nach einem Hoch kommt bekanntlich das Tief und die Lage spitzt sich immer mehr zu...ob es die beiden wohl durchstehen? Wer weiß das schon... Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Soorryy, hat Mal wieder gedauert, aber so ist das eben *hust* ^^. Ja, das ewige Leid mit dem Geburtstag, aber vielleicht schafft es Kyo ja irgendwann ganz seinen Kazuki vor der "bösen Dunkelheit" zu bewahren :(.
Liebste Grüßchen Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (10)
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Von:  yamo-chan
2019-03-27T07:35:43+00:00 27.03.2019 08:35
selber fleißig XD
Schön verrückt, die beiden.
Weiter machen!
Von:  yamo-chan
2019-03-22T05:55:42+00:00 22.03.2019 06:55
Du kannst doch nicht an so einer Stelle aufhören!!!
Gemein.
Die beiden sind echt Zucker. <3

Antwort von:  MarryDeLioncourt
22.03.2019 14:26
Haha, ja ich hatte überlegt weiterschreiben, aber ein bisschen Spannung muss ja auch sein und du kannst dich aufs nächste Kapitel freuen ;)
Von:  yamo-chan
2019-01-14T07:30:04+00:00 14.01.2019 08:30
Ooooh so süß <3

Antwort von:  MarryDeLioncourt
15.01.2019 16:31
Danke du liebe :). Muss ehrlich gesagt gestehen, dass ich, nachdem das Kapitel beendet war, auch sehr gerührt und ergriffen war. Die beiden sind einfach zuckersüß ^^
Von:  yamo-chan
2018-12-03T07:58:30+00:00 03.12.2018 08:58
Was für ein auf und ab!
Kyo ist echt kompliziert.
Es freut mich, dass Kazuki sich vielleicht mit seiner Schwester versöhnen kann.
Dämonen bekämpft man, indem man sie liebt!
Antwort von:  MarryDeLioncourt
03.12.2018 14:21
Ja irgendwie schon, aber jetzt ist die Bombe endlich mal geplatzt und vielleicht finden die beiden mal Ruhe, um an ihren Dämonen zu arbeiten. Danke für deinen Kommentar :*
Von:  MarryDeLioncourt
2018-11-17T16:05:51+00:00 17.11.2018 17:05
Ja, der Gedanke kam mir auch, nachdem ich das kapi beendet hab, also, dass Die und Toshi mithören. Aber ich hab dann tatsächlich beschlossen, dass sich die zwei auch anderweitig amüsieren XD. Oder der Leser kann sich selbst seinen Teil denken ^^
Von:  yamo-chan
2018-11-17T07:47:04+00:00 17.11.2018 08:47
<3 Viel zu heiß! :D

Und nebenan können Die und Toshi zuhören XD (verdammt hellhörig in Hotels)
falls sie nicht gerade selbst zu beschäftigt sind ^^

Von:  MarryDeLioncourt
2018-11-03T18:48:05+00:00 03.11.2018 19:48
So toll, ich freu mich jedes Mal über deinen Kommi <3. Und es freut mich so doll, dass die FF so gut ankommt. Dankeschön :*
Von:  MarryDeLioncourt
2018-11-03T12:15:03+00:00 03.11.2018 13:15
Dankeschön <3. Ich hoffe du magst das nächste Kapitel auch ;)
Von:  yamo-chan
2018-11-03T11:44:34+00:00 03.11.2018 12:44
😍😍😍 so süß ... mir fehlen die Worte...
Von:  --kyo
2018-10-29T01:16:04+00:00 29.10.2018 02:16
Oohh super*0* bin gespannt wie es weiter geht


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