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Saki-chan

von

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17. Kapitel

17. Kapitel

 

Es ist geschafft. Nicht nur Rocksteady, Bebop und Krang entringt sich ein erleichterter Seufzer, sondern auch Splinter.

Ja, die Ratte ist immer noch da. Nachdem er seinen Ex-Schüler mit ein paar wohldosierten Behandlungen gewisser Druckpunkte in einen komaähnlichen Zustand befördert hatte, wo er keinen Schmerz mehr verspürte, hatte er zwei Bedingungen gestellt.

Die erste: gebt mir ein Telefon, damit ich meine Turtles anrufen kann. Sie sollen sich keine Sorgen machen.

Die zweite war schon etwas überraschender: ich will bleiben, bis es ihm wieder besser geht.

Da Krang nicht undankbar ist, hat er beidem zugestimmt.

Die folgenden Stunden waren für niemanden von ihnen angenehm, aber das lag nicht an der Gesellschaft. Saki schlief zwar, aber sein Körper veränderte sich immer noch. Sichtlich. Sogar die ansonsten sehr beherrschte Ratte sog ein paar Mal scharf die Luft ein, als sie mit diesem Anblick konfrontiert wurde.

Um sich die Zeit zu vertreiben, unterhielten sie sich über dies und das – Persönliches klammerten sie dabei aber geflissentlich aus. Sie stehen immer noch auf gegnerischen Seiten.

Aber auch so gab es viel Gesprächsstoff, vor allem Krang und Splinter versuchten bald, sich gegenseitig mit den Vorzügen ihrer Kultur zu übertrumpfen. Es gab mehr Gemeinsamkeiten als sie je gedacht hätten, waren doch sowohl die Dimension X wie das Kaiserreich Japan auf den Fundamenten einer Kultur errichtet, die auf eine große Anzahl berühmter Kriegsfürsten zurückblicken konnte.

Sie sprachen leise, um Saki nicht zu wecken.

Jetzt ist es später Nachmittag, fast schon Abend und unter Sakis Haut hat sich schon seit guten zehn Minuten nichts mehr bewegt.

„Er sieht genau so aus, wie ich ihn mit siebzehn in Erinnerung habe“, murmelt Splinter, während er ihm selbstvergessen eine pechschwarze Strähne aus der Stirn streicht.

Bis auf das Haar, ergänzt er in Gedanken belustigt. Das ist jetzt wirklich lang.

„Es ist vorbei“, seufzt Krang erleichtert auf. „Seine Zellen haben wieder ihre adulte Form.“

„Na ja“, meint Rocksteady kritisch. „Ein wenig muß er noch trainieren, um seine alte Form wieder zu bekommen. Und sieht er nicht viel zu jung aus?“

Krang stößt ein verlegenes Lachen aus. „Tjaaa... hab ich euch das nicht gesagt? Das wird so bleiben. Oh, er wird natürlich ab jetzt wieder ganz normal altern, nur vom Aussehen immer ein paar Jahre seinem richtigen Alter hinterherhinken. - Was denn?“ schnauft er auf Bebops und Rocksteadys vorwurfsvolle Blicke hin. „Verklagt mich doch, wenn's euch nicht paßt.“

Die beiden schütteln nur grinsend den Kopf.

„Ich glaube, es ist an der Zeit für mich zu gehen“, erklärt Splinter ein wenig wehmütig.

„Sie sollten bleiben, bis er aufwacht“, meint Krang ruhig.

Splinter zögert, schüttelt dann aber den Kopf.

„Nein, es ist besser ich gehe jetzt. Ich will ihn nicht in Verlegenheit bringen.“ Doch in jenem Moment, wo er sich umdrehen will, hört er vom Bett her ein leises Schnaufen. Bettzeug raschelt, und er spürt eine leise Berührung an seinem sensiblen Rattenschwanz.

 

 

Es kostet Shredder unheimlich viel Kraft auch nur zu atmen, geschweige denn den kleinen Finger zu bewegen, und doch gelingt es ihm, seinen Arm auszustrecken und Splinters Schwanz zu streifen. Es ist nur der Hauch einer Berührung, aber es genügt, um Splinter innehalten zu lassen.

Er benötigt zwei Anläufe unter dem abwartenden Blick dieser dunklen Augen. Sekunden, in denen er sich nur zu gut an das Gefühl krallenbewehrter Hände auf seinem Körper erinnert, wie sie bei dem halfen, was er selbst nie zustande brachte.

Dankbarkeit und Verwirrung halten sich die Waage.

„Warum?“ gelingt es ihm endlich hervorzubringen. Auf japanisch. Sein Gehirn ist noch viel zu wattig, um etwas anderes als seine Muttersprache zu benutzen.

Seine Stimme ist kaum zu verstehen, so schwach ist sie.

Splinter mustert ihn einen Moment lang verdutzt, als verstünde er die Frage nicht, doch dann verziehen sich seine Mundwinkel zu einem sanften Lächeln.

„Weil ich niemals aufgehört habe, dein Sensei zu sein, und als solcher trage ich Verantwortung für meine Schüler. Das Band zwischen Sensei und Schüler ist sehr stark, vor allem, wenn man den alten Weg beschreitet, so wie ich.“ Behutsam nimmt er Shredders Hand zwischen seine und drückt sie einmal kurz. Er hofft, diese kleine Geste verrät seinem ehemaligen Schüler, was er selbst nicht in Worte zu kleiden vermag. Doch Shredders Gesicht und Augen bleiben völlig blank.

Splinter zögert, spricht es dann aber doch aus. In Englisch, weil das in dieser Sprache irgendwie viel leichter ist.

„Ich mag dich, Oroku Saki.“

Shredder starrt ihn einen Herzschlag lang nur an, dann schließt er die Augen und dreht den Kopf beiseite.

Splinter wartet, doch als klar wird, dass Shredder nichts darauf entgegnen wird, drückt er noch einmal dessen Hand und lässt sie dann langsam zurück auf die Bettdecke gleiten.

„Bilde dir nicht ein, dass ich keine Gegenleistung erwarte“, grinst die Ratte vergnügt. „Versprich mir bei deiner Ehre als Ninja, dass du meine Turtles in Zukunft etwas netter behandelst. Hör auf, aus ihnen Suppe oder Schaschlik machen zu wollen.“

Um Shredders Mundwinkel zuckt ein kleines, selbstironisches Lächeln, und er sieht ihn wieder an. Seine braunen Augen wirken lebendiger als noch vor einer Minute.

„Abgemacht, alter Mann.“ Das Sprechen in Englisch bereitet ihm sichtlich Mühe, doch er kämpft sich Wort für Wort durch, auch wenn es eine ganze Weile dauert. „Da mir das sowieso nie gelingen wird, wird es mir nicht schwerfallen, mich an dieses Versprechen zu halten.“

„Und...“ Splinter zieht eine betont vorwurfsvolle Miene, „... schick mir wenigstens mal eine Karte. Zum Sensei-Tag wär doch schon mal ein guter Anfang.“

„Ich weiß was Besseres“, mischt sich da Krang breit grinsend aus seiner Ecke plötzlich ein. „Machen wir ein Foto!“

 

 

Splinter drückt das Polaroid-Foto an seine Brust als wäre es ein kostbarer Schatz. Um seine Mundwinkel zuckt ein wehmütiges Lächeln, als er sich vor dem Portal noch einmal zu Shredder umdreht.

Dieser ist zwar noch etwas wacklig auf den Beinen, aber er hat den Weg in die Kommandozentrale bewältigt ohne sich auf einen seiner Mutanten zu stützen, die ihn vorsorglich flankiert haben und ihnen nun bescheiden den Raum für ihren Abschied lassen.

Noch ein letztes Mal lässt Splinter seinen Blick erst über Krang, der geduldig an den Kontrollen des Portals wartet und dann über die Mienen der beiden Mutanten gleiten, bevor er sich wieder dem Mann vor sich zuwendet.

„Du hast hier eine großartige Familie. Etwas speziell, aber großartig.“

„Das sagt genau der Richtige“, schmunzelt Shredder.

Splinter mustert ihn lächelnd, hebt die Hand und fährt ihm sanft durch das schwarze Haar, das er jetzt zu einem Zopf hochgebunden hat. Splinter fragt sich, ob er das zukünftig so lang lassen wird, zweifelt aber daran.

„Du hast ihnen große Sorgen bereitet.“

Als Shredder verlegen den Blick senkt, tritt Splinter noch näher an ihn heran, um ihm leise ins Ohr zu flüstern:

„Und mir auch, Saki-kun.“

Dieser zieht bei dieser vertrauten Anrede kurz und scharf den Atem ein, fasst sich aber schnell wieder.

„Danke“, ist alles, was ihm dazu einfällt.

Splinters Blick wird noch eindringlicher, aber er scheint zufrieden mit dem, was er in Shredders Miene liest, denn er hackt nicht weiter darauf herum und wechselt taktvoll das Thema.

„Denk an dein Versprechen.“

„Das ist hinfällig, wenn du ihnen auch nur ein Wort von heute erzählst.“

„Dann werde ich schweigen, so schwer mir das auch fällt.“ Schmunzelnd verschränkt Splinter die Arme vor dem Körper und verbeugt sich respektvoll.

Ikimasu, mein alter Freund.“

Shredder grinst daraufhin fast, entgegnet die Verbeugung und hebt dann noch zusätzlich die Hand, um ein kurzes Winken anzudeuten.

„Mata ne“, erwidert er und fügt dann, ganz leise und nur für Splinters scharfe Rattenohren bestimmt, hinzu:

Sensei.“

Das Portal flackert widerwillig auf, und Splinter beeilt sich, hindurchzuhuschen, bevor es überhaupt keine Energie mehr gibt.

Die Zurückgebliebenen starren, jeder in seine eigenen Gedanken versunken, noch sehr lange auf die letzten Funken, die nur langsam in der Luft ihr Leben aushauchen.

„Oookay“, meint Rocksteady dann in die beinahe andächtige Stille hinein, „aber eins kapier ich nicht: er hat ein Foto. Wie will er das den blöden Grünen erklären ohne ihnen von heute zu erzählen?“

Shredder verbeißt sich ein Lachen. „Gute Frage. Aber ich bin sicher, ihm fällt was ein.“

„Heißt das, wir dürfen die Panzerrücken weiter verhauen?“ will Rocksteady mit funkelnden Augen wissen.

„Oh Nasi, bist du blöd!“ Bebop gibt seinem Kumpel einen Stoß zwischen die Rippen, strahlt dabei aber Shredder an. „Es war nie die Rede davon, dass wir sie nicht weiterhin verprügeln dürfen. Unser Chefchen hat nur von sich gesprochen.“

„Von verprügeln als solchem war sowieso nie die Rede“, stellt Krang aus dem Hintergrund klar. Sein Grinsen entblößt wieder mal unheimlich viele scharfe, spitze Zähne. Und gleich noch ein paar mehr, als er seine Aufmerksamkeit auf Shredder richtet. Aber er sagt nichts. Er grinst nur. Und aus diesem Grinsen wird ganz, ganz langsam ein Lächeln.

„Saki-chan?“

„Ja?“

Unvermittelt lacht Krang auf und klatscht in seine Tentakel. „Wunderbar. Du hast reagiert. Dann kann ich dich ja ab sofort immer so nennen!“

Und mit diesen Worten macht er sich aus dem Staub, bevor Shredder nach dem erstbesten Gegenstand – in diesem Falle einen verloren herumstehenden Becher – greifen und ihm diesen hinterher werfen kann.

 

 


Nachwort zu diesem Kapitel:
 
Ikimasu: eigentlich unhöflich, denn korrekt heißt es "itte kimasu": ich gehe und komme wieder. Sagt man nur Ikimasu, bedeutet das, man hat nicht vor, wiederkommen.
Wer sagt denn, dass Splinter keinen Humor hat?
Mata ne: bis bald
sayounara sagt man ja wohl, wenn es nicht sicher ist, ob und wann man den anderen wiedersieht, und das fand ich hier jetzt nicht so passend...
 
 
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