School life von Jin13 ================================================================================ Kapitel 32: Brief ----------------- Ohne viele Worte ein neues Kapitel, das extra so kurz ist. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Chapter 32: Brief Die nächsten acht Wochen vergingen schneller, als ihm lieb war. Allerdings merkte er es kaum, da John ihm in der Schule beistand, ihm alles auf Japanisch übersetzte, damit er wenigstens nicht ganz den Anschluss verlor. Genau wie sein Englisch-Unterricht. Nur John wusste, dass er insgeheim alles lernte, was sie ihm gaben, egal in welchem Unterricht, aber nach außen hin verweigerte er alles. Er gab sich schlichtweg gleichgültig... Und das hatte Elisabeth schon einen Haufen Nerven gekostet! Seufzend rollte er sich aus dem Bett, streckte sich. Endlich wieder Samstag: keine Schule und kein Englisch-Unterricht. Und das Beste war ja, dass Elisabeth lange arbeiten musste, denn so konnte er zusammen mit John ausgehen – er wollte sich nicht betrinken, aber einfach mal raus kommen und anderen Leuten begegnen. Sich erneut ausgiebig streckend öffnete er sein Fenster, um die frische Luft zu genießen – das war wohl das, was er an London wirklich liebte: Im Gegensatz zu der stickigen, abgasverseuchten Luft in Tokyo war die Luft hier frisch und morgens genau richtig, um wach zu werden: feucht und kühl. Gähnend warf er einen Blick in den taunassen Garten, grinste so vor sich hin. Auch, wenn John und Elisabeth wirklich nett zu ihm waren und alles taten, damit es ihm gut ging, er wollte nach Hause. Und im Moment hatte er Elisabeth so weit, dass er es vielleicht schaffen könnte. Heute Abend, wenn er mit John unterwegs war, würde er zum finalen Schlag ausholen. Ruki hatte ihm noch nicht geantwortet, aber er wusste einfach, dass zumindest Ruki ihn wieder haben wollte! Plötzlich gellte ein Schrei durch das Haus und zwar ein Schrei von John nach ihm! Kurz darauf kam dieser auch schon in den Raum gestürmt. „Hier, für dich“, brüllte er beinahe, freute sich aber wirklich, während er ihm den Brief vor die Brust drückte. Verwirrt, aber hoffnungsvoll drehte er den Umschlag in seinen Händen – adressiert an John, aber der Absender... Ruki! Fast brutal riss er den Umschlag auf und zog die Blätter darin hervor. John schmunzelte, klopfte ihm auf die Schulter und verließ den Raum – dieser Moment sollte allein Reita gehören. Beinahe kraftlos ließ Reita sich auf die Fensterbank sinken, seine Hände zitterten, als er den Brief anhob, um ihn nun zu lesen. Unsicherheit machte sich in ihm breit und Tränen kamen ihm in die Augen, als er die ersten Zeilen las: „Hey Rei! Danke, dass du dich endlich gemeldet hast. Ich habe mich so gefreut... Ich vermisse dich. Auch Uruha und Aoi vermissen dich!“ Reita wischte sich über die Augen – er konnte beinahe seine Stimme hören, sah ihn vor sich, wie er zitternd den Brief schrieb. „Uns geht es gut soweit. Uruha kommt langsam mit seiner Krankheit klar, Aoi steht ihm bei, wo er nur kann. Sie sind ein wirklich süßes Pärchen. Aoi ist übrigens auch hier eingezogen und hilft jetzt auch in der Bar aus. Uruha beschränkt sich nur auf die Hausarbeit in unserer Wohnung. Kenji und Reiji kümmern sich um uns, sehen nach uns und helfen uns, wenn mal einer krank ist oder so. Sie sagen übrigens beide, dass sie dich zurückholen werden, wenn von dir ein Ton kommt, dass es dir schlecht geht. Und mir geht es auch gut. Ich gehe mit Yune aus, er ist wirklich nett zu mir und sagt, dass er mit mir zusammen sein möchte. Außerdem ist er Drummer und träumt davon, mal eine Band zu gründen. Mit mir als Sänger. Kannst du dir das vorstellen, Rei? Er sagt, ich singe super!“ Reita weinte, freute er sich so sehr, von dem Leben der anderen in den letzten beiden Monaten zu hören. Er vermisste sie. Er vermisste sie unendlich. Weinend, doch auch lächelnd drehte er das Blatt um, las weiter. „Aber ich weißt nicht, ob ich das kann. Er ist wirklich lieb zu mir und ich habe das Gefühl, was Besonderes zu sein. Aber ich habe immer noch Miyavi im Kopf... Ich bräuchte dich jetzt so dringend bei mir... Tut mir leid, du hast ja selbst genug Probleme im Moment. Aber du musst bald wieder nach Hause kommen. Egal wie. Wir brauchen dich hier wirklich.“ Reita glitten die Blätter aus der Hand, er schlug sie sich vor sein Gesicht und schluchzte leise. Er ertrug es jetzt schon nicht mehr, wie sollte er es ertragen, wenn Ruki ihm von Kai erzählte? Einige Minuten später, als er sich so weit beruhigt hatte, dass er wieder einigermaßen klar sehen konnte, hob er die Blätter wieder auf und las nach einem tiefen Luftholen weiter. „Natsumi geht es auch gut. Sie kommt auch oft her, um nach uns zu sehen. Auch sie vermisst dich, glaube ich, aber nur Aoi, Uruha, Kenji und Reiji habe ich von deinem Brief erzählt. Sie würde es nicht ertragen, denke ich. Sie hat es schwer, dass du nicht mehr da bist. ... Genau wie Kai.“ Beim bloßen Lesen von Kais Namen erzitterte er. „Kai geht es körperlich gut. Aber er ist sehr still geworden. Er lächelte nur noch selten und man kann in seinen Augen lesen, wie sehr er dich vermisst. Wie sehr er leidet... Und ich kann dich gut genug einschätzen, um zu wissen, dass es dir genauso geht. Bitte, Rei, wenn nicht unseretwillen, dann komme deinetwillen zurück. Und wegen Kai. Ihr beide geht langsam zugrunde!“ Reita lehnte die Stirn gegen das Fenster, schluckte schwer, atmete ein paar Mal tief ein und aus. Erst dann nahm er die letzte Seite. „Als Ausgleich hat Kai angefangen, Schlagzeugunterricht zu nehmen. Er hat unglaublich viel Taktgefühl, aber er ist nicht so richtig bei der Sache. Komm schnell wieder heim, Rei! Wir vermissen dich. Und wir lieben dich! Ruki PS: Der HIV-Test war bei uns allen negativ, sogar bei Aoi! Denk daran, auch noch einen zu machen, ja?“ Erneut fielen Reita die Blätter aus der Hand, er rutschte von der Fensterbank und sank auf dem Boden zusammen. Die Hände vor dem Gesicht zusammengeschlagen, weinte er stumm vor sich hin. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)