Tim Burtons - Alice im Wunderland 2 von Clarice (*~*Der Erbe der weißen Königin*~*) ================================================================================ Kapitel 1: Heimgekehrt ---------------------- “Fahr wohl,... Alice!”, hauchte die Stimme sanft an ihr Ohr und verschwand mit einem seichten Lächeln vor ihren Augen. Seine in den ihren versunken. Und dies tat sie. Nachdem alle Fragen in ihrer Welt beantwortet geglaubt waren, war aus dem jungen Mädchen, von einst Neunzehn, eine schöne erwachsene neunundzwanzigjährige Frau geworden. Doch Alice vergaß das Wunderland erneut und damit auch ihr Versprechen, das sie einer wertvollen Person ihres Herzens einst gab. Wieder war es nur ein Traum, den sie ihrer Kindheit zuschrieb. Zu sehr nahm sie die Welt der Menschen, des Alltags wieder ein. Auch ihr nun geflügelter Gefährte konnte dies nicht verhindern. Was dazu führte, das sie ihn bald nur noch als das ansah, was er war, eine blauer einfacher Schmetterling. Lord Ascot hatte seine Entscheidung Alice` Vorschlag, nach China zu exportieren nie bereut. Und sie nicht, bei ihm in die Lehre gegangen zu sein und darauf folgend seine Teilhaberin zu werden. Im Gegenteil. Kein Unternehmen vor ihnen hatte es je gewagt diesen Schritt zu unternehmen und kein anderes konnte zugleich von sich behaupten damit marktführend geworden zu sein. K&A - Kingsleigh und Ascot, war aus dem Land der aufgehenden Sonne nicht mehr wegzudenken und auch in Europa dachte man nicht anders. Ihr Vater wäre sicher sehr stolz auf sie gewesen. Ebenso wie ihre Mutter. Dies wusste sie. Doch nicht nur das hatte sich in ihrem Leben geändert. Das Geheimnis um ihren Schwager hütend, lernte sie durch ihn den zwei Jahre älteren Michael Cromwell kennen. Er war ein alter Schulfreund von Lowell gewesen und stammte ursprünglich aus Schottland. Margaret riet ihrer Schwester sehr dazu, sich diesem talentierten, angehenden Rechtsanwalt nicht aus den Fingern gleiten zu lassen. In Alice Augen natürlich rein geschäftlich. Allerdings war die Zeit in der Lage Dinge zu ändern. Zehn Jahre waren nun schon vergangen. Zehn Jahre ohne ihre Heimat England wieder gesehen zu haben. Bis zum heutigen Tag. Kaum das die Planke den Steg des Hafens, den sie einst verließ, berührt hatte, huschten ein paar flinke Füße über das Holz. “Da bist du ja endlich! Wie sehr habe ich dich vermisst!” “Oh Margaret... Endlich!” “Alice!”, fing Margaret ihre kleine Schwester, die sich ihr in die Arme warf, sogleich auf, drückte sie fest an sich und drehte sich in einer halben Drehung mit ihr. “Ich kann es kaum glauben... Meine kleine Schwester, eine der reichsten Frauen Englands...”, lächelte die Ältere freudig und stolz. “Ist das denn so wichtig? Bin ich denn dadurch nicht mehr die selbe?!”, entgegnete die Kleine daraufhin. Das Lächeln hielt. “Aber natürlich! Oder,... nein! Du bist noch bezaubernder und wie du strahlst... Und das liegt sicher nicht nur an deinem Erfolg, nehme ich an?” Verlegen wich die Blonde dem Blick ihrer Schwester kurz aus. “Vielleicht...?! Wer weiß das schon?” “Nun ich sollte dies!”, ertönte eine tiefere Stimme aus dem Hintergrund. “Michael. Ja, aber sicher solltest du dies.”, wandte sich Alice kurz um. Der junge Mann betrat ebenso über die Planke das sichere Festland und lächelte den beiden Frauen entgegen. “Margaret” begrüßte er höflich und mit einem dezenten Handkuss ihren Empfang. “Ich freue mich dich zu sehen, Michael.” “Die Freude ist ganz auf meiner Seite, aber sag, wo ist Lowell? Ich bin überrascht... Er wusste doch sicher wann unser Schiff ankommen sollte, oder etwa nicht?” Diese Frage hatte sich auch Alice gestellt, doch war Michael schneller gewesen. Wobei sie es nicht wirklich bedauerte, dass er nicht anwesend war. Jedoch hielt sie es für besser, es nicht offenkundig zu machen. “Ja, er wusste es und er hat es auch nicht vergessen. Aber du kennst das ja... Die Arbeit gönnt einem kaum eine Pause. Wer seine Klienten halten will, muss sich auch um sie kümmern”, klärte Margaret auf. “Ja, das kenne ich nur zu gut”, nickte Michael. Ein flüchtiges Lächeln wanderte von dem jungen Mann zu ihrer Schwester, bevor Margaret sprach: “Aber lasst uns nach Hause... Wir wollen ja nicht ewig hier stehen, oder? London hat zu lange auf euch gewartet und das Essen wartet ebenfalls” Man ließ sich nicht zwei Mal bitten und bestieg die Kutsche, die bereit gestanden hatte. Trotz der langen Zeit der Abwesenheit verlief die Fahrt recht still. Es war nicht so, das Margaret nicht um die Ereignisse ihrer Schwester gewusst hätte. So oft sie konnten, schrieben sie sich Briefe. Alice erzählte ihr von all dem märchenhaften, dem exotischen was sie auf ihren Reisen gesehen hatte. Und doch schienen diese Briefe, egal wie herzlich sie geschrieben und ganz gleich wie detailliert sie ausgeführt worden waren, immer noch ein gewissen Geheimnis in sich zu bergen. Das Haus der Manchester´s befand sich nicht direkt im Stadtzentrum und bot einen erfrischenden ländlichen Blick. Gern wäre Alice gänzlich nach Hause gefahren, doch seit ein paar Jahren stand das Haus ihrer Kindheit leer. Margaret hatte sie schriftlich davon in Kenntnis gesetzt. Es geschah an einem Sonntagabend. Mrs. Kingsleigh war ruhig eingeschlafen. Nicht weiter an derartige traurige Dinge denkend, errichten die Drei endlich das Anwesen. Es war ein ansehnliches, kleines und elegantes Familienhaus, das viel Platz beinhaltete. Es war nicht schwer zu erkennen, das Lowell seine Klienten gut zur Seite stand. Leider traf dieser erst am späten Abend ein, sodass man das Essen verschieben musste. Michael war dem nicht böse und begrüßte seinen Freund aufrichtig. So wie dieser es mit ihm auch tat. Alice Freude hielt sich in Grenzen, doch sie wahrte die Form und lächelte. Nachdem man endlich zu Tisch gegangen war, traf man sich zum Abschluss dieses feierlichen Tages im großen Salon für einen kleinen Schlaftrunk. Natürlich waren Lowell und Margaret zu neugierig, um nicht nachzufragen, wie es denn nun um ihre Schwester und dem angehenden Anwalt stand. Man zögerte etwas, gestand es dann dennoch ein und gab bekannt das sie .bereits seit drei Wochen verlobt seinen. Alice hatte sich an Margarets Wort erinnert, die sie ihr damals auf dem Anwesen der Ascots gesagt hatte: “Dein hübsches Gesicht bleibt dir nicht ewig.” Schließlich hatte sie ja bereits einen Lord abgewiesen. Mit dieser Ankündigung wurde die Freude des heutigen Tages zu ihrem Höhepunkt gebracht. Wie sehr sich Margaret freute. Endlich sollte ihre kleine Schwester abgesichert sein und das nicht geschäftlich oder geldlich gesehen. Sie hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass Alice jemals einen anständigen und soliden Mann finden würde. Gegen dreiundzwanzig Uhr abends löste die Gruppe sich auf und ging zu Bett. Margaret brachte ihre Schwester persönlich in ihr Zimmer, das mit kleinen Erinnerungen aus ihrer Kindheit geschmückt war, die sie an sich genommen hatte, als man ihr Elternhaus schloss und leer räumte. Kurz nachdem Alice diesen Raum betrat, spürte sie eine vertraute Atmosphäre. Bilder aus ihrem Zimmer, ihr Bett, ein paar andere Möbel, ihre Stofftiere und andere so sehr geliebte Andenken. “Es ist fast wie Zuhause...”, seufzte sie. “Ja. Und dennoch ist es anders, nicht wahr?”, äußerte ihre große Schwester. Alice lächelte milde. “So scheint es nun mal... Aber uns bleiben Erinnerungen...” “Ja, wir dürfen sie nur nicht vergessen...”, nickte Margaret kurz. Langsam trat Alice zu einer Kommode. Kleine Figuren zierten diese. Ihr Blick wanderte über jede einzelne. Ein weißes Kaninchen, eine kleine blaue Raupe. Spielkarten mit roten Rosen bedruckt und ein etwas skurriler Miniaturzylinder, der jedoch farblos war. Und genau auf diesem Zylinder haftete ihr Augenmerk. Ein seltsames Gefühl kroch in ihr hoch, je länger sie diesen ansah. //Vergessen...// “Ich wusste, das du sie gleich entdecken würdest...”, riss ihre Schwester Alice aus ihren Gedanken. Kurz blinzelte die blonde Frau und wandte sich wieder um. “Wie könnte ich nicht? Vater ließ sie für mich machen... Ich hatte doch damals immer diesen... Diesen Traum...”, kam es leiser werdend. “Ja, ich erinnere mich... Mutter sorgte sich ja ebenso um dich was diesen Traum betraf. Hast du ihn immer noch?” “Nein... je weiter ich von hier fortfuhr, desto weniger war er da... Und als er ganz verschwand, habe ich nie wieder einen Traum gehabt.”, antwortete sie bedauernd als würde es danach klingen, als wünschte sie sich diesen Traum zurück. Margaret seufzte leise. “Ach Alice... Du wirst bestimmt wieder träumen. Nun bist du Zuhause.” //Zuhause...//, schoss es ihr wieder durch den Kopf. “Ja, aber was ist wenn er zurückkehrt? Haben die meisten nicht verschiedene Träume?” Mrs. Manchester atmete erneut schwer und unwissend aus. “Ich weiß es nicht. Aber nun solltest du schlafen... Mach dir nicht so viele Gedanken, ja? Ruh dich aus und morgen wird alles ganz anders aussehen, da bin ich mir sicher”, kam es nun wieder aufmunternd. Auch Alice konnte sich ein Seufzen nicht unterdrücken. “Ja, du hast sicher Recht.” Kurz strich Margaret ihrer Kleinen über die Wange und verließ dann das Zimmer. Alice sah ihr nach und verweilte auf ihrer Position mit dem Gesicht Richtung Tür gewandt. Auch als sich diese schon längst geschlossen hatte. “Ich weiß es nicht”, schallte es in ihren Ohren. Die selbe Antwort gab ihr ihre Mutter damals auch. Doch Margaret hatte Recht. Sie sollte sich etwas hinlegen. So folgte sie dem Rat. Alice löschte das Licht und schloss ihre Augen, wobei sie sich in die Federn kuschelte. Es wurde still. Die Schatten der Nacht breiteten sich über das Zimmer aus als der Mond sich am Firmament erhob. Plötzlich ertönten Stimmen. Sie waren leise und glichen einem Lachen in weiter Ferne. Der Wind rauschte zusätzlich und es schien als säuselte er: “Alice ist zurück. Alice ist zurück.” Immer und immer wieder. Schneller und schneller. Der Schatten zog sich weiter über ihr Bett. Breit und lang gezogen. In einer Form nur allzu bekannt, die sich jedoch verzerrte je näher sie dem Bett kam. Alice, die bereits eingeschlafen war, wurde unruhig und wendete sich von der einen Seite auf die andere. Die Stimmen wurden lauter. Hektischer und deutlicher. “Alice!”, erklang es nun laut und klar. Dabei sanft und sehnsüchtig. Sofort erwachte sie und schreckte hoch. “Was?” Mit rasendem Herzen, atmete sie erschrocken ein und aus. Die Decke an sich pressend, sah sie sich um. Der Schatten war verschwunden, die Stille war zurück. “Beruhige dich Alice... Es darf nicht wieder beginnen... Du bildest dir das nun nur ein.” Der Schlag ihres Herzen war immens angestiegen und verursachte Alice augenblicklich ein ungutes Gefühl. Ein schwerer Seufzer entfloh ihr. Sie bettete sich selbst wieder und schloss ein weiteres Mal ihre Augen. In der Hoffnung das dies nicht noch einmal geschehen würde. Und dies sollte für diese Nacht auch erst einmal so bleiben. Am nächsten Morgen, schien von dieser seltsamen Nacht nichts übrig. Alice hatte beschlossen ihrer Schwester davon nichts zu erzählen, um sie nicht zu beunruhigen. Nach dem Frühstück wollte sie einen Spaziergang durch die kleinen Straßen Londons tätigen. Zu lange war dies her, als sie sie das letzte Mal durchschlendert hatte. Adrett gekleidet in einem hellblauen hoch geknöpften Kleid, das Haar fein hochgesteckt, begann sie ihren Weg. Neugierig und wissensdurstig wie als kleines Mädchen wandelte sie durch die kleinen Gassen, vorbei an vielen verschiedenen Läden und ihren Auslagen. Ein paar neue Gesichter begegneten ihr, aber auch altbekannte. Vorbei an einer Bücherei und einer Bäckerei, hielt sie neugierig an einem ihr unbekannten Hutgeschäft an. Interessiert betrachtete sie die Modelle hinter der Scheibe. War es die neuste Mode aus Paris? Ihr Blick schweifte und fiel auf einen alten Zylinder in der hinteren rechten Ecke. Er war nicht so schön und neu wie die anderen. Dunkelgrün mit einem Hauch vermodertem Rot. Mit goldenen Netzstickereien überzogen, umwickelt mit einem blass rotem Satinband. Bestückt mit Nadeln, einer Pfaunenfeder und einem angekockelten Zettel an der Seite, auf dem 10/6 geschrieben stand. Dabei war er sogar größer als es ein normaler Zylinder sein sollte. Alice zog die Stirn nachdenklich zusammen und legte dabei den Kopf ein wenig schief.//10/6...?// Sie war der Meinung dieses Gut schon einmal gesehen zu haben. Aber woher? Eine Leere machte sich darauf in ihr breit. Es war als fehlte ihr etwas, desto länger sie den Hut betrachtete. Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr jedoch nicht, durch eine unerwartete Geräuschkulisse unmittelbar in ihrer Nähe, die sich auf der Straße, durch einen umgestürzten Pferdekarren ereignete, wurde sie wach gerüttelt. Durch die Szenerie abgelenkt gewesen, blickte Alice zurück in das Schaufenster. Der Hut war nicht mehr zu sehen. Wieder stutzte sie, zuckte dann jedoch mit den Schultern. So nahm sie ihren Weg wieder auf. Der Himmel, der erst so strahlend blau wie ihr Kleid war, begann sich zu verdunkeln. Sollte es zu regnen beginnen? Er verfinsterte sich so rasch, das es einer Abenddämmerung glich. Allerdings machte sich Alice nichts daraus. Das war eben das typische launische Spiel des englischen Wetters. Es handele sich sicher nur um einen Frühlingsregen. Die Straße neigte sich zu einer Abzweigung. In der einen Richtung führte sich die Lebhaftigkeit der vorigen Straße fort. Die andere wirkte leer und verlassen. Durch die aufgekommene Dunkelheit, sah sie, wie sich Schatten über die leeren Steine der stillen Straße zogen. Sie formten sich. Alice kniff ein wenig die Augen zusammen um genauer zu erfassen, was dort vor ihr geschah. Wieder klangen im Wind Stimmen des Gelächters. Leise und geheimnisvoll. Diese Atmosphäre kannte sie. Es war dieselbe wie gestern Nacht in ihrem `Traum`. Wachsam weiter auf den Schatten starrend, erfasste sie, wie dieser sich zu der Gestallt des Gegenstandes bildete, den sie noch wenige Augenblicke zuvor in diesem Schaufenster gesehen hatte. Aus Angst, sie höre wieder ihren Namen aus dem Nichts, wandte sie ihren Blick sogleich ab und entschied sich in die heller Richtung der Abbiegungen zu gehen. Was hatte dies nur alles zu bedeuten? Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)